Читать книгу Breiter bis wolkig - Bernd Neuschl - Страница 7
ОглавлениеIch bin doch nicht blöd
Berthold Auerbach hat einmal gesagt „Der brave Mensch grämt sich weit mehr über ein Unrecht, das er getan hat, als über ein solches, das ihm angetan wurde.“
Wahre Worte. Davon kann ich ein Liedchen singen. Immerhin haben meine Eltern dieses Jahr entgegen der Tradition zum ersten Mal davon abgesehen, mir an Weihnachten Spielzeug zu schenken, „weil du ja jetzt diese Freundin hast“, wie meine Mutter leicht schnippisch, fast gekränkt bemerkte.
Was soll ein Mann in meinem Alter auch schon mit der großen Ritterburg von Playmobil, wie sie letztes Jahr unterm Baum gethront hat, anfangen? Ich glaube kaum, dass meine Freundin Esther Lust darauf hat, die Weihnachtsfeiertage mit prunkvollen Pferden und rustikalen Raubrittern im Miniaturformat zu verbringen.
Obwohl, meine Eltern haben es sich nicht nehmen lassen, Esther eine Prinzessin von Playmobil zu schenken und Esther hat das Spiel mitgemacht und sich tierisch gefreut, weil da noch ein Einhorn dabei war.
Der Rest der Geschenke war zum Glück funktional: Esther und ich wohnen seit zehn Monaten zusammen. Von ihren Eltern haben wir ein exklusives Raclette-Set für zwölf Personen geschenkt bekommen, den Raclette-Käse inklusive. Gerät und Käse waren aber bereits Mitte November käuflich erworben, in Geschenkpapier verpackt und ungekühlt gelagert worden. Bis zur Bescherung hatte der Käse folglich ein eigentümliches Eigenleben entwickelt, das sich beim Auspacken vor allem olfaktorisch entfaltete. Von meinen Eltern haben wir einen Gutschein bekommen. 500 Euro. Für Unterhaltungselektronik.
Wir haben uns jedenfalls sehr über die finanzielle Mitgift zum Einzug ins neue Heim gefreut, schließlich brauchen wir zur neuen Couch einen neuen Fernseher. Ich zum Seriengucken und Esther zum Einschlafen.
Beim Auspacken des Gutscheins sind meinem Vater die Tränen gekommen. Entweder waren es Freudentränen oder es war des Geldes wegen.
Jetzt ist bereits Ende März, Ostern steht vor der Tür und ich habe den Gutschein immer noch nicht eingelöst. Entweder liegt es am Wert, dass ich mich von ihm nicht trennen möchte, oder an der Tatsache, dass das betreffende Fachgeschäft für Elektronikartikel nur mit dem Auto zu erreichen ist und das auch nur mit halbstündiger Fahrzeit. Heute ist Samstag und Esther hat wie an jedem Wochenende ein sensationelles Frühstück auf den Tisch gezaubert.
Wir essen. Ich frage mich, wie sie es schafft, das Ei zu köpfen, zu salzen, parallel dazu an einem Croissant zu knabbern, eine Banane zu schälen, Kaffee zu trinken und gleichzeitig ihr Smartphone und die Zeitung zu studieren. Wenn ich in solchen Momenten ihre Hände flink wie vielbeschäftigt hantieren sehe, meine ich stets, hinter der Zeitung sei ein achtarmiger Oktopus mit Pferdeschwanz zugange. Zeitgleich hat sie mich im Blick. In solchen Momenten nenne ich sie immer liebevoll „Mein Tintenfisch-Chamäleon“. Tatsache: Mit dem einen Auge mustert sie die Reklame, mit dem anderen hat sie mich im Blick.
„Ben, hast du heute etwas Bestimmtes vor?“
„Nein, eigentlich nicht.“
„Der Media Markt hat neue Fernsehgeräte im Angebot.“
Bedeutungsvoll raschelt sie mit der Zeitung und hält mir die Anzeige unter die Nase: „Das wäre doch was, 60 Zoll, Hyper-HDD für 499 Euro.“
„Dann bleibt uns vom Gutschein meiner Eltern nur noch ein Euro übrig“, stelle ich enttäuscht fest.
„Na und? Du kannst dir ja vom Rest ein Überraschungsei kaufen.“
„Gibt es die auch mit Tintenfischen?“, frage ich spöttisch und ernte damit einen Tritt ans Schienbein.
„Ich habe für Montag Elektrosperrmüll angemeldet“, wechselt Esther schnell das Thema. „Stell den alten Fernseher raus und kaufe endlich einen neuen. Und dann besorgst du noch den neuen Star Wars-Film für mein Patenkind. Du hast hoffentlich nicht vergessen, dass wir morgen zum Geburtstagskaffee eingeladen sind. Und lass die DVD auch gleich schön verpacken, wir haben nämlich kein Geschenkpapier mehr im Haus. Ich könnte zwar welches kaufen, aber bis ich vom Friseur komme, hat das Geschäft schon zu.“
Die Informationsdichte dieser Befehlskette ist für mich etwas hoch, deshalb nicke ich nur und sehe zu, dass ich Land gewinne. Ich wuchte den alten Fernseher auf den Gehweg. Es dauert keine zwei Sekunden, da hält auch schon ein weißer Sprinter vor unserer Einfahrt. Wie mir das Kennzeichen verrät, sind es zwei Männer aus Ungarn, die hier flink wie zwei Grashüpfer aus der Fahrerkabine hopsen und mit schnellen Schritten auf mich und das altersschwache TV-Gerät zuspringen. Während der eine sich ständig nervös umdreht und die Umgebung inspiziert, deutet der andere erst auf mich, dann auf den Bildschirm. Im Gegensatz zu seinem Kumpel hat er die Ruhe weg. Zwischen seinen Lippen verglüht gerade ein Zigarettenstummel.
„Der Gerät mitfahren im Auto dürfen?“, fragt er mich mit akzentreicher Gelassenheit. Dabei fährt er sich mit der einen Hand durch seinen schwarzen Schnauzbart, mit der anderen Hand wischt er sich über seine fleckige Latzhose.
„Logisch, greifen Sie ruhig zu.“
Ich bin froh, das Teil nicht von der Haustüre neben die Einfahrt schleppen zu müssen. Die Herren würden den Flimmerkasten bestimmt auf irgendeinem Wochenmarkt zwischen Budapest und Balaton gewinnbringend verhökern. Soll mir recht sein.
„Bitte unterschreiben Zettel, dass wir der Gerät können haben.“
Seit die Polizei regelmäßig osteuropäische Kastenwagen aus dem Verkehr zieht, um dem Handel mit illegal gesammeltem Wertstoff einen Riegel vorzuschieben, sichern sich nicht wenige Sperrmüllkuriere mit solchen Pseudoformularen ab und für die hiesigen Entsorgungsbetriebe bleibt nur noch wertloser Müll übrig. Eine rechtliche Grauzone zwar, aber mit meiner Unterschrift übereigne ich den beiden unser altes Gerät. Mir egal. Ich fahre los und sehe im Rückspiegel, wie die beiden Puszta-Elektriker den Fernseher fachgerecht in ihrem spritfressenden Sprinter verladen.
Im Media Markt werde ich überraschend schnell fündig. Ich schiebe das neue Gerät mit demselben mütterlichen Stolz vor mir her wie eine frischgebackene Mutter einen Kinderwagen. Nachdem ich mit dem Gutschein bezahlt, einen Euro retour erhalten und mich zum Gehen gewendet habe, fragt mich die Kassiererin, ob ich den Kassenzettel nicht haben wolle.
„Nein, nein“, lehne ich ab. „Reduzierte Artikel sind doch vom Umtausch ausgeschlossen. Der Kassenzettel landet daheim sowieso auf Nimmerwiedersehen in der Kramschublade zwischen Kugelschreibern, Batterien, anderen Kassenbelegen, Briefmarken, Büroklammern, Einmachgummis und Bierdeckeln. Aber sagen Sie, kann ich vielleicht die Verpackung bei Ihnen entsorgen? Wir haben daheim nur eine kleine Wertstofftonne.“
„Klar“, flötet die attraktive junge Dame, deren Namensschild mir verrät, dass sie Maren K. heißt und Auszubildende ist. „Neben den Einkaufswagen ist ein Container, speziell für Großverpackungen.“
Vorsichtig lege ich den neuen Flachbildschirm mit einer Spannweite von immerhin 1,5 Metern in den Kofferraum. Dann entferne ich die Kartonage samt schützendem Styropor und entsorge sie im Müllcontainer. Stolz fahre ich nach Hause. Als ich in unsere Straße einbiege, fällt mir ein, dass ich die Star Wars-DVD für Esthers Patenkind vergessen habe. Mist, die werde ich wohl über den Amazon-Express-Versand ordern müssen. Ich zücke mein Handy und öffne die App. Nach wenigen Klicks weiß ich, das wird nichts. Premium-Lieferung frühestens Montag und die Party soll ja am Sonntag steigen.
Egal, dann malen wir ihm eben ein Bild und schenken es ihm, so wie er es immer mit uns macht. Oder er bekommt etwas Selbstgebasteltes. Von Star Wars. Was weiß ich. Eine struwwelige Chewbacca Handpuppe aus einer alten Klobürste oder einen Darth-Vader-Helm aus einem alten Kugelgrill.
Ich halte vor dem Haus und meine Gedanken werden von einem echten Dilemma verdrängt: Wie soll ich das fragile Riesengerät unter dem Arm halten und gleichzeitig die schwere Haustüre öffnen? Esther ist beim Friseur und kommt färbetechnisch bedingt frühstens erst in zwei Stunden. Ich muss da allein durch und stelle das neue Gerät behutsam auf den Boden neben dem Auto, dann schließe ich die Haustüre auf.
Genau in diesem Augenblick hält wieder der weiße Kastenwagen. Puszta-Pat und Puszta-Patachon steigen zielstrebig aus und wollen wortlos mein neues Gerät aufladen.
Ich rufe: „Hey! Spinnt ihr?“
„Ist doch Schrott“, ruft der größere der beiden und zieht provokant an seiner Zigarette.
„Das ist kein Schrott, das ist neu. Drei, zwei, eins, meins. Eben gekauft. Was Sie da machen ist Diebstahl.“
„Nix klauen. Wir haben vorhin auch mitnehmen dürfen. Der Gerät steht auf Gehweg und der Gehweg gehört Stadt und Stadt gehört EU und wir sind auch EU.“
Mir wird das zu blöd. Damit die beiden nicht verschwinden können, lege ich mich vor den Sprinter auf die Straße, ziehe mein Handy aus der Tasche und rufe die Polizei.
Zufällig ist eine Streife in der Nähe. Es dauert auch keine Minuten, da sehe ich über mir Blaulicht flackern und höre, wie zwei Türen kraftvoll zugeschlagen werden.
Ich rappele mich auf und während ich mir den Dreck von der Hose klopfe, schildere ich den beiden Beamten die Situation.
„Ich heiße Ben Bock und habe eben diesen Fernseher gekauft und damit ich ihn ins Haus tragen kann, musste ich ihn auf den Boden stellen, um die Türe aufschließen zu können. Sie verstehen?“
Ich halte meinen Schlüsselbund siegreich wie eine frisch gefangene Forelle in die Luft und klimpere mit den Schlüsseln.
„Mann lügt!“, brummt der massige Magyar und setzt zu einer zugegeben nicht weniger glaubwürdigen Version der Geschichte an. Er wedelt mit dem Formular, das ich tatsächlich vorhin unterschrieben und damit die beiden Gulasch-Ganoven zum neuen Besitzer eines Fernsehgerätes geadelt habe.
„Moment“, werfe ich ein, „das gilt doch nur für das alte Gerät von vorhin.“
„Welche Gerät?“ Laszlo, so heißt der Größere der beiden, deutet auf den offenen Sprinter, aus dem mich eine gähnende Leere höhnisch angrinst.
„Aber ich habe dieses Gerät doch eben erst gekauft.“ Verzweifelt sinke ich auf den Boden. Endlich greift einer der beiden Ordnungshüter ins Geschehen ein.
„Das lässt sich ja ganz leicht aufklären: Haben Sie den Einkaufsbeleg noch?“ Resigniert schüttle ich den Kopf.
„Oder zumindest die Originalverpackung?“
Ich zucke mit den Schultern. Der junge Polizist kratzt sich am Kinn. „Tja, dann werden wir das Teil wohl konfiszieren müssen. Wahrscheinlich hat jemand aus der Nachbarschaft das Gerät zur Entsorgung auf die Straße gestellt. Am Montag sammeln die städtischen Entsorgungsbetriebe Elektroschrott und wir dürfen nicht zulassen, dass städtisches Eigentum zur Hehlerware wird.“
Dann darf ich mitansehen, wie die beiden Polizisten meinen 60-Zoll-Fernseher in ihren Streifenwagen verladen, die beiden Ungarn verwarnen und schließlich wegfahren. Ich überlege kurz, meine Mutter anzurufen und ihr zu erzählen, was mit meinem Weihnachtsgeschenk passiert ist. Gewiss hätte sie mit dem Nudelholz das Revier gestürmt.
Laszlo und sein Kumpel haben es plötzlich sehr eilig und so stehe ich allein da. Das wird Ärger geben. Da fällt mir die DVD für Esthers Patenkind wieder ein. Auch das noch. Nicht nur, dass meine 499 Euro gerade in einem Polizeiauto durch die Stadt kutschiert werden, morgen werden wir auch noch mit leeren Händen auf der Geburtstagsfeier aufkreuzen. Ich fahre zurück in den Media Markt. Dort angekommen, schleiche ich wehmütig und verärgert zugleich um die letzten Aktionsgeräte. Trauern bringt nichts und so schlurfe ich in die Abteilung mit den Spielfilmen, wo ich auch gleich die neue Star Wars-DVD finde.
Ich bezahle an der Kasse und begebe mich zum Serviceschalter, wo in der Zeit vor Ostern ein Geschenkeverpackungsservice gratis angeboten wird.
„Darf ich den Kassenbeleg sehen?“, mit forderndem Blick deutet die Angestellte erst auf den Film und dann auf den Zettel in meiner Hand.
„Klar, hier“, entgegne ich leicht genervt und verfluche mich dafür, dass ich heute Vormittag den Kassenzettel des neuen TV-Gerätes nicht mitgenommen habe. „Könnte ja jeder kommen und was als Geschenk einpacken lassen. Das wäre ein raffinierter Ladendiebstahl“, plaudere ich weiter.
Die Angestellte nickt und zieht ihre schmalen Augenbrauen nach oben. „Deshalb schauen wir uns vor jedem Verpackungsvorgang auch den Kassenzettel an. „Wir sind doch nicht blöd.“
Denkste. Ich sehe, wie sie den Sicherheitschip, der am Ausgang den Alarm auslöst, von der DVD-Hülle entfernt.
Plötzlich habe ich eine Idee. „Ich bin gleich wieder da“, entschuldige ich mich und verschwinde bei den Sonderangeboten.
Nachdem ich um Gerät Nummer eins heute Morgen betrogen wurde, ist jetzt die Zeit für ausgleichende Gerechtigkeit gekommen. Schnell kaufe ich den vorletzten Aktionsfernseher. Dieses Mal bestehe ich ausdrücklich auf den Kaufbeleg und verstaue Gerät Nummer zwei im Kofferraum. Dann gehe ich mit dem Kaufbeleg in den Laden zurück, stelle den letzten Aktionsfernseher auf den Einkaufswagen und laufe, ohne zu bezahlen, direkt zur Geschenkeverpackung. Ich habe es eilig und merke nicht, dass der Filialleiter mit einem dampfenden Kaffeebecher gerade aus seinem Büro stolziert kommt.
Es ist seine erste Stelle als Marktleiter. Er ist quasi in der Probezeit und entsprechend aufgeregt. Wir stoßen zusammen und die braune Brühe schwappt über die Verpackung von Fernsehgerät Nummer drei.
„Oh, das tut mir leid“, entschuldigt sich der Chef. Ich merke sofort: Hier ist der Kunde noch König.
„Ui, das ist jetzt aber doof“, jammere ich los. „Das ist ihr letztes Gerät und ich brauche es dringend für ein Kinderheim in Ungarn. Aber die sehen das gar nicht gern, wenn da Kaffee darauf ist. Was sollen die bloß von Deutschland und seinem Marktführer für Unterhaltungselektronik denken?“
„Ich kann Ihnen leider keinen Rabatt gewähren, weil das Produkt so oder so schon ein einmaliges Sonderangebot ist.“ Der Marktleiter kratzt sich nervös am Kopf und bekommt rote Flecken, die optisch wunderbar zur Farbe seines Anzugs passen. Sein Gesicht erhellt sich. „Hier. Für Ihren nächsten Einkauf hoffentlich bei uns. Hahaha.“
Er überreicht mir einen Rabattgutschein über 50 Prozent und wischt mit Ärmel seines Sakkos den Kaffee von der Verpackung.
„Sollte das Gerät Schaden genommen haben, dürfen Sie es selbstverständlich zurückgeben.“ Er tätschelt mir noch beschwichtigend die Schulter.
Das läuft ja wunderbar, denke ich mir und setze meinen Robin-Hood-Streifzug Richtung Geschenkeverpackungsservice fort. Am Tresen angekommen, setze ich ein unschuldiges Lächeln auf.
„Ich Schussel. Da bin ich wieder. Wie soll mein Neffe den Star Wars-Film ohne Fernseher anschauen? Bitte auch einpacken.“
Die Angestellte lässt sich nicht aus dem Konzept bringen. „Kann ich bitte den Kaufbeleg sehen?“ Sie deutet auf Gerät Nummer drei. Triumphierend zeige ich ihr den Kassenbeleg von Gerät Nummer zwei, das bereits sicher in meinem Kofferraum verstaut ist. „Ab Produkten über 100 Euro müssen wir die Seriennummern überprüfen“, erklärt sie mir.
Mist, das wars. Mit Adleraugen studiert sie erst den Kassenzettel und dann die Verpackung.
„Oh, ich sehe gerade, die Ziffern der Seriennummer auf der Verpackung sind ja ganz unleserlich. Igitt, sind das Kaffeeflecken?“
„Ja, das war ich“, schaltet sich der Filialleiter stolz ein. „Das hat alles seine Richtigkeit. Jetzt verpacken Sie das Ding und gut ist.“
Fünf Minuten später manövriere ich Fernsehgerät Nummer drei zum Ausgang. Abzüglich des Verlustes von heute Morgen bin ich jetzt stolzer Besitzer von zwei Geräten zum Preis von einem. Nachdem ich mit dem Fernseher eine Runde über den Parkplatz gedreht habe, schiebe ich ihn zügig zum Serviceschalter zurück und verlange den Filialleiter.
„Entschuldigen Sie“, beginne ich gespielt genervt, „aber ich habe mir das anders überlegt. Wer garantiert mir, dass das Innenleben des Gerätes keinen Kaffee abbekommen hat? Nachher fliegen uns die Kondensatoren um die Ohren, das ist mir zu riskant.“
„Sie haben völlig recht, ich wäre genauso umsichtig wie Sie“, beschwichtigt mich der Marktleiter.
Ohne große Widerstände bekomme ich 499 Euro bar auf die Hand. Stolz und glücklich fahre ich nach Hause.
Fragen Sie mich bitte nicht, ob ich jetzt einen Gewinn gemacht habe. Bilanztechnisch ist in Sachen ausgleichender Gerechtigkeit die schwarze Null von entscheidender Bedeutung.
Das habe ich auch Esther so erzählt. Sie meint, ich sei trotzdem ein Ladendieb. Viel schlimmer in ihren Augen jedoch ist, dass ich die glänzenden Nuancen ihrer neuen Haarfarbe nicht bemerkt habe. Kein Mann ist in der Lage, ein elegantes Kastanienbraun von einem sinnlichen Haselnusston zu unterscheiden.
Abends kann ich nicht einschlafen. Mir wird klar, ich habe Mist gebaut.
Auerbach hatte Recht: Der brave Mensch grämt sich weit mehr über ein Unrecht, das er getan hat, als über ein solches, das ihm angetan wurde.
Und weil ich ein braver Mensch bin, werde ich am Montag in den Media Markt fahren und die Angelegenheit klären.
Vorher aber hole ich mir mein Eigentum, Gerät Nummer eins, aus der Asservatenkammer der Polizei zurück. Schließlich habe ja ich den Fernsehapparat beim Entpacken und Verladen auch an den entlegensten Stellen mit meinen Fingerabdrücken als mein Eigentum markiert.
Da soll mir einer erst einmal das Gegenteil beweisen. Und außerdem habe ich ja jetzt endlich einen Kassenzettel vorzuweisen.
Ich bin doch nicht blöd.