Sonderbehandlung

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Filip Müller. Sonderbehandlung
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Inhalt
Grußwort des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, und des Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, Dr. Felix Klein für die Neuauflage des Buches »Sonderbehandlung« von Filip Müller
Sonderbehandlung
Zum ersten Mal in der Gaskammer
Die neuen Todesfabriken
Die Tragödie des Familienlagers
Das Inferno
Anhang. Filip Müllers Zeugenschaft und die Herausforderung ihrer literarischen Darstellung
Anmerkungen
Biografische Angaben zu ausgewählten im Buch erwähnten ehemaligen Sonderkommando-Häftlingen
Biografische Angaben zu ausgewählten im Buch erwähnten ehemaligen SS-Angehörigen
Abbildungen
Informationen zum Autor
Informationen zum Buch
Отрывок из книги
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Innentitel
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Als der Sanitätswagen anhielt, riß ein SS-Mann die Tür auf und befahl uns auszusteigen. Wir setzten uns auf die Erde, während die SS-Leute um uns herumstanden. Neben dem in der Nähe aufgeworfenen Lehm tuckerte eine Motorpumpe. Aus mehreren Schläuchen ergoß sich Wasser auf die umliegenden Felder. Hinter der Lehmaufschüttung war unschwer die Grube zu erkennen, in die wir während der vergangenen Nacht die Leichen geworfen hatten.
Aus den Blicken, die wir uns gegenseitig zuwarfen, sprach Angst. SS-Männer in hohen Gummistiefeln hantierten an den Pumpen herum. Einige schraubten Dichtungen fest und verlegten Schläuche, andere standen breitbeinig auf dem aufgeworfenen Lehmdamm und beugten sich immer wieder, die Hände in die Hüften gestemmt, über den Rand der Grube, um den Pegelstand des Wassers auf dem Grund der Grube zu beobachten. Ein Uneingeweihter hätte sie vielleicht für Feuerwehrleute oder für Fischer halten können, die gerade einen Teich abließen. Mir war klar, daß uns nichts Gutes erwartete, wenn die Motoren der Pumpe abgeschaltet und das Wasser aus der Grube abgesaugt sein würde. Vielleicht würden wir am Ende selbst die oberste Schicht der Toten in der Grube bilden. Wieder überkam mich jenes beklemmende Gefühl der Angst, gegen das ich nichts tun konnte. Ich suchte nach irgend etwas, was mich hätte beruhigen können. Ich rief mir bedeutende und vorbildliche Menschen ins Gedächtnis, die auch hatten sterben müssen, und dachte daran, daß es vor dem Tod kein Entrinnen gab. Die lähmende Untätigkeit brachte mich auch auf den Gedanken, daß der Tod zwangsläufig Teil des Lebens eines jeden Menschen sei und irgendwann einmal eintreten müsse. Solche Erwägungen vermochten jedoch meine Angst nicht zu verdrängen. Daß ich unter ihr litt, bewies eigentlich nur, daß immer noch ein unbeugsamer Lebenswille in mir steckte.
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