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<FictionBook xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink" xmlns:fb3d="http://www.fictionbook.org/FictionBook3/description" xmlns:fb3b="http://www.fictionbook.org/FictionBook3/body" xmlns:ltr="LTR" xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0"><description><title-info><genre>unrecognised</genre><author><first-name>Jörg</first-name><last-name>Böckem</last-name><id>d3646d2f-899c-11ea-9063-0cc47a5f1565</id></author><author><first-name>Bernd</first-name><last-name>Thränhardt</last-name><id>29f46e02-92b9-11eb-aef3-0cc47a5f3f85</id></author><book-title>Ausgesoffen</book-title><annotation><p>Im Dauerrausch von Alkohol und Kokain bewegt sich Bernd Thränhardt in der Welt der Reichen und Schönen. Ein Leben auf der Überholspur – bis er ganz unten landet. Als erfolgreicher Filmemacher hat er einen 17-Stunden-Tag und steht ständig unter Strom, sein Alltag wird beherrscht von Genusssucht und der Gier nach immer intensiverem Leben. Der Alkohol wird zum Seelentröster, entspannt und euphorisiert zugleich. Für eine TV-Dokumentation begleitet er Boris Becker ein Jahr lang um den Globus. Sein Leben kippt in die Sucht. Thränhardt wird zum Grenzgänger: ausschweifende Partys, Premierenfeiern, durchsoffene Nächte, Escort-Service, Kokainziehen auf der Toilette. Er verliert seine Würde und Selbstachtung, mit 2,5 Promille checkt er schließlich in einer Privatklinik zur stationären Entgiftung ein. Weitere Rückfälle folgen, bis er einsieht: »Ich muss mein Leben komplett ändern.« Ein Buch über Größenwahn und Versagensängste, über Abstürze, zerstörte Beziehungen und Lügen; über schmerzhafte Aufrichtigkeit und die Suche nach einem neuen Leben.</p></annotation><coverpage><image l:href="#cover.jpg"/></coverpage><lang>de</lang></title-info><document-info><author><nickname>Аноним</nickname></author><program-used>XPortal::Pages::EditorWorkplace</program-used><date value="2021-04-01">01.04.2021</date><id>28ab0e4b-92b9-11eb-aef3-0cc47a5f3f85</id><version>1.0</version></document-info><custom-info info-type="fb3d:fb3-description/fb3d:title/fb3d:sub">Mein Weg aus der Sucht</custom-info></description><body><section>
    <p>
      
    </p>
  </section><section>
    <p>© 2021 – e-book-Ausgabe</p><p> RHEIN-MOSEL-VERLAG</p><p> Zell/Mosel</p><p> Brandenburg 17, D-56856 Zell/Mosel</p><p> Tel 06542/5151 Fax 06542/61158</p><p> Alle Rechte vorbehalten</p><p> ISBN 978-3-89801-910-1</p><p> Ausstattung: Stefanie Thur</p>
    <p>Originalausgabe</p><p> © 2013</p><p> Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin</p>
  </section><section>
    <title>
      <p>Bernd Thränhardt</p>
      <p>mit Jörg Böckem</p>
    </title>
    <p>Ausgesoffen</p>
    <p>Mein Weg aus der Sucht</p>
    <p>Zum Schutz von Personen wurden Namen, Biographien und Orte zum Teil verändert und Handlungen, Ereignisse und Situationen an manchen Stellen abgewandelt.</p>
    <p>Rhein-Mosel-Verlag</p>
  </section><section>
    <p>
      <emphasis>Für meine Eltern</emphasis>
    </p>
  </section><section>
    <p>»Der Schlüssel zu einem erfüllten Leben liegt darin,</p>
    <p>das Unumgängliche zu wollen und dann das Gewollte</p>
    <p>zu lieben.«</p>
    <p>Friedrich Nietzsche</p>
  </section><section>
    <p>Geleitwort</p><p> Dr. Jarmila Mahlmeister</p>
    <p>»Ausgesoffen«. Dieser Titel ist, wie das Buch und sein Autor Bernd Thränhardt, schonungslos ehrlich, authentisch und direkt. Die Biografie eines Menschen mit einer Suchterkrankung; alle Facetten, alle Farben, Höhen und Tiefen werden auf eine beeindruckende Art und Weise dargestellt. Der Leser wird von der ersten Minute an gefesselt. Man möchte das Buch an manchen Stellen weglegen und nicht weiterlesen, weil man beschämt ist, Fassungslosigkeit, Angst oder sogar Ekel hoch kommen. Und man liest trotzdem weiter. Man will wissen, wie es weitergeht, woraus dieser Mensch, so am Boden liegend, den Mut gefasst hat wieder aufzustehen, weiter zu leben, immer wieder von vorne anzufangen, um schließlich dort zu stehen, wo er heute steht …</p>
    <p>Er ist ein leuchtendes Vorbild für viele Menschen mit dieser Erkrankung!</p>
    <p>Ich selbst befasse mich seit fast 20 Jahren mit Suchterkrankungen. Die Geschichte von Herrn Thränhardt ist keine Seltenheit, ganz im Gegenteil. Sucht ist eine Erkrankung, die mit Fallen und Aufstehen einhergeht. Sie ist zerstörerisch, kennt weder Gnade noch Respekt vor Alter, Geschlecht, Status oder Wissen. Sie ist somit eine sehr faire Erkrankung: Niemand ist vor ihr geschützt. Man wird sie auch nie ganz los, aber man kann, wenn man einiges richtig macht, sehr gut und zufrieden mit ihr leben. Um dahin zu gelangen, hat Herr Thränhardt, wie alle unsere Patienten, sehr viel Lehrgeld bezahlt, aber am Ende hat er seinen Weg in die Abstinenz gefunden. Sein Weg bestand darin, Lebensinhalte zu suchen und zu finden, die ihm Halt gaben, Struktur im Alltag verliehen und damit verbunden kleine Erfolge, die wiederum Kraft gaben, es erneut zu versuchen. Ein sehr wichtiger Baustein in diesem Zusammenhang war neben seiner Familie seine Selbsthilfegruppe. Eine Gruppe von Menschen, die das gleiche Schicksal erlitten hatten, mitfühlten, Tipps geben konnten und im Notfall für ihn da waren. Menschen, die ihm als Betroffene Wissen über die Erkrankung vermittelten. Diese Erkrankung ist sehr komplex, deshalb ist das Wissen um die Zusammenhänge von Körper, Geist und Seele im Hier und Jetzt und in der Vergangenheit des Betroffenen von großer Bedeutung.</p>
    <p>Diese Art der Unterstützung erfährt man als Erkrankte nicht ausschließlich in Selbsthilfegruppen, sondern auch in Kliniken, die sich auf Suchterkrankungen spezialisiert haben. In Deutschland gibt es viele Kliniken, die sich seit Jahren mit dieser Erkrankung befassen und somit eine zentrale Rolle in dem Prozess der Begleitung von Suchtpatienten spielen. Diese Kliniken erfüllen neben der Wissensvermittlung eine weitere Funktion in der Behandlung des Patienten. Sie nehmen die Patienten auf zur Entgiftung und/oder Entwöhnung des Patienten. Das bedeutet, dass der Patient »stofffrei« gemacht wird, um dann in einer zweiten Phase die notwendige therapeutische Begleitung unter geschützten Bedingungen einer Klinik zu erfahren.</p>
    <p>Zunächst möchte ich die Frage aufrufen: »Warum eigentlich stationär entgiften? Geht es auch nicht ambulant?« Die Antwort ist so komplex wie die Erkrankung selbst. Es hängt unter anderem davon ab, von welchem Stoff man abhängig ist, ob eine ambulante Entgiftung medizinisch zu verantworten sei. Zum Beispiel ist die Entgiftung von Opiaten medizinisch problemlos, damit meine ich nicht gefährlich, durchführbar im ambulanten Bereich. Eine Entgiftung von Alkohol oder Benzodiazepinen (Schlaftabletten) hingegen, kann in den ersten Tagen des Entzuges zu tödlichen Komplikationen, wie einen epileptischen Anfall führen. Eine Empfehlung diese im ambulanten Bereich durchzuführen, kann ich somit auf gar keinen Fall, ohne strenge medizinische Begleitung, aussprechen.</p>
    <p>Auch Herr Thränhardt hat im Laufe seiner Erkrankung die verschiedenen Formen der Versorgung in Suchtkliniken, mit deren unterschiedlichen Strukturen, Vor- und Nachteilen erfahren dürfen und in treffender Art und Weise in seinem Buch dargestellt.</p>
    <p>Ein weiterer sehr wichtiger Baustein in der Versorgung und somit Unterstützung von Suchtpatienten ist, neben dem stationären Bereich, die ambulante medizinische und therapeutische Betreuung. Die erste medizinische Versorgung wird in der Regel durch den Hausarzt sichergestellt. Bei Komplikationen oder Begleiterkrankungen kommen dann u.a. Internisten, Neurologen oder Psychiater ins Spiel. Auch Tageskliniken oder Substitutionspraxen sind ein wichtiger Bestandteil des Suchthilfesystems. Für die therapeutische Betreuung bietet das System eine Fülle von wertvoller Unterstützung. Psychiater, Psychologen, Heilpraktiker mit psychotherapeutischer Ausbildung, Suchttherapeuten, Coaches usw. bieten auf sehr unterschiedlicher Weise Ihre Hilfe an.</p>
    <p>An der Stelle sind mir zwei Bemerkungen sehr wichtig. Zum Einen gibt es nicht <emphasis>den</emphasis> richtigen oder falschen Therapeuten. Jeder Patient muss seinen Weg gehen und den für ihn unterstützenden Therapeuten suchen und finden.</p>
    <p>… Wer heilt hat Recht …</p>
    <p>Es ist wichtig, wie die verschiedenen Elemente des Suchthilfesystems, zum Wohle des Patienten, miteinander zusammenzuarbeiten. Es ist z. B. sehr wichtig für den Betroffenen nahtlos, mit guter Übergabe vom stationären in den ambulanten Bereich übergehen zu können und umgekehrt. Hierzu braucht es eine gute Kommunikation, Koordination und Verständnis von den verschiedenen Helfern untereinander. Die Zusammenarbeit von Ärzten, Therapeuten und Gruppenbegleitern wird im Idealfall zu einem Auffangnetz für die Betroffenen, das dem Patienten hilft, seinen Weg in ein abstinentes Leben zu gehen.</p>
    <p>Deshalb freue ich mich jedes Mal, wenn ein Anruf in unsere Klinik von Herrn Thränhardt kommt und er um unsere Hilfe für einen seiner Patienten bittet. Genauso gerne tätige ich den Rückruf nach vollbrachter Entgiftung und begonnener Entwöhnung, um den Patienten in seine Obhut zurück zu geben.</p>
    <p>Und mit der gleichen Freude bin ich deshalb der Bitte diesen Prolog des Buches von diesem langjährigen Kooperationspartner unserer Klinik zu schreiben, nachgekommen.</p>
    <p>Dieses Buch macht Mut, trotz und wegen der schonungslosen Ehrlichkeit womit diese schwere, chronische Erkrankung dargeboten wird.</p>
    <p>Bad Brückenau, den 18.02.2021</p>
    <p>Dr. Jarmila Mahlmeister</p>
    <p>Chefärztin der</p>
    <p>My Way Betty Ford Klinik</p>
  </section><section>
    <p>Geleitwort</p><p> Professor Dr. med. Markus Backmund</p>
    <p>Bernd Thränhardt rief mich Ende letzten Jahres an und bat mich um ein Geleitwort für dieses Buch. Es gibt nur wenige Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen und sich zu ihrer Suchtkrankheit offen bekennen und damit einen wichtigen Schritt für alle Betroffenen gehen, ihre Angst und Scham vor dem Eingeständnis ihrer Krankheit zu überwinden. Jörg Böckem hatte ich bereits in den 1990er Jahren auf einer Veranstaltung für suchtkranke Menschen kennengelernt. Prominente Menschen, die sich in die Mitte der Suchtkranken stellen, setzen ein unüberseh- und hörbares Signal, die kranken Menschen aus der Schmuddelecke, in die sie immer wieder gestellt werden, in die Mitte der Gemeinschaft zurückzubringen. Deshalb habe ich gerne zugesagt, als Suchtmediziner und Psychotherapeut ein Geleitwort beizusteuern.</p>
    <p>Viel zu wenige wissen, dass Alkoholabhängigkeit eine der schwersten Krankheiten ist, die unbehandelt früh zu weiteren schweren Krankheiten und zum frühen Tod führen kann. Jährlich sterben allein in Deutschland 75000 Menschen an den Folgen.</p>
    <p>Alkohol ist die härteste Droge, ein Zellgift, das nicht nur jedes Organ, sondern auch die Nerven und das Gehirn schädigt. Alkohol und Kokain geben sich schnell die Hand und die Drogenkarriere nimmt Fahrt auf. Häufig entsteht die Suchterkrankung infolge einer anderen psychischen Erkrankung, wenn die Droge wie ein Medikament zur Selbsttherapie eingesetzt wird. Die Ursachen für Sucht sind sehr vielfältig; das Problem der Abhängigen ist am Ende das Gleiche.</p>
    <p>Sucht ist kein Randphänomen, sondern ein Teil unserer Gesellschaft. Sucht kann jeden Menschen, jede Familie betreffen. Wer Hilfe braucht, muss Hilfe erhalten. Damit diese Hilfe gelingt, muss sich das Bewusstsein in der Bevölkerung und in der Fachwelt verändern: Sucht ist nicht Versagen, sondern eine schwere Krankheit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt die verschiedenen Suchtkrankheiten seit vielen Jahren zu den die Menschheit stark bedrohenden Krankheiten. Diese Erkenntnis muss in die Köpfe aller Menschen, auch in die der Fachwelt.</p>
    <p>Ehrlich und schonungslos beschreibt Bernd Thränhardt seinen Krankheitsverlauf. Anfangs helfen die Drogen, sie wirken – mit Kokain scheint erstmal alles leichter zu gehen. Er erlebt Alkohol als selbstverständliches soziales Schmier- und Bindemittel, der Konsum von Alkohol gilt als normal.</p>
    <p>Sobald der Konsum aber als Krankheit diagnostiziert wird, werden die Menschen stigmatisiert und diskriminiert. Ein respektvoller Umgang wird ihnen vielfach und vielerorts verwehrt. Das ist ein Grund dafür, dass sich viele Suchtkranke scheuen, Hilfe zu suchen. Das Bekenntnis von Bernd Thränhardt senkt die Barriere für Betroffene, sich ihre Krankheit einzugestehen und sich behandeln zu lassen.</p>
    <p>München, März 2021</p>
    <p>Professor Dr. med. Markus Backmund</p>
    <p>Präsident der Dachgesellschaft der Suchtfachgesellschaften (DSG)</p>
  </section><section>
    <p>Prolog</p>
    <p>In den beinahe zehn Jahren, seitdem wir dieses Buch geschrieben haben, ist viel geschehen. Schönes und Bestärkendes, aber es gab auch dramatische und schmerzhafte Ereignisse, die die Gefahr in sich trugen, meine Abstinenz in Frage zu stellen.</p>
    <p>Ich hatte die Gelegenheit, in Zusammenarbeit mit einer engagierter Produktionsfirma aus Leipzig für den MDR als »Trocken-Doc« in der gleichnamigen Fernsehserie in einer neuen Art und Weise Betroffenen Unterstützung anzubieten – und für einen klischee- und vorurteilsfreien Blick auf das Thema Alkoholismus und gegen Stigmatisierung zu kämpfen.</p>
    <p>Im Zuge der Dreharbeiten bin ich zahlreichen interessanten Menschen begegnet, zu einigen habe ich bis heute Kontakt, eine Zahnärztin aus Leipzig hat mittlerweile selbst eine Selbsthilfegruppe gegründet. Vor allem die Reaktionen von betroffenen Zuschauern, die zahlreichen Zuschriften, haben mich angespornt und ermutigt. Und sie haben mich daran erinnert, wie wichtig es für mich selbst in meiner schwierigen Zeit war, Menschen kennen zu lernen, die ihr Leben zum Besseren verändert hatten. Vorbilder, die mir Orientierung gaben und eben nicht dem klassischen Säufer-Klischee entsprachen, die sich differenziert, persönlich und authentisch mit dem Thema Alkoholismus und der seelischen Komponente der Sucht auseinandersetzten.</p>
    <p>Menschen wie der Autor Jacques Berndorf zum Beispiel, oder der Spiegel-Journalist Jürgen Leinemann, der zu einer Zeit offen über seine Suchterkrankung sprach, in der ich noch dabei war, eine Art Krankheitseinsicht überhaupt erst zu entwickeln. Sein Satz »ich bin auch nach 30 Jahren noch eine Armlänge vom Rückfall entfernt« ist mir in den vergangenen Jahren immer in den Sinn gekommen. Ich stimme ihm zu – mit der Einschränkung, dass nach beinahe zwei Jahrzehnten suchtfreiem Leben mein Arm etwas länger geworden ist.</p>
    <p>Mir ist es mit über 60 Jahren endlich gelungen, eine tragfähige Beziehung zu einer tollen Partnerin aufzubauen, die mir in den vergangenen fünf Jahren immer wieder eine große Stütze war. Und die beiden von mir geleiteten Selbsthilfegruppen haben mittlerweile ihr zehnjähriges Jubiläum gefeiert.</p>
    <p>Auch wenn der allergrößte Teil der Gruppenmitglieder seit vielen Jahren stabil ist, gab es auch immer wieder Rückfälle. Manche mit tödlichem Ende: Ein Gruppenmitglied hat sich vor einigen Jahren von einer Brücke gestürzt, ein anderer ist nach schwerem Rückfall an einem Herzinfarkt verstorben. Das trifft mich jedesmal sehr. Aber es motiviert mich auch – in meiner Nüchternheit und der Arbeit in den Gruppen. Ich habe gelernt zu akzeptieren, dass es keine absolute Sicherheit gibt, egal wie sehr wir versuchen, abstinent zu bleiben, Hilfe anzunehmen und das Gelernte umzusetzen. Das gleiche gilt für meine Arbeit – egal, wie sehr ich mich bemühe, das Scheitern gehört dazu. So, wie ich akzeptieren musste, dass ich dem Alkohol gegenüber machtlos bin, musste ich auch immer wieder meine Machtlosigkeit gegenüber der Suchterkrankung mancher meiner Gruppenmitglieder akzeptieren. Eine schmerzhafte, aber wichtige Erkenntnis.</p>
    <p>Meine zufriedene Nüchternheit wurde 2015 auf die Probe gestellt: Ärzte diagnostizierten ein Aneurysma an meinem Herzen. Ich musste das Tennisspielen und Krafttraining aufgeben, ein großer Einschnitt für einen Bewegungsmenschen wie mich. Und ich wurde mit der Endlichkeit meines Lebens konfrontiert: alle sechs Monate werde ich untersucht; sollte mein Aneurysma wachsen, bestünde Lebensgefahr und eine Operation wäre die einzige Option.</p>
    <p>Einige Monate nach meiner Diagnose musste sich dann mein Bruder Carlo einer riskanten Notoperation am offenen Herzen unterziehen. Auch bei ihm war ein Aneurysma gefunden worden, einige Zentimeter größer als meines. Es bestand akute Lebensgefahr. Das hat mich sehr mitgenommen.</p>
    <p>Eine Kiefer-OP, die starke chronische Schmerzen nach sich zog und die bis heute andauern, folgte. Schließlich kam noch ein schwerer Schlaganfall hinzu, von dem der Anhang zu diesem Buch erzählt. Der Schlaganfall war für mich eine dramatische Erschütterung meines Lebens, lange sah es so aus, als ob ich nie wieder normal essen, trinken, gehen oder gar Golf spielen können würde. Vor allem in dieser Phase war meine Partnerin Caro mir eine unschätzbare Hilfe. Für mich selbst überraschend habe ich in dieser extrem belasteten Phase keine Sekunde daran gedacht, wieder zu trinken. Darauf bin ich auch ein wenig stolz.</p>
    <p>Dann kam die Corona-Pandemie mit all ihren Einschränkungen. Einschränkungen, die vor allem die Schwachen, die psychisch Instabilen, die Suchtgefährdeten und die Süchtigen mit besonderer Kraft getroffen haben. Ich denke oft, hätte ich die Entscheidung, mein Leben zu ändern und mit dem Saufen aufzuhören, nicht 2001, sondern 2020 getroffen, ich wäre vermutlich gescheitert. Der größte Teil dessen, was mir geholfen hat, diesen schwierigen Schritt zu gehen, hätte mir nicht zur Verfügung gestanden. Meine Alltagsstruktur, die ich um die Pfeiler Selbsthilfegruppen, Tennisverein und nüchterne Freundschaften aufgebaut habe, hätte es in der Form nicht gegeben.</p>
    <p>Doch auch mein abstinentes Leben hat die Pandemie schwer erschüttert. Am Anfang, als aufgrund der Kontaktbeschränkungen keine Gruppentreffen mehr möglich waren, war ich in einer Art Schockstarre: Die Gruppe ist eine über Jahre gewachsene Gemeinschaft, in der eine enge Verbundenheit und großes Vertrauen herrschen. Wir haben über viele Jahre etwas aufgebaut, dann kommt so ein Virus und droht, alles zu zerstören. Ich hatte Angst um mein Lebenswerk, vor allem aber um die Gesundheit meiner Gruppenmitglieder. Ich weiß, wie wichtig unsere Treffen für die Teilnehmer sind; gerade für diejenigen, die ihren Weg in die Gesundung gerade erst begonnen haben.</p>
    <p>Aber die Gruppentermine sind auch ein wichtiger Teil meiner persönlichen Tagesstruktur, meiner Identität. Ein Gespräch mit einem Freund hat mir dann geholfen, meine Frustration zu überwinden – wie bei einer Suchterkrankung ist in einer Pandemie Selbstmitleid ein schlechter Ratgeber. Ich habe mich bemüht, mit Phantasie und Kreativität andere Angebote und Möglichkeiten zu schaffen. Je nach Pandemie-Lage digitale Treffen und Telefonate, Einzel-Spaziergänge oder Treffen in kleinen Gruppen, natürlich mit Abstand, und einiges mehr. Ein Kompromiss blieb es dennoch, nichts kann das Gruppentreffen mit seinen Ritualen, der leibhaftigen Begegnung mit vertrauten Menschen, ersetzen.</p>
    <p>In dieser Zeit ist mir die vielleicht größte Veränderung in meinem Leben bewusst geworden: Meine Perspektive hat sich verlagert, vom Hilfsbedürftigen zum Helfenden. Sicher, auch nach 19 Jahren suchtfreiem Leben muss ich immer noch achtsam sein, mir selbst auf die Finger schauen und beispielsweise meine Belohnungssysteme im Auge behalten. Ich darf die Selbstfürsorge nicht vergessen, muss darauf achten – oder immer wieder neu lernen – »Nein« zu sagen, ich neige immer noch dazu, mir zu viel zuzumuten.</p>
    <p>Und wenn ich ganz ehrlich bin, passiert es auch immer noch hin und wieder, dass ich, wenn ich Filme sehe, in denen getrunken und ausgelassen gefeiert wird, für einen ganz kurzen Moment melancholisch werde und denke, wie schön war das doch damals! Eine kurze und flüchtige sentimentale Anwandlung, wie die Erinnerung an eine verflossene Liebe, die nach wenigen Sekunden glücklicherweise vorüber ist. Auch wenn ich nicht jeden Tag mit seligem Grinsen durch die Welt laufe, so weiß ich doch, dass mein Leben heute um so vieles besser und reicher ist als in der Zeit der Besäufnisse und Partys, egal wie wild sie waren.</p>
    <p>Heute steht für mich im Vordergrund, anderen Betroffenen Hilfe und Unterstützung anzubieten – was wiederum auch für mich stabilisierend und Sinn stiftend wirkt. Die Menschen in der Gruppe und ihre Zusammensetzung verändern sich, ich verändere mich, ich lerne in der Gruppe ständig dazu und muss mich immer wieder hinterfragen. Langweilig wird es nie. Im Gegenteil, oft fahre ich nach einem Gruppentreffen beseelt nach Hause. Ich habe meinen Platz gefunden, denke ich. Ich weiß, wer ich bin.</p>
  </section><section>
    <p>Gier</p>
    <p>Juni 2001: Ich sehe auf meine Uhr. Es ist vier Uhr am Morgen, keine Chance, Schlaf zu finden. Der Entzug ist in meinen Körper gekrochen, hält mich unerbittlich in seinem Griff. Ich, ich habe längst nichts mehr im Griff. Ich richte mich im Bett auf, mein Körper hängt an mir wie ein nasser Sandsack, jede Bewegung eine Qual. Meine Hände zittern, kalter, stinkender Schweiß klebt auf meiner Haut, jede Nervenzelle schreit nach Alkohol. Ich kann diesen Zustand nicht ertragen, keine weitere Minute. In meinem Kopf nur noch ein einziger Gedanke. Schnell jetzt, schnell; ich steige hektisch in die Jeans, die vor meinem Bett auf dem Boden liegen, auf die Unterhose verzichte ich. Dann die Turnschuhe, ohne Socken, nur keine Zeit verschwenden. Mit fahrigen Bewegungen ziehe ich mir ein Sweatshirt und die Jacke über. Fahre mit dem Lift hinunter, raus aus dem Haus, über die Straße. Die nächste 24-Stunden-Tankstelle ist rund anderthalb Kilometer entfernt, ein Taxi kommt nicht in Frage. Die Wartezeit wäre ein Martyrium, der Fahrpreis würde mich eine Flasche Schnaps kosten.</p>
    <p>Ich schleppe mich wie ferngesteuert durch die Straßen. In dieser gutbürgerlichen Wohngegend sind sie um diese Zeit menschenleer, kein Licht in den Fenstern. Die Straßenlaternen, die Wagen am Straßenrand, die Häuser, Garagen, Gärten und Bäume der Kölner Vorstadt sind nur eine Kulisse, durch die ich mich wie ein gequälter Geist bewege. Mit mir und meinem Leben haben sie nichts zu tun. Alles um mich herum ist Kulisse, Staffage, nichts hat Bedeutung, nur der Entzug und die Gier.</p>
    <p>Ich durchquere das Gelände des Einkaufszentrums, die Schaufenster und Wege liegen in völliger Dunkelheit. Einige Tage zuvor habe ich hier mittags auf einer Bank gesessen und meinen Morgencognac getrunken, als ich Barbara, meine Ex-Freundin, mit ihrem neuen Lebensgefährten sah. Eine beschämende Begegnung. Wir haben uns begrüßt, betont freundlich und selbstverständlich, aber ich konnte das Entsetzen in ihrem Gesicht sehen. Danach trank ich die nächste Flasche.</p>
    <p>Mir ist saukalt, ich schlottere, gleichzeitig bricht mir der Schweiß aus. Ich überquere die Aachener Straße. Vier Fahrspuren, der Scheinwerfer eines Autos gleißt in meinen Augen, schneidet in meinen Kopf. Irgendwann sehe ich die Neonreklame der Tankstelle, das Licht in der Dunkelheit, die pure Verheißung. Nur noch wenige Hundert Meter, gleich ist es geschafft. Das Ende der Qualen. Ich beschleunige meinen Schritt.</p>
    <p>Einige Tage zuvor habe ich in meiner rastlosen, Sinne vernebelnden Gier die Tankstelle nicht gefunden, bin Stunden durch die Nacht geirrt, bis ich schließlich durch Zufall vor einer Tankstelle stand. Ein anderes Mal habe ich an der Kasse bemerkt, dass ich mein Geld vergessen hatte, der besessene Drang nach Alkohol hatte alle Gehirnfunktionen ausgeschaltet. Ein Alptraum; die Vorstellung, die Tankstelle ohne Schnaps wieder verlassen und den Weg in meinem Zustand noch zwei Mal bewältigen zu müssen, war unerträglich. Glücklicherweise trug ich meine Uhr, eine Tag Heuer, für die ich wenige Jahre zuvor mehrere Tausend Mark bezahlt hatte. In einem anderen Leben musste das gewesen sein. Ich bot dem Tankstellenangestellten die Uhr als Pfand für eine Flasche Weinbrand an, bettelte schier um Alkohol: »Du kennst mich doch, ich komme morgen mit Geld zurück und hole die Uhr wieder ab, versprochen.« Der Mann ließ sich auf den Deal ein. Ja, er kannte mich, schließlich stand ich jede zweite Nacht hier und kaufte Weinbrand.</p>
    <p>Ich bezahle meine Flasche mit schweißkalten Fingern. Der Verkäufer bedient mich freundlich, wie jeden anderen Kunden. Aber ich bin nicht wie die anderen, ich bin der schlotternde Typ, der in den frühen Morgenstunden Mariacron kauft, mehrfach in der Woche. Der seine teure Uhr für Alkohol verpfändet. Ich fühle mich ertappt, durchschaut. Aber die Gier ist stärker als die Scham, viel stärker.</p>
    <p>In einer dunklen Ecke hinter der Tankstelle, zwischen kargen Büschen, öffne ich die Flasche und trinke. Ich friere in meinen sockenlosen Turnschuhen, unter meinen Füßen der schlammige, kalte Boden. Tagsüber werden auf dem Platz die Autos gewaschen, bei Dunkelheit ist diese verborgene Ecke ein beliebtes Freiluftpissoir. Ich stehe neben der Tankstelle in der Pisse, ohne Unterhose, und saufe billigen Weinbrand aus der Flasche. Mich zurück in meine Wohnung schleppen, den Schnaps in ein Glas gießen und auf meinem Sofa trinken, nicht einmal zu dieser rudimentären zivilisatorischen Anstrengung bin ich mehr fähig.</p>
    <p>Als ich die Flasche absetze, ist sie halbleer. Endlich Ruhe, der Selbstekel heruntergedimmt. Ich mache mich auf den Rückweg. In meiner Wohnung, die kein Zuhause ist, es vielleicht nie war, leere ich die Flasche vollends und falle in einen unruhigen Schlaf. Als ich am nächsten Morgen aufwache, beschließe ich, mit dem Trinken aufzuhören. So kann es nicht weitergehen, darf es nicht weitergehen. Diesen Entschluss fasse ich beinahe jeden Morgen. Spätestens in der nächsten Nacht stehe ich wieder an der Tankstelle.</p>
  </section><section>
    <p>Der kleine Bernd</p>
    <p>Mein Vater machte sich aus dem Staub, als ich zwei Jahre alt war. Zumindest war das die offizielle Version. In Wahrheit hatte er nicht seiner Familie, sondern seinem Land den Rücken gekehrt. Wir lebten damals in Milzau, einem Dorf in der Nähe von Merseburg in Sachsen-Anhalt. 1958, noch vor dem Mauerbau, hatte mein Vater Republikflucht begangen und sich in den Westen abgesetzt. Meine Mutter, die mit uns, ihren beiden Söhnen, in der DDR geblieben war und auf eine Gelegenheit wartete, ihrem Mann zu folgen, musste verschärfte Beobachtung und Repressalien fürchten, wenn bekannt würde, dass sie in die Fluchtpläne meines Vaters eingeweiht gewesen war. Also hieß es, mein Vater sei abgehauen und hätte Frau und Kinder sitzen lassen.</p>
    <p>Meine Mutter, mein dreizehn Monate jüngerer Bruder Carlo und ich lebten bei unserer Oma väterlicherseits. Ungefähr ein Jahr nach meinem Vater machte sich auch meine Mutter mit uns auf in den Westen. Es war kurz vor Weihnachten, »Wir besuchen Freunde in Berlin«, hieß es.</p>
    <p>Aus Angst, ihre Jungs könnten sie bei der Grenzkontrolle unabsichtlich auffliegen lassen, erfuhren Carlo und ich das wahre Ziel der Reise nicht. Meine Mutter hatte nur einen kleinen Reisekoffer mitgenommen, mehr Gepäck hätte an der Grenze Aufsehen erregt.</p>
    <p>Bei der Grenzkontrolle war meine Mutter sehr angespannt und eingeschüchtert. Carlo und ich spürten ihre Angst, auch wenn wir sie nicht verstanden. Von Berlin flogen wir nach Hannover, mein Vater nahm uns dort am Flughafen in Empfang. Ich lief auf meinen Vater zu, nahm ihn fest an die Hand und sagte: »Jetzt haust du aber nicht mehr ab!« Daran hat er sich bis zu seinem Tod gehalten. Mein Vater hatte Arbeit bei der Union Rheinische Braunkohlen Kraftstoffe AG gefunden. Wir lebten in einer Dreizimmerwohnung in Rodenkirchen bei Köln, Carlo und ich teilten uns ein kleines Kinderzimmer. Ich war ein lebhaftes Kind, neugierig und mit großem Bewegungsdrang. Den Erwachsenen, vor allem den Erzieherinnen im Kindergarten, ging ich manchmal auf die Nerven. Daneben gab es Momente, in denen ich selbstversunken und bedürfnislos in meine Spielwelten eintauchte.</p>
    <p>Mit vier wurde ich zum ersten Mal kriminell. Es war im Kindergarten, die Erzieherin hatte mich zur Strafe für ein Vergehen in einem Zimmer eingesperrt. Ich war empört und wütend, fühlte mich ungerecht behandelt. Auf einem Schrank in diesem Zimmer stand eine Tasche, in der Tasche war eine Geldbörse. Ich nahm ein Fünfmarkstück aus der Geldbörse, beseelt von Rachegedanken. Von dem Geld kaufte ich Wundertüten, die ich an die anderen Kinder im Kindergarten verteilte. Bei meinen Freunden kam das gut an, bei den Erzieherinnen und meinen Eltern weniger. Dass ich die fünf Mark auf einer Wiese gefunden hatte, glaubte mir niemand, und als dann das Fehlen des Geldes bemerkt wurde, bekam ich großen Ärger. Meine Eltern waren als Flüchtlinge sehr darum bemüht, sich anzupassen. Ein Vierjähriger, der seine Erzieherin bestiehlt, war ihnen peinlich. Zum Glück für meine Eltern sollte es Jahrzehnte dauern, bis ich das nächste Mal gegen die Gesetze verstieß.</p>
    <p>Vor meinem Vater hatte ich großen Respekt. Er war eine eindrucksvolle Erscheinung, beinahe zwei Meter groß, breitschultrig, mit einer lauten Stimme und dominantem Auftreten. Er selbst war ohne Vater aufgewachsen, mein Großvater wurde erschossen, als mein Vater noch ein kleiner Junge war. Auf offener Landstraße, von einer Schauspielerin, die seine Geliebte war. Opa muss ein Lebemann und Hallodri gewesen sein, neben seiner Frau hatte er mehrere Freundinnen. Eine Art Familienerbe, das ich später fortsetzen würde.</p>
    <p>Meine Mutter hielt die Familie zusammen und war für die Wärme zuständig, mein Vater für die Regeln und deren Einhaltung. Auch wenn ihm das Wohl seiner Familie über alles ging, war es ihm, wie vielen Männern seiner Generation, kaum möglich, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. In seinen milden Momenten brauchte er nicht viele Worte. Samstags musste ich nach dem »Aktuellen Sportstudio« ins Bett. An manchen Abenden tat er so, als habe er meine Anwesenheit vergessen, trank sein Bier und ließ mich den folgenden Spätfilm ansehen. Am Ende des Films sah er mich verwundert an und sagte: »Du bist ja immer noch hier, jetzt aber ab ins Bett.« Dann gab ich ihm einen Kuss auf die Stirn, ein Augenblick größtmöglicher Nähe zwischen uns. Sein Atem roch nach Bier. Ich mochte den Geruch sehr. Einer seiner liebsten Wahlsprüche war: »Dummheit frisst, Intelligenz säuft.« Keine Ahnung, wie ernst es ihm damit war.</p>
    <p>Früh begeisterte mein Vater meinen Bruder und mich für den Sport und den Wettkampf. Auf spielerische Weise vermittelte er uns Freude an der Leistung. Er veranstaltete für seine Söhne Olympische Familienspiele im Garten hinter dem Haus, wir maßen uns in verschiedenen Disziplinen, Sprint, Weitsprung, Ballwerfen. Jeder von uns bekam die gleiche Anzahl an Preisen, mein Bruder deftige Würste, ich Süßigkeiten. Mal gewann Carlo, mal ich. Zumindest ist das meine Erinnerung. In der meines Bruders hat er so ziemlich alle Preise abgeräumt.</p>
    <p>Für meinen Vater waren Leistung und Selbstbehauptung enorm wichtig. Er hatte Jurist werden wollen, aber in der Nachkriegszeit war ihm ein Jurastudium verwehrt geblieben. Er musste Geld verdienen und nahm eine Stelle als kaufmännischer Angestellter an. Beruflicher Aufstieg aber war ohne Studium schwierig, immer wieder wurden bei Beförderungen Kollegen vorgezogen, die ihm statt beruflicher Kompetenz nur einen Universitätsabschluss voraushatten. Das hat zeitlebens an ihm genagt. Mit großem Fleiß, Arbeitseinsatz und Wissbegier versuchte er, dagegenzuhalten. Unser Haus war angefüllt mit Büchern und Zeitschriften. Mein Vater hatte den Spiegel abonniert und Christ und Welt, weiter auseinander konnten zwei Zeitschriften in ihrer politischen Ausrichtung kaum liegen. Ihm, der aus einem repressiven Staat mit Denk- und Sprechverboten geflohen war, lag viel an gedanklicher Freiheit.</p>
    <p>Anders als mein Bruder begeisterte ich mich früh für das Lesen. Mit sieben oder acht bekam ich mein erstes Buch geschenkt, Märchen dieser Welt. Ich war wie elektrisiert, all die Bilder in meinem Kopf, die fremden Welten, die ich erkunden, die Abenteuer, die ich erleben konnte! Bücher öffneten mir die Welt. Sicher, auch Fernsehserien wie »Flipper« oder »Bonanza« begeisterten mich, aber es gab ja nur zwei Programme und nur wenige Fernsehstunden am Abend. Die Bücher dagegen luden mich rund um die Uhr ein, mit ihnen auf Reisen zu gehen. Bei schlechtem Wetter saß ich, zur großen Verwunderung meiner Mutter, viele Stunden mit meinen Büchern am Esstisch, regungslos in den Buchstabenwelten versunken. Oft vergaß ich sogar das Essen, die Nutella-Brote, die meine Mutter mir neben die Bücher stellte, hinterließen Flecken auf den Seiten. Las ich ein besonders spannendes Buch, fand ich nicht in den Schlaf, bevor die letzte Seite umgeblättert war.</p>
    <p>Mit vierzehn machte ich mich über den Bücherschrank meines Vaters und den Spiegel her. Ich las, was mir zwischen die Finger kam – das Gesamtwerk von Karl May, Bücher von Tolstoi und Dostojewski, Sartre und Camus, Biographien über Napoleon und Michelangelo und Sachbücher über die Nazi-Zeit. Ich war gefesselt, auch wenn ich nicht alles verstand und immer wieder Fremdwörter im Duden nachschlagen musste. Ich begann, die Auseinandersetzung mit meinem Vater zu suchen. Wir stritten über Geschichte, häufiger noch über Politik. Dabei wurde er oft laut, ich hielt dagegen. Mein Vater war ein unduldsamer, manchmal cholerischer Mensch, ich habe sein Temperament geerbt. Am Ende ging es mir wohl darum, mich gegen ihn zu behaupten, eine eigene Identität zu finden, die neben diesem Mann, den ich bewunderte und der mich auch einschüchterte, bestehen konnte. Mir seinen Respekt zu erkämpfen. Er dagegen wollte sich von einem Jungspund ohne Lebenserfahrung nichts sagen lassen und fuhr mir immer wieder über den Mund.</p>
    <p>In der Schule legte ich mich immer häufiger mit den Lehrern an. Oft nahm ich aus Streitlust und Neugier eine Gegenposition ein. Weil es mir Spaß machte, den Lehrer zu reizen und, ähnlich wie beim Sport, meine Fähigkeiten zu erproben und meine Grenzen auszuloten. Aber auch, weil ich Standpunkte hinterfragen, die Stärken und Schwächen einer Argumentation erkennen wollte. Vieles war Wettstreit für mich. Manche Lehrer hielten mich für einen nervigen jugendlichen Klugscheißer; andere wiederum, mein Sozialkundelehrer zum Beispiel, honorierten meine Diskussionsfreude mit guten Noten. Zum Glück, denn in naturwissenschaftlichen Fächern war ich ein Vollidiot.</p>
    <p>Carlo und ich teilten uns noch als Teenager ein kleines Zimmer, ungefähr vierzehn Quadratmeter groß. Es gab gerade genug Platz für zwei Betten, einen Schreibtisch und einen Kleiderschrank. Diese erzwungene Nähe war kein Problem für uns, schließlich kannten wir es nicht anders, unsere gesamte Kindheit und Jugend haben wir in einem gemeinsamen Zimmer verbracht. Außerdem trieben wir uns bei gutem Wetter eh draußen herum, auf dem Sportplatz, im Wald oder auf Spielplätzen. Wir waren wie Zwillinge und sahen uns sehr ähnlich. Den größten Teil des Tages verbrachten wir gemeinsam, wir gründeten Banden oder ballerten als Teenager mit unseren Luftgewehren in der Gegend herum. Für unsere Freunde war es eine besondere Attraktion, wenn ich meinem Bruder aus fünf Metern Entfernung eine Zigarette aus dem Mund schoss. Das hatten wir in einem Karl-May-Film gesehen, es hatte uns schwer imponiert.</p>
    <p>Gemeinsam trieben wir begeistert Sport, gingen zum Leichtathletik-, Judo-, Tischtennis-, Basketball- und Handballtraining, zeitweise waren wir in fünf Vereinen aktiv. Dafür nahmen wir lange Fußwege oder Fahrradfahrten auf uns. Auch den Konfirmationsunterricht besuchten wir gemeinsam. Als ich wegen einer Verletzung nicht hingehen konnte, beschloss auch mein Bruder, zu Hause zu bleiben. Für ihn eine selbstverständliche Entscheidung, der Pfarrer sah das anders und warf ihn aus dem Unterricht. Daraufhin ging auch ich nicht mehr hin.</p>
    <p>Meine Eltern zogen in unserer Kindheit und Jugend häufig um, immer wieder mussten wir unsere Freunde zurücklassen. Besonders schlimm wurde es, als wir 1972 von Eschweiler in unser eigenes Haus zogen, nach Rollesbroich bei Simmerath, ein Dorf in der Eifel, also am Arsch der Welt. Unsere Freunde, unser Bolzplatz, unsere Spielplätze und die Mädchen, die wir heimlich angeschmachtet hatten, dreißig Kilometer weit entfernt. Für Teenager eine Weltreise. Sicher, wir zogen in einen schönen Neubau, umgeben von 10.000 Quadratmeter Grundstück, darauf ein marodes Fachwerkhaus, in dem wir unser Unwesen treiben konnten. Mein Vater hatte sogar ein kleines Schwimmbad neben unser Haus gebaut, und in direkter Nachbarschaft gab es einen Wald und einen See. Aber das interessierte uns nicht, wir wollten unsere Freunde, unsere angestammten Plätze und Straßen nicht aufgeben. Ich hasste die ständigen Abschiede, aber dank Carlo war es auszuhalten. Mein Bruder war da, immer. Er war mein bester Freund, der erste Mensch, den ich am Morgen sah, und der letzte, mit dem ich vor dem Einschlafen sprach. Wir waren ein verschworenes Team. Gemeinsam trotzten wir der Welt.</p>
    <p>Gleichzeitig war Carlo immer auch mein größter Konkurrent, nicht nur beim Sport. Bei jeder Gelegenheit wetteiferten wir miteinander, für meinen Bruder war die Tatsache, dass ich ein Jahr älter war und daher ein Jahr vor ihm eingeschult wurde, eine große Kränkung. In unserer Kindheit tröstete er sich mit dem Gedanken, dass ich dann wohl auch ein Jahr früher sterben müsse. Einige Jahrzehnte später sah es lange danach aus, als würde der Alkohol dafür sorgen, dass ich viele Jahre vor ihm abtreten würde. Auch wenn Carlo mich schließlich um fünf Zentimeter überragte, er blieb bei all unserem Wettstreit mein kleiner Bruder, auf den ich aufpassen musste. Ich war vielleicht nicht der Längere, aber der Ältere. Ich mochte es nicht, von ihm getrennt zu sein. Ich blieb ein Jahr länger auf der Grundschule, so konnten wir gemeinsam auf das Gymnasium in Eschweiler wechseln. Als Carlo dann später auf Anraten der Schulleitung das Schuljahr wiederholte, tat ich es im Jahr darauf gleich und der Abstand war wieder egalisiert.</p>
    <p>Nach dem Umzug nach Simmerath besuchten wir gemeinsam die Realschule in Monschau. Als ich dann nach der mittleren Reife auf das Gymnasium in Kornelimünster wechselte, begannen unsere Leben erstmalig in unterschiedliche Richtungen zu laufen. Mein Bruder mochte die Schule nicht. Dazu kam, dass er von einigen Lehrern hart angegangen wurde. Außerhalb der Sportplätze und Trainingshallen war Carlo schüchtern und oft unsicher. Ein sensibler Junge, der unter den Schikanen litt. Das Gymnasium in Eschweiler hatte Angst und Züchtigung zum Erziehungsprinzip erhoben, Schläge waren keine Seltenheit. Dort hatten sie Carlo vor allem Schulangst eingebläut, die sich auf der Realschule nicht besserte. Immer wieder blieb er dem Unterricht fern, manchmal für Tage oder sogar Wochen. Ich deckte ihn. Gemeinsam gingen wir morgens aus dem Haus, und während ich im Unterricht saß, vertrödelte Carlo den Vormittag im Café oder am Flipper. Nachmittags fuhren wir gemeinsam wieder nach Hause.</p>
    <p>Carlo entschied sich, nach der mittleren Reife die Schule zu verlassen und eine Lehre als Großhandelskaufmann zu beginnen. Wirklich glücklich wurde er mit der Entscheidung allerdings auch nicht, unter anderem, da er morgens um halb sechs aufstehen musste, während ich noch weiterschlafen konnte und mich nachmittags mit Freunden auf dem Sportplatz oder im Schwimmbad traf, während er noch im Betrieb schuftete. Als schließlich seine Leichtathletikkarriere, die er mit Besessenheit verfolgte, Fahrt aufnahm, war das eine Erlösung für ihn. Einige Jahre später erwarb er auf dem zweiten Bildungsweg im Rahmen des Begabtenabiturs auch noch die Hochschulreife.</p>
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    <p>Absolute Beginner</p>
    <p>»Her damit«, sagte ich und griff nach der Flasche. Es war früh am Morgen, kurz vor Schulbeginn. Wir standen an der Bushaltestelle, ein Klassenkamerad hatte eine Flasche Asbach Uralt mitgebracht. Ich war siebzehn Jahre alt und besuchte die Realschule in Monschau. In der Eifel sind die Wege weit, die Haltestelle des Schulbusses war zwei Kilometer vom Haus meiner Eltern entfernt, die halbstündige Busfahrt führte über Serpentinen Hügel hinauf und hinunter. Ich mochte die Schule, sie war idyllisch gelegen, auf einer Anhöhe mit Blick auf die Stadt. Im Sommer kamen die Touristen nach Monschau, darunter viele hübsche Holländerinnen, die wir mit großen Augen sehnsüchtig anstarrten.</p>
    <p>Alkohol mochte ich nicht. Mein Bruder trank hin und wieder ein Bier nach dem Handballtraining, mir war der Geschmack zuwider. Ich mischte Malzbier darunter. Betrunken war ich noch nie gewesen. Aber hier und jetzt ging es nicht um den Alkohol, nicht um Rausch. Wir scharten uns um die Flasche wie um eine Reliquie. Der Alkohol, der nicht in unsere Hände gehörte, war etwas Fremdes, Verbotenes, Teil einer anderen Welt, der der Erwachsenen. Ich griff sofort zu, während die anderen noch ehrfurchtsvoll staunten. Setzte die Flasche an und trank.</p>
    <p>Es war Wettkampf und Mutprobe, ich war ein großer Kerl, Sportler, stark und zäh und ziemlich erwachsen. Eine Flasche Weinbrand würde mich nicht umhauen. Ich nahm die Flasche erst von den Lippen, als sie zu zwei Dritteln leer war. Das sollte mir erst mal jemand nachmachen! Ich hatte mir angewöhnt, meine Unsicherheit mit großspurigem Verhalten zu überspielen.</p>
    <p>Stolz und selbstzufrieden machte ich mich auf den Weg die Anhöhe hinauf zur Schule. Mit jedem Schritt überflutete der Alkohol meinen Körper mehr. Schwemmte in meinen Kopf. Mir war, als hätte mir jemand einen Helm aus Schaumgummi übergestülpt, alles fühlte sich irgendwie taub an, vernebelt, aber gleichzeitig warm und weich. Die Kälte des frühen Herbstmorgens spürte ich nicht mehr. Meine Arme und Beine wurden schwer, ich bewegte mich wie in Zeitlupe. Als ich schließlich im beheizten Klassenraum saß, erwischte mich der Alkohol wie ein Hammerschlag. Ich war aufgekratzt, hatte alle Hemmungen verloren. Ich gestikulierte wild und redete auf meine Banknachbarn ein. Einer von ihnen zerrte an meinem Arm. »Bernd, du solltest besser rausgehen«, zischte er mir ins Ohr. Was wollte der von mir, ich fühlte mich großartig! Irgendwann dämmerte mir, dass er womöglich recht hatte. Außerdem wurde mir langsam ziemlich schlecht. Es gelang mir, den Arm zu heben und den Lehrer mit halbwegs kontrollierter Stimme darum zu bitten, mich wegen Übelkeit aus dem Unterricht zu entlassen. Da ich nicht in der Nähe der Schule bleiben wollte, entschied ich mich für die Bushaltestelle im Dorf. Der Weg dorthin führte drei Kilometer durch ein Waldstück.</p>
    <p>Ich lief wie auf Autopilot, mein Denken ausgeschaltet, in einem Meer von Weinbrand ersoffen. Ständig fiel ich hin, riss mir die Jeans auf und schlug mir die Knie blutig. Irgendwann versagten meine Beine, Aufstehen, Gehen war unmöglich. Ich kroch über den Waldboden in Richtung Stadt.</p>
    <p>Gegen Mittag kam ich wieder zu mir, auf der Bank der Bushaltestelle. Ich stieg in den nächsten Bus nach Hause. Mein Kopf drohte zu zerspringen, mein gesamter Körper schmerzte. Das hier, war ich mir sicher, war der größte Fehler meines bisherigen Lebens. Ich schwor mir, nie wieder einen Tropfen Alkohol zu trinken.</p>
    <p>Der gute Vorsatz hielt nur wenige Monate. Als die Mädchen ins Spiel kamen und aus dem Anschauen unbedingt Anfassen werden sollte, war es vorbei mit der selbstverordneten Nüchternheit.</p>
    <p>In den Siebzigern gehörte der Partykeller zur Grundausstattung so ziemlich jeden Eigenheims. In der Regel waren sie geschmacklos eingerichtet, kiefernholzvertäfelt, mit bunten Lämpchen oder Lichterketten illuminiert. Uns war das Ambiente herzlich egal. Die Partys, die wir dort feierten, dienten in erster Linie als Vorwand, dem anderen Geschlecht zu Leibe zu rücken. Im Dunkeln, versteht sich, alles andere hätte uns hoffnungslos überfordert. Irgendwann schaltete jemand das Licht aus, und dann griffen wir uns ein Mädchen und küssten es. Die besonders Verwegenen unter ihnen ergriffen auch schon mal selbst die Initiative. Im besten Fall gelang es uns, uns zuvor in eine gute Ausgangsposition zu manövrieren, ein Mädchen in Reichweite, das uns besonders gefiel. Aber genau genommen war es zweitrangig, wen wir küssten, wessen T-Shirt wir hochschoben und wessen BH wir lösten. Die Lippen, die Haut, die Weichheit der Brüste zu spüren, in dieses fremde und exotische Hoheitsgebiet vorzudringen, es zu erforschen, war berauschend, Sinne erschütternd. Und riskant, es verlangte eine Menge Wagemut. Mädchen zogen mich magisch an, aber ihre Fremdheit schüchterte mich gleichzeitig ein. Zumal sie mir in den vergangenen Jahren oft unerreichbar erschienen waren, reifer, erwachsener. Viele gleichaltrige Mädchen hatten Freunde, die ein oder zwei Jahre älter waren als ich.</p>
    <p>Schnell fand ich heraus, dass zwei oder drei Bier meine Hemmungen auflösten und mich tollkühn machten. Kein BH-Verschluss, keine Unsicherheit konnte mich mehr aufhalten. Merkwürdigerweise fand ich in den BH-Schalen neben den Objekten meiner Begierde immer wieder auch Papiertaschentücher. Ein Indiz dafür, dass ich nicht der Einzige war, der sich mit Unsicherheiten herumschlagen und vermeintliche Unzulänglichkeiten kaschieren musste. In gewisser Weise eine beruhigende Entdeckung, auch wenn meine Schüchternheit dadurch nicht weniger wurde.</p>
    <p>Am Ende solcher Partys waren meine Sinne häufig vernebelt, nicht nur vom Alkohol. Einmal fiel ich auf dem Nachhauseweg in einen Jägerzaun, eine sehr schmerzhafte Angelegenheit. Aber das war eher die Ausnahme. Der Alkohol spielte in diesen Jahren keine große Rolle in meinem Leben. Er schmeckte mir einfach nicht, außerdem bot mein Leben auch so mehr als genug aufregende und rauschhafte Momente. Ich trank nur, wenn es galt, vor einer Verabredung die Anspannung zu lösen und meine Scheu und die Angst vor einer Abfuhr einzudämmen. Selten waren es mehr als zwei oder drei Bier oder ein Whisky-Cola. Bis Brigitte mich verließ.</p>
    <p>Brigitte war meine erste große Liebe. Sie saß im Französischkurs neben mir, siebzehn Jahre alt, lange, dunkelbraune Haare, große, dunkle Augen und eine aufregend frauliche Figur. Aber das war es nicht, was mich anzog. Zumindest war es nicht das Einzige: Brigitte war neugierig, klug, leidenschaftlich und voller Energie. Sie wollte die Welt verändern oder zumindest den Teil der Welt, in dem sie lebte. Sie war Klassensprecherin und Schulsprecherin, ich ließ mich zu ihrem Stellvertreter wählen. Ich wollte in ihrer Nähe sein. Und sie beeindrucken: Da ich eine Klasse wiederholt hatte, war ich der Älteste in unserem Jahrgang und somit einer der Ersten, die ein Auto besaßen. Einen VW Käfer, den ich in mühsamer Handarbeit schwarz-gelb lackiert hatte. Ich genoss es, morgens mit quietschenden Reifen auf dem Lehrerparkplatz vorzufahren, bestaunt von den jüngeren Mitschülern. In der zersiedelten Eifel mit ihren vielen kleinen Ortschaften, endlosen, verschlungenen Landstraßen und schlechten Bus- und Zugverbindungen war ein Auto ein Fanal des Erwachsenseins und ein Ticket in die Freiheit.</p>
    <p>Dank einer Tankkarte meines Vaters konnte ich im rund vierzig Kilometer entfernten Eschweiler bargeldlos tanken. Irgendwann nahm ich meinen Mut zusammen und fragte Brigitte wie beiläufig, ob sie mich nach der Schule zur Tankstelle begleiten wolle. Als sie ja sagte, konnte ich mein Glück kaum fassen. In den Wochen, die folgten, wurde daraus eine Art Ritual. Zusammen fuhren wir nach der Schule tanken, anschließend aßen wir in einem kleinen Restaurant, wer gerade mehr Geld in der Tasche hatte, zahlte. Wir redeten, Stunde um Stunde. Über Bücher, den Sinn des Lebens, über unsere Sehnsüchte, Pläne und Überzeugungen. Eine Nähe und Vertrautheit entstand, wie ich sie noch nie mit einer Frau erlebt hatte. Ich fieberte den Stunden mit ihr entgegen. Im Restaurant spielten sie immer die gleichen Lieder, darunter »Kung Fu Fighting« von Carl Douglas, die Titelmelodie der TV-Serie »Kung Fu« mit David Carradine. Es wurde unser Lied, dass es außer uns niemand für sonderlich romantisch hielt, störte uns nicht weiter.</p>
    <p>Irgendwann sprachen wir auch über Sex. »Der erste Mann, mit dem ich schlafe, sollte Erfahrung haben«, sagte sie. Es sei hilfreich, wenn wenigstens einer von beiden wisse, was er tue. In diesem Moment stieg die Zahl meiner bisherigen Sexualpartnerinnen sprunghaft. Unmöglich, ihr zu sagen, dass ich trotz meiner neunzehn Jahre und bei meinem großspurigen Auftreten noch nie mit einem Mädchen geschlafen hatte! Ich würde mir alle Chancen bei ihr ruinieren. Also log ich. Mit vier oder fünf Frauen sei ich schon im Bett gewesen, sagte ich nebulös. So, als sei die genaue Zahl nicht wichtig. Oder als könne ich die Frauen schon gar nicht mehr zählen, was wohl nicht sonderlich glaubwürdig klang. Ich gab sogar Details aus meinem reichhaltigen, in der Realität allerdings bei Henry Miller, Harold Robbins und in Sexheftchen wie Praline angelesenen Erfahrungsschatz zum Besten. Keine Ahnung, ob ich sie überzeugen konnte.</p>
    <p>Das größte Problem, noch größer als meine mangelnde sexuelle Erfahrung, war Brigittes Freund. Er war Holländer, sie sahen sich selten. Waren sie zusammen, litt ich Höllenqualen. Eines Abends hielt ich es nicht länger aus. Es war Samstagabend, am Freitag hatten Brigitte und ich stundenlang telefoniert. Ich wusste, sie würde die Nacht mit ihrem Holländerfreund in einer Diskothek in Roetgen verbringen. Ich fuhr hin. Es gelang mir, Brigitte aus der Disco zu lotsen. Hinter einer Hecke verborgen fielen wir uns in die Arme und küssten uns, zum ersten Mal. Unaufhaltsam, so schien es mir, waren wir aufeinander zugetrieben, wir gehörten zusammen, daran konnte es keinen Zweifel mehr geben. Auf der anderen Seite der Hecke rief der Holländer ihren Namen, seine Stimme klang dumpf, wie aus einer anderen Welt. Seit diesem Abend waren wir ein Paar.</p>
    <p>Brigitte stammte aus einer wohlhabenden Familie, sie lebte mit ihrem jüngeren Bruder bei ihrer Mutter in einer weitläufigen, stilvoll eingerichteten Villa. Brigittes Vater war ein erfolgreicher Ingenieur gewesen und hatte zu den Honoratioren der Region gehört. Er starb, als sie acht Jahre alt war. An einem Herzinfarkt, im Urlaub mit seiner Geliebten. Diese Tragödie und der daraus resultierende Skandal hatten Brigittes Mutter geprägt, vor allem ihre Einstellung zu Männern. Mich mochte sie nicht. Zugegeben, ich machte es ihr nicht allzu schwer, mich nicht zu mögen. Ich hatte es mir zum Beispiel zur Angewohnheit gemacht, mit meinem Käfer mit hoher Geschwindigkeit in die Einfahrt zu rauschen und dann eine Vollbremsung hinzulegen, die den Kies spritzen ließ. »Da kommt Bernd mit seinem schwarz-gelben Schwanz«, lautete ihr abfälliger Kommentar. Nein, ich war definitiv nicht der Richtige für ihre Tochter. Zu meinem Glück sah Brigitte das anders. Möglich, dass die Ablehnung ihrer Mutter meine Attraktivität in ihren Augen eher noch steigerte.</p>
    <p>Unser erster Sex war schöner, als ich es mir in all meinen hochfliegenden Träumen ausgemalt hatte. Nach Wochen, in denen wir jede freie Minute miteinander verbracht hatten, stundenlang geredet, uns erforscht, angefasst und geküsst hatten, fühlte es sich für uns beide ganz natürlich an, den nächsten Schritt zu gehen, trotz aller Aufregung beinahe selbstverständlich. Nach der Schule fuhren wir zu ihr, um diese Uhrzeit, hofften wir, war niemand im Haus. Das Bett in ihrem Jugendzimmer war ­schmal, aber das störte uns nicht. Wir zogen uns aus, fassten uns an. Mein Herz raste. Meine Großmäuligkeit, all meine angelesene Erfahrung aus Fachmagazinen wie Quick oder Wochenend löste sich auf wie eine Sandburg im Sturm. Das Gefühl der Verschmelzung, ihr so nah zu sein, war überwältigend. Irgendwann hörten wir Schritte auf dem Flur vor ihrer Zimmertür. Aber wir waren in unserer eigenen Welt, zu der niemand Zutritt hatte. Abends entsorgten wir das Laken mit dem verräterischen Blutfleck. Irgendwann, Wochen oder Monate später, fragte Brigitte mich mit einem Lächeln, ob ich doch nicht so viel Erfahrung gehabt hätte, wie ich behauptet hatte.</p>
    <p>Der Sex brachte uns noch enger zusammen. Wir richteten uns gemeinsame Zimmer ein, in der größtmöglichen Entfernung zu unseren Familien. Im Keller ihres Elternhauses und auf dem Dachboden des maroden, unter Denkmalschutz stehenden Fachwerkhauses auf dem Grundstück meiner Eltern. Rückzugsräume, in denen wir als Paar lebten und die nur uns gehörten.</p>
    <p>Kurz vor dem Abitur wurde Brigitte schwanger. Unmöglich, unseren Eltern davon zu erzählen. Diese Schwangerschaft war unser Problem, und wir würden eine Lösung finden. Ein Kind, das wussten wir, würde unsere Zukunftsplanung auf den Kopf stellen. Außerdem waren wir zu jung, sie gerade achtzehn, ich neunzehn, der Verantwortung für ein Kind fühlten wir uns nicht gewachsen. Ich suchte Rat bei der Telefonseelsorge. Und geriet an einen militanten Christen, der uns mit ewiger Verdammnis drohte, sollten wir das Ungeborene abtreiben lassen. Hilfe fanden wir dann bei Pro Familia. Dort gaben sie uns die Adresse eines Arztes in Maastricht. In den Niederlanden war Abtreibung legal, Mitte der Siebziger im Grenzgebiet der einfachste und oft der einzige Weg. Während des Eingriffes saß ich neben ihr, hielt ihre Hand und fühlte mich ihr auch im Schmerz eng verbunden. Kinder, da war ich mir sicher, würden wir später noch haben. Wir würden unser Leben miteinander verbringen, daran gab es für mich keinen Zweifel.</p>
    <p>Nach dem Abitur beaufsichtigte Brigitte in den Sommerferien ehrenamtlich vernachlässigte Kinder aus sozial schwachen Berliner Familien in Ferienlagern des Wohlfahrtsverbandes »Student für Europa – Student für Berlin«. Ich begleitete sie, wann immer ich die Gelegenheit dazu fand. Ich liebte Brigitte. So, wie man vielleicht nur das erste Mal liebt, rauschhaft, kompromisslos, mit unerschütterlicher Gewissheit. Jemals eine andere Frau zu lieben oder auch nur zu begehren schien mir unvorstellbar.</p>
    <p>Das Ende kam schleichend. Ich hatte die Anzeichen nicht erkannt oder nicht erkennen wollen. »Ich habe mich in einen anderen verliebt«, sagte sie. Ich war fassungslos, fühlte mich taub und leer. Meine Welt zerbrach. Sie war meine große Liebe, seit vier Jahren waren wir ein Paar. Unsere Beziehung, unsere Liebe erschien mir wie eine Art Naturgesetz. Wie konnte sie mich verlassen? Unsere gemeinsame Zukunft wegwerfen? Unvorstellbar. Doch sie tat es. Verbannte mich aus ihrem Leben. Schlimmer noch, ich wurde ausgetauscht. Ein anderer nahm meinen Platz ein, das vor allem war mir unerträglich. Dass ich in den vergangenen Monaten unsere Beziehung vernachlässigt hatte, ihre Liebe und Anwesenheit als selbstverständlich angesehen, mehr Zeit beim Sport und mit meinen Kommilitonen an der Universität verbracht und durch meine fehlende Aufmerksamkeit dem anderen möglicherweise erst die Tür geöffnet hatte, erkannte ich erst viel später. Jetzt und hier galt – sie hatte mich betrogen, verraten und tief verletzt.</p>
    <p>Den Verlust und die Verletzung betäubte ich mit Alkohol. Mehr noch, ich suhlte mich in diesem süßen Schmerz, inszenierte und überhöhte ihn. Er wurde zu etwas Dramatischem, Poetischem – so konnte ich ihn besser ertragen. Ich erinnerte mich an die Männer in den Büchern von Henry Miller, Jack Kerouac, Jack London oder Ernest Hemingway. Männer, die ich schon als Teenager bewundert hatte und idealisierte. So wollte ich mich selbst sehen; ein Mann, der die Schläge des Schicksals einsteckt, allen Verletzungen einer feindlichen Welt kämpferisch die Stirn bietet, in heroischer Pose und mit einem Drink in der Hand seinem Untergang ins Auge sieht. Kein trauriger verlassener Verlierer; ich war ein Mann, der sich selbst in seiner romantischen, verlorenen Einsamkeit und seinem Schmerz eingerichtet hat. So sollte Brigitte mich sehen. Meine Traurigkeit, Hilflosigkeit und Verletztheit hingegen zeigte ich niemandem.</p>
    <p>Für einige Wochen trank ich beinahe jeden Abend, bevorzugt vor aller Augen. Eines Nachts stand ich an der Bar des Malteserkellers in Aachen, vor mir auf dem Tresen mein zweites großes Weizenbier und der vierte Ouzo. Als ich sah, dass Brigitte und ihr neuer Freund die Bar betraten, kippte ich den Rest des Bieres mit einem großen Schluck hinunter, fixierte die beiden und warf das Glas mit einer kraftvollen Bewegung an die Wand neben ihnen. Das Klirren übertönte die Musik. Sie würde mich, meinen Schmerz und meine Wut, nicht übersehen, dafür würde ich sorgen. Ein anderes Mal verfolgte ich beide bis zu Brigittes Wohnung. Als ich sah, dass im Schlafzimmer das Licht aufflammte, formte ich einen Schneeball mit einem hühnereigroßen Stein darin und warf ihn wütend mit großer Wucht in das Schlafzimmerfenster, die Scheibe barst mit einem lauten Knall. Sollten sie doch einen Höllenschreck bekommen. Das war das Mindeste, was jemanden erwartete, der mir meine Zukunft stahl. Nie mehr, schwor ich mir, würde ich der Betrogene sein.</p>
    <p>Einige Jahre später zerstach ich der nächsten Frau, die es wagte, mich wegen eines anderen zu verlassen, die Autoreifen und drohte meinem Nachfolger Prügel an. Auch wenn mich in solchen Momenten beständig mein schlechtes Gewissen plagte, stellte ich meinen Jähzorn und mein cholerisches Temperament nie in Frage. Männer, ganze Kerle, das hatte ich nicht nur in meinen Büchern gelernt, waren eben so. Meine Ohnmacht und Angst dagegen passten nicht in mein Männerbild.</p>
    <p>Nicht lange nachdem Brigitte mich verlassen hatte, entdeckte ich das Paradies. Zu der Zeit lebte ich zusammen mit Wolfgang, einem Freund, in einer Dreizimmerwohnung in Aachen und studierte Germanistik und Sport. Nach meinem Abitur hatte ich zunächst ein Jurastudium in Köln begonnen, was sich als großes Missverständnis herausgestellt hatte. Ich hielt nur bis zum kleinen BGB durch. Für Jura hatte ich mich entschieden, nachdem ich Billy Wilders Film »Zeugin der Anklage« mit Marlene Dietrich gesehen hatte. Vor allem Charles Laughton als Strafverteidiger hatte mich sehr beeindruckt, seine Eloquenz und Brillanz, wie er elegant im Rededuell mit dem Staatsanwalt focht, Sätze wie ein Florett. Mir schien, vor Gericht ging es weniger um Recht und Unrecht als vielmehr um den verbalen Wettstreit zweier kluger, scharfzüngiger Köpfe. Das gefiel mir. Eine Rolle, die mir meiner Meinung nach gut zu Gesicht stehen würde.</p>
    <p>Die Realität sah natürlich anders aus. Das Studium war fade Paragraphenpaukerei, meine Mitstudenten waren erzkonservative Golf-GTI-Fahrer mit Seitenscheitel, Lodenmantel und Aktenkoffer, wir nannten sie Großstadtförster. Rücksichtslose Karrieristen aus der Jungen Union oder von den Jungliberalen, für die Freiheit nur die Freiheit der Stärkeren bedeutete. Ein fremdes Universum, dem ich mich nicht zugehörig fühlte. Im Gegenteil – ich war links, las Lenin und Marx und sympathisierte mit der RAF. Auf meinem Käfer prangte ein »Atomkraft? Nein danke«-Aufkleber, und an meiner Zimmertür stand »Für Bullen verboten«. Nächtelang diskutierten meine Freunde und ich voller Furor über ein anderes, bewussteres, gerechteres Leben. Bei Demonstrationen gegen den Nato-Doppelbeschluss warf ich Farbbeutel auf Polizisten. Zugegeben, es war nicht nur politische Überzeugung, die mich motivierte. Mich reizten auch die Auseinandersetzung, der Trubel, die Aufregung. Mir gefiel es, dem Staat auf die Füße zu treten, in gewisser Weise meine postpubertären Muskeln spielen zu lassen. Dazu kam, dass sich in den linken Kreisen und bei den Demonstrationen häufig ausnehmend hübsche junge Frauen engagierten.</p>
    <p>Wolfgang, meinen WG-Mitbewohner, hatte ich kurz nach der Trennung von Brigitte kennengelernt. Eines Abends saßen wir zusammen in einer Kneipe und beschlossen beim Bier, dass uns eine Luftveränderung guttun würde. Möglich, dass Wolfgang mein ausgestelltes Trennungsleid satt hatte und mich auf andere Gedanken bringen wollte. Zumal er, der sich zuverlässig in Frauen verliebte, die nicht einmal seine Existenz zur Kenntnis nahmen, der Meinung war, ich hätte kein Recht, mich zu beschweren. Aachen war zu dieser Zeit ein Stahlbad für testosterongesteuerte, paarungswillige junge Männer. An der größten Uni der Stadt, der TU, kam ungefähr eine Studentin auf hundert Studenten, der Männerüberschuss war also enorm, das Angebot an potentiellen Partnerinnen gering. Wer sich, wie Wolfgang, stets in die umschwärmtesten Mädchen verliebte, hatte denkbar schlechte Karten. Ein Grund mehr, Aachen den Rücken zu kehren.</p>
    <p>Nur mit einem Schlafsack, einer Jeans, einer Badehose, drei T-Shirts und Unterwäsche im Gepäck machten wir uns auf die Reise nach Kreta. Zelte oder Rucksäcke waren für Spießer und Neckermanntouristen. Von Hotelzimmern ganz zu schweigen. Schon die Überfahrt mit der Fähre war eine Offenbarung für mich, wir schliefen an Deck, jemand packte seine Gitarre aus, wir teilten unser Bier und unser Essen mit Menschen, die wir gerade erst kennengelernt hatten, als die Sonne aufging, zeigte sich die Silhouette der Insel im Licht des neuen Tages. Konnte das Leben tatsächlich so schön sein?</p>
    <p>Kreta erschien mir als Sehnsuchtsort. Wir schliefen in einer Bucht in der Nähe von Paleochora im warmen Sand, das Letzte, was wir hörten, war das Plätschern der Wellen und das Zirpen der Grillen, am Morgen weckte uns die Sonne, über uns der weite blaue Himmel. Ein kleiner Wasserlauf brachte kaltes, klares Trinkwasser aus den Bergen. Ich genoss die Wärme, hatte meist nur eine Badehose oder eine Jeans mit abgeschnittenen Hosenbeinen an. Am Strand trug ich, wie auch die Frauen dort, gar nichts. So etwas hatte ich noch nie erlebt, nackte Frauen, zum Greifen nahe. Wie gesagt, ich war im Paradies angelangt. Wir ließen uns treiben, schwammen im Meer, kifften am Strand, spielten Blitzschach oder maßen uns beim Armdrücken. Da ich durch das Handballtraining über große Schnellkraft verfügte, gewann ich beinahe jedes Mal, sogar gegen Kerle mit Armen wie Baumstämme. Damit machte ich bei den Kretern großen Eindruck.</p>
    <p>In der Nähe der Bucht gab es eine kleine Bar, dort aßen wir Joghurt mit Honig und Nüssen zum Frühstück und tranken abends Retsina und Ouzo. Am Alkohol hatte ich mittlerweile Geschmack gefunden, nicht zuletzt, da einige meiner Studentenfreunde eine Vorliebe für erlesene Weine hatten. Eine Flasche Rotwein gehörte zu einem guten Essen selbstverständlich dazu, eine Art Genussverstärker. Im Jahr zuvor waren Wolfgang und ich zusammen mit Freunden zur Weinernte an die Ardèche gefahren, hatten Trauben gepflückt, im Fluss gebadet und den Tag mit einer Flasche Wein ausklingen lassen. Eine traumhafte Zeit.</p>
    <p>Ich war gerne unter Menschen, fühlte mich wohl, wenn ich Teil einer Gruppe war, umgeben von Gesprächen und Gelächter. Für die Zuschauerplätze am Rand war ich nicht geschaffen, ich wollte mittendrin sein, den Takt mitbestimmen, die Gespräche mitgestalten, für Stimmung sorgen, lachen, dumme Sprüche machen, mich streiten und versöhnen. Alkohol als soziales Schmier- und Bindemittel kam mir da sehr gelegen. Bier, Wein und gelegentlich ein Schnaps machten mich locker und beseitigten wie schon bei meinen ersten Knutscherlebnissen verlässlich alle Unsicherheiten. Ich war Animateur und Unterhalter, hätte ich in einem vergangenen Jahrhundert gelebt, ich wäre wohl der Geschichtenerzähler oder eher noch der Gaukler auf dem Marktplatz gewesen. Dass es immer genügend Schnarchnasen gab, die froh waren, wenn sie sich zurücklehnen konnten und unterhalten wurden, bestärkte mich in meiner Rolle.</p>
    <p>Wenige Tage nach unserer Ankunft auf Kreta hatten wir uns mit dem Besitzer der Bar und einigen einheimischen Stammgästen angefreundet. Wir gehörten zum inneren Kreis. Waren wir besonders gelöster Stimmung, warfen wir die leeren Ouzo-Gläser an die Wand, über die Köpfe der Touristen hinweg. Wir fühlten uns nicht mehr als Besucher, wir gehörten hierher. Der Ouzo, das Werfen der Gläser war ein Ritual, das uns als Gruppe verband, ein Ausdruck von Lebensfreude und Virilität. Eine Szene wie aus einem Hemingway-Roman, großartig! Dazu kam, dass ich nach kurzer Zeit registrierte, dass ich bei den Urlauberinnen ganz gute Chancen hatte – Anfang zwanzig, groß, blond, durchtrainiert und braungebrannt, wie ich war. Ich hatte einige Affären; da die Urlaubsgäste ständig wechselten, war für Nachschub gesorgt. Darunter waren auch uralte Frauen, also über dreißig, was mir sehr gefiel. Sie hatten Erfahrung, von ihnen konnte ich einiges lernen. In Sachen Sex war ich eher ein Spätstarter, doch jetzt nahm mein Sexleben langsam die Form an, die ich mir immer erträumt und zu Beginn meiner Beziehung zu Brigitte lediglich behauptet hatte. Alles in allem eine großangelegte Renovierung meines Selbstwertgefühls, mein durch die Trennung angeschlagenes Ego erholte sich prächtig. Mein Leben war also doch noch nicht zu Ende.</p>
    <p>Eines Morgens nach dem Aufwachen war das Paradies rosa. Über allem lag ein rosa Schimmer, über dem Strand, dem Meer, den Menschen, meiner Haut. Aber das hatte nichts Romantisches: In der Nacht zuvor war es nicht beim Wein und bei drei oder vier Ouzo geblieben, ich hatte im Überschwang eine ganze Flasche geleert. Ich erschrak fürchterlich. Der Ouzo hatte mir nachhaltig die Sinne getrübt, ich konnte meiner Wahrnehmung nicht mehr vertrauen. Das war mir noch nie passiert. Irgendwann verblasste das Rosa, und ich beschloss, daraus meine Lehre zu ziehen und in der nächsten Zeit den Ouzo zu meiden. Für den Rest des Urlaubs trank ich nur noch Raki.</p>
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    <p>Cognac, Satz und Sieg</p>
    <p>An einem kühlen Herbsttag des Jahres 1986 saß ich in einem Café auf dem Gelände des Open-Air-Tennisparks in Kaarst, und meine Nerven liefen Amok. In einigen Minuten sollte es so weit sein, der Moment, auf den ich in den letzten Monaten akribisch hingearbeitet hatte. Dem ich entgegenfieberte. Als erster deutscher Fernsehjournalist sollte ich ein Exklusiv-Interview mit dem Tennisspieler John McEnroe für die »Sportschau« führen. Mit dem Mann, der in der ersten Hälfte der achtziger Jahre das Herrentennis dominierte und dessen epochale Duelle mit Björn Borg mein Bruder und ich angespannt am Fernseher verfolgt hatten. Ein begnadeter Tennisspieler und für mich ein charismatischer Held. Einer, der mit seiner cholerischen Art immer auch polarisierte, mit Wutausbrüchen auf dem Court, denen häufig sein Schläger zum Opfer fiel, mit Beschimpfungen von Gegner, Schiedsrichter und Balljungen. Nicht zuletzt diese Mischung aus großem Talent und enthemmtem Kontrollverlust faszinierte mich. McEnroe war mein Idol, anders als der stets kühlbeherrschte Björn Borg, dessen Spiel ich bewunderte, der mir aber als Charakter fremd blieb. In McEnroes Spiel und Persönlichkeit erkannte ich etwas Rauschhaftes, Exzessives, das mich in seinen Bann zog und dem ich mich verbunden fühlte. Er fügte sich nahtlos in meine Heldengalerie ein.</p>
    <p>Dieses Interview war zudem von großer Bedeutung für meine noch junge Karriere als Filmemacher. Trotz meines Bemühens, die Studentenzeit ins Unendliche auszudehnen, ohne allzu viel Zeit mit dem lästigen Studieren verschwenden zu müssen, war das Ende irgendwann absehbar gewesen. Ich studierte Germanistik, Sport und Erziehungswissenschaften auf Lehramt, aber dass ich nicht Lehrer werden wollte, war mir bald klar. Mein Studium lief mehr oder weniger ins Nichts. Die Hausarbeit für das erste Staatsexamen schrieb ich fast vollständig im Freibad, wozu mich groß anstrengen? Ich war 28 Jahre alt und ratlos, wie mein Leben weitergehen sollte.</p>
    <p>Carlo war zu dieser Zeit schon sehr erfolgreich als Hochspringer, 1983 hatte er bei den Halleneuropameisterschaften in Budapest die Höhe von 2,34 Metern übersprungen und die Goldmedaille errungen. Er verfügte über immenses Talent und eine beeindruckende Trainingsdisziplin, bei aller brüderlichen Konkurrenz war mir schnell klar geworden, dass ich ihm auf diesem Gebiet hoffnungslos unterlegen war.</p>
    <p>Meinem Bruder verdankte ich meinen ersten Kontakt zum Fernsehen. 1984 lernte ich einen TV-Journalisten kennen, der ihn für die »Sportschau« porträtierte. Nikolaus Roetz war selbständig, Kameramann, Cutter und Produzent in Personalunion mit kleinem Ü-Wagen; eine sogenannte Rucksack-Produktionsfirma, die fertig geschnittene Beiträge an die Sportredaktionen der Sender lieferte. Er erkannte meine Begeisterung für den Sport und den Journalismus und bot mir, dem Laien und Langzeitstudenten, einen Job in seiner Firma BFF an. Sogar mit guter Bezahlung, ein Lottogewinn für mich. Ein Jahr zuvor hatte ich neben dem Studium in einer Druckerei Nachtschicht geschoben, zwölf Stunden am Stück geschuftet für zehn Mark in der Stunde, jetzt verdiente ich als Berufsanfänger 4000 Mark im Monat, ohne dass ich schmutzig wurde und allzu sehr ins Schwitzen geriet. Eine neue Welt öffnete sich, eine Perspektive.</p>
    <p>Wenige Wochen, nachdem ich den Job angenommen hatte, stand ich mit wild klopfendem Herzen und zittrigen Beinen im Redaktionsgebäude des WDR, in der Hand meine ersten eigenen Exposés für zwei Beiträge, die ich dem zuständigen Redakteur der Sendung »Sport im Westen« anbieten wollte. Schon das imposante Gebäude hatte mich eingeschüchtert, auf den Gängen sah ich Gesichter und hörte Stimmen, die ich bisher nur aus dem Fernsehen und Radio kannte. Ich nahm all meinen Mut zusammen und stellte mich vor: »Mein Name ist Bernd Thränhardt von der Firma BFF, ich möchte zu Herrn Selge wegen einiger Themenvorschläge.«</p>
    <p>Manfred Selge, der zuständige Redakteur, las meine Exposés, ich konnte kaum stillsitzen vor Anspannung. Möglich, dass er meine Ideen verächtlich abschmettern würde. War es nicht vermessen, gar größenwahnsinnig von mir, dem ahnungslosen Anfänger, mit meinen halbgaren Ideen hier aufzutauchen und tatsächlich einen Auftrag zu erwarten? Als es am Ende hieß »Das liest sich interessant, das machen wir«, konnte ich mein Glück kaum fassen. Als mein erster Kurzfilm gesendet und mit den Worten »Ein Beitrag von Bernd Thränhardt« angekündigt wurde, fühlte ich mich, als seien mir Flügel gewachsen. Ich war der König der Welt. Oder zumindest auf dem Weg dorthin.</p>
    <p>In den ersten Jahren fand ich meine Themen meist in meiner Umgebung – ich porträtierte einen Eifeler Lokalhelden, den Motocross-Fahrer Rudi Scheen, die Aachenerin Claudia Ostländer, die zu der Zeit als einzige Fahrerin die Rennfahrer-Szene aufmischte, und berichtete in einem großen Feature über die »Bunte Liga«, den Versuch, eine Art alternative studentische Fußballliga in der Region zu initiieren. Die »Bunte Liga« war dann auch Thema meines Staatsexamens. Kurz darauf verließ ich die Uni ohne Wehmut.</p>
    <p>Ich arbeitete wie im Rausch, viele Stunden täglich, experimentierte mit Schnitten und Montagen, wie ich sie aus Musikvideos kannte. In der Welt der Sportfilme waren diese Techniken noch neu. Die ersten guten Kritiken gaben mir zusätzlich Auftrieb. Eine Mutter schrieb mir, sie habe zusammen mit ihrem Sohn, dem nach einem Unfall ein Bein abgenommen werden musste, meinen Beitrag über den einbeinigen Weit- und Hochspringer Gunther Belitz gesehen. Der Film habe ihrem Sohn neuen Lebensmut gegeben.</p>
    <p>In solchen Momenten sah es so aus, als könne meine Arbeit einen Sinn jenseits der Quote und der Suche nach Anerkennung haben. Filme machen zu dürfen, in Eigenregie und über Themen und Menschen, die mich interessierten, empfand ich als Privileg. Alles lag in meiner Hand, von der Idee über die Gestaltung und den Ton bis zum Schnitt. Ich sah mich als ein zeitgenössischer Geschichtenerzähler.</p>
    <p>Viel Zeit und Energie investierte ich in den Dreißig-Minuten-Film »Hoch fliegen, tief fallen« für den ZDF-»Sportspiegel«, ein Doppelporträt der besten deutschen Hochspringer dieser Zeit, meinen Bruder Carlo und seinen Freund, den Olympiasieger Dietmar Mögenburg. Damals hatte die Leichtathletik begonnen, sich zu professionalisieren. Die Dreharbeiten nahmen ein Jahr in Anspruch. Ich hatte dem Film ein Zitat von Elias Canetti vorangestellt: »Wie lange muss man sagen, wer man ist, bis man es wirklich wird?« Diese Frage nach der eigenen Identität, dem Prozess der Veränderung und Selbstfindung, hat mich lange beschäftigt. Für mich bedeutete es vor allem: Werde der, der du im tiefsten Inneren bist, lebe nicht fremdbestimmt an dir selbst vorbei.</p>
    <p>John McEnroe spielte in einer anderen Liga als meine bisherigen Protagonisten. Beinahe ein Jahr hatte es gedauert, bis ich seine Zusage bekam, ich hatte mich regelrecht in dieses Projekt verbissen. Das erste Interview mit dem Weltstar im deutschen Fernsehen war ein Coup, der meine Position bei den Sportredaktionen und in der neuen Produktionsfirma, für die ich mittlerweile arbeitete, stärken würde. Diese Chance durfte ich mir nicht verderben.</p>
    <p>Kurz vor dem Interview wurde die Anspannung unerträglich. Mein Puls raste, meine Finger zitterten, Schweiß stand auf meiner Stirn. Ich war kurz davor, die Kontrolle zu verlieren. Sicher, in so einer Situation aufgeregt und angespannt zu sein ist nicht nur normal, es kann sogar motivieren, die Sinne und die Konzentration schärfen. Aber nicht diese Art der Nervosität, sie war unkontrollierbar, alles beherrschend, destruktiv und belastend. Unmöglich, in diesem Zustand ein Interview zu führen!</p>
    <p>Ich ging an die Bar des Cafés, bestellte einen doppelten Cognac und kippte ihn mit einem Schluck hinunter. Nach wenigen Augenblicken breitete sich die Wärme des Alkohols in meinem Magen aus und dämpfte meine Nervosität und die Angst vor dem Versagen. Mein Puls normalisierte sich halbwegs, und meine Hände gehorchten mir wieder. Jetzt war ich einsatzfähig.</p>
    <p>Das Interview wurde ein Erfolg. Wir sprachen über Wut, seine Liebe zur Literatur und seine deutschen Wurzeln. Am Ende bedankte sich John McEnroe für das angenehme Gespräch und lud mich zum Essen ein. Als der Beitrag schließlich in der »Sportschau« lief und in verschiedenen Zeitungen ausführlich zitiert wurde, wuchs ich vor Stolz einige Zentimeter. Die Freude an der Arbeit und meiner Leistung berauschte mich stärker als der Cognac. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, den Alkohol als Problem zu sehen, im Gegenteil, er war Teil der Lösung: ein Baustein meines Erfolges, ohne den ich der Situation wohl nicht gewachsen gewesen wäre.</p>
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    <p>Hoch fliegen</p>
    <p>Carlo sah mich mit glasigem Blick an. »Meinst du, ich kann das schaffen?« Er saß in kurzer Sporthose und ärmellosem Hemd auf der Holzbank in der Umkleidekabine der Sporthalle der Hauptschule Simmerath. Die Anspannung ließ ihn zittern, Gänsehaut überzog seinen gesamten Körper, einem Erstickenden gleich zog er an seiner Zigarette. 1,97 Meter pure Emotion, auf mich wirkte er wie eine Art archaisches Wesen, roh, aufgewühlt, ungeschützt – ein zwei Meter großer Embryo. »Klar schaffst du das. Du gehst jetzt da raus und springst«, sagte ich. Die Latte lag auf 2,40 Meter, 1987 eine Demarkationslinie des Hochsprungs. Ein Sprung über diese Höhe war bis zu diesem Tag, dem 16. Januar 1987, noch niemandem gelungen, der Weltrekord.</p>
    <p>Seit drei Jahren organisierten wir an einem Januarwochenende das Hochsprung-Meeting Simmerath. Alles hatte mit einer Party begonnen, die Carlo 1983 zusammen mit seiner Familie und befreundeten Hochspringern feiern wollte. Als absehbar war, dass sich tatsächlich eine große Zahl an Topathleten unter den Gästen befinden würde, beschlossen wir spontan, der Feier ein Springen in der örtlichen Sporthalle voranzustellen. Mittlerweile zog die Veranstaltung – möglicherweise auch die inzwischen legendäre Party im Anschluss – alljährlich die Hochsprungerelite in unser kleines Eifeldorf. Alle kamen: die deutschen Topspringer Dietmar Mögenburg, Gerd Nagel und Ralf Sonn, der Schwede Patrik Sjöberg, die Amerikaner Dwight Stones und Jerome Carter, der polnische Olympiasieger Jacek Wszoła, der Russe Rudolf Powarnizyn und Javier Sotomayor aus Kuba, der den Hochsprungweltrekord zwei Jahre später auf 2,43 Meter schrauben und vor den Olympischen Spielen 2000 wegen Kokaindopings gesperrt werden würde. Ihm mussten wir seine Antrittsgelder in bar aushändigen, unbemerkt von seinem Trainer und Betreuer. Sonst wäre er, wie im kommunistischen und diktatorisch regierten Kuba üblich, gezwungen gewesen, das Geld seinem Verband auszuhändigen. Also falteten wir die Geldscheine so klein wie möglich, verbargen sie in der Handfläche und übergaben sie ihm heimlich bei der Begrüßung.</p>
    <p>Schon das Springen selbst war eine große Party. In der Sporthalle herrschte Diskothekenlautstärke, jeder Springer lief zu seiner persönlichen Begleitmusik an. Das Meeting war ein Familienprojekt, meine Eltern verschickten die Einladungen, Carlo rekrutierte die Athleten, meine Freundin entwarf die Plakate. Meine Aufgabe war es, gemeinsam mit Carlo im Vorfeld Sponsoren zu finden und vor allem die Halle und das anschließende Fest vorzubereiten und für einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung zu sorgen. Ich war für jede Heftklammer, jedes Lautsprecherkabel, jeden Stuhl und jede Werbebande verantwortlich, verlegte mit Hilfe von Freiwilligen, die ich im örtlichen Sportverein rekrutiert hatte, die Matten und sorgte für den Aufbau der Sprunganlage. Viel Zeit blieb dafür nicht, der Umbau der Halle musste in einem Tag und einer Nacht vonstattengehen. Ich arbeitete unter Hochdruck. Alles sollte perfekt sein.</p>
    <p>Der Wettkampf in seinem Heimatdorf, vor den Augen seiner Familie, hatte die Nerven meines Bruders aufs Äußerste strapaziert. Wenige Stunden vor Beginn des Springens hatte er unter Fieberschüben gelitten und sich noch geweigert, sein Bett zu verlassen. Seine Anspannung übertrug sich auf uns. Mein Vater verließ die Halle, noch bevor Carlo anlief. Er fuhr in die nächste Kneipe und genehmigte sich ein Bier und einen Schnaps zur Entspannung.</p>
    <p>Ich fieberte mit meinem Bruder. Sah, wie er die Laufbahn betrat. Und zunächst stockte, mit wütendem Blick in die Runde sah. Meine Freundin hatte versehentlich die falsche Musik eingelegt, ein Sakrileg. Als dann die ersten Töne von Europes »The Final Countdown« aus den Boxen dröhnten, versank er in sich selbst, sein Gesicht eine Maske vollständiger Konzentration. Er lief an. Dieses Mal würde er es schaffen, der Rekord würde fallen. Dessen war ich mir schon bei seinen ersten Schritten sicher. Tatsächlich, er übersprang die 2,40 Meter im ersten Versuch, überwand als erster Mensch diese magische Grenze. Laut schreiend riss er die Arme hoch, tobte wie ein Derwisch durch die Halle. Ich rannte auf ihn zu, riss ihn in meine Arme. Er war aufgelöst und fassungslos, beinahe verstört, konnte das Glücksgefühl kaum verarbeiten. Mir ging es ähnlich. Mein kleiner Bruder war Weltrekord gesprungen. Er war jetzt einer von denen, die wir früher gemeinsam im Fernsehen bewundert hatten, Sportler, die in einer anderen Welt zu existieren schienen. Es war schier unfassbar. Auf diesen Augenblick schien alles in seinem Leben hingelaufen zu sein.</p>
    <p>In diesem Moment fühlte ich mich meinem Bruder tief verbunden. Ich sah den erwachsenen Athleten und gleichzeitig den kleinen Kerl, den ich als Dreijähriger auf der Ladefläche meines Plastiktraktors transportiert hatte. Den Jungen, mit dem ich in unserem Garten um die Wette gelaufen war, den Teenager, an dessen Seite ich Handball gespielt hatte. Carlo, der Schulverweigerer, mein sensibler, schüchterner Bruder, hatte seinen Platz in der Welt gefunden, mehr noch, er hatte es dort bis ganz nach oben geschafft, in jeder Hinsicht. Das vor allem löste eine wilde Freude in mir aus.</p>
    <p>Die folgende Party war so himmelstürmend wie die Sprünge zuvor. In großer Runde aßen und tranken wir in einer Gaststätte im Nachbarort, im Anschluss feierten wir im engen Kreis im Haus meiner Eltern weiter. Die Stimmung war ausgelassen und euphorisch, ein Gewirr unterschiedlicher Sprachen erfüllte den Raum, aber jeder schien jeden zu verstehen, alle Grenzen waren verschwunden, Herkunft, sportliche Konkurrenz, nichts davon spielte mehr eine Rolle. Wir waren Freunde, Familie, lachten und tranken. Ich schwebte durch den Raum, genoss die Wärme, die Nähe, das Miteinander, den Zusammenhalt, flog einer Flipperkugel gleich von einem zum anderen. Meine gute Laune warf ich in vollen Händen wie Kamelle unter das Feiervolk, die anderen griffen freudig zu. Bald war ich ein Zentralgestirn der Party, die anderen Gäste kreisten in meiner Umlaufbahn, mein Magnetismus, so schien es mir, hielt alles und jeden in Bewegung.</p>
    <p>Ich war wie losgelöst, berauscht, glückdurchströmt, trank Champagner, Bier, Malteser. Der Alkohol war Entspannungsmittel, Stimmungsbeschleuniger, Kommunikationstreibstoff und Belohnung. Ich hatte diese Veranstaltung, die im Weltrekord meines Bruders gipfelte, und die dazugehörige Party organisiert, hatte sozusagen das Feld bestellt, auf dem die sportlichen und festlichen Höhepunkte dieses Tages gedeihen konnten. Jetzt konnte ich mich gehen lassen. Wer hart arbeitete, hatte jedes Recht, ebenso hart zu feiern. Mehr noch, beides war untrennbar miteinander verbunden. Ich wollte allen zeigen, wie eine Hochleistungsparty auszusehen hatte, und nebenbei, wie viel ich vertrug. Die anderen sprangen vielleicht höher als ich, aber beim Feiern und Trinken konnte niemand mit mir mithalten. Ich war der Hochleistungsorganisator, der Hochleistungsstimmungsmacher und der Hochleistungstrinker unter den Hochleistungssportlern. Kurz, ich war in meinem Element.</p>
    <p>Dass mein Bruder, selbst kein Asket und weit davon entfernt, sich von Sport-Puristen seine Zigaretten und sein Bier madig machen zu lassen, mich zunehmend nervös und angespannt beobachtete, immer auf dem Sprung, eine mögliche Entgleisung zu verhindern, bemerkte ich nicht. Auch nicht, dass ich immer eine Spur lauter, schriller, exzessiver und aufgedrehter war als die anderen, alle Aufmerksamkeit auf mich zog und kurz davor stand, die Latte des Kontrollverlusts zu reißen. Meine alkoholsatte Euphorie war wie ein großer Hund, der unter dem Gejohle der anderen Gäste ausgelassen Kunststücke vorführte, allen durch die Beine wuselte, laut bellend an ihnen hochsprang und ihnen durch das Gesicht leckte; auch dann noch, wenn deren Begeisterung verflogen und der Jubel verstummt war.</p>
    <p>Bat Carlo mich, mich zu mäßigen, lachte ich ihn aus. Mir ging es doch prächtig, alles war gut, ich sorgte für Stimmung, hatte mich unter Kontrolle und amüsierte mich darüber hinaus königlich! Die anderen tranken doch auch, und ohne jemanden wie mich war eine Party nur ein Kaffeekränzchen. Den Kater würde ich locker wegstecken, schließlich war ich Sportler, jung und stark.</p>
    <p>Am nächsten Tag waren Carlo und Jacek Wszoła als Studiogäste ins »Aktuelle Sportstudio« geladen, Patrik Sjöberg und ich begleiteten die zwei. Das ZDF bezahlte uns jungen Kerlen Übernachtung und Abendessen in einem teuren Hotel, wir fühlten uns wie Fremdkörper inmitten der distinguierten älteren Herren im Anzug. Und wir ließen es gehörig krachen – zum 5-Gänge-Menü tranken wir Champagner und Cognac, nach dem Essen zündete sich jeder von uns eine dicke Zigarre an. Ein wenig fühlten wir uns wie Rockstars.</p>
    <p>Das Leben war ein einziger Rausch, alles floss, war in Bewegung. Unsere Partys und Besäufnisse waren nie hohler Selbstzweck, sie waren eingebettet in den Sport, die Erfolge; in arbeitsreiche und nüchterne Wochen, die in neue, aufregende Erfahrungen mündeten.</p>
    <p>Ein Jahr später, als Carlo in Berlin mit 2,42 Meter abermals einen neuen Hallenweltrekord aufgestellt hatte, waren wir zum Ball des Sports eingeladen. Wir kamen etwas zu spät, Carlo hatte noch eine Dopingprobe abgeben müssen. Der Fahrdienst chauffierte uns mit einem S-Klasse-Mercedes nach Mainz, auf dem roten Teppich erwartete uns das Blitzlichtgewitter der Fotografen. Carlo stand im Zentrum der Aufmerksamkeit, er war ein Star und wurde hofiert. Ich war an der Seite meines Bruders inmitten des Trubels, unterhielt mich mit Richard von Weizsäcker, der uns, als Bundespräsident Schirmherr der Veranstaltung, mit Handschlag begrüßt hatte. Später am Abend stand ich mit Udo Jürgens an der Bar, wir prosteten uns zu und kamen ins Gespräch. Der kleine Carlo und der kleine Bernd waren in der großen Welt angekommen, eine unglaubliche Erfahrung. Ich war wie im Rausch, geblendet vom großen Glanz und schönen Schein. Eine Art Droge, die die Eitelkeit nährt.</p>
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    <p>Thränhardt, du Tier!</p>
    <p>Der Rolls-Royce stand im absoluten Halteverbot, keine zwanzig Meter vom Eingang des Nijinsky entfernt. Metalliclackierung, getönte Scheiben und blitzendes Chrom, ein Klischee auf vier Rädern. Wir waren zu viert, der Besitzer des Rolls-Royce, ein Unternehmer aus Düsseldorf, den ich nur flüchtig kannte, saß auf dem Fahrersitz, neben ihm Dieter, ein erfolgreicher Schauspieler; der breite Paul, ein Zuhälter, und ich saßen auf dem Rücksitz. Ich hatte nur eine vage Vorstellung davon, was mich erwartete.</p>
    <p>Im Laufe des Abends hatte ich beobachtet, wie Dieter und die beiden anderen immer wieder für einige Minuten die Diskothek verließen und ziemlich aufgekratzt zurückkamen. Ich hatte geahnt, dass irgendetwas im Gange war, das ich keinesfalls verpassen durfte. Also hatte ich mich ihnen dieses Mal wie selbstverständlich angeschlossen. Keiner schien sich darüber zu wundern.</p>
    <p>Der Rolls-Royce-Besitzer zog ein Tütchen mit weißem Pulver aus dem Handschuhfach, streute etwas davon auf einen Spiegel, hackte es mit seiner Kreditkarte klein und formte zwei Linien daraus. Dann rollte er einen Fünfzigmarkschein zu einem Röhrchen, steckte sich das eine Ende in sein rechtes Nasenloch, verschloss das linke mit seinem Finger und zog mit einem energischen Schnaufen eine Pulverlinie in seine Nase. Dann wiederholte er die Prozedur mit seinem linken Nasenloch und reichte sämtliche Utensilien an Dieter weiter. Ich sah gebannt zu, prägte mir jede seiner Bewegungen ganz genau ein. Schließlich wollte ich später keinen Fehler machen. Kokain kannte ich bisher nur aus Filmen und Büchern, dass es Koks auch in meiner unmittelbaren Umgebung geben musste, war mehr als naheliegend, aber bisher hatte ich nichts davon bemerkt.</p>
    <p>Der Spiegel und das Tütchen wurden nach hinten gereicht. Wie ein gelehriges Zirkusäffchen hackte ich das Pulver, rollte den Geldschein und schnupfte die weiße feinkörnige Linie; so, wie ich es Minuten zuvor gesehen hatte. Die Härchen auf meinem Arm hatten sich vor Aufregung aufgestellt, aber ich gab mich abgeklärt und routiniert. Niemand sollte meine innerliche Anspannung spüren und mich als Novize enttarnen.</p>
    <p>Schon dieses Ritual nahm mich gefangen. Ein magischer Moment – wir waren ein Geheimbund, wagemutige Verschwörer, die die Grenzen der Spießergesellschaft weit hinter sich ließen und sich über die ahnungslosen Trinker im Inneren des Clubs erhoben. Jetzt war ich endgültig in der Welt von Hemingway, Miller, Kerouac und Burroughs angekommen.</p>
    <p>Dann knallte das Kokain in mein alkoholisiertes Hirn. Wärme durchflutete mich, breitete sich in meinem gesamten Körper aus. Gleichzeitig erfüllten mich eine große Ruhe und Klarheit. Ich fühlte mich nicht benebelt, wie ich es vom Haschisch und auch vom Alkohol kannte. Im Gegenteil, es war, als hätte ich alle Fesseln abgeworfen.</p>
    <p>Mein Denken und Fühlen waren von kristalliner Reinheit und Schärfe, alle Hemmungen waren verschwunden, ich war unantastbar, entgrenzt, auf magische Weise eng mit allem verbunden, mit meinen Mitverschwörern im Auto, meinen Freunden an der Bar, das Koks hatte mich in das Zentrum meines Universums katapultiert. Nach diesem Moment, so schien es, hatte ich mich mein gesamtes Leben gesehnt.</p>
    <p>Der Club vibrierte vor Energie. Eine dunkle, warme Höhle, in der nichts Bedrohliches existieren konnte. So ähnlich musste sich der Fötus im Mutterleib fühlen. Meine Füße schienen den Boden kaum zu berühren, die Frauen leuchteten, ich selbst leuchtete, war ein Magnet, der die Menschen anzog, in meinen Bann schlug. Alles war von nie gekannter Intensität. Die Luft flirrte vor sexueller Spannung. Ich flirtete mit jeder Frau in meiner Nähe, alles war purer Sex, jedes Wort, jeder Blick, jede Berührung. Verheißung und Verführung, Kopfpornokino, überwältigend und rauschhaft. Ich war nach Hause gekommen. Angekommen in dem Leben, von dem ich als Teenager gelesen und geträumt hatte.</p>
    <p>Begonnen hatte alles mit meinem Umzug nach Köln rund zwei Jahre zuvor. Gegen das studentisch geprägte, aber eher provinzielle Aachen mit seinen Maschinenbaustudenten und seinem chronischen Männerüberschuss war Köln ein Eldorado, in jeder Hinsicht. 1985 zog ich in eine Wohnung in der Breiten Straße im Zentrum der Stadt. Die Straße, gesäumt von Restaurants, Cafés, Kneipen und Geschäften, war für Autos gesperrt. Hier flanierten hauptsächlich Einheimische oder die Köln-Kenner unter den Besuchern, der Großteil der Touristen bevölkerte eher die Hohe Straße und die Schildergasse.</p>
    <p>Meine Wohnung war siebzig Quadratmeter groß und lag über einem Café, auf den ersten Blick machte sie nicht sehr viel her: angestoßener Sechziger-Jahre-Chic, zwei Zimmer, ein kleines, aber ordentliches Bad mit hässlich gemusterten Kacheln. Auch die Küche war winzig, aber ich hatte ja nicht vor, darin viel Zeit zu verbringen. Mein Frühstück, ein Croissant und einen Kaffee zur Zigarette, bekam ich im Café im Erdgeschoss, an dessen Hintereingang mein Hausflur anschloss. Schon nach wenigen Wochen stapelten sich die Kuchenteller in meiner Küche. Mittags aß ich meist in den umliegenden Restaurants. Und beobachtete unter meiner Sonnenbrille die Frauen, die vorüberflanierten. Vor allem im Sommer ein Anblick, von dem ich nie genug bekam.</p>
    <p>Mein Wohnzimmer bot genügend Raum für ein großes Bücherregal, mein Schlafzimmer ging auf den Innenhof, mit Blick auf ein Flachdach und die Lüftungsschächte des Cafés. In warmen Sommernächten kletterte ich aus dem Fenster, das Flachdach wurde mein persönlicher innerstädtischer Dachgarten. Zugegeben, statt Wiesen, Blumen und Bäumen gab es Dachpappe, Ziegelmauern, Ventilatoren und Metallrohre, aber unter dem Sternenhimmel spielte das keine große Rolle. Urbane Romantik, mit der ich auch bei den Frauen, die ich nachts mit zu mir nahm, punkten konnte. Die Wohnung war ein Hauptgewinn für mich.</p>
    <p>In gewisser Weise hatte der Umzug meine Welt verengt: Beinahe alle Wege waren kurz – das WDR-Gebäude, das Büro der Produktionsgesellschaft, mit der ich kooperierte, Studios und Schnitträume, alles war nur wenige Gehminuten von meiner Wohnung entfernt. Da in den Redaktionen meist nicht vor zehn Uhr gearbeitet wurde, kam ich sogar dann noch pünktlich zu meinen Terminen, wenn ich bis neun oder halb zehn schlief. Frühes Aufstehen hasste ich seit meiner Schulzeit. Zum anderen hatte der Umzug meine Welt wunderbar erweitert. Nach kurzer Zeit wusste ich, in welchen Lokalitäten die sogenannte Szene verkehrte. Ich war neugierig und kontaktfreudig, kam schnell mit Menschen ins Gespräch. Was in Köln zugegebenermaßen nicht besonders schwierig ist – wer hier keine Kontakte knüpft, leidet wahrscheinlich an einer schweren Sozialstörung. Beinahe täglich traf ich interessante und aufregende Menschen, den Schauspieler Jo Bolling, den ich aus der »Lindenstraße« kannte, lernte ich in einem Café kennen, den Sänger und Ex­tremsportler Joey Kelly oder die Entertainerin Hella von Sinnen an der Bar eines Clubs.</p>
    <p>Einer meiner engsten Freunde war Tom Gerhardt, ein Lokaljournalist, der Philosophie und Germanistik studiert hatte und von einer Karriere als Comedian träumte. Als ich ihn kennenlernte, spielte er vor dreißig Besuchern, einige Jahre später war er der Star einer eigenen Comedy-Serie im Privatfernsehen. In Köln öffnete sich eine Tür in eine neue, schillernde Welt. Eine, die schier grenzenlose Aufregung und Spaß verhieß, in der alles möglich zu sein schien. In den ersten Wochen und Monaten stand ich noch staunend am Rand, dann tauchte ich immer tiefer in diese Welt ein, kopfüber und mit leuchtenden Augen.</p>
    <p>Meine Begeisterung für den Sport hatte ich mir bewahrt. Ich spielte regelmäßig Handball in einer Journalisten-Mannschaft, und am Wochenende traf ich mich mit Carlo oder Dietmar Mögenburg zu einem Tennis-Match, oder wir spielten Basketball mit Sportstudenten und dem späteren Bundestrainer Dirk Bauermann. Danach ließen wir im Wellnessbereich des Interconti die Woche ausklingen und läuteten gleichzeitig das Partywochenende ein.</p>
    <p>Das Hotel lag nur wenige Gehminuten von meiner Wohnung entfernt, der Wellnessbereich inklusive Sauna war im obersten Stockwerk untergebracht und, was vielen Kölnern nicht bekannt war, öffentlich zugänglich. Ende der Achtziger hatte, neben zahlreichen Sportlern, die Medienszene die Sauna für sich entdeckt. Ob Verleger, Journalist, Filmemacher oder Sportmanager, hier traf man die interessantesten Menschen. Zusätzlich zur Sauna, den Ruheräumen und der Bar gab es einen Billardtisch, man konnte Backgammon spielen oder sich massieren lassen. Wir spielten um Geld, das erhöhte die Spannung. Ein paradiesischer Ort, in dem Carlo, Dietmar und ich viele Stunden verbrachten. Mein Bruder feierte dort sogar seinen dreißigsten Geburtstag.</p>
    <p>Die Hotelsauna fungierte auch als eine Art kollektives Außenbüro, hier wurden Projekte entwickelt und Verträge ausgehandelt, die jeweiligen Mitarbeiter riefen bei wichtigen Belangen an der Bar der Sauna an. Bald hinterließ auch ich die Telefonnummer der Bar des Wellnessbereichs im Büro und bei meinen Geschäftsfreunden. An den Wochenenden war die Interconti-Sauna das Basislager, von dem aus wir in die Restaurants, die Clubs und Diskotheken ausschwärmten.</p>
    <p>Mit Dieter, dem Schauspieler, war ich auf der Toilette des Palm Beach ins Gespräch gekommen, einer Diskothek, in der sich allabendlich einige Hundert Jahre Knast versammelten. Uns verband neben der starken Affinität zum Sport vor allem unser Lebensstil – also die Affinität zu hochprozentigem Alkohol, schönen, in der Regel jüngeren Frauen und rauschhaften Nächten. »Es krachen lassen«, wie Dieter unser nächtliches Unterhaltungsprogramm beschrieb, das in der Regel mit einem doppelten Wodka-Tonic am Tresen des Nijinsky begann und, wenn die Diskotheken schlossen, in der nahegelegenen Currywurstbude und schließlich im Klein Köln endete, einer berüchtigten Milieu-Kneipe, angefüllt mit Boxern, Zuhältern und Nachtgespenstern aller Art. Dieter hatte sich schnell angewöhnt, mich mit »Thränhardt, du Tier!« oder »Thränhardt, du Verbrecher!« willkommen zu heißen, natürlich dröhnend laut. Zur Begrüßung klatschten wir uns ab, klopften uns mit großer Geste gegenseitig auf die Schultern und umarmten uns. Mir gefielen diese Rituale, auch wenn diese Körperlichkeit unter Männern neu für mich war.</p>
    <p>Ich war fasziniert von dem Biotop, in dem ich mich bewegte, umgeben von erfolgreichen Schauspielern und Musikern, von Journalisten und Schriftstellern, Plattenproduzenten und Sportlern, von Intellektuellen und Pseudointellektuellen, Unternehmern und Ganoven. In unserem Kreis gab es einen Schriftsteller, der Krimis schrieb, und den Chefredakteur einer Tageszeitung. Oder Bentley-Boris, der ein großes Vermögen verwaltete, besagte Autos sammelte und gerne und viel trank. Ein sehr zurückhaltender, liebenswürdiger Mann, immer geschmackvoll gekleidet, der meist abseits stand, das Geschehen aufmerksam beobachtete und treffsicher kommentierte. Frauen gegenüber war er sehr zuvorkommend, ein wirklicher Kavalier. Im Suff verlor er allerdings schon mal den Überblick. Einmal brachte er es fertig, im Vollrausch einen seiner Bentleys zu verlegen: An einem Wochenende hatte er sich in Monte Carlo so besoffen, dass er vergaß, dass er mit seinem Wagen dorthin gefahren war, den Bentley in einer Tiefgarage stehen ließ und nach Köln zurückflog. Dort suchte er tagelang seinen Wagen und meldete ihn schließlich als gestohlen. Seinen Irrtum bemerkte er erst Wochen später, als er eine saftige Rechnung des Tiefgaragenbetreibers aus Monte Carlo bekam.</p>
    <p>Da wir für Stimmung und Umsatz sorgten, waren wir in den Clubs und Diskotheken hofierte Stammgäste. Nie musste ich in einer Schlange stehen, die Türsteher begrüßten uns mit Handschlag und lotsten uns am wartenden Fußvolk vorbei. Die Getränke gingen sogar hin und wieder aufs Haus. Das Koks, das ich zunächst nur sporadisch an den Wochenenden nahm, leider nicht. Kokain war in den Clubs und Diskotheken, in denen ich die Nächte verbrachte, allgegenwärtig. Im Nijinsky gab es eine Art lebenden Kokskiosk, Stefan, der Dealer, eine Institution im Kölner Nachtleben. Graumeliert und mit adrettem Sakko stand er Abend für Abend am Tresen, immer an derselben Stelle. Er sah aus wie ein Versicherungsvertreter oder Geschäftsmann. Seine Geschäfte tätigte er zu meiner Überraschung wie selbstverständlich am Tresen. Nur Anfänger, lernte ich bald, wickelten ihre Drogenkäufe in dunklen Ecken vor der Tür der Diskothek ab.</p>
    <p>Im Alten Wartesaal trank ich mit Tom, dem zukünftigen Fernsehkomiker, Joey Kelly und einem erfolgreichen Gastronom Whisky an der Bar, wir stellten den Frauen nach, und der eine oder andere verschwand zwischendurch auf ein Näschen Koks auf die Toilette. Joey, der Ausdauersportler, nahm keine Drogen, hielt sich auch mit Alkohol eher zurück und verschwand in der Regel nicht weit nach Mitternacht. Wenn die Diskothek in den frühen Morgenstunden schloss, feierten wir anderen in der nahegelegenen Wohnung des Gastronomen weiter, lümmelten auf dem Sofa oder im Pool und redeten uns die Köpfe heiß. Wenn ich nach Hause ging, stach die Morgensonne in meine Augen. Was für ein Leben! Die anderen, die Langweiler, gingen zur Arbeit. Ich, die extrem coole Sau, kam nach Hause, aufgedreht und beseelt.</p>
    <p>So ein Leben hatte ich mir immer gewünscht. »Lieber den Jahren mehr Leben geben als dem Leben mehr Jahre«, wusste schon Curd Jürgens. So sah ich das auch – ich wollte so viel Aufregung, so viel Genuss und Stimulation in die Tage und Nächte pressen wie eben möglich. Grenzen überschreiten, in jeder Hinsicht, umgeben von schillernden, aufregenden Menschen. Ich war im Epizentrum des prallen Lebens angekommen, es waren meine »Stillen Tage in Clichy«.</p>
    <p>In dem Film »From Dusk Till Dawn« gibt es eine Szene, in der die beiden Hauptdarsteller eine Bar betreten, das »Titty Twister«. Dort tanzen halbnackte Frauen lasziv auf den Tischen, und verwegene Kerle in Lederjacken schütten grölend den Alkohol in sich hinein oder lecken ihn von den Frauenbäuchen. »Das könnte meine Stammkneipe werden«, sagt eine der beiden Hauptfiguren bei diesem Anblick. Als ich den Film sah, verstand ich genau, was er meinte. Jetzt fühlte es sich an, als lebte ich im »Titty Twister«. Zur Ruhe kam ich kaum, wieso auch?</p>
    <p>In meinem Leben spielten Sex und Erotik eine große Rolle. Genau genommen war ich ja sexuell eher ein Spätentwickler, mit Anfang dreißig hatte ich einiges nachzuholen. Obwohl ich mich meist in einer festen Beziehung befand, hatte ich zusätzlich regelmäßig Affären und One-Night-Stands. Ich war Filmemacher mit illustrem Freundeskreis und einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein, bei den Frauen kam ich gut an.</p>
    <p>Wie ein Spätpubertierender führte ich eine gedankliche Strichliste mit meinen Eroberungen, war stolz auf jede neue Kerbe in meinem imaginären Colt. An dem Tag, an dem ich zum ersten Mal mit zwei verschiedenen Frauen hintereinander Sex hatte, war die Kerbe besonders tief. Ich träumte von einer perfekten Woche – das bedeutete, an sieben aufeinanderfolgenden Tagen Sex mit sieben verschiedenen Frauen zu haben. An manchen Wochen kam ich diesem Ziel sehr nahe, ganz erreicht habe ich es nie.</p>
    <p>Zudem hatte ich jetzt endlich die Gelegenheit, all die aufregenden Sexszenen, die mich in den Büchern von Anäis Nin oder Harold Robbins so fasziniert und erregt hatten, einem Realitätstest zu unterziehen. Ich hatte zum Beispiel gelesen, es sei die ultimative Stimulation, sich vor der Penetration Kokain auf die Eichel zu streuen. Das erwies sich als maßlos übertrieben. In meiner Nase, erkannte ich schnell, war das Kokain definitiv besser aufgehoben. Aber von solchen Rückschlägen ließ ich mich nicht entmutigen, es gab noch so viel zu entdecken, so viele Körper und Praktiken zu erforschen!</p>
    <p>Das Kokain stachelte meine sexuelle Gier zusätzlich an. Nicht immer schaffte ich es mit meiner jeweiligen Eroberung bis in meine Wohnung. Es kam vor, dass wir auf dem Nachhauseweg auf einer Motorhaube oder in einer Baustelle übereinander herfielen. Ich war ein Getriebener in Sachen Sex.</p>
    <p>Bald begannen meine rauschenden Wochenenden, sich immer wieder auch in die Woche auszudehnen. Hin und wieder gab es Momente, in denen ich mich fragte, ob dieses Leben nicht auch Nachteile hatte: wenn ich nach durchgemachter Nacht bei hellem Sonnenschein in dem Café unter meiner Wohnung saß, halbkomatös, sensorisch überfordert vom geschäftigen Treiben auf der Straße und gequält vom Sonnenlicht, das trotz meiner Ray Ban schmerzhaft in mein Hirn stach, während die anderen wach und vergnügt zu Mittag aßen, sich unterhielten oder Hand in Hand an den Schaufenstern vorüberschlenderten.</p>
    <p>Aber diese Zweifel verflogen schnell. Nach wenigen Stunden Schlaf und einem langen Spaziergang war ich wieder einsatzfähig und in der Lage, mich voller Elan meinen Filmprojekten zu widmen oder Sport zu treiben. Lange Regenerationsphasen benötigte ich nicht, ich war jung und sportlich, außerdem fleißig und erfolgreich. Sicher, ich trank viel und nahm Drogen, aber ich war kein Versager und Verlierer, meine Karriere nahm im Gleichschritt mit meinem Alkohol- und Drogenkonsum Fahrt auf. Das Gleiche galt für die meisten meiner Freunde und Saufkumpane. Wir waren Gewinner; erfolgreich, lebendig, umschwärmt und hatten einfach eine Unmenge Spaß.</p>
    <p>Mit Dieter teilte ich neben der Begeisterung für Frauen und Alkohol ein Faible für die Kölner Halbwelt. Seit meiner Jugend war mein Kopf angefüllt mit den romantisierten Bildern von aufrichtigen Gaunern, die es mit dem Gesetz nicht so genau nahmen, sich über hohle gesellschaftliche Konventionen erhoben und sich einem eigenen Ehrenkodex, eigenen moralischen Grundsätzen verpflichtet fühlten. Ganze Kerle, die der stumpfsinnigen Spießerexistenz den Rücken gekehrt hatten und in ihrer eigenen, schillernden und aufregenden Welt lebten. Ihnen fühlte ich mich verbunden, auch wenn ich mein Geld auf legale Weise verdiente. Vor allem das Rotlichtmilieu, die Welt der Zuhälter und Huren, zog mich an. Ein Gegenuniversum, geprägt von allgegenwärtigem Sex, klaren Regeln und lässigen Sprüchen, bevölkert von allzeit verfügbaren Frauen und dem, was ich unter echten Männern verstand.</p>
    <p>Ich traf Typen wie den Automaten-Franz, dessen Name eigentlich schon alles sagte, was man über ihn wissen musste; oder den breiten Paul, ein Freund von Dieter, Türsteher und Gelegenheitszuhälter, dessen Nachnamen ich nie erfuhr. Ein glatzköpfiger Hüne, der brutal und gnadenlos zuschlug, wenn es nötig war, auf mich aber immer einen eher gutmütigen Eindruck machte und meistens gute Laune verbreitete. Einer, auf den man sich verlassen konnte, wenn es Ärger gab. Aber eben auch jemand, der selbst den Ärger anzog.</p>
    <p>Eines Morgens rief er mich voller Panik im Kokswahn an. »Du musst mich hier rausholen«, sagte er mit aufgeregter, aber gedämpfter Stimme. »Paul, was ist los?«, fragte ich. Er behauptete, seine Wohnung – die im zehnten Stock eines Hochhauses lag – sei von einem Sondereinsatzkommando der Polizei umstellt, seit 24 Stunden bewege er sich nur auf dem Bauch kriechend durch die Räume. Wenn die Beamten ihn durch das Fenster sähen, würden sie ihm den Kopf wegschießen. Keine Ahnung, welche Art Hilfe er sich da von mir erwartete. Da ich mich gerade in einem wichtigen Meeting befand, konnte ich die Angelegenheit leider nicht weiterverfolgen. Wenige Tage später traf ich ihn im Nachtleben wieder, einige Stunden Schlaf hatten die Bedrohung durch das SEK anscheinend beseitigt.</p>
    <p>Bei aller Faszination für die Halbwelt und meiner Nähe zu Luden, Dealern und Gaunern war ich nie ganz Teil ihres Universums, blieb stets eine Art freundlich geduldeter Zaungast. Was uns verband, war eher Kameraderie denn Freundschaft, wir waren eine Interessengemeinschaft in Sachen Drogen, Alkohol, Sex und rauschhaften Nächten. Wie die meisten meiner Nichtganovenfreunde betrachtete ich diese Welt, ihre Regeln und Rituale mitunter auch mit ironischer Distanz. Manchmal fühlte ich mich wie ein Besucher im Zoo. Zum Beispiel begrüßten uns die Türsteher und unsere Zuhälterkumpane statt mit »Wie geht’s?« in der Regel mit der eher rhetorischen Frage: »Fotzentechnisch alles klar?« Eine Frage, die nur eine Antwort zuließ und später Einzug in Toms Bühnenprogramm fand.</p>
    <p>Eine Art besondere Freundschaft verband mich dagegen mit Manni Gatzke, einem ehemaligen Autoschieber, der lange im Gefängnis gesessen hatte und als Türsteher arbeitete. Die Resozialisation, eine Integration in ein sogenanntes geregeltes Leben, war dem Ex-Knacki nicht gelungen, aber in der Kölner Halbwelt genoss er großes Ansehen. Seine Lebensgeschichte faszinierte mich. Manni war ein anständiger Kerl, zuverlässig, hilfsbereit und loyal zu seinen Freunden, »ein Korrekter«, wie es in Halbweltkreisen hieß. Außerdem war er sehr belesen und ein hervorragender Schachspieler. Er erschien mir wie ein Mann, der im Leben einfach nur einige Male falsch abgebogen war. Nächtelang saßen wir zusammen, spielten Schach, diskutierten über Nietzsche und Schopenhauer und philosophierten über das Leben und den ganzen Rest, meist angetrieben vom Kokain. Manni wusste immer, wo es das beste Koks gab. Auch sonst verfügte er über exzellente Unterweltkontakte, was mir bei dem einen oder anderen Filmprojekt von Nutzen war.</p>
    <p>Natürlich hatte auch er eine andere, dunklere Seite. Manni hatte die Gesetze der Straße verinnerlicht. Zudem war er groß und ein beeindruckendes Kraftpaket. Er ging keiner Schlägerei aus dem Weg, im Gegenteil. Einmal rempelte ihn ein harmloser Betrunkener im Vorübergehen an, Manni schlug ihm mit der flachen Hand so heftig aufs Ohr, dass es den Kerl, der nicht wusste, wie ihm geschah, von den Füßen hob. Ein anderes Mal stürzte sich Manni, ohne eine Sekunde zu zögern, auf drei Männer, von denen er sich provoziert fühlte. Er schlug zu, schnell, gnadenlos und mit kühler Präzision. Die drei waren groß und breit, aber so überrumpelt von der Geschwindigkeit und Brutalität des Angriffs, dass sie sich bald in Sicherheit brachten.</p>
    <p>Anfangs sah ich in diesen Gewaltexzessen Kollateralschäden, die eben dazugehörten. Zumal ich selbst nie Ziel der brutalen Ausbrüche war. In den folgenden Jahren lernte ich zunehmend die unromantischen und ernüchternden Seiten von Halbwelt und Milieu kennen. Ich sah, wie überdrehte Türsteher aufsässige Gäste niederknüppelten oder Dealer ihre Konkurrenten und säumige Kunden zu einem blutigen Klumpen Fleisch prügelten. Und 2000 wurde Aaron, ein Dealer, der mich eine Zeitlang mit Kokain versorgt hatte, auf offener Straße vor meinen Augen erschossen. Da war meine Faszination für dieses Milieu längst gestorben, meine Nähe zu Dealern und Zuhältern nur noch schale Gewohnheit oder bloße Notwendigkeit.</p>
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