Читать книгу Ein neuer Zyklus beginnt - Drunvalo Melchizedek - Страница 11
Drunvalo
ОглавлениеWarum also rede ich als Weißer über die Maya? Um diese Frage zu beantworten, muss ich ein bisschen über mich und mein Leben erzählen. Ich werde mich dabei möglichst kurz fassen.
Wie viele Menschen auf der Erde fragte ich mich zwischen zwanzig und dreißig, warum ich eigentlich hier auf der Erde bin und worin der Sinn des Lebens besteht. Was ist dieser Planet und seine strahlende Sonne? Was dringt wirklich in unser tägliches Leben? Ich hatte viele faszinierende Fragen, und so ging ich aufs College und studierte Physik und Mathematik – allerdings nicht, um Physiker zu werden oder einen guten Job zu bekommen. Ich dachte, Physiker und Mathematiker müssten wissen, worum es sich bei diesen Sternen und Planeten handelt, und so studierte ich jahrelang, bis ich schließlich zu der Überzeugung gelangte, dass die Wissenschaftler auch nicht mehr über das Universum wussten als ich. Sie haben sich verloren und sind ebenfalls auf der Suche.
Also wandte ich mich von der linken zur rechten Gehirnhälfte und studierte Kunst, Kunstgeschichte und Malerei. Zwei Jahre lang beschäftigte ich mich mit 20.000 Jahren Kunstgeschichte, von den Höhlenmenschen bis zur Moderne, und allmählich begann ich dank der weiblichen Seite des Gehirns zu ahnen, worum es im Leben geht. Doch nach wie vor war die Wahrheit äußerst schwer zu fassen.
Nach meinem College-Abschluss wandte ich mich der Meditation zu. Schon oft hatte ich gehört, dass die Antworten in uns lägen – was mir sinnvoll erschien. In meinen ersten Meditationsversuchen widmete ich mich den Hindus und lernte Mantras kennen, die Auswirkungen von Klang auf das Bewusstsein. Ihre Kraft überzeugte mich, und so beschäftigte ich mich ernsthaft mit diesem Ansatz zum Verständnis des Lebens.
Eines Tages befand ich mich in tiefer Meditation und wurde von einem unerwarteten Phänomen überrascht. Ich hatte nicht darum gebeten – es passierte einfach. Zwei strahlend helle Lichtkugeln von etwa 40 Zentimeter Durchmesser schwebten ins Zimmer zu mir, ungefähr einen Meter auf beiden Seiten von meinem Körper entfernt. Eine war wunderschön ultraviolett, die andere erstrahlte in einem ganz hellen Grün. Ich hatte keine Ahnung, was das war, aber aus irgendeinem Grund hatte ich keine Angst, so als wäre das ganz normal.
Dann hörte ich in meinem Kopf telepathisch folgende Worte: »Wir sind nicht getrennt von dir. Wir sind du auf einer anderen Existenzebene.« Ich wusste nicht, was das bedeuten sollte, aber es machte mich neugierig darauf, was es mit der Existenz einer viel fokussierteren und intensiveren Ebene auf sich hatte. Diese beiden Lichtkugeln wurden zu meinen Lehrern und Begleitern, und auch heute, vierzig Jahre später, sind sie immer noch in meinem Herzen und in meinem Leben.
Meine Kommunikation mit diesen beiden Lichtkugeln führte mich zu über siebzig spirituellen Lehrern in aller Welt. Ich studierte viele Formen der Meditation. Gleichzeitig führten die beiden Lichtkugeln mich auch in die Welt der Urvölker und zu einem Verständnis ihrer alten Lebensweisen. Beides spielt im vorliegenden Buch eine Rolle.
Schon bald offenbarten mir die beiden Lichtkugeln, sie seien »Engel«, Wesen ohne Form. Sie nehmen Form an, um den Menschen etwas zu geben, mit dem sie Verbindung aufnehmen können. Vor langer Zeit, so erzählten sie, gaben sie sich das Aussehen eines Menschen mit Flügeln, was aber in Wahrheit nicht ihre natürliche Form sei. Ich hatte nie zuvor mit einem Engel Kontakt gehabt, aber da sich ihre Essenz so warm und angenehm anfühlte, vertraute ich ihnen. Ein Vertrauen, das ich in all den Jahren nie verloren habe.
Schon zu Beginn meiner Beziehung zu den »Engeln« führten sie mich zum Stamm der Taos-Indianer in New Mexico. Vierzehn Jahre lang verbrachte ich im bzw. in der Nähe vom Taos Pueblo. Einer meiner Mentoren bei den Taos war Tellus Goodmorning. Als wir uns kennenlernten, war er schon über neunzig Jahre alt; inzwischen ist er in die nächste Welt übergegangen. Er war das Oberhaupt der Peyote-Kirche der Vereinigten Staaten und fragte mich, ob ich sein Schüler sein wolle (seltsamerweise erlaubte er mir nie, Peyote-Kaktus zu essen; er sagte, ich bräuchte das nicht).
Nach und nach enthüllten mir auch andere Mitglieder vom Taos Pueblo ihre alten Lebensweisen, darunter Juan Concha, der letzte Häuptling des Taos Pueblo, dem vom Stamm der Titel des »Kasiki« bzw. spirituellen Führers verliehen wurde.
Ich beobachtete, wie die innere Arbeit dieser amerikanischen Ureinwohner in meinem Leben zur Entfaltung kam. Vierzehn Jahre der Schulung bei den Taos veränderten mein Leben. Ich war nun bereit, in die Welt hinauszugehen und mit anderen Stämmen zu arbeiten. Laut den Taos-Indianern war das der Sinn und Zweck meines gegenwärtigen Lebens.
Anschließend führten mich die Lichtkugeln zu den Anasazi, dem alten Volk, das noch vor den Hopi, den Sioux, den Lakota, den Cheyenne und den meisten anderen uns bekannten Stämmen lebte. Durch die Anasazi lernte ich die Heiligkeit der Zeremonie kennen und verstehen. Über sie gelangte ich zu den Maya.
1985 wiesen mich die Lichtkugeln (über einen Mann namens Thot, den altägyptischen Schreiber) an, nach Yucatan in Mexiko zu gehen und dort die Kunst der Zeremonie weiterzustudieren und auszuüben. Mit Thot haben auch die Maya eine lange Geschichte, denn er war König von Atlantis, als die Maya dort lebten. Davon wird später noch die Rede sein. Thot leitete mich an, in heiligen Maya-Tempeln wie Uxmal, Labna, Kabah, Chichén Itzá, Tulum, Kohunlich, Palenque und sogar Tikal in Guatemala Zeremonien abzuhalten. Das war meine Initiation, und die Itza Maya beobachteten mich bei meinen ersten Schritten auf dieser Ebene.
Ein paar Jahre später lernte ich Hunbatz Men kennen, einen Maya-Priester und Schamanen, der in Verbindung mit dem Ältestenrat der Itza Maya steht und in Yucatan lebt. Er lehrte mich, wie die Maya die Welt wahrnehmen – ihre Wahrnehmung unterscheidet sich von jener der US-amerikanischen Stämme, die ich kannte. Ende der 1990er-Jahre bat mich Hunbatz, mit ihm Zeremonien durchzuführen, und viele Jahre lang kamen wir in verschiedenen Tempeln in Yucatan zusammen.
Über Jahre folgte ich immer wieder der Bitte, vor ihrem Rat zu sprechen, um meine Beziehung mit ihnen aufrechtzuerhalten und ihr altes Wissen noch besser zu verstehen. Die letzten Jahre lud mich der Ältestenrat der Itza Maya ein, ein Teil des Rates zu sein.
Im Frühjahr 2003 bat mich Hunbatz Men, nach Mexiko zu kommen, wo wir tiefergehende Zeremonien mit Stämmen aus ganz Mittel- und Südamerika durchführten. Mit meiner größeren Einsicht in die Welt der Ahnen und der immer stärkeren Nähe zur Quelle des Lebens veränderte sich auch mein Verständnis der wahren Bedeutung der Zeremonie. Erst 2007 hatte ich das Gefühl, ich würde wirklich verstehen, was Zeremonie für die Alte Welt bedeutet. Ich hatte die Zeremonien der Vergangenheit gebraucht, um an diesen Punkt zu gelangen, wo ich meine Erziehung als Weißer hinter mir lassen konnte.