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Der Graf von Rüdesheim

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Bloch und Benda (vor 1882)


1.

Das war der Graf von Rüdesheim,

mit Gütern reich beglückt,

der hat des Winzers holder Maid,

zu tief ins Aug’ geblickt.

Doch als er ihr die Lieb’ gestand,

lacht sie ihm ins Gesicht;

der Graf ritt tief gekränkt nach Haus,

und mied des Tages Licht.

Und er saß und vergaß

in seiner Burg am Rhein

seinen Schmerz,

denn das Herz,

tröstet Rüdesheimer Wein.


2.

Wohl sieben Jahre saß er so,

geschieden von der Welt,

und gab für Rüdesheimer Wein

hin all sein Gut und Geld;

wohl vierzig Güter gab er bin

für edles Rebenblut.

Und als das letzte Jahr verging,

ging auch das letzte Gut.

Und er saß und vergaß

in seiner Burg am Rhein

seinen Schmerz,

denn das Herz,

tröstet Rüdesheimer Wein.


3.

Doch als das letzte Gut vertan,

ging es dem Grafen schlecht;

ein andrer Herr bezog das Schloss,

da ward der Graf ein Knecht.

Die ganze Woche plagt’ er sich,

im Wirtshaus vor der Burg;

was in der Woche er verdient’,

bracht’ er am Sonntag durch.

Und er saß und vergaß

im Kellerloch am Rhein

seinen Schmerz,

denn das Herz,

tröstet Rüdesheimer Wein.


4.

Und die euch dieses Lied erdacht,

die waren selber dort;

zu Fuß kam man den Berg herab,

die Gelder waren fort.

Man haderte mit dem Geschick,

und härmte sich gar sehr;

da hörte man vom edlen Graf,

die wundersame Mär.

|:Und man saß und vergaß

vor seiner Burg am Rhein

seinen Schmerz,

denn das Herz,

tröstet Rüdesheimer Wein.


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