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Die heiße Polizistin von Allegra Bellmont

»Wir haben hier einen ›10-31‹ auf der Brücke. Schafft Caleb her. Er weiß, was zu tun ist.«

»Caleb braucht mindestens dreißig Minuten, bis er bei dir sein kann, Sam. Versuch, der Person gut zuzureden.«

Samantha atmete tief durch. Dafür war sie nicht geschult. Mit Selbstmördern hatte sie nie selbst gesprochen. Sie hatte immer nur ihrem Sergeant zugesehen.

Der Mann klammerte sich verzweifelt auf der anderen Seite der Brüstung am Geländer fest. Hinter ihm nur ein endlos blauer und kalter Pazifik. Er stand auf einem Vorsprung, der ihm guten Halt gab, auf einem zweiunddreißig Zoll durchmessenden Trägerflansch, der nur als »The Chord« bekannt war – der letzte Halt vor einem viersekündigen Fall – einem zweihundertfünfzig Fuß tiefen Sprung in den Tod.

Ein eisiger Wind blies ihr entgegen.

»Hey Mister! Wollen Sie sich wehtun?«

Zugegeben, nicht der beste Spruch. Aber es war das einzige, der ihr in dieser Sekunde einfiel. Und sie wünschte, ihr wäre etwas Besseres eingefallen, als sie ihm in die hübschen Augen sah – in die traurigen silbergrauen Augen. So ein attraktiver Mann und so viel Verzweiflung – das passte nicht zusammen.

Sein Gesicht war unrasiert, sein Haar verstrubelt und er brauchte dringend eine Dusche. Aber er sah gut aus. Ihr Blick blieb an seinen ausdrucksstarken Lippen haften. Die konnten sicherlich hervorragend küssen.

»Mich nimmt wohl niemand ernst!«, brüllte er. »Ich bin am Ende ... und die schicken mir eine Stripperin!!!«

Stripperin? Hatte er sie tatsächlich gerade eine ... Stripperin genannt?!

Samantha musste sich zusammennehmen, ruhig zu bleiben. Langsam nahm sie die Sonnenbrille ab, strich eine verirrte honigblonde Strähne aus ihrer Stirn und blickte ihre khakifarbene Uniform hinab. Zu dem schwarzen Dienstgürtel, an dem ihre Dienstwaffe hing.

»Sir, ich bin von der California Highway Patrol. Ich möchte Ihnen helfen.«

»Mir helfen«, zischte er und musterte das gelbblaue CHP-Emblem an ihrer Schulter, den goldenen Stern über ihrer linken Brust. In seinen Augen glänzte es feucht. »Mir kann niemand helfen.«

Seine Stimme hatte einen angenehm tiefen Klang.

»Es gibt immer einen Ausweg.« Ihr Funkgerät sprang leise an und teilte ihr alles mit, was sie wissen musste.

»Sie heißen ... Jared Carter?«

Seine Augen weiteten sich in Verwunderung, aber nur für einen kurzen Moment. Die Identität einer Person herauszufinden, gehörte zum kleinen Einmaleins eines Highway Patrol Officers. Das schien er zu ahnen, vor allem, weil der auf ihn zugelassene Wagen keine zwanzig Meter von hier im Halteverbot parkte.

Jetzt, wo sie seinen Namen wusste, wurde alles viel persönlicher.

»Welche Pläne haben Sie für morgen, Jared?«

»Morgen?«, echote er. »Morgen!« Die Tränen liefen ihm über die Wangen. Er starrte sie an, als wäre sie komplett irre geworden. »Ich glaube nicht, dass ich morgen irgendwelche Pläne haben werde.«

»Das sollten Sie aber, Jared. Denn morgen sieht alles ... ganz anders aus. Glauben Sie mir.«

Er verzog den Mund zu einem mitleidigen Grinsen.

»Wollen Sie nicht wissen, was die Welt für Sie bereithält?« Sam befeuchtete ihre trockenen Lippen.

»Ich hab meinen Job verloren ... Bin aus meiner Wohnung geflogen ... Kann die Raten für meinen Wagen nicht mehr bezahlen. Dabei will ich nur eins – Schreiben. Schreiben. Schreiben.« Er nickte in Richtung einer zerschlissenen Laptoptasche, die gegen einen Stahlpfeiler der Brücke lehnte. Sam hatte die Tasche bisher gar nicht bemerkt. »Ich kann nicht einmal den verdammten Akku aufladen – so pleite bin ich.«

»Sind Sie ... Schriftsteller?«

»Ich hab mir eingeredet, einer zu sein. Mein Verleger meldet sich nicht mehr bei mir.«

»Haben Sie ihn angerufen?«

»Damit er weiß, wie verzweifelt ich bin? Nein, danke! Mein Manuskript landet ohnehin im Altpapier.«

Samanthas Herz klopfte. »Was wird aus Ihrem Laptop, wenn Sie gehen? Wer wird Ihre Geschichte fertig schreiben? Und ... Ihre Ideen zu Papier bringen?«

Er schüttelte den Kopf und sah nach unten, in das kalte Wasser des Pazifiks.

»Sehen Sie nicht nach unten, Jared. Sehen Sie mich an.« Ein falsches Wort und sie würde ihn verlieren.

Die anderen Wagen ihrer Kollegen fuhren vor. Genau im ungünstigsten Moment.

»Die sollen mir bloß vom Leib bleiben«, brüllte er.

»Niemand will Ihnen etwas tun, Jared.« Sie hob die Hände und kletterte zu ihm über die Brüstung, bevor sie Zeit fand, darüber nachzudenken. »Wir sind hier, um Sie zu schützen.«

Er nickte. Und fast schien es, als wollte er ihr glauben. Sie signalisierte den anderen, zurückzubleiben.

»Erzählen Sie mir von Ihren Problemen, Jared. Erzählen Sie mir alles ...«

Sie wusste später nicht mehr, wie lange sie in der Eiseskälte ausgeharrt hatten. Am Abgrund. Sie betrachtete Jared und hätte noch eine Woche danach jede Einzelheit seines Gesichts genau beschreiben können. Und sie gab nicht auf, auf ihn einzureden. »Sie haben ein bewegtes Leben hinter sich. Es ist aber auch ein schönes Leben. Geben Sie es noch nicht auf. Es lohnt sich, dass Sie dranbleiben. Sie können sehr gut erzählen und ich höre Ihnen gern zu. Wagen Sie lieber den Sprung ins Leben als in den Abgrund, Jared. Ihnen steht noch alles offen. Sie sind jung und gut aussehend, voller Kraft. Glauben Sie mir, Sie können eine Lösung für Ihre Probleme finden. Ich würde Ihnen gern behilflich sein.«

Langsam nickte er.

»Danke!«, sagte Samantha erleichtert.

Eine Weile sah er in die Ferne.

»Und wissen Sie, was das Erste ist, was Sie tun können?«

Sein Blick kam aus der Ferne zu ihr und heftete sich auf ihr Gesicht.

»Eine Dusche nehmen!«

Sein angedeutetes Lächeln war schön. Und seine Augen ... Samantha hätte nie müde werden können, in dieses unergründliche Silbergrau zu blicken. Und da war noch etwas: Ein Funken Hoffnung glomm in seinen Augen.

***

Als keine sechs Monate später ein edelsteinblauer Jaguar F-Type vor dem Hauptquartier der Golden Gate Division vorfuhr, dachte sich Samantha noch nichts. Sie holte sich gerade einen Kaffee aus der neuen Espressomaschine, die ein unbekannter Wohltäter der Abteilung zum Geschenk gemacht hatte.

Irgendjemand schaltete den Fernseher lauter.

»Jared Carter, der sich noch vor knapp sechs Monaten das Leben nehmen wollte und nur durch das beherzte Eingreifen eines couragierten weiblichen Highway Patrol Officers vor dem Sprung in den Tod bewahrt werden konnte, hat es mit seinem Roman ›Jenseits des Nichts‹ ganz nach oben in die nationalen Bestsellerlisten geschafft.«

»Du bist in den Nachrichten, Sam«, rief ein Kollege.

Samantha sah auf den Bildschirm und erhaschte gerade noch einen Blick auf sich selbst, wie sie auf den Mann einredete und ihm die Hand reichte. Ihr Kaffeebecher fiel vor ihre Füße und explodierte wie eine Wasserbombe. Eine brühend heiße Wasserbombe.

»Vom Obdachlosen zum Millionär – ein Beispiel für den großen amerikanischen Traum. Das war für WKL-TV ...«

»Sam«, rief Caleb mit extrabreitem Grinsen. »Du hast Besuch.«

Sie wandte den Kopf. Und da stand er.

Jared Carter.

Wie eine andere Version seiner Selbst. Mit denselben hübschen Augen. Und einer Ausstrahlung, der sie sich nur schwer entziehen konnte. Dass der verschüttete Kaffeebecher zu ihren Füßen lag, war ihr mit einem Mal unheimlich peinlich.

»Hallo Samantha«, sagte er. Sie versteifte sich. Hätte sie den Kaffee nicht schon fallen gelassen, sie hätte es spätestens jetzt getan. Der angenehm tiefe Klang seiner Stimme brachte gewisse Saiten in ihr zum Schwingen. Und diesmal war nichts von der panischen Angst vor dem Tod in ihr zu spüren.

Teufel, sah er gut aus. Ihr Herzschlag setzte für eine Sekunde aus und kam nur holpernd wieder in Schwung. Was eine Rasur, eine Dusche und ein gut sitzender Anzug nicht alles bewirken konnten.

»Hallo«, erwiderte sie steif. Steifer als beabsichtigt. Sein selbstsicheres, beinahe fröhliches Lächeln brachte sie komplett aus der Fassung. Sie hätte nicht gedacht, ihn jemals wiederzusehen.

»Wie ich sehe, haben Sie mein Geschenk schon ... eingeweiht.« Zwinkernd nickte er zu dem Kaffeesee zu ihren Füßen.

Sie glaubte, im Erdboden zu versinken und brachte kein Wort heraus.

»Sie ...« Etwas sprachlos sah er über seine Schulter zu ihren grinsenden Kollegen, die erwartungsvoll herüberstarrten, als wäre das hier ihre ganz persönliche Soap. Sie machten nicht einmal den Versuch, beschäftigt zu wirken.

»Sie ... Sie haben mir das Leben gerettet«, brachte er schließlich hervor.

»Das war mein Job.« Sie fühlte, wie platt diese Antwort klang, aber sie war eben ein Cop – keine Dichterin.

»Und trotzdem ... will ich mich bedanken.«

Sie brachte ein Lächeln zustande.

»Hätten Sie Lust, mit mir heute Abend Essen zu gehen?«

»Ich ...« Essen? »Ich ...« Ihr Atem beschleunigte sich. Sie hatte heute Abend Dienst.

»Ich habe heute Abend keine Zeit ...«

»Doch, hat sie«, schritt Caleb dazwischen. Er grinste.

Samantha warf ihrem Sergeant einen bösen Blick zu. »Aber ich muss ...«

»Schon gut, Brian übernimmt für dich.« Cal grinste noch breiter.

Sam fühlte sich völlig überrumpelt.

»Dann heute Abend um acht«, fasste Jared zusammen. »Ich hole Sie ab.«

***

Ihr Sergeant – Caleb Bricks – hatte einmal gemeint, ihr Lächeln wäre viel zu hübsch für einen Cop. Trotzdem – oder gerade deswegen – fühlte sich Samantha unwohl in dem körperbetonten Jerseykleid, das man leicht mit einem Longshirt hätte verwechseln können. Was das betraf, war sie schon in der Highschool immer das zurückhaltende Mädchen gewesen. Sie lebte in einer Männerwelt und hatte stets versucht, der Sohn zu sein, den sich ihr verstorbener Dad gewünscht hatte.

»Sie sehen hinreißend aus, Samantha«, sagte Jared, als er einen Blick über ihren Körper gleiten ließ.

Samantha errötete. In ihrer Uniform hätte sie sich bedeutend sicherer gefühlt. Weniger verletzlich. Weniger attraktiv für die Männeraugen, die verstohlen von den anderen Tischen herüberblickten und ihr auf den Po und ihre Schenkel starrten. Sie zeigte definitiv zu viel Bein und die hohen Absätze ihrer Pumps machten es nur noch schlimmer.

»Ganz bezaubernd.«

Sie konnte sich nicht erinnern, wann sie ihr letztes Date gehabt oder zuletzt ein Kleid getragen hatte. Und jetzt saß sie hier. Mit ihm. In einem der teuersten Restaurants von San Francisco. In einem Restaurant, in das sie wahrscheinlich ohne ihn nie gegangen wäre. Das hier war eine komplett andere Welt. Am Horizont hob sich schwarz die Brücke vor dem flammenden Abendhimmel ab.

»Auf immer neue Chancen im Leben.« Er hob sein Glas.

»Auf neue Chancen.« Sie stieß mit ihm an und nippte an ihrem Drink. Fast etwas zu hastig und ein wenig unbeholfen. Schnell wischte sie sich eine honigblonde Strähne aus der Stirn. »Erzählen Sie mir von Ihrem Buch.«

Er lächelte bescheiden und zuckte mit den Schultern. »Es handelt von Ihnen.«

»Von mir?!«

»Nun ja ... zumindest das letzte Drittel.« Er zwinkerte unwiderstehlich.

»Ich würde es gern lesen.«

Er griff in seine Tasche und holte ein Exemplar hervor. Hardcover. Mit einer teuren Füllfeder schrieb er etwas auf die erste leere Seite.

»Nur Narren können Engel mit Stripperinnen verwechseln. Für Samantha – in immerwährender Dankbarkeit,

Jared.«

Ihr Blick konnte sich kaum von seiner schönen Handschrift lösen. Er half ihr aus der Verlegenheit, indem er ihr das Kapitel aufschlug, in dem sie in Erscheinung trat. Und schon vom ersten Wort an war sie ergriffen. Wie mühelos die Sätze zu Papier gebracht waren.

Wie schaffte er das? Sie auf einer Seite zu charakterisieren und ihre ganze Existenz damit abzudecken? Er urteilte nicht über sie, sondern zeichnete sie in den strahlensten Farben.

»Schön.« Ihre Stimme war ein Flüstern. »Woher wissen Sie das alles?« Sie sah ihm in die Augen. »Woher kennen Sie mich?«

»Tue ich das wirklich?« Er erwiderte ihren Blick. »Ich hatte gehofft, Ihnen gerecht zu werden, ohne Ihnen ... mit Google, Facebook und anderen sozialen Netzwerken nachschnüffeln zu müssen. Ich hoffte, es wäre mir gelungen.«

Es tat ihr leid, dass er sie falsch verstanden hatte. Wahrscheinlich hatte sie wieder einmal zu sehr wie ein Cop geklungen.

»Ich ... Ich bin sprachlos.« Insgeheim beneidete sie ihn, sich so wundervoll mit Worten ausdrücken zu können. Und dieses Talent hatte er mit einem Sprung von der Brücke zerstören wollen. Was für eine Verschwendung. »Sie kannten mich doch nur ... eine Stunde.«

»In dieser Stunde bin ich gestorben – ohne es zu wissen. Und wurde dank Ihnen wiedergeboren. Ich weiß nicht mehr, was ich gesagt habe. Aber ich erinnere mich an jedes Wort, das Sie gesagt haben.« Er blickte auf die Serviette vor ihm auf dem Tisch. »Ich schulde Ihnen alles, Samantha.«

Sie schluckte. Glücklicherweise wurde das Essen serviert und bewahrte sie vor der Peinlichkeit, etwas darauf erwidern zu müssen. Sie hätte ja doch nicht das Richtige zu sagen gewusst, um zu beschreiben, wie sehr sie seine Worte bewegten.

Konnte es sein, dass sich zwei Menschen, die sich nur für eine einzige Stunde in die Augen gesehen hatten, näherstanden als Menschen, die sich jeden Tag begegneten?

Sie sah ihm ins Gesicht und sein attraktives Lächeln scheuchte alle Schmetterlinge in ihrem Bauch hoch. Jared sah wirklich attraktiv aus – und wenn sie nicht höllisch aufpasste ...

Das kam ihr alles so verrückt vor. Verrückter als alles andere, was sie bisher erlebt hatte. Verrückt genug, um zu ihm in den Wagen zu steigen und ihn nach Hause zu begleiten?

Ja. Ein hervorragendes Essen und eine kurze Autofahrt später stieg sie vor seinem Apartmenthaus aus. Er wohnte ganz oben – in einer Penthousewohnung wie sie sie nur aus Filmen kannte.

»Ich kann Sie ... dich auch gleich nach Hause fahren«, hauchte er ihr auf die Lippen. »Aber es würde mich freuen, dir zeigen zu dürfen, was durch dich erst möglich geworden ist.«

Sie schloss die Augen. Alles drehte sich. Vor einem halben Jahr hatte sie ihn noch nicht einmal gekannt. Nur sechzig Minuten hatte sie sich mit ihm unterhalten. Sechzig Minuten, in denen sie jedes Detail über sein Leben erfahren hatte.

Die heiße Polizistin | Erotische Geschichte

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