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Die neue heiße Nachbarin von Ron Sparks

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber für mich sind Umzüge ein wahrer Albtraum. Zwar waren es bei mir glücklicherweise bisher nur drei. Aber das hat mir schon gereicht. Allein den Keller auszuräumen ist ein Horror und wenn man sich eine Firma nimmt, kann es auch zu einem bösen Erwachen kommen – nämlich dann, wenn die Spediteure plötzlich der Meinung sind, der Aufwand sei doch größer als kalkuliert und man müsse noch mal ein paar hundert Euro drauflegen, sonst bliebe der Lastwagen zu. Das habe ich alles schon erlebt. Nun wohne ich glücklicherweise seit mehr als sechs Jahren in meiner aktuellen Dreizimmerwohnung, aber bei 15 Parteien im Haus sieht man dennoch in regelmäßigen Abständen alte Nachbarn aus- und neue einziehen und jedes Mal durchflutet mich ein gewisses Maß an Mitleid, wenn ich das Geschleppe mit ansehen muss. Als ich an diesem Donnerstagabend von der Arbeit nach Hause kam, ahnte ich nicht, dass die Umzugskartons vor dem Haus nicht nur für den neuen Nachbarn beziehungsweise die neue Nachbarin, sondern auch für mich eine einschneidende Veränderung bedeuten sollten.

Ich schlängelte mich zwischen einigen Stapeln von Kartons und einem weißen Passat vorbei, dessen geöffnete Heckklappe den Blick auf weitere Kisten freigab, und dachte unwillkürlich: armes Schwein. Die Haustür war mit einem Keil fixiert. Ich trat ein, pfriemelte meinen Schlüssel aus der Hosentasche und öffnete den Briefkasten, um den obligatorischen Stapel Reklame unter den Arm zu klemmen. Ich wollte gerade die erste der fünf Stufen zu meiner Wohnung in der ersten Etage erklimmen, da hörte ich Schritte. Die Person, die auf dem Treppenabsatz erschien, war mir gänzlich unbekannt, offensichtlich eine neue Nachbarin. Wallende blonde Locken bis über die Schultern rahmten ein rundes, vielleicht etwas kantiges, dennoch alles andere als unweibliches Gesicht ein. Mit ihren graublauen Augen und den langen Wimpern war sie mir auf Anhieb sympathisch. In Anbetracht der zu verrichtenden Arbeit war sie sehr praktisch gekleidet: Sportschuhe, Blue Jeans und ein verwaschener Pullover, der ihre Figur allenfalls erahnen ließ. Ein wenig erinnerte mich ihre Erscheinung an Bonnie Tyler. Dieser Eindruck verstärkte sich durch ihre angenehm sonore Stimme, mit der sie sich mir vorstellte: »Guten Abend, ich bin Charlotte Frey, die Neue im dritten Stock.«

Ich ergriff die mir angebotene Hand, deutete links an ihr vorbei auf meine Wohnungstür und erwiderte: »Angenehm, Heiner Franke. Meine Wohnung ist gleich hier. Ich hoffe, es gefällt Ihnen bei uns. Mit den meisten hier im Haus kann man ohne Probleme gut auskommen.« Ich blickte mich noch einmal nach den diversen Kisten um und stellte unnötigerweise fest: »Sie haben ja noch einiges zu tun.« Sofort verfluchte ich mich innerlich für diese dumme Bemerkung, was man mir wahrscheinlich auch ansah. Charlottes Stirn glänzte vor Schweiß und man roch die körperliche Anstrengung auch ein wenig. Außerdem war sie mittlerweile die Stufen heruntergekommen, sodass mir nun erst bewusst wurde, wie groß diese Frau war. Ich bin mit meinen eins achtzig zwar kein Riese, bevorzuge im Büro aber dennoch Schuhe mit ein wenig Absatz, um meine Körpergröße noch ein wenig zu strecken. Die lockige Blondine vor mir war ebenso groß wie ich, trotz flacher Sportschuhe. In ein paar Hochhackigen würde sie mich sichtbar überragen, dachte ich bei mir.

Laut stellte ich die Frage: »Sie müssen das doch nicht etwa alles allein dort raufschleppen, oder?«

Etwas verlegen zuckte sie die Schultern: »Na ja, ich komme von etwas weiter her und habe hier in der Stadt noch nicht so richtig Fuß gefasst. Zumindest nicht so weit, dass ich jemanden aus meinem Bekanntenkreis bitten könnte, bei einem Umzug zu helfen. Ich hatte in einem Handwerkerportal günstig einen Herrn inklusive seines Kleintransporters für den heutigen Tag engagiert. Vor einer halben Stunde musste er aber dringend weg. Hat noch schnell die Kisten auf die Straße gestellt und mich stehen lassen. Um ihre Frage also zu beantworten: Ja, ich muss den ganzen Krempel leider allein dort hinauftragen. Da fragt man sich bei einigen Gegenständen mehr als einmal, warum man sie nicht schon vor längerer Zeit entsorgt hat.«

Es ist zwar gar nicht meine Art, mich wildfremden Leuten aufzudrängen, und ich kann nicht sagen, was genau es war, das den Kavalier in mir weckte und mich ohne Umschweife anbieten ließ, ihr beim Tragen ihrer Habseligkeiten zu helfen, aber ich tat es. Charlotte gefiel mir auf den ersten Blick durchaus. Ihre Körpergröße, ihre angenehme Stimme und die Weise, wie sie mit mir sprach, all das weckte mein Interesse auf eine Art, wie ich es lange nicht gespürt hatte. Außerdem glaubte ich in weiter Ferne zu hören, wie Bonnie Tyler »I need a hero!« anstimmte. Ich war zurzeit Single, hatte aber natürlich bereits die ein oder andere Beziehung hinter mir. Als nicht gerade sehr extrovertierter Mensch war ich kein Draufgänger oder Frauenheld und besuchte weder Clubs noch ging ich sonst viel unter fremde Leute. Die meisten meiner Freundinnen hatte ich über Online-Singlebörsen kennengelernt – heute nichts Weltbewegendes mehr, um einen Partner zu finden, aber ganz sicher auch nichts Aufregendes. Die Situation im Treppenhaus war im direkten Vergleich vielleicht auch keine Sensation, aber für einen Mann meines Charakters wenigstens ein bisschen aufregend. Meine neue Nachbarin sträubte sich ein wenig – von wegen, das könne sie nicht annehmen und so weiter –, aber schließlich behielt ich die Oberhand und sie gab nach. Ihrem Blick glaubte ich zu entnehmen, dass sie für meine Hartnäckigkeit in diesem Moment auch ein wenig dankbar war. Ich ging kurz in meine Wohnung, um mich für die späte körperliche Anstrengung entsprechend anzuziehen.

Bei meinen bisherigen Umzügen hatte ich die Erfahrung gemacht, dass es einiges an Aufwand spart, sich das Treppenhaus aufzuteilen. So trug ich die Kisten aus dem Erdgeschoss zwei Stockwerke nach oben und Charlotte schaffte sie die verbleibenden zwei Treppenabsätze hinauf in ihre Wohnung. Auf diese Weise spart man es sich, immer den ganzen Weg nach unten beziehungsweise nach oben zu laufen. Da ich ausgeruhter war, war ich mit meiner Strecke entsprechend schneller fertig und half ihr zum Schluss bei den letzten paar Kisten. Nach einer guten Stunde waren wir fertig und ich blickte mich zwischen den Türmen von Kisten um, die sich bei ihr bis unter die Decke stapelten. In diesem fünfstöckigen Wohnhaus gab es auf jeder Etage drei Wohnungen; in der Mitte eine etwas kleinere Zweizimmerwohnung und auf der linken und rechten Seite jeweils Dreizimmerwohnungen. Charlottes Wohnung lag nicht direkt über meiner und war daher vom Schnitt spiegelbildlich.

Wir schnauften beide ganz schön und schließlich war es Charlotte, die als Erste das Wort ergriff: »Ich weiß gar nicht, wie ich Ihnen danken soll, Herr Franke. Ohne Sie hätte ich sicher bis in die Nacht gebraucht.«

»Nennen Sie mich ruhig Heiner und das geht schon in Ordnung. Bevor ich dabei zusehe, dass eine Dame, die obendrein noch von ihrem Helfer sitzen gelassen wurde, sich hier zugrunde richtet, packe ich lieber selbst mit an«, war meine Antwort, wobei ich ein wenig erstaunt darüber war, wie leichtfertig ich das Du anbot, ebenfalls nicht unbedingt meine Art.

»Das ist wirklich zu freundlich, Heiner« – sie sprach meinen Namen langsam und umständlich aus, so als wollte sie erst einmal ausprobieren, wie er von der Zunge ging –, »dann nenne mich aber bitte auch bei meinem Vornamen.« Sie blickte sich kurz in der Wohnung um und gestand dann mit einem charmanten Lächeln und etwas ratlosen Schulterzucken: »Ich würde dir ja gern etwas anbieten. Aber viel ist da leider nicht zu holen.« Sie deutete auf einen halb vollen Getränkekasten im Flur. »Allenfalls eine Flasche Mineralwasser, Gläser sind allerdings noch in einer der Kisten verborgen.«

Nach einem kurzen Moment rang ich mich zu einer Entgegnung durch: »Verstehen Sie … ich meine, versteh mich bitte nicht falsch, ich möchte mich auf gar keinen Fall aufdrängen, wirklich nicht. Aber vielleicht darf ich dich zu einer Erfrischung einladen? Denn ich glaube, die kannst du gut gebrauchen, bevor du dich daranmachst, dieses Durcheinander zu ordnen.« Ich unterstrich die letzte Bemerkung, indem ich mit meiner rechten Hand einen weiten Bogen durch die Luft vollführte.

Es ist gar nicht meine Stärke, Frauen zu verstehen zu geben, dass ich ihnen gern etwas näherkommen würde. Dass mein Gegenüber mit der Antwort zögerte, ließ mich befürchten, vielleicht doch zu forsch gewesen zu sein. Aber schließlich setzte Charlotte doch ein Lächeln auf und bedankte sich für meine Einladung, die sie gern annehme. Sie erklärte, ich könne schon mal vorgehen, da sie sich noch ein wenig frisch machen müsse, und dass sie in fünfzehn Minuten nachkommen werde.

Ich verabschiedete mich mit einem »bis gleich« und beschloss, es ihr gleichzutun. Es war schon eine Weile her, dass ich Damenbesuch gehabt hatte, und ich kann nicht leugnen, dass ich ein wenig aufgeregt war. Also eilte ich in meine Wohnung, wusch mich im Gesicht und unter den Armen und zog mir, nachdem ich mein Deodorant aufgefrischt hatte, ein sauberes Shirt über. Den Stapel Reklame und Post, der – zwar in variierender Höhe, aber dennoch stetig – einen bemerkenswerten Platz auf meinem Esstisch einnahm, ließ ich hurtig in einem Schränkchen verschwinden. Die Zeit war schneller vergangen, als es mir vorgekommen war, und das Läuten der Türglocke ließ mich zusammenzucken. Schnell wischte ich mir die durch Hast und Aufregung feuchten Handflächen an meinem Hosenboden ab und öffnete die Tür. Ich ließ meinen Gast ein und wies ihr einen Stuhl an meinem Esstisch.

»Entschuldige bitte die Unordnung, aber ich komme meist nicht vor dem Wochenende zum Aufräumen und gerade Donnerstag und Freitag sieht es bei mir zuweilen sehr schlimm aus.«

»Kein Problem«, war ihre Antwort, »du hast ja gesehen, wie es bei mir da oben aussieht. Ich würde jedenfalls ohne zu zögern tauschen.«

Ich ließ das so stehen und verschwand für einen Moment in meiner Küche. Nach einem Blick in meinen Kühlschrank winkte ich von der Küchentür aus mit einer zu zwei Dritteln vollen Flasche: »Ist Grauburgunder okay?«

»Grauburgunder ist wunderbar«, war die knappe Antwort und es klang so, als könnte sie sich wirklich für Weißwein begeistern. Mit der Flasche in der linken und zwei Gläsern in der rechten Hand setzte ich mich meinem Gast gegenüber und schenkte uns ein.

»Auf einen guten Einstand im Haus«, wünschte ich ihr und wir stießen an. Sie nahm einen kleinen Schluck und behielt die kühle Flüssigkeit einen langen Moment im Mund, bevor sie den Wein schließlich herunterschluckte und meinte: »Das tat so richtig gut. Der Wein ist wirklich fein.«

»Freut mich, dass er schmeckt. Da hast du dir auch die richtige Region ausgesucht, wenn du einen Sinn für gute Weine hast. Du sagtest, du kommst von weiter weg. Darf ich fragen, woher?«

»Ich komme aus einem kleineren Ort in Brandenburg. Nach meiner Ausbildung in einer Textilfabrik in der Region habe ich noch einige Zeit dort gearbeitet. Es war aber schon immer mein Traum, mich selbstständig zu machen, und vor einem Dreivierteljahr bin ich nun hierhergezogen und habe eine kleine Schneiderei aufgemacht. Weil meine Mittel beschränkt sind, habe ich vor allem an meinen Lebenshaltungskosten gespart und in einem winzigen Apartment gewohnt, einem richtigen Mauseloch. Mittlerweile läuft es ein wenig besser, sodass ich mir endlich ein wenig mehr Lebensqualität erlauben kann.«

Ich hörte interessiert zu und war ein wenig überrascht, denn ihre Herkunft hörte man Charlotte wirklich überhaupt nicht an.

»Ich kenne das, wenn man ein weitläufiges Tal durchschreitet und es erst nach einer langen Durststrecke wieder bergauf geht«, erwiderte ich nach einer kurzen Pause. »Ich möchte nicht indiskret sein, aber braucht man in Brandenburg keine Schneiderinnen oder hat es einen besonderen Grund, warum du so viele Kilometer zwischen dich und die Heimat gebracht hast?«

Das Lächeln verschwand aus ihrem Gesicht und meine Frage tat mir sofort leid. Auch wenn es wohl zu spät war, versuchte ich sofort zurückzurudern: »Entschuldigung, es tut mir wirklich leid, ich wollte ganz sicher keine Wunden aufreißen.«

Sie winkte ab: »Schon gut. Man könnte sagen, dass ich wegen schwerer Differenzen mit meiner Familie von zu Hause weggezogen bin. Man meint zwar nach einer Weile, dass man sich damit abgefunden und die Geschichte überwunden hätte, aber wenn man daran denkt, schmerzt es doch noch immer.«

Sie trippelte mit den Fingern der rechten Hand auf die Tischplatte und sah aus dem Fenster, das nach einer Reinigung verlangte, die ihm schon viel zu lange verwehrt geblieben war.

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