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Anstelle eines Vorwortes

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Lieber Reinhold,

Du fragst, ob Du unseren Briefwechsel veröffentlichen dürfest. Du kannst Dir vorstellen, dass das Beispiel der Gesundung Eurer Ehe für andere Paare ermutigend sein könnte. Das kann es ohne Zweifel. Aber ob unsere Briefe für Außenstehende auch sonst interessant sind?

Ich besprach mich gestern am Stammtisch im Café Paradiso mit den anderen (fand das einfach angemessen, sie in die Entscheidung mit einzubeziehen). Alle waren anwesend. »Das kommt überhaupt nicht in Frage, dass du deine Briefe, in denen auch wir vorkommen, veröffentlichst«, sagte Paulus eifrig und strich mit seiner Rechten viel sagend über seinen pechschwarzen Bart. »Historisch ist in eurem Briefwechsel nicht alles hieb- und stichfest und darüber hinaus: Die da unten gehen himmlische Einzelheiten noch nichts an. Die wandeln im Glauben, nicht im Schauen.«1 Er geriet beim Sprechen wie meistens in ein Feuer: »Wenn die merken, wie wunderschön wir es hier haben, wer steht dann noch mit aller Kraft unten im ›guten Kampf‹?2 Ich weiß selber, wie das ist, wenn man sich am liebsten Richtung Himmel verabschieden möchte.« Und dann erzählte er, dass er sich damals nur wegen seiner Liebe zu den Gemeinden nicht aus dem Kampf des Lebens in die Fülle der Ewigkeit habe davonschleichen wollen.

E.s Blick ruhte nachdenklich auf Paulus. »Fass diese Briefe als Phänomene einmal vorurteilslos ins Auge«, sagte sie und nippte an ihrem Grüntee, bevor sie fortfuhr: »Fühlst du dich denn mit deinen Anliegen in diesen Briefen so schlecht erfasst? Mir geht das anders, und im Übrigen werden die Leserinnen und Leser sowieso ›alles prüfen und das Gute behalten‹3.« Dieses Argument saß und Paulus kam nicht umhin, E. einen anerkennenden Blick zuzuwerfen. (Ich bin immer wieder fasziniert, wie wir hier oben miteinander ringen können, ohne dass es dabei zu Verletzungen kommt!)

»Ich bin auch dieser Ansicht«, meldete sich Asmus und er strahlte dabei wie der Vollmond, wenn er aufgeht. »Ich fühle mich gar nicht so schlecht dargestellt. Zudem, Freunde – entschuldige E., das weibliche Geschlecht ist bei der männlichen Ausdrucksweise immer mitgemeint –, gehören wir doch zur ›Wolke der Zeugen‹4. Die da unten können durchaus etwas von uns ›Pionieren‹ lernen. Zum Beispiel, wie man seine Bedürfnisse richtig stillt, ohne dabei abzustürzen. Findest du das nicht auch, David?«

Früher wäre ich bei einer solchen Anspielung errötet, aber Scham, im Sinne von Schande, kennen wir hier ja nicht. So sagte ich: »Auch ich stehe zu unserem Briefwechsel. Wir sprachen darin über wichtige Themen: wie man seine Berufung erkennt, ein gelingendes Leben vor Gott führt, als Mann und Frau zusammen lebt und vor allem, wie wir unsere innersten Bedürfnisse stillen.« »Und du findest es also gut, dass dein Leben bis hin zu peinlichen Details ausgebreitet wird?«, meinte Paulus, schon sichtlich milder gestimmt. Ich entgegnete ihm gelassen: »Erstens wissen die das alles sowieso und zweitens kämpfen sie mit den gleichen Problemen wie ich damals. Ich bin also in guter Gesellschaft. Auch geht es letztlich gar nicht um mich oder um Reinhold oder um euch alle, sondern um Gott, gepriesen sei er. Er ist die Quelle, an der wir uns stillen können.« Paulus gab schließlich seinen Widerstand ganz auf und sagte, es sei von ihm aus in Ordnung, dass Du die Briefe veröffentlichst: »Was soll’s, wenn nur Christus gepredigt wird«5, sagte er und fügte noch bei, dass Du für das, was Du von Dir selbst preis gebest, die alleinige Verantwortung tragen müssest.

Also Reinhold, ich gebe Dir grünes Licht. Für Deinen bzw. Euren Teil im Briefwechsel musst Du selbst die Verantwortung übernehmen. Ist Eure Beziehung heute stabil genug? Leserinnen und Leser werden Euch Fragen stellen. Mein Wunsch für die Ausgabe unserer Briefe ist es einfach, dass alle, die sie lesen, in ihrer Liebesbeziehung zu Gott gestärkt werden oder gar zum ersten Mal das Abenteuer eingehen, an seiner Hand durch das Leben zu gehen.

Sei herzlich gegrüßt Dein David

P. S.: Vergiss bitte nicht, mir vier Exemplare zuzustellen. Paulus wird der Erste sein, der das Büchlein verschlingen wird, und mit Bestimmtheit wird er trotz des exzellenten Lektorats durch Dr. Walter Lerch, Schiers, einige Stil- oder Druckfehler (wenn nicht gar eine falsch zitierte Briefstelle) finden.

12. Korinther 5,7

21. Timotheus 6,12

31. Thessalonicher 5,21

4Hebräer 12,1

5Philipper 1,18

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