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Warum Demokratie?

Es gibt keinen Moment in der Geschichte, in der Demokratie erfunden worden oder in dem sie fertig und perfekt gewesen wäre. Immerfort stellen sich uns dieselben Fragen, etwa wie ein gutes und gerechtes Gemeinwesen aussehen sollte, in dem Menschen zufrieden zusammenleben. Der Versuch, solche Fragen zu beantworten, hat letztlich auch dazu geführt, den demokratischen Gedanken entstehen zu lassen. Der Gedanke wurde weiterverfolgt und nicht verworfen. Und auch heute noch ist die Demokratie nicht perfekt.

Das Fragen nach einem guten und gerechten Gemeinwesen berührt die für das politische Denken wichtigste Frage: Wer ist der Mensch? Ein Mensch lernt die Welt zwar von seinem Standpunkt aus kennen, ist dabei aber zeitlebens auf die anderen angewiesen. Er verbringt mit sich selbst die meiste Zeit und kann gleichzeitig ohne Mitmenschen nicht überleben. Diese Spannung bestimmt jedes politische Denken. Darf ein Einzelner über alle herrschen oder haben alle ein Recht darauf, über ihr Leben selbst zu verfügen? Begegnen sich im Gemeinwesen prinzipiell Gleiche oder ist eine Gruppe wichtiger oder besser und kann daher über andere bestimmen?

Wer nach dem Menschen fragt, fragt also nicht nur nach ihm als Individuum, sondern auch nach ihm als Teil der Gattung. Gerechte Herrschaft heißt deshalb auch, Verantwortung füreinander zu übernehmen.

Doch wo endet diese Verantwortung: vor meiner Haustür, an der Landesgrenze – oder wird der Bogen viel weiter gespannt, Verantwortung zu entgrenzen, weil alle mit allen und alles mit allem zusammenhängen? Auch wenn dem Menschen heute viele Gesetzmäßigkeiten seines Handelns bekannt sind, treiben ihn doch eine Vielzahl von Faktoren an, die ihm nicht immer bewusst sein müssen. Er funktioniert nicht wie eine mathematische Gleichung. Auch aus diesem Grund gibt es keine Formel dafür, was gute Politik ausmacht.

Herrschaft ist dann legitim, wenn sie sich als gegenüber dem Menschen verpflichtet und sich ihm verantwortlich weiß. Politik muss für das gute und gerechte Leben der Menschen eingesetzt werden. Legitime Herrschaft ist daher immer emphatisch, sozial und kosmopolitisch. Eine solche Politik dient dem Menschen, nicht umkehrt.

Freiheitliche Gesellschaften ermöglichen dem Einzelnen ein auf diese Weise gutes und gerechtes Leben. Es ist kein Zufall, dass diese Gesellschaften ausnahmslos Demokratien sind.

Demokratie. 100 Seiten

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