Читать книгу Die Erben des Bischofs: Tore aus Bronze 2 - Alfred Bekker - Страница 6

1.

Оглавление

„Meister Gerbold nebst Sohn Germo! So früh schon auf den Beinen, die Herren?“

Gerbold drehte sich erstaunt nach der bekannten Stimme um.

„Joachim von Amönesburg, welche Freude!“, antwortete der in Mainz bekannte und hoch geehrte Meister der Bronzegießerwerkstatt, und sein Sohn zog artig die Kappe herunter.

Die drei Männer blieben mitten auf der Straße, die zum Rhein herunterführte, stehen und musterten sich kurz. Der reiche Patrizier und Ratsvorsitzende war in kostbare Gewänder gekleidet. Sein fast knöchellanges Oberteil wurde nach byzantinischem Vorbild aus Seide gefertigt und aufgrund des noch etwas frischen Aprilwetters an diesem 17. April des Jahres 1054 noch mit einem seitlich offenen Mantel ergänzt. Seine langen, dunklen Haare trug Joachim von Amönesburg offen, was ihm ein wenig Kühnes zu seinem scharf geschnittenen Gesicht verlieh. Der Patrizier war in Bezug auf sein Äußeres sehr eitel und zeigte sich in keiner Ratsversammlung in Mogontiacum in einer Bekleidung, die er schon einmal getragen hatte. Seine noch sehr dichten Kopfhaare, die nur wenige Silberfäden aufwiesen, wurden täglich von einer Magd sorgfältig und lange Zeit gebürstet.

Meister Gerbold dagegen, der ehemalige Gassenjunge und Dieb, wurde durch seine schwere Arbeit geprägt. Zudem hatte er längst das achte Lebensjahrzehnt erreicht, ging leicht gebeugt, aber noch immer mit elastischem Schritt. Seine einst breiten Schultern waren ein wenig schmaler geworden, die durch schwere Arbeit gekräftigten Muskeln seiner Oberarme verschwanden unter dem aus Wolle gefertigtem Hemd-Rock. Dazu hatte er sich entschlossen, eine der neu für ihn gefertigten, gut anliegenden Hosen zu tragen.

In der Frühe dieses Tages, als Gerbold, wie an jedem Morgen, mit dem ersten Hahnenschrei aufgestanden war, hatte ihm seine geliebte Affra nahegelegt, doch endlich keine hosa mehr zu tragen. Das wäre etwas für alte Männer, und als Gerbold lachend gefragt hatte, ob er denn nicht schon längst ein Greis geworden wäre, hatte sie ihn lachend in die Arme geschlossen und ihn innig geküsst.

„Nein, gewiss nicht!“, lachte Affra danach ein wenig atemlos und machte sich wieder von ihm frei. „Der Herr hat uns mit einem hohen Alter gesegnet, und wir können das Wohl und Aufstreben unserer geliebten Kinder erleben. Hoffentlich auch das eines Enkels, der ja nun wohl jeden Tag als neuer Erdenbürger begrüßt werden kann.“

„Ach Affra“, seufzte der alte Meister. „Wie schön du doch noch immer bist! Ja, der Herr meint es wirklich gut mit uns. Ich bete täglich zu ihm, dass nun auch Coleta bald mit einem gesunden Kind niederkommt.“

Dann hatte er dem Wunsch seiner Frau entsprochen und seine alte Kleidung nicht mehr angelegt, zumal es ohnehin ein umständlicher Vorgang war.

Diese aus gewickeltem Wollstoff bestehende Beinkleidung war längst nicht mehr seinem Stand angemessen, und Affra hatte ihm das neue Kleidungsstück am Morgen hingelegt. Ein breiter Ledergürtel und eine einfache Wollkappe machten sein Äußeres vollständig. Man sah auch seiner Bekleidung an, dass sie teuer war und mit aufwändigen Stickborten am Halsausschnitt und Hemdrand eingefasst wurde. Vater und Sohn waren fast vollständig gleich gekleidet, und das aus gutem Grund. Germo, der junge Meister, wollte seinen Vater auch nach diesem Gang noch begleiten.

Nach dem Besuch des Badehauses, zu dem sie beide unterwegs waren, wollte Germo seinem Vater eine Arbeit in der Werkstatt zeigen und mit ihm ein paar Aufträge durchsprechen.

Die Ähnlichkeit der beiden Bronzegießer erstreckte sich nicht nur auf eine Gleichheit bei der Bekleidung. Wer in ihre von der Sonne gebräunten, freundlich lächelnden Gesichter blickte, erkannte sofort die große Ähnlichkeit. Der junge Germo war fast so etwas wie eine jüngere Ausgabe des alten Meisters, der einst von Erzbischof Willigis den Auftrag erhielt, die riesigen Türen für die neue Kirche, den Dom zu Mogontiacum anzufertigen. Und Germo, der nur wenige Monate vor dem Tod des Ziehvaters seines Vaters, dem Meister Berenger, im Jahre 1120 geboren wurde, bekam zusammen mit seinem Vater Gerbold die ehrenvolle Aufgabe, diese Türen erneut in die neu aufgebaute Kirche einzufügen. Der noch unter dem alten Erzbischof Willigis begonnene Wiederaufbau der abgebrannten Kathedrale konnte im Jahre 1036 durch Bischof Bardo geweiht werden.

Der Brand des Domes zu Mogontiacum im Jahre 1009, der dem Erzbischof Willigis fast den Lebensmut geraubt hätte, wäre da nicht seine Katerina treu an seiner Seite gewesen, hatte die gewaltigen Bronzetüren kaum beschädigt. Als dann der Wiederaufbau begann, hatte Meister Berenger die Türen in seine Werkstatt geschafft, etwas überarbeitet und sowohl Gerbold wie Germo sorgten dafür, dass die riesigen Türen wohlverwahrt gelagert wurden. Bis dann der große Tag kam, an dem sie in den Neuaufbau nahtlos eingefügt wurden und im ganzen Land Stürme der Begeisterung entfachten. In der Folgezeit wünschten sich viele Bischöfe ähnliche Türen für ihre Gotteshäuser.

Jetzt blickten die beiden Meister den Patrizier fragend an. Als neu gewählter Gildemeister hatte Germo gelegentlich an Ratssitzungen teilgenommen, die von dem Kaufmann geleitet wurden und ihn dabei als durchaus umgänglichen, aber auch in seinen Ansichten oft recht einseitigen Mann kennengelernt. Die beiden achteten einander, denn seit Gerbold die Werkstatt Berengers übernommen und dessen Werk in gleicher Qualität fortsetzte, war das Ansehen der Bronzegießerei im gesamten Kaiserreich gestiegen. Und sein Sohn war früh in die Fußspuren des Vaters getreten. Inzwischen musste Germo, wie auch schon früher sein Vater und dessen Ziehvater Berenger, oft wochenlang mit seinen Gesellen und einem Ochsenkarren voller Werkzeuge durch das Land reisen, um Aufträge für Kirchentüren und auch immer häufiger für Adelssitze zu erledigen.

„Ihr Herren Meister, auf ein Wort. Unser Treffen fügt sich wunderbar, denn ich hätte Euch sonst noch heute in Eurer Werkstatt aufgesucht. Sagt einmal, wollt Ihr zufällig auch in das Badehaus gehen?“

„Ja, das war unsere Absicht, Herr von Amönesburg. Ich habe eine anstrengende Arbeit hinter mir und wollte es mir einmal wieder richtig gut gehen lassen“, antwortete Germo vergnügt. „Da bot es sich an, den Herrn Vater zu begleiten!“

„Ausgezeichnet!“, schmunzelte der Kaufmann. „Wenn Ihr es erlaubt, würde ich dieses wunderbare Zusammentreffen gern nutzen, um mit Euch ein Geschäft zu bereden.“

Vater und Sohn wechselten einen raschen Blick, und Germo lächelte freundlich.

„Das können wir gern tun, Herr von Amönesburg. Es sei denn, Ihr wollt nicht nur ein erquickendes Bad nehmen!“ Der junge Meister ließ seine Stimme so ausklingen, als wäre da noch eine Ergänzung erforderlich.

Prompt hob der Patrizier seinen Kopf und sah den Sprecher erstaunt an. „Wie ... meint Ihr das, Germo? Ich will doch nicht hoffen ...“

„Herr von Amönesburg, ich dachte da an die Arbeit des Baders zum Aderlass oder Zahnbrechen. Das wäre doch bei einem Gespräch im Badezuber wenig erbaulich.“

In das ausbrechende Lachen von Vater und Sohn stimmte nach einem kurzen Zögern nun auch der Patrizier ein. Man sah ihm die Erleichterung an, denn wer ein Badehaus besuchte, nahm sehr häufig auch eine Hübschlerin mit in seinen Zuber.

Alle drei Männer waren in dem Eckhaus am Ende der Straße, unmittelbar am Rheinufer, gut bekannt. Zacharias, der Bader, hatte ein grundsolides Haus errichtet, das sich bald großer Beliebtheit erfreute. Das Untergeschoss mit den Badestuben war aus Bruchstein errichtet und erhielt gewölbte Decken. Der obere Teil des Hauses in der üblichen Holzausführung wurde vom Bader und seiner Familie bewohnt.

Zacharias stammte ursprünglich aus einer langobardischen Familie, die nach Italien abgewandert war. Dort erlernte er sein Handwerk in der Art, wie es schon von den Römern seit Jahrhunderten gepflegt wurde. Als er sich während einer Wanderschaft entschloss, in der Stadt am Rhein sein ständiges Domizil aufzuschlagen, brachte er Neuerungen in die Stadt, die man so bislang noch nicht kannte. Ein Badehaus in Mogontiacum bot bis zur Eröffnung seiner Einrichtung nur Schwitzbäder. Zacharias aber belebte das Geschäft durch seine riesigen Badezuber, und in späteren Jahren ließ er einen weiteren Steinbau anfügen, in dem es sogar ein Bassin gab. Die Lage zum Rhein war für die Wasserversorgung geradezu ideal. Die Zuber und das Bassin erfreuten sich bei den Reichen der Stadt schnell größter Beliebtheit.

Es konnte nicht ausbleiben, dass sich auch bald darauf die erste Hübschlerin bei Zacharias meldete, und nach anfänglichem Zögern stellte er nur zu schnell fest, dass er sich damit eine zusätzliche Einnahmequelle geschaffen hatte, die das ganze Badehaus noch beliebter werden ließ.

Aber Zacharias war kein Dummkopf.

Als er den Patrizier in Begleitung der beiden Meister erkannte, hielt er sich mit der Bemerkung zurück, dass die von ihm bevorzugte Laurentia zur Verfügung stände. Seiner überschwänglichen Begrüßung erfolgte der Rückzug der Herren in zwei getrennte Abteilungen, die Auskleidekammern, und betraten dann, jeder mit einem dünnen Badehemd bekleidet, den gut beheizten Raum mit dem großen Zuber. Hier waberte ihnen schon feucht-warme Dampfluft entgegen, vermischt mit dem Geruch von Kräutern. Zacharias war ein wahrer Künstler in seinem Beruf und wusste, welche Mischungen den Männern gefielen – und bei den Frauen verließ er sich ganz auf den Geschmack seiner Ehefrau.

„Aufgepasst, Vater, die Treppenstufen sind feucht und rutschig!“, mahnte Germo und hielt die Hand seines Vaters, als der alte Mann behutsam die hölzernen Stufen hinaufstieg, sich dort zunächst rittlings auf den breiten Zuberrand setzte und dann mit einem wohligen Stöhnen in das gewärmte Wasser rutschte.

Während des Badevorgangs wurde immer wieder einmal heißes Wasser durch einen der Badeknechte herangeschleppt und behutsam von einer anderen Stiege in den Zuber eingefüllt, so dass die Herren es angenehm empfanden und von dem Nachguss nicht belästigt wurden.

So verging fast eine ganze Stunde, in der die drei so unterschiedlichen Männer ihr Bad genossen. Kaum hatte dann der Knecht zum dritten Mal heißes Wasser nachgefüllt, als sich Herr von Amönesburg räusperte und dann erst den alten Meister, dann den jungen mit gewichtiger Miene ansah, um schließlich sein Anliegen zu erörtern.

„Gewiss werdet Ihr Euch erinnern, dass mir im vergangenen Jahr ein großes Unglück widerfuhr!“, begann der Patrizier und lehnte seinen Kopf an den Zuberrand.

„Natürlich, das war ja lange Zeit Stadtgespräch und hat auch den Rat beschäftigt. Ihr sprecht von dem Überfall auf Euch im Frühjahr des Vorjahres!“, stellte Germo fest.

„Ah, ich sehe, Ihr erinnert Euch. Nun, in wenigen Tagen kann ich in guter Gesundheit den Jahrestag meiner Errettung feiern. Am neunzehnten April wiederholt sich dieser Tag, den ich nur mit knapper Mühe und Eurer rechtzeitigen Hilfe überlebt habe.“

„Das war doch nur ...“, wollte Germo abwehren, aber der Patrizier unterbrach ihn rasch.

„Nicht so bescheiden, Meister Germo. Ihr seid damals mit Eurem Gehilfen auf der Fernstraße unterwegs gewesen und habt keinen Moment gezögert, Euch gegen die Wegelagerer zu werfen, die mein Leben bei dem Überfall bedrohten.“

„Das war Christenpflicht!“, warf Germo lächelnd ein.

„Gewiss, und dennoch – manch anderer wäre wohl davongelaufen. Ihr aber seid mit dem Gesellen und den gewaltigen Werkzeugen in der Hand herbeigesprungen und habt die Männer vertrieben, die mir ans Leben wollten. Aber genug von dieser alten Geschichte, nur so viel möge zur Erinnerung genügen.“

Die beiden ihm gegenübersitzenden Männer warteten gespannt auf seine weitere Erzählung.

„Nun, ich habe an der Stelle, an der ich durch Euch, Meister Germo, im letzten Augenblick gerettet wurde, eine kleine Kapelle errichten lassen. Und nun würde ich gern von Euch eine prächtige, bronzene Tür mit schönen Verzierungen gefertigt wissen, die mein Dankeswerk auf würdige Weise abschließen soll.“

„Oh, das ist natürlich eine große Ehre für unsere Werkstatt!“, erwiderte Gerbold freundlich und blickte zu seinem Sohn. „Und ich bin sicher, dass mein Sohn Germo dazu in der Lage ist. Schließlich hat er die alten Berenger-Lehren von mir übernommen und schon so manches schöne Tor gefertigt.“

„Ohne Zweifel, verehrter Meister, ohne Zweifel!“, pflichtete ihm der Patrizier rasch bei. „Deshalb wäre ich ja auch glücklich, wenn er nun meinem Wunsch entspräche und ein solches Tor gestaltet.“

Germo nickte nachdenklich, dann antwortete er: „Natürlich gern. Nur wird es mir kaum möglich sein, eine derartige Tür bis zum Jahrestag zu fertigen. Ich erinnere mich an eine Wegstrecke vom Stadttor aus von gut drei Stunden. Wir müssen die Form vor Ort anfertigen und dort auch gießen. Das bedeutet, wir werden einen Ofen bauen müssen, und das alles benötigt seine Zeit.“

„Wohl verstanden, Meister Germo, und alles so auch richtig. Ich möchte ja keineswegs Bronzetore, wie sie einst von Meister Berenger und Eurem Vater für den Dom gegossen wurden. Wie hoch sind die eigentlich geworden? Man ist ja schier überwältigt von den Ausmaßen!“

„Gute sechs Augsburger Ellen, Herr!“, erwiderte der alte Gerbold schmunzelnd. „Ein wohl bislang einmaliges Stück, und selbst in neuerer Zeit noch nicht übertroffen. Meister Berenger wollte sich auch nicht übertrumpfen, als er für die Hildesheimer arbeitete. Da durfte ich ihm auch zur Hand gehen, denn die Figuren auf der Tür sind sehr mühselig hergestellt. Ihr wisst vielleicht, dass wir im Wachsverfahren arbeiten und die Form dabei zerstört wird. Deshalb ist es sehr ärgerlich, wenn beim Herausarbeiten einer solchen Figur die dicke Wachsplatte, aus der sie geschnitten wird, vorzeitig zerbricht.“

Der Kaufmann strich sich über das Kinn und schmunzelte.

„Fast könnte ich meinen, Ihr würdet meine Vorstellung von dieser Tür bereits kennen.“

„Wie das, Herr von Amönesburg?“

„Nun – auch ich würde gern dort Figuren angebracht haben. Eine kleine Szene, die das Geschehen darstellt.“

Gerbold schluckte und sagte dann leise: „Ihr wollt also, dass mein Sohn Figuren auf die Tür bringt, die den Überfall darstellen?“

„Genau das ist mein Wunsch, verehrter Altmeister. Was meint Ihr dazu? Und natürlich eine passende Inschrift zum Gotteslob!“, fügte der Kaufmann rasch hinzu.

„Das wäre eine Aufgabe, die mich begeistern würde!“, antwortete Germo nach einem erneuten, raschen Blickwechsel mit seinem Vater.

„Ausgezeichnet, dann sind wir uns also einig? Und Ihr seid so gut, Meister Germo, und nennt mir einen Tag, an dem wir hinausfahren können und Ihr die Maße aufnehmt sowie das gewünschte Motiv?“

„Ja, sehr gern – nur ...“, fuhr er zögernd fort. „Nur bitte ich Euch herzlich, das erst im Verlauf der nächsten zwei Wochen vorzunehmen. Meine liebe Frau kommt jeden Moment nieder, und da muss ich in der Nähe sein.“

Der Kaufmann lachte fröhlich.

„Sehr gut, Meister Germo, und da wünsche ich Euch natürlich einen Stammhalter, der einmal in die Werkstatt eintritt und die Arbeiten fortführen kann!“

„Besten Dank, also in zwei Wochen melde ich mich bei Euch. Jetzt aber müssen wir aufbrechen, das lange Bad macht den Vater müde, und er möchte sich im eigenen Haus entspannen.“

„Verstehe ich gut – nur zu gut!“, erwiderte gut gelaunt der Kaufmann. „Ach, Meister Germo – eines noch. Wenn Ihr großes Glück habt, wird ja Euer Kind am Jahrestag meines Unglücks geboren, am neunzehnten April. Das wird sicher ein besonderer Tag für uns alle werden!“

Germo, der sich gerade schon anschickte, seinem Vater aus dem Zuber zu helfen, erkundigte sich erstaunt: „Wie meint Ihr das, Herr von Amönesburg?“

„Nun“, erwiderte lächelnd der Patrizier, „ich habe einen Sterndeuter befragt. Dieser Tag hat sich nun einmal bei mir festgesetzt, und ich wollte gern einen Blick in die Zukunft werfen. Ich kenne einen weisen Astrologen, den ich befragen konnte. Und er versicherte mir, dass wir uns alle auf diesen Tag freuen können – er wird ein Glückstag für alle Menschen werden!“

„Oh, na dann hoffe ich auf das Glück des Tages. Es ist übrigens schon für unsere Familie ein ganz sonderbares Zusammentreffen. Wir sind ja verschwägert mit der Familie des ehemaligen Hauptmanns der erzbischöflichen Leibwache, Lynhardt von Brachtal. Auch er erwartet ein Enkelkind, und die beiden Frauen haben schon Späße darüber gemacht, welche von ihnen wohl zuerst gebären wird. Na, so sind die Menschen von heute, unsereiner bangte um jede Niederkunft und verzehrte sich vor der Tür der Angetrauten. Lebt wohl, Herr, vielleicht erweist Ihr uns ja die Ehre Eurer Anwesenheit zur Taufe!“, rief der alte Meister aus, während er vorsichtig die Holzstufen hinabstieg, fest an der Hand seines Sohnes.

„Das werde ich gern tun, bis in Kürze also, meine Herren!“

Die beiden Meister kehrten zurück in die Kammer zu ihren abgelegten Kleidungsstücken, wo sie die Wärme des Ofens, die auch in diesen Bereich des Badehauses strömte, sehr angenehm empfanden.

Hier trockneten sie sich ab, kleideten sich wieder an und verabschiedeten sich bei Zacharias, nicht ohne ihm zum Badegeld noch ein gehöriges Aufgeld zu geben.

„Ich danke Euch für Euren Besuch, Ihr Herren. Ich hoffe, es war alles zu Eurem Wohlbefinden und freue mich auf Euren nächsten Besuch!“

„Das wird wohl einige Zeit dauern, Zacharias. Ich möchte den Vater nicht allein gehen lassen, und bei uns wird es in der nächsten Zeit wieder sehr turbulent werden. Zunächst die Geburt eines hoffentlich gesunden Kindes – dann wird mich ein neuer Auftrag für einige Zeit von allen Vergnügungen fernhalten.“

„Dann wünsche ich Euch alles Glück dieser Erde für den neuen Erdenbürger!“, beeilte sich der Bader zu versichern.

„Danke. Wenn es nach dem Sterndeuter des Herrn von Amönesburg geht, wird uns das wohl in Kürze allen zuteil werden!“, antwortete der junge Meister und griff seinem Vater unter den Arm.

Der Kaufmann war noch im Badezuber geblieben, denn jetzt betraten zwei Personen den Baderaum. Der Knecht füllte noch einmal wohltuend heißes Wasser nach, und dann schritt, gravitätisch und langsam wie eine Königin, die schöne Laurentia zum Rand des Zubers hinauf. Dort angelangt, musterte sie der Kaufmann mit großen Augen, und gekonnt legte sie mit einer raschen Handbewegung ihre Badeschürze ab. Das einfache Kleidungsstück wurde nur mit einem Band im Nacken gehalten, und als es von ihrem wohlgestalteten Körper rutschte und ihre üppigen Brüste ein wenig bei der Bewegung schaukelten, spürte Joachim von Amönesburg, wie ihn die Lust packte. Er hielt ihr die Hand entgegen, als sie in das warme Wasser glitt und sich gleich darauf eng an ihn schmiegte.

Mit einer Hand griff sie unter das Badehemd und sagte leise: „Na, mein süßer Herr Kaufmann – hier sehnt sich aber jemand sehr nach einer besonderen Behandlung. Ich glaube, ich werde dich heute sehr lange verwöhnen.“

„Nur zu!“, stöhnte der und ließ sie gewähren. „Lass dir ausreichend Zeit, liebe Laurentia, für heute gibt es keine weiteren Geschäfte mehr für mich zu erledigen.“

Lachend tauchte die Hübschlerin kurz unter und kam dann wieder aus dem wohlriechenden Wasser aufgetaucht, spie einen dünnen Strahl auf den Kopf des Buhlers und begann ihre verheißungsvolle Arbeit mit Ausdauer und großem Können.

Joachim von Amönesburg genoss jeden Augenblick.

Die Erben des Bischofs: Tore aus Bronze 2

Подняться наверх