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Einleitung

An der Frage nach der Zukunft kommt niemand vorbei. Selbst die langweilige Urlaubsfrage: »Was machen wir heute?« rechnet mit einem winzigen Stück Zukunft, das man so oder so füllen kann. Und die 40 000 Jahre alten Höhlenmalereien Frankreichs – dienten sie nicht auch dazu, die Hoffnung auf Jagd und Überleben auszudrücken und vielleicht sogar religiös zu festigen? Jedenfalls sind die Grabbeigaben der Völker und Kulturen unübersehbare Zeichen einer Hoffnung auf Künftiges.

Was kommt auf uns zu? Diese Frage eint Kinder und Erwachsene, Große und Kleine, Atheisten und Gläubige, Optimisten und Pessimisten. Meine Bank schrieb mir zum Geburtstag: »Die Zeit sollte immer oberste Priorität haben – Zeit für Begegnungen mit anderen und mit sich selbst. Zeit zum Träumen, zum Lachen, zum Lieben. Zeit zum Leben.« Was für ein Riesenpaket an Hoffnungen! Man kann auch ohne die Bibel voll Hoffnung die ganze Weltgeschichte umspannen, wie es in Lessings Erziehung des Menschengeschlechts 1777 zum Ausdruck kam: »… sie wird gewiss kommen, die Zeit der Vollendung, da der Mensch […] das Gute tun wird, weil es das Gute ist.«1 Und man kann mit größtem Erstaunen feststellen, wie weit im westlichen Kulturraum der Einfluss der biblischen Hoffnung reicht. Ich greife in der Deutschen Bundesbahn zu einem Band von Karl May, Im Sudan, und lese dort2: Er habe die »Überzeugung, dass eine unendliche und allbarmherzige Weisheit mich an Ort und Stelle geleitet hat und mich auch weiter führen wird. Wie die winzige Puppe eines kleinen Falters auf der Fläche einer geöffneten Riesenfaust, so liegt der Mensch mit Leib und Seele, mit all seinem Denken und Fühlen, mit all seinem Hoffen und Zagen in der allgewaltigen Hand Gottes, die ihn nicht zerdrücken, sondern zum irdischen Glück führen und dann zur Seligkeit des Himmels leiten will.« Der Evangelische Erwachsenenkatechismus überschreibt einen ganzen Teil mit der Frage: »Wohin geht der Weg?«3 Man kann das Jenseits radikal leugnen – und doch bleibt für das irdische Leben eine Bindung an die Zukunft. In seinem Buch Ewiges Leben?4 zitiert Hans Küng Bert Brecht: »Lasst euch nicht verführen / Zu Fron und Ausgezehr! Was kann euch Angst noch rühren? / Ihr sterbt mit allen Tieren / Und es kommt nichts nachher.« Doch was geschieht dann noch vor dem Tod?

Eines der besten Bücher, die mir im Blick auf die Zukunftsfrage begegnet sind, ist Die Hoffnung des Menschen von Rudolf Bösinger.5 Er zitiert aus dem Selbstbildnis von Manfred Hausmann: »Jetzt bin ich alt. Und die Angst vor dem Tode hat sich immer noch nicht eingestellt. Aber das Bedenken des Endes spielt nun eine große Rolle in meiner Lebensführung …«6 Was zerbrochene Hoffnung bewirken kann, wird schlagartig klar an der Gestalt Jacksons, eines der Hauptankläger im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess. Er beging Selbstmord, »weil die darauffolgende Politik der Mächte die Ideale jenes ›Versuchs zur Welt-Gerechtigkeit‹ zu Spott machten«.7

Zwischen all diesen Lebens-, Rück- und Ausblicken und Versuchen drängt sich immer wieder die Frage hervor: Was kommt auf uns zu? Im Folgenden möchte ich von der Bibel her auf diese Frage zugehen.

Was kommt auf uns zu?

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