Elbschlosskeller
Описание книги
Seit seinem 18. Lebensjahr steht Daniel Schmidt, 33, in Hamburg-St. Pauli als Wirt hinterm Tresen. Und zwar in zweiter Generation. Nichts anderes wollte er jemals werden.
Der Elbschlosskeller, direkt gegenüber vom «Goldenen Handschuh», ist seit über 50 Jahren ununterbrochen geöffnet und gilt als härteste Kneipe Deutschlands. Hier gehen Obdachlose, Prostituierte, gestrandete Existenzen, aber auch Millionäre, Sozialpädagogen oder Anwälte ein und aus. Einzigartige Schicksale, Dramen und Tragödien spielen sich ab. Eine düstere, faszinierende Parallelwelt, in der sich nicht nur traurige, sondern auch viele schöne, weil zutiefst menschliche Momente abspielen.
"Die Menschen kommen zu uns, damit sie sie selbst sein können", sagt Daniel Schmidt, der nahezu täglich Extremsituationen erlebt – oft, aber nicht immer wird er damit fertig. Von seinem unglaublichen Leben erzählt er brutal ehrlich, überraschend reflektiert und mit ganz viel Empathie.
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Daniel Schmidt. Elbschlosskeller
Vier Stufen
Letzte Station, letzter Halt
Mein Leben ist eine Acht
Eine schrecklich nette Familie
Ich war ein Arschlochkind
Die weiße Hexe
Die Familie zerbricht
Mein erstes Mal im Elbschlosskeller
Rettung in Amerika
Die Tragödie meiner Schwester
Sündige Jugend
Die Selbstzerstörung
(Alp)Traumjob Lude
Ab jetzt bin ich der Chef
Körperkunst
Kiezgören wie wir…
Liebesglück im Elbschlosskeller
Fast alles verloren
Für mich sind alle gleich
Die Gewalt nimmt zu
Hooligans
Was ist schon normal?
Die Chronistin des Elbschlosskellers
Das Beste zum Schluss
Dank
Inhalt
Отрывок из книги
Für meine Schwester
und meinen Patenonkel
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Die Geschichte des Elbschlosskellers ist untrennbar mit der Geschichte meiner Familie verbunden. Als ich ein Kind war, sagte meine Mutter: „Wenn dein Vater mal ein Buch über den Elbschlosskeller schreibt, das wird ein Bestseller.“ Ohne zu wissen, was ein Bestseller ist und was es bedeutet, ein Buch zu schreiben, sagte ich: „Mama, ich schreibe eins, wenn ich groß bin.“ Meine Mutter lächelte und meinte: „Ja, du schaffst das, aber nur, wenn du auch daran glaubst.“ So war sie immer. Ein optimistischer Mensch, sehr lebensbejahend. Bis sie krank wurde und ihre Psychosen einsetzten. Aber damals hatte sie ein besonderes Funkeln in ihren Augen und strahlte eine Energie aus, die mich glücklich machte.
Von klein auf war mir klar, dass es bei uns zu Hause anders zuging als in anderen Familien. Ganz deutlich spürte ich das, wenn ich Schulfreunde besuchte. Wir wohnten in einem schönen Hamburger Vorort, aber das Rotlichtviertel von St. Pauli, die Reeperbahn, wo meine Eltern ihr Geld verdienten, war nicht zu leugnen. Wir fielen auf. Allen voran mein Vater. Er war eine echte Erscheinung. Von seiner Optik, den Klamotten, der Frisur, von seinem ganzen Gehabe her. Ich war fünf Jahre alt, als er sich einen Opel Lotus zulegte. Schwarz mit gelben Highlights, Ledersitzen, einem kleinen Lenkrad, Highend-Ausstattung. „Das ist die schnellste Limousine der Welt“, sagte mein Papa, und das war sie auch. Wenn der Opel Lotus vor unserem Haus parkte, kamen die Leute von der anderen Straßenseite rüber und begafften ihn neugierig. Im Kindergarten prahlte ich damit: „Wir fahren die schnellste Limo der Welt!“ So hatte ich es ja aufgeschnappt, aber keiner wollte mir glauben. Die Kindergärtnerin sagte, ich solle mal aufhören, solche Märchen zu erzählen. Als meine Mutter mich abholte, bestürmte ich sie: „Mama, Mama, sag, dass ich nicht spinne.“ Und sie bestätigte: „Ja, unser Auto fährt wirklich so schnell.“ Mit stolzgeschwellter Brust stand ich da, hatte es allen gezeigt. Es war ein geiles Gefühl, zum ersten Mal im Leben hatte ich dicke Eier.
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