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Über die Liebe

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Liebe ist jener Zustand im Leben, der unaufgefordert, rücksichtslos und ohne Hemmungen über uns arme Menschenkinder hereinfällt. Wer glaubt, er könnte die Liebe verhindern, wenn sie kommt, der irrt.

Liebe ist wie ein warmer Sommerwind, der zärtlich seinen Atem über nackte Haut pustet und sie im Augenblick des Glücks erstarren lässt.

Liebe lässt keine Auswege zu, sie nimmt sich das, was sie braucht, sie fordert, sie giert, sie ist wunderbar und sie tut unendlich weh.

Liebe lässt die Gefühle in uns leben, wärmt sie langsam auf, erhitzt sie bis sie erglühen und lodern. Ein Flammenmeer schlägt über uns zusammen, brennt und flackert in höllischem Verlangen.

Liebe sticht tief in die Seele, lässt das Herz erglühen in schamloser Begierde, macht uns willenlos und unsagbar schwach.

Liebe ist Glückseligkeit in ihrer Vollendung und wohl das Schönste, was einem Menschen beschert werden kann.

Liebe bettet Gefühle auf Rosen, lässt Gedanken mit den Wolken fliegen, fängt sie ein in zärtlicher Musik.

Liebe braucht keine Worte, keine Erklärung, keine Besinnung. Allein die Vernunft ist der einzige Gegner der Liebe. Verliert sie einen Kampf gegen deren Macht, so zieht sie sich nicht zurück, ohne ihre schmerzlichen Spuren zu hinterlassen. Noch im Kampf versucht sie aufs Neue zu erglimmen, aufzubegehren, in reisender Wut sich zu wehren – bis sie in unendlicher Trauer und dem Wahnsinn nahe zunächst unter der Glut erstickt.

Liebe hadert lange mit dem Menschen, der sie, ohne es eigentlich zu wollen, aus seinem Herzen reißt. Sie kennt kein Mitleid.

Liebe ist grausam, wenn sie sich nicht entfalten kann. Sie schmerzt, hämmert, bohrt und verleitet zu Bösartigkeiten.

Liebe kann hassen und schreckliche Träume hervorrufen. Erhascht sie aber nur einen Funken vom Glück, so ist sie nicht mehr aufzuhalten. Aufs Neue lodert sie aus der Glut empor, entfacht ein Feuer und gewinnt.

Evelyne Kern

Atemlos ins Nichts

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