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KONZEPT

Die Bausteine dieses Moduls beruhen auf Erkenntnissen aus empirischen Studien. So hat Herminia Ibarra, Professorin für Leadership und Learning, in ihren Forschungen zahlreiche Leute befragt und beobachtet. Sie wollte wissen, wie Menschen eine Neu-Orientierung bewältigen und erleben. In ihren Studien hat Ibarra erkannt, dass Lernprozesse auf zwei Ebenen stattfinden und sich bestimmte Muster identifizieren lassen. Dieses Zwei-Ebenen-Modell bietet einen konzeptionellen Rahmen dafür, wie Veränderung und Identitätswandel gelingen kann.

Entwicklung auf zwei Ebenen

Wenn wir uns selbst und unser Leben neu erschaffen, durchleben wir Veränderungen auf zwei Ebenen: Ebene 1 betrifft tiefgehende individuelle Lebenseinstellungen und Sichtweisen. Ebene 2 beschreibt Formen des ständigen Dazulernens und Neu-Adjustierens.

Ebene 1 – Entwicklung von neuen Denk- und Wahrnehmungsmustern

Auf dieser Ebene richten wir unsere inneren Koordinaten neu aus, wir verändern unsere Einstellungen, Denk- und Sichtweisen. Wir schaffen uns neue Überzeugungen und Orientierungen. Wir richten unsere Aufmerksamkeit auf andere Dinge. Es handelt sich um eine grundsätzliche Neuordnung in vielen Abstufungen und Schattierungen. In der kognitiven Verhaltenstherapie wird dieser Prozess „kognitive Umstrukturierung“ genannt.

Man kann das Prinzip auch so verstehen: Ihre Gedanken sind wie Blumensamen, die Sie anpflanzen. Es kann bei der Ernte nur das herauskommen, was Sie vorher in die Erde gesetzt haben. Setzen Sie die immer gleichen Samen (pflegen Sie die üblichen Gedanken), dann ernten Sie auch immer wieder das Gleiche. Wollen Sie eine andere Ernte erleben, dann müssen Sie sich für einen anderen Blumensamen (andere Gedankensamen) entscheiden.

Größtes Hindernis sind eigene un(ter)bewusste Vor-Einstellungen. In der Sprache des Informationszeitalters formuliert, scheitert man an fix installierten Programmen auf der mentalen Festplatte. Im Alltag sind uns diese persönlichen Wiederholungs-Programme oft gar nicht bewusst.

Ebene 2 – Erfahrungslernen

Im Fluss des Lebens ist Veränderung ein offener Prozess und kein stures Umsetzen von fixen Plänen. Manche Menschen haben nur eine Ahnung, wo es hingehen soll. Andere wissen genau, wohin sie wollen und was ihr konkretes Ziel ist. Es mag zwar sinnvoll sein, Zwischenziele und Umsetzungspläne zu entwickeln, aber es ist auch notwendig, offen zu sein für neue Impulse auf dem Weg dorthin.

Übergänge in neue Lebensphasen werden iterativ, d.h. durch schrittweise Annäherung in mehreren Zyklen bewältigt. Wir absolvieren in der Regel mehrere Durchgänge. Wir lavieren hin und her zwischen verschiedenen Lebensentwürfen und Möglichkeiten. Nach und nach gewinnen wir neuen Boden unter unseren Füßen. Wir sortieren immer wieder aus, was wenig befriedigend ist.

Das, was am Ende einer Entdeckungs- und Entwicklungsreise herauskommt, ist mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit etwas anderes, als zu Beginn erwartet. Unterwegs können neue Optionen auftauchen, manches Plansoll kann sich als grobe Fehleinschätzung erweisen. Es kommt meist anders als geplant.

Durch unsere Lebenserfahrungen wachsen und lernen wir. Ungeahnte Möglichkeiten entdecken wir, wenn wir aktiv werden, interessante Menschen kennen lernen, neue Rollen übernehmen. Der Ausgang dieser Art des Lernens ist prinzipiell offen – im Gegensatz zum Vermitteln von Lernstoff, wie es in der Schule praktiziert wird. Lernen aus Erfahrungen bedeutet: Etwas ausprobieren und schauen, ob es funktioniert bzw. ob man damit weiter kommt.

Situationen als Ausgangspunkt

Die Reflexion eigener Erfahrungen steht in diesem Buch im Mittelpunkt. Die Übungen und Instrumente setzen bei Ihrer eigenen Wahrnehmung und Interpretation des Geschehens an. Die Methoden bauen auf einem Konzept auf, das in der kognitiven Verhaltenstherapie erfolgreich und wissenschaftlich abgesichert verwendet wird: dem ABC-Modell von Albert Ellis.

Das ABC-Modell beschreibt den Zusammenhang zwischen Situationen, Gedanken, Gefühlen und Verhaltensweisen recht einfach und klar. Wir sehen und erleben immer konkrete Situationen und machen dabei bestimmte Lebenserfahrungen.

A - B - C

A = Ausgangssituation, führt zur

B = Bewertung, diese hat

C = Konsequenzen für Gefühle und Verhalten.

Haupterkenntnis der kognitiven Verhaltenstherapie ist, dass nicht die Ausgangssituation bestimmt, wie man sich fühlt und verhält, sondern die eigene Bewertung und Interpretation der Situation. Das Gehirn arbeitet dabei als Wahrnehmungsfilter. Es selektiert Informationen nach individuellen Programmen, sprich: persönlichen Denkmustern. Deshalb kann ein- und dieselbe Situation von verschiedenen Menschen völlig unterschiedlich wahrgenommen werden.

Das Leben wirkungsvoll ändern

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