Eros und Logos

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Группа авторов. Eros und Logos
Inhalt
Liebe, Erotik und Sexualität in der deutschen und europäischen Literaturgeschichte
I
II
III
Bibliographie
Gott, der an Frauenbrüsten ruht
1. Mechthild und ihr Werk
2. Zur Eigenart der Erotik im Fließenden Licht
Schlussfolgerungen
Bibliographie
Erotik und Sexualität im Märe des Spätmittelalters
I
II
III
IV
V
Bibliographie
Erotisierende Rezeptionen von Claudians Epithalamium an Palladius und Celerina im Barock
1. Venus in Claudians Epithalamium an Palladius und Celerina (c.m. 25)
2. Das c.m. 25 als erotisches Gedicht
3. Anonym: Die Schlaffende Venus nach des Claudiani lateinischen (1697)1
4. Johann von Besser: Die Ruhestatt der Liebe / oder die schooß der geliebten (1695)
5. Benjamin Neukirchs Parodie: Auff die Perlitz-Mühlendorffische Hochzeit
6. Christian Hölmann: Abbildungen der Schooß
7. Fazit
Bibliographie
„Was ist erquickender als schne Brust-Granaten“
Barocke sexuelle Revolution
1. Occasio
2. Liebe
3. Kuss
4. Wollust
5. Homo eroticus
Galante conduite und Sex conduite
Bibliographie
Umwege der Lust – Liebe und Sexualität in Friedrich Schlegels Lucinde
Bibliographie
Websites
„Das Fleisch hat seinen eigenen Geist“
1. Einstieg und zentrale Thesen
2. Wedekind und die Zensur
3. Pornographie und sexualmetaphorische Sprache
4. Sexualerziehung in essayistischen und literarischen Texten Wedekinds
5. Wedekinds Erotikprogramm: Sexualität als Religion
6. Fazit
Bibliographie
Eros und Thanatos oder. von kleinen Lieben im Großen Krieg
1. Eros als Passion – Krieg als Profession
2. Brutale Kriegswelt und sinnliche Wahrheitspräsenz erinnerter und vorgestellter Liebe
3. Liebe als Aufopferung – Platonische Liebeserweiterungen einer Dreieckgeschichte
4. Liebe als Kosten-Nutzen-Kalkül
5. Kleine Ausdrucksformen von großen Liebeswelten – Fazit
Bibliographie
Die heiligen Gespräche in Der Mann ohne Eigenschaften als erotische Vereinigung
Die heiligen Gespräche
Verschmelzung im Sinne der Phänomenologie
Musils mystische Erotik: der andere Zustand
Erotik und Gesellschaft
Fazit
Bibliographie
Sinn und Sinnlichkeit Berlins
Ein sittengeschichtlicher Ausschnitt Berlins
Private Intimitäten mit Bindungsabsichten
Private Intimitäten zur Kompensation mangelnder Bindung
Mangelnde Private Intimitäten in bestehenden Bindungen
Prostitution und Nudismus auf den Straßen Berlins
Prostitution zu (weiblichen) Karriere- oder Überlebenszwecken
Prostitution zum Zweck der (männlichen) Befriedigung
Prostitution und Nudismus als Element urbaner Kultur
Homosexualität im realen Berlin
Männliche Homosexualität
Weibliche Homosexualität
Fazit
Bibliographie
Inszenierungen von Geschlechtsidentitäten in der. Lyrischen Novelle von Annemarie Schwarzenbach
Bibliographie
Gottfried Benns Briefe an Ursula Ziebarth – Versuch, eine Liebesgeschichte zu rekonstruieren
1. Zur Edition des Bandes Hernach. Gottfried Benns Briefe an Ursula Ziebarth
2. Der große Dichter und die hoch ambitionierte Autorin. Gottfried Benn und Ursula Ziebarth – zwei Welten, die sich nicht ohne Mühe nahekommen
3. Resümee
Bibliographie
Internetquellen
„Wir reichen uns der Liebe rote Beeren“ – Rose Ausländers frühe Liebesgedichte
Bibliographie
Frauenkörper als Tauschobjekt
1. Prostitution im Raster der Geschlechtermatrix
2. Großstadt als Schauplatz der Prostitution
3. Krieg als Schauplatz der Prostitution
4. Fazit
Bibliographie
Horror in sexualibus
Einleitung
1. Antagonisten: Clamor und Teo
2. Macht und Sexus
3. Teo ex machina: Der abendländische Sultan
4. Clamor: Klageruf, Geretteter, Hirte
5. Fazit
Bibliographie
„[A]ls hätten sie das Fremdsein erfunden, um sich tiefer lieben zu können“1
1
2
3
Fazit
Bibliographie
Lust auf Verbotenes? Queeres Begehren anhand ausgewählter deutschsprachiger Gegenwartsprosa
Bibliographie
Anormalität als Normalität. Sexualästhetik in Die Stunde zwischen Frau und Gitarre von Clemens Setz
1. Einleitung, Zielsetzung und Methodologie
2. Theoretische Überlegungen zur Erotik in der Literatur
3. Zwischen ‚Anormalität‘ und ‚Normalität‘
4. Analyse der erotischen Elemente im Roman Die Stunde zwischen Frau und Gitarre
5. Ausblick
Bibliographie
„Frauen sind für ihn die geheimnisvollste Gattung unter den Haustieren“
1. Einführung
2. Weiblichkeitsdarstellung in Szczepan Twardochs Morphin
2.1 Helena Willemann – zwischen Eros und Nation
2.2 Salomé – Eros als Körperlichkeit
2.3 Katarzyna Willemann – zwischen Eros und Wahnsinn
2.4 Eine Droge als Erzählerin?
3. Schlussfolgerungen
Bibliographie
Autorenverzeichnis
Fußnoten
Gott, der an Frauenbrüsten ruht
Liebe und Sexualität in Friedrich Schlegels Lucinde
Die heiligen Gespräche in Der Mann ohne Eigenschaften
Sinn und Sinnlichkeit Berlins
Inszenierungen von Geschlechtsidentitäten
Inszenierungen von Geschlechtsidentitäten
Rose Ausländers frühe Liebesgedichte
„[A]ls hätten sie das Fremdsein erfunden, um sich tiefer lieben zu können“
Lust auf Verbotenes?
Über dieses Buch
Отрывок из книги
Eros und Logos
Literarische Formen des sinnlichen Begehrens in der (deutschsprachigen) Literatur vom Mittelalter bis zur Gegenwart
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Wählen wir zwei scheinbar sehr weit auseinander liegende Beispiele zum Vergleich und zur Illustration. In einigen der Lieder Oswalds von Wolkenstein (1376/77–1445) vernehmen wir von Badefreuden, die er mit seiner frisch getrauten Frau Margaretha von Schwangau genießt. Obwohl das Lied Kl. 75 Wol auff, wol an offensichtlich mehr für den Privatgebrauch gedacht gewesen sein mag, gehört es trotzdem zu den öffentlich präsentierten Liedern, die in seinen beiden Prachthandschriften A und B (Pergament), später auch in der Papierkopie c, enthalten sind.12 Mehr noch als jemals zuvor sehen wir uns in eine höchst intime, zugleich extrem erotische Situation versetzt, denn das junge Ehepaar vergnügt sich in einer Badewanne, die offensichtlich auf einer Wiese aufgestellt worden ist. Nach einem intensiven, wenngleich immer noch topischen Natureingang, in dem die Vogelschar die frühlingshafte Umwelt bejubelt, melden sich Oswald und Margarethe zu Wort, die sich begeistert gegenseitig berühren und sexuell erregen: „,wascha, maidli, / mir das schaidli!‘ / ‚reib mich, knäblin, / umb das näblin! / hilfst du mir, / leicht vach ich dir das rätzli‘“ (34–39). In der folgenden, dritten Strophe bewegt sich der Blick weg von der Badewanne hin zu den Pflanzen und Geschöpfen auf der Wiese, wo überall Freude und Zufriedenheit herrschen, weil der Winter verschwunden ist und dem lieblichen Mai gewichen ist, worauf alles wieder zu wachsen und zu sprießen beginnt. Erotik und Sexualität durchdringen diese Welt, die kaum deftiger beschrieben werden könnte, ohne ins Obszöne abzugleiten.
Beim folgenden Gedicht, Kl. 76 Ain graserin durch küelen tou, wird man dies aber nicht mehr so sicher betonen wollen, denn der Dichter bedient sich nun einer kaum noch verhüllten Metaphorik, insoweit als die Arbeit beim Heumachen direkt zum sexuellen Austausch überspringt: „Ain graserin durch küelen tou / mit weissen blossen füesslin zart / hat mich erfreut in grüener ou; / dast ir sichel braun gehart“ (1–4). Nachdem der Liebhaber ihr geholfen hat, das Gatter zu richten – eine Metapher, die sich mühelos in ihrer Anspielung ausdeuten lässt –, bemerkt er, dass ihm die Zeit lang wird und es ihn danach dürstet, ihr erneut seinen Dienst anzubieten: „mein häcklin klain hett ich ir vor / embor zu dienst gewetzet, / gehetzet, netzet; wie dem was, / schübren half ich ir das gras“ (14–17). Während sich die beiden dann zusammentun, d.h. miteinander kopulieren, fordert er sie dazu auf, tüchtig mitzumachen: „,zuck nicht, mein schatz!‘ simm nain ich, lieber Jensel‘“ (18), und so geht es dann noch eine ganze Strophe weiter.13 Hat Oswald dabei die Grenze zum Anstand durchbrochen oder ein Meisterwerk der erotischen Lyrik geschaffen? Wer hieran Anstoß nehmen möchte, dem steht dies ganz frei zu, aber es würde nichts an dem hohen Ansehen ändern, dass Oswald genau für diese und andere Lieder genießt, weil sie so frisch autobiographisch wirken und die Dinge schlicht beim Namen nennen.
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