Читать книгу Die Untreue der Frauen (Band 4) - Emma Gold - Страница 4
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ОглавлениеIch befinde mich an meinem Lieblingsplatz.
Habt ihr auch einen Ort, an dem ihr euch besonders wohlfühlt? Der euch zurück in euer Gleichgewicht bringt, euch Kraft, Stärke und neuen Lebensmut verschafft?
Mein Ort der Ruhe liegt am Isarhochufer, zwischen Felsen, Bäumen und dichten Büschen verborgen.
Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wann ich hier das erste Mal war. Es war in der Zeit, als ich die ersten sexuellen Phantasien in meinem Kopf hatte. Damals dachte ich, es wäre etwas Unanständiges und bin ein verdorbenes Mädchen. Es war noch nicht die Zeit, als wir uns alle Informationen aus dem Internet holten und über Facebook kommunizierten. Damals war ich allein mit meinen Gedanken und Bedürfnissen. Aber ich ließ mir auch nicht helfen. Es wäre mir peinlich gewesen, mit anderen Menschen über meine Probleme zu sprechen.
Mein Problem nennt sich: Berührungsangst.
Wie jeder Mensch sehne ich mich nach körperlicher Nähe, habe aber gleichzeitig sehr große Angst davor. Ich fühle mich bei Berührungen bedroht und in die Enge getrieben. Bei mir lag das zum großen Teil an meinen Eltern, auf die ich mich nie verlassen konnte, die sich beruflich ständig im Ausland aufhielten, mich nie in den Arm nahmen, mich nie gestreichelt oder mit mir gekuschelt hatten.
In der Psychologie wird dieses Problem Aphephosmophobie genannt.
Woher ich das weiß? Ganz einfach, ich bin Psychologin. Ich habe studiert, meinen Facharzt gemacht, und anschließend noch einen Doktortitel erworben.
Mein Name ist Dr. med. Emma Gold, und ich schreibe diese Buchserie, veröffentliche die Akten meiner Patienten. Ich bin hübsch anzusehen, mit einer femininen Ausstrahlung und einem schlanken Körper.
Gestern hatte ich Geburtstag, ich wurde dreiunddreißig Jahre alt. Diesen Tag habe ich allein verbracht. Die einzigen Glückwünsche erhielt ich per SMS von meinen Eltern aus Mallorca. Kein Anruf, keine Stimme, kein Kuss, kein Kuscheln. Nichts. Meine Eltern schicken mir zum Geburtstag eine SMS. Sonst hat auch niemand an mich gedacht. Ich habe keine Freunde, da ich ausschließlich für meinen Beruf lebe, und das bereits seit der Schulzeit. Eine feste Beziehung führe ich ebenfalls nicht. Ich lebe allein. Das übrigens auch seit meiner Schulzeit. Den letzten Freund hatte ich mit siebzehn Jahren. Seit dieser Zeit hat mich kein Mensch mehr berührt, geküsst, oder sogar. Das bedeutet, ich lebe seit sechzehn Jahren völlig ohne Sexualität, natürlich die Masturbation ausgeschlossen. Das liegt natürlich an meiner Aphephosmophobie. Ich habe Angst davor, einen Menschen in mein Leben zu lassen, mich berühren zu lassen.
Daher habe ich mich für die Laufbahn einer Psychologin entschieden. Ich habe gelernt und studiert, um meine eigenen Probleme aufarbeiten zu können. Aber es ist mir bis heute nicht gelungen. Ich bezweifle auch, dass es mir jemals gelingen wird. Dazu würde ich fremde Hilfe benötigen. Aber ich bin noch nicht bereit, jemanden in meine Privatsphäre eindringen zu lassen. Klingt super, oder, wenn das eine Psychiaterin sagt?
Daher habe ich beschlossen, auf diesem Weg, über das geschriebene Wort, von meinen Ängsten, Gefühlen und Bedürfnissen zu erzählen.
Und wo sollte es einen besseren Ort dafür geben, als gerade jetzt und hier am Isarhochufer, versteckt hinter Felsen, Bäumen und dichten Büschen. Neben mir lag mein Zeiss Fernglas 20x60S, dass ich mir für fast sechstauschend Euro im Internet gekauft hatte. Heftiger Preis, oder? Aber es war jeden Cent wert! Es ist das Fernglas der Superlative für extrem weite Distanzen. Selbst aus 1km Entfernung ist ein Objekt in Centgröße zu identifizieren. Dieses tolle Gerät kommt unter anderem auf der internationalen Raumstation ISS zum Einsatz.
Jetzt fragen Sie sich sicher, warum ich mir dieses Fernglas gegönnt, und warum ich es mit an meinen geheimen Ort genommen habe, oder?
Das liegt an meinen Berührungsängsten. Ich werde keinen Menschen an mich heranlassen, also halte ich sie auf Abstand. Im Laufe der letzten Jahre hatte sich das zu einer Form des Voyeurismus gewandelt. Mir gefiel es, andere Menschen aus einer großen Entfernung zu beobachten. Egal, ob es ein Mann oder eine Frau war, egal, ob sie angezogen oder nackt waren. Mich erregte es, durch mein Fernglas heimlich in die Privatsphäre anderer Menschen einzudringen.
Und hier half mir mein geheimer Ort am Isarhochufer. Von dieser Stelle gibt es immer etwas Spannendes zu sehen. Menschen beim Lesen, beim Sonnen oder Feiern. An der Isar war immer etwas los.
So auch heute, einen Tag nach meinem Geburtstag. Ich hatte mir den Vormittag freigenommen. Der nächste Termin, ich glaube, es handelt sich um Serafina Salis, ist erst um zwei Uhr nachmittags.
Ich nahm das Fernglas zur Hand und ließ meine Blicke über den Isarstrand gleiten. Durch die sagenhafte Vergrößerung konnte ich fast jeden Kieselstein in vollster Schärfe erkennen.
Plötzlich stoppte ich. Und tatsächlich, da lag eine nackte Frau! Nicht das Sie mich jetzt falsch verstehen. Es war mir egal, ob dort eine nackte Frau oder ein nackter Mann lag. Ich war weder lesbisch noch heterosexuell, sondern nur eine Voyeurin, die Berührungsängste hatte. Mein Reiz lag in der Beobachtung, im Eindringen einer fremden Privatsphäre.
Daher betrachtete ich die fremde Frau. Wie die Natur sie geschaffen hatte, lag sie rücklings auf einem Badetuch, die Arme seitlich ausgestreckt. Das blonde Haar umrahmte ihr Gesicht wie einen Heiligenschein.
Zuerst betrachtete ich den gesamten nackten Körper der Blondine. Sie war schlank gewachsen, sportlich trainiert, sicher durch regelmäßige Besuche in einem Fitness-Studio. Die Augen waren geschlossen und lagen unter langen, seidigen Wimpern. Die Nase war klein, edel, gerade, der Mund rot, voll und weich. Ein Mund, der zum Küssen wie geschaffen schien. Sie trug, wie ich erkennen konnte, keinen Ring. Ihre Hände waren schlank und feingliedrig.
Meine Augen streiften über die Brüste mit den festen Nippeln. Die Vorhöfe hatten sich zusammengezogen und warfen feine, herrliche Fältchen. Dank des hochwertigen Fernglases konnte ich die Nippel so detailgetreu betrachten, als wären meine Augen nur wenige Zentimeter entfernt. Aus den rosigen Warzenhöfen ragten die beiden Knospen wie kleine Dolche heraus.
Ich blickte tiefer, über den flachen Bauch, dann noch weiter herunter. Dort, wo sich ihre Beine trafen, bedeckte helles, gelocktes Haar ihre Schamregion. Das blonde Dreieck, deren Spitze direkt auf ihre Klitoris zu deuten schien, wirkte wie eine Einladung. Ich konnte sogar ihre rosigen Schamlippen unter dem goldfarbigen Busch hervorschimmern sehen.
Ich zoomte so nah wie möglich heran und konnte jedes einzelne Haar detailliert betrachten. Die Unbekannte hatte ihr rechtes Bein leicht angewinkelt, die Schenkel etwas gespreizt. Ich folgte den markanten Hüftknochen über ihren blonden Busch. Aus der Hautfalte ragte ganz leicht die Klitoris hervor, dann begannen die fleischigen, äußeren Schamlippen. Die inneren Lippen drückten sich leicht nach außen.
In diesem Moment drehte sich die Fremde auf den Bauch, und ich konnte als Zugabe noch den Rücken und festen Gesäßbacken betrachten.
Aber jetzt hatte ich genug gesehen. Mir ging es hier nicht um sexuelle Befriedigung, sondern nur in das Eindringen in eine fremde Privatsphäre. Und das war mir gelungen.
Ich packte das Fernglas zurück in den Metallkoffer und verließ meinen geheimen Ort am Isarhochufer. Leider musste ich zurück in meine Praxis.
Serafina Salis würde zu einem weiteren Termin erscheinen. Und bei einem Stundenhonorar von zweihundert Euro hatte sie meine volle Aufmerksamkeit verdient.