Читать книгу Liebe ohne Kaution - B.G. Thomas - Страница 7
Kapitel Drei
ОглавлениеArtie erwachte ziemlich plötzlich aus einem Traum voller Nebelschleier und dem Gesicht eines schönen Mannes. Er hatte das Gefühl, diesen Jemand kennen zu müssen. Oh, diese Augen!
Aber als er sich umsah, war er zuerst nicht sicher, wo er sich befand. Irgendetwas roch sehr gut, aber da war ein schweres Gewicht auf seinem Brustkorb und als er herumrutschte und versuchte, sich aufzusetzen, miaute ihn das Gewicht vorwurfsvoll an. Er starrte in sehr grüne Augen in einem pelzigen, orangen Gesicht.
»Heilige Scheiße!« Er schluckte. »W-wer bist du?«
»Hallo, Schlafmütze«, ertönte eine Männerstimme. »Maximilian! Geh runter von ihm!«
Die Katze sprang herunter und Artie setzte sich auf. Am anderen Ende des Raumes, ein kleines Handtuch über dem Arm und einen hölzernen Kochlöffel in der Hand, stand einer der attraktivsten Männer, die er je gesehen hatte.
»Oh!« Das war der Mann aus seinem Traum.
»Geht es dir gut?«, fragte der Mann.
Alles stürmte wieder auf ihn ein.
Es war der Kerl, der ihn aus dem Knast geholt hatte. Der Kautionsvermittler. Jemand, der hieß wie ein Monat… das wusste er noch. »August?«, riet er. Weil es richtig klang. Und weil der große, hoch gewachsene, maskuline Mann wie ein August aussah.
Der Mann nickte. »Das bin ich. Was ist mit dir? Fühlst du dich etwas besser?«
Artie setzte sich noch ein Stück weiter auf, bis seine Füße den Boden berührten, und rieb sich den Schlaf aus den Augen. »Ja«, antwortete er. »Ich glaube schon.«
»Hast du Hunger?«
»Hunger?«, wiederholte er und – woah! – er erkannte, dass er regelrecht ausgehungert war. »J-ja.«
»Gut. Ich setze Pasta auf. Ich wollte nicht anfangen, bevor du wach bist. Du bist wieder auf der Höhe?«
Artie nickte und biss sich auf die Unterlippe. »Ja.« Zumindest war er wach.
August lächelte und es war so ziemlich das sexyeste Lächeln aller Zeiten.
»Hoffe, du magst Spaghetti.« Er verdrehte die Augen und machte eine wegwerfende Handbewegung. »Natürlich magst du Spaghetti. Wer mag keine Spaghetti?«
Der Kerl hatte für ihn gekocht?
»Das Rezept ist von meiner Mama und die Wurst habe ich bei Carello's auf dem Markt gekauft. Sie ist ausgezeichnet!« Er wackelte mit den Augenbrauen und verließ den Raum. Artie ertappte sich dabei, wie er sich vorbeugte, August hinterher.
Artie sah sich in dem Raum um und ja, er erinnerte sich. Er war in Augusts Apartment, einem großen, männlichen Loft in einem roten Backsteingebäude voller schwarzem Leder, glänzendem Chrom und dunklem Holz. August hatte ihn hergebracht, damit er sich den Smoking ausziehen konnte. Moment. Konnte das stimmen? Warum hätte er einen Smoking tragen sollen? Oh. Kaffee. Er hatte ihm einen Kaffee angeboten und…
Ich bin eingeschlafen. Himmel! Ich bin im Apartment dieses armen Kerls eingeschlafen. Was muss er denn jetzt denken?
Neben ihm ertönte ein dumpfes Geräusch und er sah, dass die orangefarbene Katze zurückgekehrt war und ihn aus ihren großen grünen Augen musterte. Sie wurden schmal, abwägend. Seine Augen.
Hatte August ihn nicht Maximilian genannt? »Hallo, Max? Ist es okay, wenn ich dich Max nenne?«
Der Kater miaute einmal und stieß dann mit dem Kopf gegen Arties Hand, als wollte er sagen: »Klar. Solange du mich streichelst.« Pflichtbewusst tat Artie das.
Was machte er hier? Er sollte gehen. Es war nicht die Aufgabe dieses Mannes, ihm Abendessen zu machen. Auf seiner Couch einschlafen! Wie dämlich. Er überlegte, aufzustehen und sich rauszuschleichen, als ihm einfiel, dass er sein Auto nicht hier hatte. Dann, bevor er über eine andere Möglichkeit nachdenken konnte, nach Hause zu kommen, kehrte August in den Raum zurück.
Er trug eine sehr weich aussehende Jeans und ein noch weicheres Sweatshirt. Ein paar Farbspuren waren auf den Schultern zu sehen, die sich bis nach vorne zogen und – nein, keine echte Farbe. Das war nur das Design. So, wie es aussehen sollte. Und… woah! Sechs Farben, beginnend mit rot auf seiner rechten Schulter, bis zu einem Lila auf der linken. Schwul? Nein! Konnte dieser Mann schwul sein?
Das ließ Artie wieder an die Unterwäsche denken. Die sehr sexy, blaue Unterwäsche, die er ziemlich ordentlich ausfüllte. Wow, er hatte so heiß ausgesehen, wie er da gestanden war, mit all diesen schönen Muskeln. Kein Makel, der seine Brust befleckte, und nur der leichteste Hauch von Haaren über den Brustmuskeln, der Augusts Schönheit nichts nahm, sondern sie noch betonte.
Oh, und sein Gesicht! Diese warmen, braunen Augen. Der herrliche olivfarbene Teint. Schwarzes Haar, zurückgekämmt und oben voll, kurz an den Seiten. Und ein sexy Bartschatten. Vielleicht waren da sogar schon ein paar Stoppeln. Artie konnte nicht anders, als sich vorzustellen, wie sie sich anfühlen mochten. Hart und kratzig? Oder weich und glatt? Er biss sich auf die Lippe. Konnte es irgendjemanden geben, der mehr seinem Typ entsprach? August sah aus wie ein Geheimagent aus einem Groschenroman.
Artie schielte nach unten. Oh. August war immer noch barfuß. Und sogar seine Zehen waren sexy. Lang, aber nicht zu lang. Sie spannten sich an und Artie wurde bewusst, dass er gestarrt hatte. Er schaute zurück nach oben in Augusts Gesicht und errötete. Und… Himmel. Errötete August auch?
Er sah Augusts Adamsapfel hüpfen.
»Äh, das Wasser kocht«, sagte sein Gastgeber. »Ich würde sagen, noch höchstens zwanzig Minuten.«
»D-du musst das nicht machen«, sagte Artie. Es war ihm unmöglich, nicht unangenehm berührt zu sein.
»Das ist kein Problem. Außerdem wirst du dich danach viel zu schuldig fühlen, mich auf der Kaution sitzen zu lassen.« Er grinste.
Die Kaution!
Oh nein. Jetzt fiel ihm wirklich alles wieder ein. Das ganze Ausmaß dessen, was passiert war. Willie. Ein Haufen Gras. Laute Musik. Ein Brownie – der Grund dafür, warum alles so verschwommen war. Eine Polizistin, die ihn aus dem Bett schmiss. Er war unterhalb der Hüfte nackt gewesen.
Artie schauderte bei der Erinnerung an diese Blamage. Keine Frau hatte ihn je nackt gesehen, außer seiner Mutter in der Badewanne, als er ein kleines Kind gewesen war.
Dann Knast! Er hatte die Nacht im Knast verbringen müssen. Wenn es irgendetwas gab, das Artie sich nicht hatte vorstellen können, dass er jemals erleben würde, dann war es, in den Knast zu wandern. Er hatte sich jedenfalls nicht ausgemalt, dass ein großer, übergewichtiger, gruselig aussehender Mexikaner sich vor seinen Augen betatschen und Worte flüstern würde, bei denen Artie sich sicher war, dass sie etwas damit zu tun hatten, ihn vornüber zu beugen und zu vögeln, bis seine Augen hervortraten.
Himmel, Himmel, Himmel!
Er seufzte.
Demaine. Der große Muskelberg, der ihm geholfen hatte, einen Weg aus dem Gefängnis zu finden.
Aber zum Preis von 2.500 Dollar, die er diesem James Bond in Jeans zahlen musste, der keine drei Meter entfernt stand.
»Bist du okay?«
Eine Welle der Niedergeschlagenheit baute sich drohend am Horizont auf und Artie sackte in sich zusammen, den Blick auf den Perserteppich auf dem Boden vor ihm gerichtet. All dieses Geld. Jetzt war er vorbestraft. Wie sollte er das seiner Mutter erzählen? Wie sollte er das seiner Schwester erzählen? Sie war seine Nummer eins, aber sogar sie würde enttäuscht von ihm sein.
»Artie?«
Da waren wieder Augusts Zehen. Er war auf Artie zugekommen, während er sich in Selbstmitleid gesuhlt hatte, und jetzt stand er direkt vor ihm. Artie blickte auf, an einem sexy Knie und – schau ihm nicht in den Schritt! – dieser muskulösen Brust vorbei und in Augusts attraktives Gesicht.
»Geht es dir gut, Mann?«
Artie seufzte. »Mein Leben ist ruiniert.«
»Ach, Mann, das kannst du nicht wissen.« Er setzte sich neben Artie. »Überhaupt nicht.«
»Doch, weiß ich.« Die Welle kam näher und türmte sich über ihm auf, dunkel und schrecklich. »Was soll ich machen, wenn ich ins Gefängnis muss?« Der Raum schien still zu werden – als würde die Welt den Atem anhalten, darauf wartend, dass die Flutwelle über sie hereinbrach. »Ich habe eine Vorstrafe, die mich für den Rest meines Lebens verfolgen wird.«
»Artie, du weißt nicht, was der nächste Tag bringt.«
»Weiß ich nicht?« Mindestens ein Dutzend Erinnerungen schlugen über ihm zusammen, eine nach dem anderen, und jede machte seinen Magen etwas schwerer. »Dieses Mädchen, das ich in der Highschool kannte. Klassenbeste. Beliebt und alles. Sie hat dieses Auto von einem Typen auf Craigslist gekauft. Sie ist kontrolliert worden, weil ein Rücklicht durchgebrannt ist. Aus irgendeinem Grund hat der Cop ihr Auto durchsucht. Vielleicht waren ihre Ohrringe schuld. Ich weiß es nicht. Sie haben eine Graspflanze in ihrem Aschenbecher gefunden und haben sie festgenommen. Es gab ein verdammt hohes Bußgeld und ich habe vergessen, wie viele Sozialstunden. Hundert Stunden, so weit ich weiß. Ich glaube, es waren viel mehr, aber so wie es meinem Kopf gerade geht?« Artie schüttelte den Kopf. »Ich kann mir wegen nichts mehr sicher sein. Aber das weiß ich. Sherri hat nie auch nur ein Bier getrunken. Und schau, was ihr passiert ist!«
August seufzte. Es war ein tiefes Seufzen und machte Arties Magen nur noch schwerer. Dieser Mann musste Einiges gesehen haben. Er wusste, was auf dem Spiel stand.
»Ich bin ein junger, sogenannter privilegierter weißer Kerl. Richter mögen es, an Typen wie mir ein Exempel zu statuieren. Ich bin erledigt.« Er wandte sich mit großen Augen an August. »Komm schon. Schau mich an! Ich wiege höchstens 65 Kilo. Irgendein Kerl namens Bubba wird mich jede Nacht über seine Pritsche legen. Ich könnte genauso gut jetzt gleich damit anfangen, meine Jeans tief sitzend zu tragen.«
Er vergrub das Gesicht in den Händen und tat alles, was er konnte, um zu verhindern, dass er in Tränen ausbrach.
***
Bubba? Hatte Artie wirklich Bubba gesagt?
August musste sich zusammenreißen, damit er nicht lachte. Und sein letzter Kommentar. Der bezog sich bestimmt auf den Glauben, dass die Mode, die Jeans tief sitzen zu lassen, im Gefängnis begonnen hatte und sexuelle Verfügbarkeit signalisierte. Jetzt zu lachen, wäre jedoch alles andere als angebracht, oder?
»Weißt du«, sagte er stattdessen, »diese ganze Vorstellung stimmt nicht, okay?«
Artie schaute ihn verblüfft an.
»Das mit den Hosen? Dass es bedeutet, dass ein Kerl nach einem Beschützer oder etwas in der Art sucht, damit er sich keine Sorgen darüber machen muss, dass man ihn… na, du weißt schon.«
Artie blinzelte ihn lediglich an.
»Zwar hat man hängende Hosen zuerst im Gefängnis gesehen, aber es bedeutet nichts. Es hat nichts mit Sex zu tun. Es liegt daran, dass manche Gefangene Klamotten bekommen, die ihnen nicht passen. Und weil man im Gefängnis keine Gürtel tragen darf – diese ganze Sache mit dem Suizid, weißt du –, rutschen ihnen die Hosen über die Ärsche. Dann sind sie irgendwann in der Hip-Hop-Szene aufgetaucht und –«
»Wovon redest du?« Artie blinzelte erneut, dann verengte er die Augen und schaute August durch feuchte Wimpern an.
August öffnete den Mund, um ihm mehr zu erzählen, als es ihm einleuchtete. Artie konnte das natürlich gar nicht aufnehmen. Er befand sich mitten in der vermutlich ersten Katastrophe seines jungen Lebens. Und obwohl das vollkommen unangebracht war, brachte ihn dieser Gedanke beinahe zum Lachen. Als ob er so viel älter wäre als Artie. Er ist 24. Ich bin 31. Ein paar Jahre weniger und wir hätten zusammen zur Schule gehen können.
Aber ein Gedanke, der ihm zuvor gekommen war, entsprach der Wahrheit. Ende zwanzig tat sich in der Entwicklung eine Menge. Und verhaftet zu werden und möglicherweise für eine Zeit ins Gefängnis zu müssen, würde diesen jungen Mann ein gutes Stück erwachsen werden lassen.
Eine Gefängnisstrafe.
Es war denkbar.
Ein hübscher junger Kerl wie Artie könnte an einem Ort wie diesem zerfetzt werden und wer wusste, wie er nach dieser Erfahrung sein würde?
Als hätte Artie seine Gedanken gelesen, sagte er: »Meinst du, das macht einen Unterschied? Einheitliche Sträflingskleidung? Wie lange bis nach meiner Ankunft dauert es, bis ich gar nichts mehr anhabe und sie mich herumreichen wie Penner eine Flasche Fusel?«
August versteifte sich, seine Muskeln verspannten sich und er biss die Zähne zusammen. Der Gedanke war furchtbar. Diese Augen, so voller Angst und Verwirrung. Wie würden sie nach ein paar Jahren im Knast aussehen?
August erschauerte.
Dieser süßer Junge – denn vierundzwanzig hin oder her, das war Artie nun mal – würde zerstört sein. Das System besserte sich nicht. Er hatte irgendwo gelesen, dass zwischen 45 und 77 Prozent der Häftlinge wieder im Gefängnis landeten.
Artie mit all seinem Potenzial wäre zerstört. Alles, was er der Welt bieten konnte, wäre verloren. Und während August neben Artie auf seiner Ledercouch in seinem schicken Loft saß, erkannte er, dass er aus irgendeinem Grund wissen wollte, wie dieses Potenzial aussah. Wer Artie war.
Jetzt geht das schon wieder los, sagte der Lincoln, der in seinem Kopf lebte und vermutlich immer dort leben würde, obwohl ihre Beziehung gescheitert war. Jetzt geht das schon wieder los, du verliebst dich in einen hübschen jungen Mann. Du willst ihn retten.
Ich habe mich einst in dich verliebt, sagte er dem Lincoln-Doppelgänger. Dich gerettet.
Die Stimme verstummte.
»Ich werde versuchen, dir zu helfen«, sagte er zu dem sehr realen Artie und legte ihm eine Hand auf die Schulter. Er drückte sie tröstend und war wieder einmal überrascht, wie robust Artie sich anfühlte. Er sah aus, als könnte eine starke Brise ihn fortwehen, aber seine ausgeleierten Klamotten schienen etwas Solideres zu verstecken.
»Warum? Warum willst du mir helfen? Ich hab dir fast mein ganzes Geld gegeben. Ich kann dir nicht noch mehr geben. Ich werde jeden Penny brauchen, den ich noch übrig habe.«
Warum? Gute Frage. Was hatte Artie an sich im Vergleich zu den hunderten anderen Männern, die möglicherweise in den Knast wandern würden? Sollte irgendjemand herumgereicht werden wie eine Flasche Fusel? Natürlich nicht. Aber wenn er in Arties Gesicht schaute – diese Augen, diese Lippen, diese große edle Nase (für eine Sekunde schoss August ein Bild in den Kopf, wie sie gebrochen aussehen würde, leicht zu einer Seite hin verbogen) – er schauderte, und etwas in August erwachte, irgendein animalischer Beschützerinstinkt, und er wusste, dass er Artie helfen musste. Helfen musste.
»Ich will nicht noch mehr von deinem Geld.«
»Warum hilfst du mir dann?«, rief Artie aus.
»Weil…« Warum? Weil er schön war? Das war kein guter Grund. Weil er süß und unschuldig war? Ha! Das kannst du nicht wissen. Du dachtest auch, dass Harry Bedfords Freundin süß und unschuldig war, und sie hat dich angestochen!
Aber…
»Weil ich dir glaube, Artie. Ich habe mit einer Menge Arschlöcher zu tun. Das ist Teil meines Jobs. Aber ich habe auch mit vielen Leuten zu tun, die einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Ich hab bei dir so ein Gefühl. Wenn ich einen passenden Anwalt für dich finden könnte–«
»Wie viel wird mich das kosten?«
»– glaube ich, dass wir deine Weste von all dem reinwaschen könnten.«
Artie setzte sich gerade hin. »Du meinst, das könnte klappen?« Seine Augen waren groß und voller Fragen. »Könnte die Anklage fallen gelassen werden?«
August dachte noch einmal darüber nach. Er wollte Artie keine falschen Hoffnungen machen und wusste nicht viel über den Fall. Er musste mehr darüber erfahren. Aber er konnte auch sehen, dass Artie völlig verängstigt war. Etwas musste er ihm geben.
»Wenn das Gras, das du mit dem Brownie aufgenommen hast, innerhalb einer Woche aus deinem System verschwindet, würde das beweisen, dass du es nicht regelmäßig nimmst.«
»Eine Woche? Ich dachte, Marihuana bleibt für dreißig Tage im Körper.«
»Nicht, wenn man es nur einmal nimmt«, erklärte August. »Es wird sich schnell von allein erledigen. Wenn wir dir ein paar Charakterreferenzen besorgen können, wird das viel bringen. Hast du das? Deine Familie vielleicht?«
»Oh nein! Meine Familie? Ich will nicht, dass sie davon erfährt!«
August schüttelte den Kopf. »Süßer« – Süßer? – »sie werden es herausfinden.«
»Oh herrjemine«, stöhnte Artie. »Sie werden dermaßen enttäuscht sein.«
»Weil es sie schockieren würde?«
»Oh ja!«
»Das ist eine gute Charakterreferenz«, sagte er und zwinkerte Artie zu. »Auch wenn sich dein Mitbewohner für dich einsetzen würde. Das würde alles viel dazu beitragen, dich rauszuhauen.«
»Ich weiß nicht, ob das funktionieren wird. Bei Willie ist das schwer zu sagen.« Artie lachte. »Wusstest du, dass Willy ein anderes Wort für Schwanz ist?«
Dieses Mal erlaubte August es sich, ebenfalls zu lachen.
»Das scheint gar nicht zu ihm zu passen, denn ich mag Schwänze, und…« Arties Augen weiteten sich und er wurde leuchtend rot.
August lächelte, lehnte sich Artie entgegen und sagte leise: »Ich bin auch schwul.«
»Wow«, flüsterte Artie. Für eine lange Zeit sagte er nichts und als August gerade versuchen wollte, die Stille zu durchbrechen, redete Artie weiter. »Das sind schon zwei.«
Zwei? Zwei was? »Zwei?«, fragte August laut.
Artie schien sich auf etwas weit Entferntes zu konzentrieren. Auf etwas in einer anderen Welt. »Zwei schwule Kerle, die mir helfen.«
August wusste nicht, was das bedeutete, aber…
»Du wirst mir wirklich helfen?«, fragte Artie.
August nickte.
»Aber warum?«
Ja, warum nur? August war sich nicht ganz sicher. Aber irgendwie war der Drang zu groß, um ihn zu verleugnen.