Читать книгу Sex undercover (Erotik) - Lanea Diaz - Страница 6

1. Kapitel

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Lena saß am Konferenztisch, unterdrückte ein Gähnen und hoffte, niemand würde ihre geröteten Zombieaugen bemerken. Die ganze Nacht hatte sie an einer Detektivgeschichte geschrieben. Das war ihr neustes Hobby und die Fälle dazu lieferte ihr die Detektei, in der sie arbeitete.

Martin, ihr Chef, schob mit einem Quietschen seinen Stuhl zurück und richtete sich auf. Hinter ihm hing ein riesiger Papierblock auf einem Stativ, auf dessen erster Seite die wichtigsten Details ihres aktuellen Auftrags notiert standen.

Martins himmelblaue Augen blickten in eine Runde von sieben Leuten, um sich ihrer Aufmerksamkeit zu vergewissern.

«Wie sich sicher bereits herumgesprochen hat, ist uns ein neuer Auftrag anvertraut worden. Der ist von so großer Wichtigkeit für unser Büro, dass ich von jedem einzelnen hundertprozentigen Einsatz erwarte.» Martin legte eine Pause ein. Alle nickten und murmelten ihr Einverständnis, ihr Bestes zu geben. Er nahm einen Schluck aus der dampfenden Kaffeetasse. Seine rotblonden Locken ließen seine blasse Haut noch fahler erscheinen. «Dieser Auftrag bringt uns finanziell einen Batzen Geld in die Kasse, weshalb andere Verpflichtungen hintenanstehen müssen.»

Wieder eifriges Nicken.

Lena hielt sich unauffällig die Hand vor den Mund, das Gähnen wollte einfach nicht aufhören. Seine weiteren Worte klangen heute, als würde er durch einen dicken Wattebausch sprechen.

«In Berlin wurden verschiedene Gemälde aus einer Galerie gestohlen. Inhaber ist ein Japaner. Namen entnehmt ihr bitte den Unterlagen, die ich euch gleich aushändigen werde. Es sieht nach einem Insiderdieb aus. Ihr wisst, was das bedeutet.»

Angelika richtete sich gerade auf, wobei ihr Busen aus dem knappen Dekolletee ihrer Bluse quoll. «Alle Angestellten erfassen und beschatten.» Ihre roten Lippen verzog sie zu einem Schmollmund, bis Martin ihr ein Lächeln schenkte und wohlwollend nickte. «Zudem werden wir bei der nächsten Ausstellung als verdeckte Beobachter anwesend sein. Richtet euch schon mal darauf ein.»

Lena wollte bereits aufstehen, doch Martin machte mit einer Handbewegung deutlich, dass es noch etwas gab. «Da wir zu wenige sind, die für die Überwachungen normalerweise zuständig sind, muss ich auch euch beide mit in die Ermittlungen einbeziehen.»

Sein Blick ruhte auf ihr und einem Kollegen, der gerade erst angefangen hatte. «Ich?», fragte Lena ungläubig. Sie hatte nie etwas dagegen gehabt, nur für die Büroarbeiten zuständig zu sein.

«Ja. Du musst mir sogar einen großen Gefallen tun und dir bitte nichts Unanständiges dabei denken.» Alle Augen richteten sich auf sie. Angelika kicherte. «Für die unanständigen Sachen bin ja auch ich verantwortlich.»

Zum Glück, dachte Lena bei sich, doch ihr war jetzt schon klar, dass sie mit ihrem Auftrag nicht zufrieden sein würde.

Martin ging an die Bürotür, die er öffnete und jemanden zuwinkte. Herein kamen zwei attraktiv aussehende japanische Männer in schicken dunklen Anzügen. Der eine ungefähr in ihrem Alter von achtunddreißig, den anderen schätzte sie auf Ende vierzig. Sie verbeugten sich knapp und grüßten auf Deutsch.

Martin blickte flüchtig auf ein Stück Papier in seiner Hand. «Das ist Herr Shishido Nariaki», stellte er den älteren vor, «und das hier ist Herr Morino Tsuneyo, der Hauptinhaber der Galerie.» Beide nickten zum Gruß.

«Übermorgen gibt es eine Versammlung der Teilhaber der Galerie inklusive Gönner und Mitarbeiter. Du, Lena, wirst einen der Herren begleiten, wie es bei einem Geschäftsessen in diesen Kreisen erwartet wird.»

Lena blickte hilflos. «Ich?»

«Das wäre doch perfekt für mich», ereiferte sich Angelika und legte sich hastig die wasserstoffblonden Haare in Form.

Lena hörte den älteren Japaner fluchen, dass er auf keinen Fall in Begleitung einer aufgedonnerten Barbie dort auftauchen wolle. Lena ließ sich nichts anmerken, vielleicht sollte niemand wissen, dass sie Japanisch gut beherrschte. Sicher war das ein Grund, warum sie diesen unangenehmen Job übernehmen musste, mutmaßte sie.

«Nein meine Liebe, das wird Lenas Aufgabe. Hast du irgendwelche Einwände?» Martin schaute ihr finster entgegen.

«Nein, natürlich nicht. Ich habe nur nichts zum Anziehen für so etwas.» Sie lachte verkrampft und winkte ihre Bedenken mit der Hand ab. «Es wird mir eine Freude sein.» Sie lächelte den Japanern kurz zu.

«Das ist sehr nett von Ihnen», antwortete der jüngere Mann. «Entweder Sie begleiten mich oder Herrn Nariaki als stille Beobachterin.»

Lena presste die Lippen aufeinander. Sie hatte die Alternative zwischen einem strengen oder einem schleimspurigen Japaner. Der Jüngere streckte überzeugt die Brust raus und strich sich die gelglänzenden Haare zurück. Sie konnte ihn schon jetzt nicht ausstehen.

«Es wird mir eine Freude sein, Herrn Nariaki zu begleiten», antwortete sie fest und erntete ein Lächeln von ihm. Ein Lächeln, das dem eben noch ernsten Japaner außerordentlich gut stand. Morino Tsuneyo verzog das Gesicht und nickte. «Wie Sie wünschen. Herr Nariaki wird sich mit Ihnen in Verbindung setzen, um den Rest zu klären.»

Die Japaner hatten kaum das Büro verlassen, als Angelika laut losprustete.

«Meine Güte Lena, wieso nimmst du denn nicht den dicken Fisch?»

Lena sah sie fragend an.

«Jung, gutaussehend und wohlhabend? Schon mal davon gehört?»

Lena lachte. «Manchmal ist es besser, ein gut abgehangenes Fleisch zu kaufen, als eines das frisch und rot leuchtet, aber zäh wie eine Schuhsohle schmeckt.»

Alle kicherten. Angelika winkte stirnrunzelnd ab.

***

Lena saß in ihrem Büro und fluchte leise. Weibliche Begleitung! Stille Beobachterin! Was hatte sich Martin dabei nur gedacht. Er wusste doch, dass sie sich mit Männern immer dumm anstellte, lieber joggen ging als in die Disco und eine gute Bohrmaschine einem neuen Lippenstift jederzeit vorzog. Sie hätte keine Manieren, klangen die Worte ihrer Mutter in ihrem Gedächtnis nach. Shishido Nariaki war sicher ein Mann, der ein folgsames Weibchen an seiner Seite bevorzugte, hübsch gekleidet und dezent geschminkt. Sie hatte nichts davon vorzuweisen. Allein eine schlanke Figur, langes brünettes Haar und blaue Augen reichten da wahrscheinlich nicht aus.

Lena seufzte und sah sich die Akten durch und den freigegebenen Polizeibericht.

Ihr Telefon schrillte heute unangenehmer als sonst. «Detektivbüro Senkberg, Sie sprechen mit Frau Tanner. Wie kann ich Ihnen helfen?»

«Konnichi-wa, Tanner-san», erklang eine dunkle Stimme aus dem Hörer. «Ich habe von Martin Senkberg Ihre Telefonnummer erhalten und möchte gerne die Einzelheiten zu der Mitgliederversammlung besprechen.»

«Konnichi-wa, Nariaki-san», schoss es aus ihr heraus und sie bereute sofort, die japanische Begrüßungsformel so perfekt ausgesprochen zu haben. Sie war noch nicht dazu gekommen, sich bei Martin darüber zu informieren, ob ihre Japanischkenntnisse ein Geheimnis bleiben sollten. «Es ist nett von Ihnen, dass Sie schon heute anrufen.» Lenas Herz schlug ungestüm, sie wusste gar nicht warum. Hatte ihr Atem hektisch geklungen?

«Darf ich Sie heute nach der Arbeit abholen?»

Lena verzog genervt das Gesicht. «Ja das können Sie gerne tun. Ich habe um fünfzehn Uhr Feierabend.»

«Sehr nett von Ihnen. Ich sehe Sie dann später.»

«Bis nachher.»

Lena seufzte. Das war nicht ihr Tag heute und mal wieder typisch. So sahen ihre Verabredungen aus. Es waren keine. Und auf den Japaner hatte sie jetzt gar keinen Bock.

***

Lena trat auf die Straße und entdeckte Shishido Nariaki sofort. Er stieg aus seinem schwarzen Mercedes und hob die Hand zum Gruß.

Hatte er heute Morgen auch schon so umwerfend ausgesehen? Lena lächelte und reichte ihm die Hand.

«Sie sprechen Japanisch?» Shishido Nariaki verengte die Augen und sah ihr abwartend entgegen.

«Wie kommen Sie darauf?» Lena umklammerte ihre Handtasche und presste die Lippen aufeinander. Der Japaner übte eine seltsame Wirkung auf sie aus. Sie konnte dieses Gefühl nicht recht einordnen. Sie fühlte sich doch nicht eingeschüchtert? Das wäre zu albern.

«Wegen der fehlerlosen Begrüßung am Telefon heute.» Sein prüfender Blick wechselte zu einem skeptischen.

«Ach so. Nein, ich habe es für Sie gelernt.» Lena spürte ihre Wangen heiß werden.

«Ich fühle mich geschmeichelt.» Er lächelte, aber in seinen Augen spiegelte sich der Argwohn wider. «Darf ich Sie zum Kaffee einladen, um Ihnen ein paar Dinge zu morgen erklären zu können?»

«Natürlich. In der Nähe ist eine Konditorei mit den leckersten Sahnetorten, die man sich vorstellen kann. Falls Sie so etwas mögen.»

«Ich lasse mich gerne überraschen.»

Lena führte den Japaner durch ein paar schmale Gassen. Verstohlen blickte sie zu ihm hinüber. Er sah gut aus in seinem dunkelgrauen Anzug und dem weißen Hemd darunter, dessen Knöpfe oben nicht alle geschlossen waren. Lena fühlte sich völlig underdressed an seiner Seite. Seine schwarzen Schuhe glänzten, als kämen sie direkt aus dem Laden. Sie dagegen trug hellblaue Turnschuhe und eine Jeans. Sein Gesicht wies eine leichte Bräune auf, Mimikfalten verliehen ihm eine männliche Ausstrahlung. Er trug sein Haar mittellang, ganz wie ein erfolgreicher Geschäftsmann. Er war einen halben Kopf größer und schien ihr Gaffen zu bemerken. Mit einem Grinsen blickte er zu ihr, worauf sie hastig wegsah. Zum Glück hatten sie gerade das Café erreicht, denn sie empfand sein freches Grinsen beinahe unverschämt.

Der Geruch nach frisch gebrühtem Kaffee schlug ihr entgegen, als Lena die Tür öffnete. Leises Stimmengemurmel und Geklapper der Kaffeelöffel und Kuchengabeln erweckten den Raum zum Leben. Die Inneneinrichtung war angelehnt an das neunzehnte Jahrhundert und strahlte mit seinen antiken Raritäten einen besonderen Reiz aus. Die Kronleuchter an der Decke funkelten im Licht der Glühbirnen, seltene Kostbarkeiten standen verteilt in Form von Vitrinen und lauschigen Sofaecken. Lena steuerte einen kleinen Tisch für zwei an, der etwas abseits stand. Von einem Japaner hätte sie es nicht erwartet, doch er zog ihr den Stuhl ganz gentlemanlike zurück.

Kaum hatten sie bestellt, kam er gleich zur Sache. «Haben Sie sich schon mit den Details vertraut machen können?»

Lena nickte. «Sagen Sie, wer wird alles wissen, dass sich private Ermittler unter den Gästen der Ausstellung befinden werden?»

«Nur ich und Herr Tsuneyo. Auch wenn Sie mich morgen begleiten, wird nur Herr Tsuneyo im Bilde darüber sein, wer Sie sind. Es ist so Brauch, dass man zu einem Geschäftstreffen in Begleitung kommt, deswegen bin ich Ihnen dankbar, zugesagt zu haben. Sie sahen nicht begeistert aus.» Shishidos Augen blickten ihr forschend entgegen und Lena beschlich wieder dieses seltsame Gefühl.

Sie lächelte verkrampft. «Ich war nur nicht darauf vorbereitet gewesen. Ich begleite Sie gerne.» Sie senkte den Blick auf ihr Törtchen und stocherte an der Sahneverzierung herum.

«Sie brauchen sich nicht sorgen, es ist ein rein geschäftliches Treffen, nichts Unseriöses wird dort passieren.»

Lena blickte wieder hoch und traf auf ein breites Grinsen, das auf seinem Gesicht lag.

«Davon bin ich ausgegangen, Herr Nariaki.» Ihr Ton klang vorwurfsvoll, denn diese Bemerkung war ja wohl total überflüssig, schließlich ging es nicht auf eine wilde Party, sondern auf ein Geschäftstreffen und um Gemälde.

Sein Grinsen wechselte zu einem schwachen Lächeln. «Hat Herr Senkberg auch nicht verschwiegen, dass wir dort über Nacht bleiben werden?» Seine Augen nahmen abermals den Blick eines Forschers an, als studiere er ihre Reaktionen zu ihren Antworten.

«Nein», betonte sie spitz, «das hat Martin nicht erwähnt.»

«Ich werde dafür sorgen, dass Sie ihr eigenes Zimmer bekommen. Benötigen Sie noch passende Kleidung für den Anlass?»

Lena sah ihm irritiert entgegen. »Ich werde schon etwas finden.»

«Wir können auch gerne einkaufen. Die Rechnung übernimmt natürlich die Galerie.»

Lena musste jetzt lachen. «Laufe ich heute so schlimm herum, dass Sie mit mir shoppen gehen wollen?»

Shishidos Schmunzeln verlieh seiner eher ernsten Miene eine warme Ausstrahlung. «Sie sehen bezaubernd aus, egal was Sie tragen, aber morgen sollten Sie auch eine gewisse Kleiderordnung einhalten.»

Lena lächelte verschmitzt und nahm einen Schluck Kaffee. «Ein schwarzes Kleid wird sicher dem Anlass entsprechen. Das treibe auch ich aus meinem Kleiderschrank auf.»

Shishido nickte. «Ich werde Sie morgen um achtzehn Uhr abholen. Wenn Sie möchten, bei Ihnen zuhause.»

«Das ist eine gute Idee. Wie hat Ihnen die Schwarzwälder Kirschtorte geschmeckt?»

«So gut, wie Sie sie mir angepriesen haben. Vielleicht kann ich Sie morgen mit einer japanischen Spezialität begeistern.»

«Ich bin gespannt.» Kurz versank sie in seinen Augen und führte hastig ihre Kaffeetasse zum Mund, auch wenn sie bereits leer war.

Sex undercover (Erotik)

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