Читать книгу Ausgewählte Orientierungshilfen für sozialpädagogisches Denken und Handeln - Dr. Bernd Sommer - Страница 7

1.2. Problemhintergrund

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Die Angebote für Möglichkeiten der Orientierung aus der einschlägigen Literatur sind hinsichtlich professionellsozialpädagogischen Vorgehens vielfältig und in ihrer Zahl kaum mehr überschaubar. Von daher wird eine Auswahl nötig sein. Ich gehe im Rahmen dieses Bandes von der Grundvorstellung eines pädagogischen Verständnisses von Sozialer Arbeit aus.

Viele Tätigkeiten in diesem Bereich, zumindest diejenigen, die im unmittelbaren Kontakt mit Klienten/innen stattfinden, stellen die eines Lernhelfers5 dar, eines professionell Tätigen, der Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten für Menschen schafft, also pädagogisch tätig wird. Im erweiterten Sinne sind wir also in Arbeitsbereichen tätig, bei denen es um das Planen, Durchführen und Auswerten zielgerichteter Lern-, Hilfe- und Entwicklungsprozesse geht.

Im Folgenden werden Überlegungen angestellt, mit denen es möglich wird, einen sozialpädagogischen Blick auf einen Menschen, auf ein Thema oder Problem zu werfen.

Mit den Handlungsformen von Helfen, Beraten und Fürandere-Dasein werden die beruflichen Tätigkeiten sozialpädagogischer Mitarbeiter/innen beschrieben, wobei jedoch, so die kritische Anmerkung von LENZEN in diesem Zusammenhang, die Aufgabenfelder von professionell in der Sozialen Arbeit Tätigen so vielfältig seien wie die Probleme, Nöte und Anliegen ihrer Klienten/innen6.

So falle es den in der Sozialen Arbeit professionell Tätigen oftmals schwer, „Außenstehenden und anderen Berufen ihre speziellen Stärken und Kompetenzen zu erläutern. Sie können anderen kaum erklären, was sie eigentlich tun und warum man für die Ausübung dieser Tätigkeit ein akademisches Hochschulstudium“7 benötige.

In der einschlägigen Literatur lassen sich einige ernstzunehmende Modelle ausmachen, nach denen die Vielfalt und Vielschichtigkeit anstehender Aufgaben in der Sozialen Arbeit das Erwerben und Ausprägen von Kompetenzen auf unterschiedlichen Ebenen erforderlich mache. Dabei seien pädagogische Kompetenzen im engeren Sinne ebenso gefragt wie politische, juristische, administrative, medizinische und ökonomische Kompetenzen8.

Andere Autoren wie beispielsweise MILLER sprechen von Fähigkeiten beruflichen Handelns, wobei seiner Typologie nach folgend zwischen kognitiven, personalen, sozialen, psychomotorischen und instrumentellen Fähigkeiten unterschieden werden könne9.

MAUS, NODES und RÖH nennen in diesem Zusammenhang folgende Schlüsselkompetenzen: strategische Kompetenz, Methodenkompetenz, sozialpädagogische Kompetenz, sozialrechtliche Kompetenz, sozialadministrative Kompetenz, personale und kommunikative Kompetenz sowie berufsethische Kompetenz10.

Von SPIEGEL wie auch WELLHÖFER prägen unabhängig voneinander den Fachterminus der vier Dimensionen von Kompetenz-Profilen der Sozialen Arbeit, unter die sie persönliche Grundvoraussetzungen, instrumentelle Kompetenzen, (selbst-)reflexive Kompetenzen sowie soziale Kompetenzen fassen11.

In unterschiedlichen Beiträgen habe ich darauf hingewiesen, dass der Lernhelfer12, also derjenige, der geplante, angeleitete, zielgerichtete Lern-, Hilfe- und Entwicklungsprozesse initiiert, durchführt und auswertet, Kompetenzen in folgenden Bereichen benötige, um anstehende Aufgaben „aktiv, verantwortungsvoll und in professioneller Weise“13 angehen zu können: personale, fachlich-inhaltliche, didaktische und methodische, soziale und kommunikative Kompetenzen, die Fähigkeit zur (selbst-)kritischen Reflexion sowie wissenschaftliche Kompetenzen14.

Diese Kompetenzen sind dabei nicht hierarchisch, d.h. nach steigender bzw. fallender Bedeutung geordnet, sondern stellen in ihrer Gesamtheit das Instrumentarium dar, auf dessen Grundlage die oder der sozialpädagogisch Tätige in professioneller Weise arbeiten kann.

Während der Begriff Didaktisches Denken in der sozialpädagogischen Grundlagen-Literatur eher eine untergeordnete Bedeutung einnimmt, ist der des Methodischen Handelns in unterschiedlichen Zusammenhängen Sozialer Arbeit zu finden, in denen systematisches, schrittweise erfolgendes, aufeinander aufbauendes, planmäßiges Vorgehen zur Erreichung eines Zieles vorausgesetzt wird.

Trotz der Vielfalt von kontrovers diskutierten Begriffsdefinitionen kann von der Grunderkenntnis ausgegangen werden, dass Methodischem Handeln in der Sozialen Arbeit im genannten Sinne in der Regel unterschiedliche Phasen bzw. Denk- und Arbeitsschritte zugeordnet werden können.

Dies reicht von der Problem- bzw. Situationsanalyse, über das Entwickeln und Formulieren von Zielen, das Feststellen und Analysieren von vorhandenen Ressourcen, das begründete Auswählen von Methoden, Arbeitsformen, Arbeitstechniken und -verfahren, von dem Planen und Durchführen sozialpädagogischer Interventionen und Angebote bis hin zu der Phase des Aus- und Bewertens, fachterminologisch ausgedrückt des Evaluierens15.

Während Methodik demnach als Wissenschaft vom zielgerichteten Handeln bezeichnet werden kann, stellt Didaktik den Teilbereich von Pädagogik dar, der sich mit dem Planen, Durchführen und Auswerten von angeleiteten, zielgerichteten Lern-, Hilfe- und Entwicklungsprozessen beschäftigt16.

Unmittelbar mit dem Didaktik-Begriff verbunden ist der zentrale Ausdruck Lernen.

In Anlehnung an WINTELER könne unter Lernen Folgendes verstanden werden: Wissen vermehren, Auswendiglernen und Reproduzieren, Anwenden, Verstehen, etwas auf eine andere Weise sehen, sich als Person verändern.

Während die ersten drei Lern-Konzeptionen vor allem als etwas verstanden werden könnten, was außerhalb der Person als gegeben gesehen, das von den Menschen aufgenommen, abgelegt und später reproduziert werden könne, komme in den letzten drei Konzeptionen „Sinn und Bedeutung des Wissens eine zentrale Rolle“17 zu.

Ausgewählte Orientierungshilfen für sozialpädagogisches Denken und Handeln

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