Psychologie der Massen
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Gustave Le Bon. Psychologie der Massen
Inhalt
Einleitendes Essay
Vorwort zur ersten Auflage
Einleitung: Das Zeitalter der Massen
1. Kapitel: Allgemeine Kennzeichen der Massen. Das psychologische Gesetz von ihrer seelischen Einheit
2. Kapitel: Gefühle und Sittlichkeit der Massen
3. Kapitel: Ideen, Urteile und Einbildungskraft der Massen
4. Kapitel: Die religiösen Formen, die alle Überzeugungen der Masse annehmen
1. Kapitel: Entfernte Triebkräfte der Glaubenslehren und Meinungen der Massen
2. Kapitel: Unmittelbare Triebkräfte der Anschauungen der Massen
3. Kapitel: Die Führer der Massen und ihre Überzeugungsmittel
4. Kapitel: Grenzen der Veränderlichkeit der Grundanschauungen und Meinungen der Massen
1.Kapitel: Einteilung der Massen
2. Kapitel: Die sogenannten verbrecherischen Massen
3. Kapitel: Die Geschworenen bei den Schwurgerichten
4. Kapitel: Die Wählermassen
5. Kapitel: Die Parlamentsversammlungen
Erläuterungen
Endnoten
Отрывок из книги
Gustave Le Bon
Psychologie der Massen
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Die Kenntnis der Psychologie der Massen ist heute das letzte Hilfsmittel für den Staatsmann, der diese nicht etwa beherrschen — das ist zu schwierig geworden —, aber wenigstens nicht allzu sehr von ihnen beherrscht werden will. Die Massenpsychologie zeigt, wie außerordentlich wenig Einfluss Gesetze und Einrichtungen auf die ursprüngliche Natur der Massen haben und wie unfähig diese sind, Meinungen zu haben außer jenen, die ihnen eingeflößt wurden; Regeln, welche auf rein begrifflichem Ermessen beruhen, vermögen sie nicht zu leiten. Nur die Eindrücke, die man in ihre Seele pflanzt, können sie verführen. Darf z. B. ein Gesetzgeber, der eine neue Steuer auflegen will, die theoretisch gerechteste wählen? Keinesfalls. Die ungerechteste kann praktisch für die Massen die beste sein, wenn sie am unauffälligsten und leichtesten in Erscheinung tritt. Auf diese Weise wird eine noch so hohe indirekte Steuer allezeit von der Masse angenommen werden. Wenn sie täglich pfennigweise für Konsumartikel entrichtet wird, stört sie die Gewohnheiten nicht und beeinflusst sie wenig. Man lege an ihrer Stelle eine proportionale, auf einmal zu entrichtende Steuer auf die Löhne oder anderen Einkommen, mag sie auch theoretisch zehnmal weniger hart sein als die andere, so wird sie heftigen Widerspruch erregen. Anstelle der täglichen Pfennige, die man nicht spürt, tritt nämlich eine verhältnismäßig hohe Geldsumme, die am Zahltag riesig groß erscheint und sehr nachdrücklich empfunden wird. Sie wäre nur dann unbemerkt verbraucht worden, wenn sie Pfennig für Pfennig zur Seite gelegt worden wäre; aber ein so wirtschaftliches Gebaren würde ein Maß von Voraussicht beweisen, dessen die Massen unfähig sind.
Dies Beispiel enthüllt sonnenklar ihre geistige Verfassung. Einem Psychologen wie Napoleon ist sie nicht entgangen, aber die Gesetzgeber, welche die Massenseele nicht beachten, würden sie nicht verstehen. Die Erfahrung hat ihnen noch nicht genügend bewiesen, dass die Menschen sich niemals von den Vorschriften der reinen Vernunft leiten lassen.
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