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Interludium: Tagebuch

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Nani erhob sich von ihrem Schreibtisch und streckte sich. Der Text flimmerte noch auf dem Holodisplay ihres Databooks, doch sie war einigermaßen zufrieden mit dem, was sie bisher zustande gebracht hatte. Sie hatte sich schon lange vorgenommen, ihre Abenteuer als Geschichten niederzuschreiben, immerhin hatte sie schon einiges erlebt, das guten Stoff für spannende Erzählungen lieferte. Bis vor einigen Monaten hatte sie sich nicht gewagt, ernsthaft daran zu arbeiten. Und jetzt, viel früher als erwartet, hatte sie es geschafft und alles erzählt, was es zu erzählen gab oder zumindest, was sie erzählen wollte.

Vielleicht würde sie es eines Tages als Buch im ComNet veröffentlichen, natürlich unter einem Pseudonym, denn schließlich konnte sie schlecht ihre weniger legalen Taten öffentlich zugeben. Bei dem Gedanken konnte sie sich ein schräges Grinsen schlecht verkneifen, erschrak aber leicht, als ihr Bein bei einer Bewegung ein Knacken von sich gab, offenbar war sie verspannter, als sie gedacht hatte.

Entschieden schloss sie das Textverarbeitungsprogramm und nahm sich die Elektrode des Gedankeninterfaces von der Stirn, für heute hatte sie mehr als genug getan; außerdem brauchte sie unbedingt Bewegung. Sie schnappte sich ihre Trainerjacke und zog sie über das dunkle Top, bevor sie sich der Tür zuwandte. Das Zirpen ihres Coms unterbrach sie und als sie die Absenderadresse erblickte, fühlte sich ihr Mund trocken an. Es war so weit.

Rasch versuchte sie, ihr widerspenstiges Haar zurechtzuwuscheln, um wenigstens einigermaßen angemessen auszusehen, ein hoffnungsloses Unterfangen. Sie musste sich regelrecht zwingen, den Holo-Anruf trotzdem anzunehmen. Ungewohnt angespannt und nervös beobachtete sie, wie sich das Bild in der Luft vor ihr materialisierte, das wegen der Übertragung über zehntausende Lichtjahre körnig wirkte, offenbar war die Verbindung nicht umwerfend.

„Nani Walji“, meldete sie sich, sobald sie das kantige Gesicht des Mannes erkennen konnte, der eine blaue Offiziersuniform der Flotte der Vereinten Systeme trug.

„Guten Tag, Miss Walji“, begann der Offizier und schien gar nicht zu bemerken, dass er sich ihr nicht vorgestellt hatte. „Ich melde mich bei Ihnen wegen Ihrer Unterlagen.“

„Guten Tag, Sir“, brachte Nani hervor und kam sich bei der ganzen Sache etwas albern vor. Ihr Gegenüber schien es nicht zu bemerken, er kam gleich zur Sache: „Wir haben einen vorläufigen Bescheid für Sie.“

Nani schluckte, es war tatsächlich so weit. „Ja?“

„Wir haben Ihr Profil abschließend geprüft und mit Ihrer Erfahrung und Ihrem Hintergrund als Kriegsheldin erfüllen Sie problemlos alle Kriterien“, sagte er und wirkte dabei zum ersten Mal wohlwollend. „Eine Frage bleibt aber noch: Sie haben angegeben, Sie seien im Verlauf der letzten Jahre vor allem unabhängiger Security-Arbeit nachgegangen. Wer ist der aktuelle Arbeitgeber?“

„Ich bin eine Sicherheitsexpertin für ein kleines Frachtunternehmen“, berichtete sie ruhig. Die Wahrheit war ein Ding, mit dem man bei solchen Gesprächen großzügig umgehen musste.

„Gut“, antwortete der Offizier unverbindlich. „Ich werde mich in den nächsten Wochen bei Ihnen melden, um die weiteren Optionen zu besprechen. Es hat mich gefreut, Miss Walji.“

„Vielen Dank, Sir.“ Sie wollte etwas hinzufügen, doch das Hologramm hatte sich bereits in Statik aufgelöst. Nani seufzte und kämpfte für einen Moment mit der Aufregung und Unsicherheit, die sie überkam, denn wie auch immer sie sich entschied, sie würde etwas verlieren. Sie war sich sicher, diesmal gab es für sie keine richtige Antwort, keine einfache Entscheidung, keinen leichten Weg. Sie hatte Freunde hier und nicht die geringste Ahnung, wie sie ihnen ihre Pläne erklären sollte.

„Ich denke, du solltest es tun“, erklang eine nachdenkliche Stimme hinter ihr und Nani fuhr zusammen, bevor sie sich so rasch umwandte, dass sie beinahe das Databook vom Tisch gefegt hätte. Anaata, die auf Nanis Couch gedöst hatte, sah sie schlaftrunken an. Nani war sich sicher gewesen, ihre Freundin hatte geschlafen; offenbar war sie irgendwann aufgewacht und hatte zumindest Teile vom Gespräch mitbekommen.

„Es tut mir leid, ich …“, begann Nani und unterbrach sich. Was hätte sie schon sagen sollen?

Die Diebin schüttelte den Kopf und erhob sich, Nani glaubte, Enttäuschung in ihrer Miene erkennen zu können. „Das muss es nicht, ich weiß, du bist eine, die es nie lange am selben Ort aushält. Es war schon immer naheliegend, würdest du irgendwann weiterziehen. Außerdem wirkt Stanley so, als wäre er bereit, die Crew zu beschützen, er wird uns schon vor dem Schlimmsten bewahren.“

Nani stand wie erstarrt da und kam sich in diesem Augenblick mehr als nur albern vor. Obwohl sie nicht jünger wurde, war sie wieder an der Grenze dazu, ihr Leben einmal mehr auf den Kopf zu stellen und sie müsste sich sehr bald entscheiden, was sie wirklich wollte. Anaata trat neben sie und lehnte noch etwas müde den Kopf an Nanis Schulter, wobei sie nachdenklich murmelte: „Ich werde dich vermissen. Aber jetzt brauche ich erstmal einen Kaffee.“

Nani wollte entgegnen, noch habe sie noch gar nicht entschieden, noch sei nichts klar und noch bleibe Zeit. Doch sie blieb stumm.

Promise

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