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Das Leben
ОглавлениеDas Leben ist unfair und wir leben es nur weil wir Angst vor dem Tod haben. Wir sollten weniger auf unsere Ängste hören und uns dadurch nicht blockieren lassen.
Robert schrickt zurück. Wieso schreibt seine Freundin ihm nur solche Worte? Er kann es nicht fassen. Dabei fragt er sich gerade, wie es dazu kam, dass er so geworden ist, wie er nun ist. Es kann ja nicht nur durch die Erziehung seiner Eltern sein. Immerhin werden wir durch jeden Menschen abgelenkt. Man kann es sich wie in einem elektrischen Feld vorstellen. Manchmal geht es homogen zu und man fliegt einfach so vor sich hin. Allerdings ist Homogenität ein Zustand der Ruhe und das Universum hasst die Ruhe. Wenn wir die Ruhe lieben würden, dann würden wir absolut keine Bewegung haben, dann würden wir einfach vor uns hin vegetieren. Es gäbe kaum differenzierte Lebensformen und wir bräuchten auch absolut keine Anstrengungen zu unternehmen, um überhaupt zu leben. Wenn nun dieses Elektron durch das Feld fliegt, wollen alle auf das Elektron wirkende Quellen, ihm etwas Böses. Sie lenken es ab. Stoßen es ab, ziehen es zu sich ran. Mal unterschiedlich stark, mal so lau, wie ein Hauch von Nichts, was eine Frau anzieht, um seinen Mann zu verführen. Dabei will das Elektron doch nur eins. Seinen Weg gehen. Stellt man sich die Welt weniger stark elektronisch da, könnte man auch einfach einen Vater am Frühstückstisch nehmen, der gerade in der Tageszeitung liest und wild um sich blättert. Dann taucht mal eine Schlagzeile auf, die Interesse weckt. Am Ende landet er bei den Comics und beendet seine Lektüre mit dem Zusammenschlag. Genauso funktioniert auch unser Leben. Egal wie weit auch der Weg zwischen zwei Punkten ist. Man kann ihn auf tausende Wege laufen und trotzdem erreicht man immer das gleiche Ziel von seinem Start. Beim Leben ist es keine Koordinate, wie man sie mathematisch des Elektrons annehmen könnte, sondern einfach die Geburt und der Tod. Nun stellen wir uns einfach vor, dass wir Menschen Elektronen sind und im Prinzip alle gleich gestrickt. Die einzige Differenz bestimmt uns, dass wir einen anderen Weg gingen. Selbst unser Äußeres ist weniger unterschiedlich, als wir es meinen. Jedoch ist das alles unwichtig. Weil wir einfach nur gefangen sind. Wir können uns ja rein gar nichts aussuchen. Ein freier Wille impliziert, dass wir frei wählen können. Jedoch ist das nur eine Wahrheit, der wir nachstreben zu versuchen. Wir müssen es eher so sehen, dass wir funktionieren. Wir haben vergessen zu leben. Dabei werden wir gesteuert von den Medien, von der Musik, von der Welt, von unseren Mitmenschen und einfach von allem. Alles ist eine temporäre Quelle, die uns ablenkt und unseren homogenen Weg stört. Was hat nur alles gestört, als ich mit Freude auf meinen Tod zusteuerte? Überlegen wir einmal, woran man sich noch erinnert. Also. Ich habe Eltern. Diese Eltern haben auch Eltern, die ich Großeltern nenne. Diese Großeltern haben andere Kinder. Diese Kinder nenne ich dann Onkel und Tante. Diese Onkel und Tanten haben Kinder. Manche hatten auch schon Kinder, wodurch ich Cousinen und Cousins hatte, mit diversen Vorsilben. Dann haben meine Eltern Freunde. Diese Freunde haben auch wieder Kinder. Das waren also die Quellen meines Unheils, die von meinen Eltern aus gingen. Wie schützt man sich als Kind nur vor diesen Beeinflussungen, wenn man einen homogenen Weg gehen mag? Am besten sucht man sich eine Gegenquelle, die einen ein homogenes Feld vorgaukelt, weil die Kraftwirkung sich einfach aufhebt. Gehen wir also von den Menschen aus, die ich kennen gelernt habe. Demnach ging ich in verschiedene Institutionen, die dafür sorgten, dass auf mich aufgepasst wurde, während meine Eltern sich von mir frei nahmen. Kindergarten, Schule, Kirche, Krabbelgruppen, Sportvereine, diverse andere Hobbys. Je nach Herkunft variiert das eben. Während man in östlichen Gefilden eher darauf beruft war, in einer Institution gehortet zu werden, ging es im Westen dazu über, dass man starke Differenzen in der Erziehung erhält, weil es immer und immer mehr Quellen werden, die einem Einfluss gewähren nicht gradlinig zu wandeln. So kam es auch vor, dass ich starken Schwankungen unterlag und in mir ein starker Konflikt ausgerufen wurde. Folge ich den Charakterzügen meiner Eltern und halte zu meiner Familie? Oder gehe ich auf die Wünsche und Träume meiner Eltern ein, die sie niemals verwirklicht haben und nun fortan mit sich herumschleppen? Als Kind weiß man es oftmals nicht besser und lebt einfach vor sich hin, ohne sich große Sorgen zu machen. Sicherlich sind die starken Schwankungen im Bereich der elterlichen Streits zu suchen, die einen dazu bewegen von seinem Pfad abzuweichen. Jedoch reicht dies meist schon aus, um die empfindliche Struktur zu stören und man sucht sich außerhalb seiner Familie den nötigen Schutz. Imaginäre Freunde, andere Familien, Freunde, die Freunde der Eltern. All solche Leute sind auf einmal furchtbar anziehend. Man kann sich nicht einmal schützen. Als Kind ist man solchen unbewussten Entscheidungen schutzlos ausgesetzt. Man weiß oftmals gar nicht wie einem geschieht und schon ist es passiert. Man hat sich Vorbilder gesucht. Alles passiert so wahnsinnig schnell. Es ist wie eine Rennfahrt. Man steigt ein, steigt aufs Gas und schon in der Kurve reagiert man nur noch. Man trainiert gewisse Vorgänge nicht tausend Mal, um diese bewusst zu beherrschen, sondern sich unbewusst darauf einlassen zu können, dass es einfach passiert. Genauso passiert es dann in der Kindheit. Mit fortschreitender Technologie kommt auch ein anderes Problem auf uns zu. Internet ist eine der größten Störquellen. Das Internet ist ein wunderbarer Raum, um die ganzen Menschen kennen zu lernen, die man niemals in seinem Leben kennen lernen wollte. Man sieht sie nicht und fällt auf die Werbung herein. Dadurch entgeht einem das wahre Leben, wir verlernen uns selbst zu zuhören und suchen nach Bestätigung und Anerkennung. Liebe ist auf einmal ein Gefühl, was wir nicht mehr wahrnehmen, jedoch dürsten wir danach – unbewusst. Verleugnung und Aggression gegen die Menschen, die einem so einen – anscheinenden – Mist einreden, werden durch die Wut und den Hass gegen sich selbst geschürt. Und das alles in meiner schutzlosesten Zeit. Wonach habe ich nur gedürstet? Meistens kommt die Wahrheit erst auf, wenn man auch Fragen stellt. Mit der Zeit interessierte mich die Geschichte meiner Eltern, da auch dort meine Wurzeln zu suchen sind. Wer war ich? Wer sollte es besser wissen, als die Menschen, die mich bis dahin begleitet haben, wo ich mich absonderte und meinen Weg fortschritt? Der Verlauf meines Lebens konnte als Indiz dienen und die Geschichten meine Eltern dienten mir dann als Verfolgung der Indizien. Mir wurde klar, dass meine Eltern mir den Bruch in meine Beziehung einbauten, so dass eine logische Folgerung auch war, dass ihr streben nach Absolution dazu nötig war, dass ich mich in meiner frühen Jugend absonderte und auf mich alleine gestellt war.
Dabei hätte ich mir so sehr gewünscht, dass mich jemand in meinem Weg unterstützt. Jeder versucht hart zu sein. Will unbeirrt seinen Weg schaffen, weil uns eingeredet wurde, dass wir alles alleine schaffen müssen. Dabei wurde es einfach missverstanden. Solange es Mitmenschen gibt, müssen wir rein gar nichts selber schaffen. Nehmen wir einfach den Verlauf der Schule. Alleine in der Prüfung ist man alleine. Und genau deswegen bereitet es uns auch so einen Stress auf unser Wissen zurück zu greifen. Wir haben nicht mehr diese Ruhe, dass wir aufgefangen werden, wenn etwas nicht richtig läuft. Wir können uns nun einmal nicht selber beobachten und daher gibt es auch starke Differenzen zwischen Fremd- und Eigenwahrnehmung. Unser Stolz ist uns dabei der größte Stolperstein, wo wir eben wieder dort wären, dass nicht die Angst der dominierende Stein ist, der uns zu Fall bringt, sondern der Stolz noch über der Angst steht und die Angst daher eine Begleiterscheinung ist. Wir nehmen die falschen Gefühle wahr. Wir wissen über uns weniger, als wir wissen sollten und kotzen uns gegenseitig nur noch an. Wo ist all die Menschlichkeit geblieben, die uns damals ausgemacht hat?
Gut das man insgesamt sagen kann, dass die Menschheit in einem möglichen homogenen Feld umher wandert. Dadurch erreicht nicht jeder Einzelne das Gesamtziel, so jedoch ein sehr großer Teil und darauf kommt es an. Die Natur hat etwas gegen eine Massenbevölkerung, was man eben daran sieht, dass alle Tiere, die wirklich in Massen auftreten auch sehr schnell vernichtet werden können. Es gibt nur ein Wesen, das sich diesem Naturgesetz widersetzt. Vielleicht gibt es auch mehrere Wesen, jedoch ist uns hier nur eins bekannt. Dieses macht mich manchmal krank. Ich kann es einfach nicht fassen, dass mich der Hass aus dem Fernsehen so sehr manipuliert. Ich zappe im Fernsehen rum und sehe nur Elend und Schrecken. Als könnten wir nicht einmal in Frieden leben. So etwas beeinflusst auch meine Wahrnehmung und lässt dort das entstehen, was ich so sehr hasse – den Hass. Früher oder später stößt man sowieso auf ihn, daher ist ein Verbot der Gewalt für die Jugend eigentlich eher eine Verschiebung des Zeitpunktes an dem man dazu bewegt wird zu hassen. Dabei ist es doch so leicht. Es ist wirklich leicht, wenn man einmal angefangen hat. Es ist niemand anderes Schuld, als man selber. Ob die Großmutter stirbt oder einfach nur die Milch anbrennt. Man kann immer Verantwortung für sich und diese Taten übernehmen. Ich kann zwar nicht der Schuldige sein, der Omas Tod herauf beschwört hat, jedoch kann ich mir die Verantwortung geben, wie ich damit umgehe. Sicherlich verlieren wir bedeutende Menschen, jedoch ist es auch in unserer Verantwortung daran nicht zu zerbrechen. Genau das können wir eben beeinflussen. Es liegt ganz alleine an uns, es ist unsere Aufgabe, dass wir bei einem ungeplanten Pfad nicht zerbrechen. Das wir die Verantwortung für unser Handeln behalten. Manchmal sitze ich im Garten. Dann überlege ich. Was wäre anders, wenn ich nicht mehr wäre. Und ich sitze da. Schaue mich um. Der Wind weht. Die Blätter geben sich diesem hin. Die Insekten treiben um mich herum. Die Sonne strahlt. Ein Gewitter kommt auf. Blitze zucken über den Himmel. Egal was ich auch mache. Ich kann es nicht beeinflussen. Es passiert. Es ist egal, ob ich existiere, oder ob ich es nicht miterleben könnte. Nicht meine Existenz ist entscheidend, dass es funktioniert, dass die Welt lebt, sondern die Summe der Existenzen entscheidet darüber. Ich bin als Einzelstück unbedeutend. Kümmert es mich nicht, wie andere Existenzen das Gesamtbild prägen, schätze und respektiere ich auch mich nicht. Ich höre mir nicht zu. Gebe ich jeder von Menschenhand erfasste Existenz ein Hauch von Leben, könnte man annehmen, dass der Blitz versucht einfach nur hübscher aus zu sehen, als ein Konkurrent. Sie haben gerade einen Wettkampf und bestreiten diesen nur. Sie tun es für sich und nicht der Zerstörung halber. Sie wollen einfach nur untereinander konkurrieren, miteinander spielen. Es interessiert sie nicht, dass es mich gibt und ich als Zuschauer beachte, wie grazil, mit welcher Gewalt, sie einen Lichtbogen zwischen Himmel und Erde spannen. Ihnen ist es auch völlig Schnuppe, dass ich zusehe, da sie es ja für sich tun. Und nach dieser Maxime will ich leben. Das ist meine Existenz. Wenn interessiert es schon mehr, als mich, wie ich im Leben abschneide? In der Elektrik schicken wir manchmal hunderte Volt los und hoffen, dass es genug Volt am Ende schaffen. Natürlich verbergen sich dahinter Elektronen, die sich wandeln und wir wollen doch nur, dass wir all diese startenden Elektronen auch am Ende empfangen können. In der Technik wissen wir, dass es nicht immer möglich ist. Genauso ist es im Leben. Mit so vielen habe ich einen Jahrgang geteilt. In der Wirtschaft wurde Hoffnung geschürt, dass wir irgendwann einmal dort oder da aufschlagen, diese Arbeitsplätze besetzen, um unserer Gesamtziel zu erreichen. Doch haben unsere Eltern eins vergessen. Sie vergasen uns zu sagen, wer wir sind. Die Kommunikation blieb auf der Strecke und wir suchten uns die Wege, die wir vielleicht niemals hätten gehen sollen; wollen; können; müssen. Stattdessen drehen sie uns wie einen Kreisel und lassen uns unseren Weg finden, weil es vielleicht grade einmal modische Pädagogik war, dass es so funktioniert. Wir schauen zu sehr nach links und rechts, anstatt uns auf das zu konzentrieren, was diese Stimme aus dem Bauch, aus dem Herzen, aus dem Vertrauen, aus der Liebe, aus der Rationalität zu uns sagt, was wir tun sollten. Stattdessen beraten wir uns. Erforschen das bestmögliche Ergebnis. Wir wollen vorankommen. Wir wollen gewinnen. Auch wenn wir es ablehnen in den Wettkampf zu ziehen. Es ist in uns. Wir können nicht dagegen ankämpfen. Es ist nicht der Sinn der Liebe, dass sie die anderen Gefühle verdrängt, um friedlich miteinander zu können. Genau das verstehen die östlichen Lehren eben nicht darunter, wenn die westliche Zivilisation diese abkupfern wollen. Heißt Liebe nicht auch Akzeptanz? Die Liebe ist bereit mich auch mit dem Hass, der Angst, der Wut und der Aggression zu teilen. Sich zu verbieten, erfordert viel Disziplin und Disziplin führt öfter zum Scheitern, als man denkt. Von außen mag es gerne so aussehen, als würde ich mich disziplinieren und mich dem hingeben. Jedoch lasse ich alles zu. Ich trage die Angst mit mir herum. Sie ist in mir. Sie ist mein Partner, ein Teil von mir. Ich bin froh, dass sie an meiner Seite ist, weil sie mich menschlich macht. Genauso wie der Hass, der Wille und all die Charakterzüge, Eigenschaften, Emotionen, die mich ausmachen. Ohne sie wäre ich doch nur die Liebe und nur die Liebe zu sein, würde mich auch nicht zu einem besseren Menschen machen. Es würde mich nur zu einem willenlosen Wesen machen, was nur akzeptiert.
Teile meiner Jugend fand ich Japan genial. Dieser Wille, die Disziplin, die Hingabe. Nur erkennt man auch, dass alle Asiaten lediglich die Kopie beherrschen. Sie können wunderbar erreichen, was jeder erreicht hat. Sie können Träume kopieren. Selber haben sie jedoch nur den Drill in sich, der dazu befähigt etwas zu beherrschen. Beachtet man dagegen die Europäer, sieht man, dass diese mit wenig Aufwand, jedoch mit sehr viel Hingabe, Liebe und Leidenschaft nicht einmal annähernd die Massen an Beherrschern einer Kunst beinhalten, allerdings die nötigen Vordenker. Man bewegt die Welt eben nicht, in dem man sie schnell dreht, sondern kontinuierlich. So kam ich auch schnell zu meinen Wurzeln zurück. Europa ist meine Heimat und dort muss ich suchen, wer ich bin. Denn nur, wenn ich weiß, wer ich bin, kann ich mich weiterentwickeln und wenn ich mich weiterentwickele, muss ich mich wieder fragen, wer ich bin, wodurch ein nie endender Prozess entsteht. Genau so etwas muss ich ebenso akzeptieren, wie eben auch der Zustand meines Alterns. In der Kindheit stört es noch nicht so sehr, da man sich sogar darüber freut, dass man älter wird, weil man es sehnlichst wünscht. Man wünscht sich ungeduldig ein Prozess, den man nicht akzeptieren kann. Tragen wir jedoch die Ruhe in uns, dass es eben alles so ist, wie es ist, erfahren wir auch die Einfachheit der Welt. Sich darüber aufzuregen, dass es Gewittert, stillt mir nur meine kostbare Zeit, die ich dafür brauche, um mich auf mich zu konzentrieren. Sicherlich ist es auch mal wert, dass man von sich absieht, weil wir uns nicht selbstverliebt und andauernd im Spiegel betrachten können, wodurch ein kurzer Ärger darüber gerechtfertigt ist, dass bei einem Radrennen der Reifen platzt, oder die Trauer, dass die Großmutter stirbt oder gar gestorben ist. Es ist legitim. Wir müssen nicht den Harten spielen. Wir müssen es auch nicht alleine überwältigen. Wir müssen nicht stark sein. Wir müssen den Marathon nicht alleine laufen. Es ist unsere Kraft, die uns dazu befähigt, dass wir am Ende nicht zerrissen sind. Jedoch ist der Beistand, bei so einem Ereignis trotzdem annehmbar, ohne dass man als schwach gilt. Gar die Stärke, den Mut zu haben, die Hilfe anzunehmen, deutet doch an, dass wir bereit sind, zu akzeptieren, dass wir ein Mensch mit differenzierten Emotionen sind.
Alleine die Frage der Stärke der Gewichtung lässt Rückschlüsse auf, oder etwa nicht? Wenn wir sie alle akzeptieren und annehmen, dass sie in uns sind, so müsste doch auch ein Gleichgewicht herrschen? Genau dem ist nicht so. Wir versuchen Kranke davon zu heilen, geben ihnen Pillen, dass sie Depressionen haben. Dabei ist es so einfach. Wenn man es den früh genug erkennt und davon ausgehen kann, dass man auf einer gesunden Basis herum rätselt. Nicht der Geist ist krank, sondern der Körper dürstet nach Anerkennung. Mein Körper ist mein Haustier. Geht es ihm schlecht, geht es auch meiner Psyche schlecht. Sie ist nur ein Gast in diesem Körper, in der sie steckt. Und wenn sie noch so viel Wille in sich trägt, ist die Physis der Gott. Dies muss ich alles berücksichtigen, wenn ich heraus finden will, wer ich damals war, der mich zu dem gemacht hat, der ich heute bin. Das Verhältnis zwischen Bewegung, Nahrung und Ruhe muss eben ausgeglichen sein. Anscheinend war sie dies bei meiner Kindheit, da ich in alten Fotoalben immer ein glückliches, ehrliches Lächeln auf den Lippen hatte. Man hätte meinen können, dass meine Eltern, deren Freunde, meine Familie, meine Freunde, die Institutionen und wer immer noch in mir herum gefuscht haben will, alles richtig gemacht hat. Allerdings hat auch alles eine Kehrseite. Akzeptanz heißt ebenso, dass man ein Stück von sich aufgeben muss. Wenn es vier Eigenschaften gäbe, und diese sich einen Körper mit einem Geist teilten, dann würde es vier zu eins stehen. Eine Waage würde bei jeweils fünfundzwanzig Prozent auftauchen. Akzeptiere ich meine Mitmenschen, tue ich dies ja in der Erwartung, dass diese dies auch einmal mit mir täten. Da man diesem Vergleich nicht immer beipflichten kann, geht man sicherheitshalber einen Kompromiss ein. Ein weiter Punkt, der mit einzurechnen ist, um meine Vergangenheit zu erforschen.
Muss es wirklich so detailliert sein? Fokussiere ich dabei zu sehr meine Vergangenheit? Immerhin gehe ich dann einen starken Kompromiss mit meiner Gegenwart und Zukunft ein. Selbstverständlich kann ich meine Vergangenheit akzeptieren und die Vergangenheit ruhen lassen. Allerdings würde ich dann meine Zukunft vernachlässigen, da ich durch meine Vergangenheit Fehler in der Gegenwart ausübe, die meine Zukunft beeinflusst. Den Prozess der Geschwindigkeit, wie schnell ich erfahre, wer ich damals war, kann ich nicht beeinflussen. Ich kann jedoch akzeptieren, dass ich das Ziel erreiche, wenn ich daran arbeite, es jedoch nicht übers Knie breche und einfach mit dem Lebe, was mir gegeben wird. Genau. Ich nehme das Leben, meine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als Geschenk an. So erfahre ich jedes Geschenk als Glück, weil ich dafür gearbeitet habe, dass ich diese Geschenke bekomme, also stolz darauf sein kann, dass ich für meine Mühe entlohnt werde und es über meine Geduld erhalte. Bei dem Erwerb des Wissens geht es nicht darum es zu erwerben, sondern es einzuspeichern. Und dafür bedarf es an Zeit. Auch wenn man meint, dass man speziell ist, ist man es meistens nicht. Sobald man sich eine Frage stellt, ob man sich von jemandem unterscheidet, tut man es meist nicht. Genialität wächst nicht auf Bäumen und wir sollten uns damit abfinden, dass wir alles richtig gemacht haben, um dort zu stehen, wo wir gerade stehen. Sind wir damit unzufrieden, kann ich nur beurteilen, dass man nicht mehr oder weniger hätte unternehmen dürfen, weil man sonst ein anderer Mensch sei.
Was hat das nur alles mit meinem Leben zu tun? Vielleicht weniger, als man denkt und vielleicht doch mehr, als man glaubt. Immerhin haben wir definiert, dass der Weg uninteressant ist. Ob ich nun jeden Tag in die Musikschule ging und heute ein genialer Violinist wäre, oder ob ich regelmäßig zum Sport ging und heute einfach nur dafür bezahlt würde. Im Prinzip ist das total irrelevant, weil es hier nicht darum ging, heraus zu finden, wie ich gelebt habe, sondern wer das Leben ist. Ich habe es gefunden, du auch?