Читать книгу Flora Flitzebesen - Band 5 - Eleni Livanios - Страница 9

Zoff und Zauberei

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Am Nachmittag traf sich der Geheimbund zum gemeinsamen Lernen im Efeuhäuschen. Für den Zaubereiwettbewerb mussten die Hexenkinder alles über magische Tiere wissen und mit Hexengebräuen mussten sie sich auch auskennen. „Die magischen Tiere sind kein Problem“, meinte Laurus. „Da brauchen wir nichts zu lernen, immerhin helfen wir manchmal im Magischen Tierheim.“ Und mit diesen Worten flitzte Laurus auch schon nach draußen, um die Feuxe zu suchen und ein wenig mit ihnen zu spielen.

Malte und Flora lernten aber weiter, was das Zeug hielt. Sie waren bei Kapitel 5 im Buch „Hexengebräue für Hexenkinder der vierten Schulstufe“ und probierten nacheinander alle Rezepte aus. Es blubberte im Hexenkessel abwechselnd grün, blitzblau oder tiefschwarz, und es stank so sehr, dass Flora schließlich die Fenster und Türen aufriss.

Im gleichen Moment kam Hille angeflattert. „Ich war den ganzen Vormittag im Knorrigen Wald und habe für den Winter Fichtennadeln gesammelt“, erzählte die kleine Helfe ganz außer Atem. Sie legte ein großes Bündel ab. In Wirklichkeit war das Bündel natürlich winzig klein, nur für Hille war es groß und schwer.

„Hast du Hunger?“, fragte Flora. Hille nickte heftig. Malte und Flora waren von der ganzen Lernerei auch ziemlich hungrig geworden.

„Wir kochen Gemüsebällchen mit Kartoffelbrei“, bestimmte Malte, nachdem er im Küchenschrank geschaut hatte, was es dort an Vorräten gab.

Flora wurde zum Kartoffelschälen eingeteilt. Sie dachte aber gar nicht daran, sich abzumühen. Stattdessen zeigte sie mit ihrem Zauberstab auf den Haufen Kartoffeln und sprach:

„Legt ganz fix die Schale ab, weil ich schon so Hunger hab!“

Schwups, lagen die Kartoffeln glatt, gelb und ohne Schale da. Die Schalen schwebten in langen Kringeln durch die Küche, vorbei an Laurus, der gerade zur Tür hereinkam, und direkt zum Komposthaufen draußen im Garten.

Malte war ein guter Koch. Aus geschabten Karotten, Erbsen und Schafskäse formte er kleine, runde Bällchen, wälzte sie in Mehl und warf sie in die Pfanne. Dann rief er Laurus zu sich, stellte ihn an den Herd und trug ihm auf, die Bällchen zu bewachen. Doch wenig später stieß Malte Laurus zur Seite und riss ihm den Kochlöffel aus der Hand. „Kannst du nicht besser aufpassen, Laurus?“ Die Gemüsebällchen waren an einer Seite schon ein wenig verkohlt. Kopfschüttelnd wendete Malte sie in der Pfanne und schimpfte leise vor sich hin.

„Unfähiger Trottel“, hörte Flora ihn sagen. Laurus hatte es auch gehört und er schnitt hinter Maltes Rücken eine Fratze.

„Soll ich mich um den Kartoffelbrei kümmern?“, bot Hille schnell an. „Nein, geht am besten alle aus dem Weg“, murmelte Malte unfreundlich. Flora und Laurus sahen sich an, deckten dann aber den Tisch, ohne noch etwas zu sagen.

Wenig später stellte Malte den Topf mit dem dampfend heißen Kartoffelbrei auf den Tisch. Drüben auf der Anrichte hockte Kringel. Als er das Essen roch, spitzte er die Ohren und bekam große Augen, denn er liebte Kartoffelbrei. Der Kater bereitete sich auf einen gekonnten Sprung vor. Eins, zwei, drei und hopp, landete er genau zwischen dem Topf und Maltes Teller.

„Verschwinde vom Tisch!“, rief Malte und pustete Kringel an. Katzen können es nicht leiden, wenn sie angepustet werden. Kringel sprang erschrocken vom Tisch hinunter und schoss wie ein Pfeil unter den Ohrensessel.


„Was ist eigentlich in letzter Zeit mit dir los, Malte?“, schimpfte Flora. „Du hast ständig schlechte Laune und nörgelst an allem herum. Und jetzt fährst du auch noch den armen Kringel an.“

„Jaja, der arme Kringel“, gab Malte spöttisch zurück. „Was hat ein Kater auf einem Tisch verloren? Kannst du mir das mal bitte erklären? Noch dazu, wenn wir gerade essen wollen.“

Flora rollte mit den Augen. „Kringel will eben dabei sein. Er gehört doch immerhin zu uns.“

„Kringel ist ein Kater und Kater haben auf dem Tisch nichts zu suchen“, sagte Malte. „Er verliert überall seine ekligen Haare.“

„Kringel hat keine ekligen Haare, sondern ein schönes weiches Kuschelfell!“, empörte Flora sich nun. „Du bist eklig, mit deinen Launen!“ Plötzlich wurde Malte ganz rot im Gesicht. „Dann kannst du ja mit deinem fetten Fellbündel abhauen! Ich hab eh keine Lust mehr, mit euch zu essen.“

„Ich auch nicht!“ Flora sprang vom Tisch auf, holte Kringel unter dem Ohrensessel hervor, schnappte ihren Besen und stürmte aus dem Häuschen. Die Tür ließ sie hinter sich mit einem Rums zufallen.

„Flora, komm zurück!“, hörte sie Hille und Laurus rufen. Nein, sicher nicht. Jetzt war sie einfach wütend. Auf Malte. Und sie wollte nur noch weg hier. Raus aus dem Efeuwald. Weg von Malte, der ihren heißgeliebten Kringel beleidigt hatte.

Plötzlich tauchte Laurus auf seinem Besen neben ihr auf. „Mir hat’s auch gereicht“, erklärte er. „Soll er seinen Kartoffelbrei alleine aufessen.“

„Und was ist mit Hille?“, wollte Flora wissen.

Laurus lachte auf. „Die gutmütige Hille, die hilft ihm bestimmt noch mit dem Abwasch.“

Der Tag der ersten Prüfung für den Zauberwettbewerb rückte immer näher. Bei diesem Teil ging es hauptsächlich um Wissen. Die Hexenkinder lernten Zaubersprüche auswendig und paukten alles über die magischen Wesen und Gegenstände in der Hexenwelt, was sie finden konnten. Die Schulbücher reichten dafür nicht aus und die Lehrer empfahlen den Kindern, in die Hexenbibliothek im Türmchenviertel zu gehen.

„Ihr könnt euch dort an lange Tische mit Leselampen setzen und in allen Büchern lesen, die es in der Bibliothek gibt“, erklärte Herr Sambucus. Er unterrichtete die Fächer „Wetter- und Sternenkunde“, „Holz- und Tonarbeiten“ und „Flugkunst und Besenkunde“.

„Laurus Nobilis“, fuhr Herr Sambucus fort. „Du wohnst doch mit deiner Familie im Türmchenviertel. Kannst du den anderen erklären, wo sich die Bibliothek befindet?“

„Ja klar! Ich muss jeden dritten Tag für meine Mutter Bücher von dort heranschleppen“, erklärte Laurus und rümpfte die Nase. „Meine Mutter liest Uuunmengen an Büchern. Die Bibliothek ist in der Fackelscheingasse Nr. 7. Es ist das Haus mit dem höchsten Turm am Dach. Und der Lesesaal ist ganz oben.“

Am Nachmittag trafen sich Malte, Flora und Hille vor dem Tor der Fackelscheingasse Nr. 7 und warteten auf Laurus, der sich wie so oft verspätete. Malte hatte am Morgen eine Entschuldigung gemurmelt, aber Flora war immer noch etwas sauer auf ihn und auch Kringel strich nicht wie sonst zur Begrüßung um Maltes Beine.

Während sie schweigend warteten, betraten einige Mitschüler die Hexenbibliothek. Majoranus und seine Spion-Bande kamen auch des Wegs. „Ja, besser ihr geht da gleich gar nicht erst rein“, sagte Majoranus. „In eure Holzköpfe kriegt man sowieso kein Hexenwissen.“ Dabei klopfte Majoranus mit dem Knöchel gegen Floras Kopf.

„Im Gegenteil“, meldete sich Malte. „Wir sind schon fertig. Die paar Tausend Bücher dadrinnen in dem Turm, hatten wir in einer halben Stunde durchgeblättert.“

„Genau!“, rief Flora. Wenn es darum ging, Majoranus eine patzige Antwort zu geben, war sie doch lieber wieder auf Maltes Seite. „Ihr wisst doch, dass Malte ein fotografisches Gedächtnis hat. Ein Blick auf einen Text und alles ist in seinem Kopf abgespeichert.“

Piper gab einen verächtlich grunzenden Laut von sich. Natürlich war das geschwindelt. Aber tatsächlich gab es für Malte nichts, was er sich mehr wünschte als ein fotografisches Gedächtnis.

Kurz nachdem sich die Spion-Bande in den Lesesaal verzogen hatte, tauchte endlich Laurus auf und der Geheimbund folgte den anderen in den hohen Turm. Flora setzte sich neben Salvia an einen Tisch mit Leselampe und Hille flatterte auch heran. Sie hatte ein winzig kleines Helfenbuch gefunden, in dem sie lesen konnte. Trotzdem war ihr bald ein wenig langweilig. Schließlich stand für die Helfenkinder kein Zauberwettbewerb an und deshalb musste Hille auch nicht lernen, so wie ihre drei Freunde.

Laurus langweilte sich ebenfalls nach kürzester Zeit. Er schaukelte auf seinem Stuhl und pfiff eine Melodie. Sofort handelte er sich einen sehr strengen Blick von Skimmia, der Bibliothekarin, ein. Es war verboten, in der Bibliothek zu pfeifen. Überhaupt musste man dort ganz leise sein und Sesselschaukeln durfte man auch nicht. Laurus wetzte weiter auf seinem Stuhl herum.

„Wir brauchen mal eine Pause“, flüsterte er Flora zu. „Uns rauchen doch schon die Köpfe.“

Flora fand, dass Laurus’ Kopf keinen Grund zum Rauchen hatte. Er hatte gerade mal in einem einzigen Buch geblättert und dabei die ganze Zeit gegähnt, aber plötzlich sehnte sie sich auch nach ein bisschen frischer Luft. Nur Malte sah gar nicht ein, wozu diese Pause notwendig sein sollte. Er war in ein Buch über Drachen vertieft und hob nicht mal den Kopf, als die anderen ihn fragten, ob er mitkäme. Skimmia räumte gerade im hinteren Teil des Leseraums ein paar Bücher in Regale und bemerkte die kleine Truppe gar nicht, die sich nach draußen schlich. Umso besser, neben lauten Geräuschen konnte sie auch ein ständiges Kommen und Gehen nicht leiden.

„Das ist ja schrecklich!“, rief Laurus als sie draußen im Sonnenschein standen. „Nichts darf man machen in diesem Lesesaal.“

„Lesen darf man“, erinnerte ihn Flora. „Und die Bücher sind uns sicher nützlich für den Wettbewerb.“

„Tsssss“, machte Laurus und rollte mit den Augen. „Stinklangweilig ist es da oben. Und unsere Schulkameraden sitzen alle da wie versteinerte Figuren. Das Einzige, was sie bewegen, sind ihre Augen. In diesen verstaubten Turm muss man mal ein bisschen Leben bringen.“ Hille und Flora sahen Laurus neugierig an. „Wie willst du das denn machen?“

Laurus’ Gesicht fing an zu strahlen. „Ich hab da so eine Idee.“

Wenig später standen Flora, Hille, Laurus und Kringel vor dem Magischen Tierheim. Gerade öffnete Betula Alba das große Tor. „Na, ihr habt mich ja eine halbe Ewigkeit nicht mehr besucht“, begrüßte sie die Kinder.

„Betula, dürfen wir uns ein paar Kicher-Eichhörnchen ausleihen?“, platzte Laurus sofort heraus.

Die Leiterin des Tierheims hob ein wenig die Augenbrauen. Doch dann fand sie, es sei eigentlich eine ganz gute Idee, denn die Eichhörnchen bräuchten ohnehin etwas Auslauf. „Und nehmt am besten gleich ein paar von den magischen Vögeln mit. Die sind die reinsten Stubenhocker geworden und sitzen fast nur noch auf dem Dachboden herum.“

„Naja, bei der Kälte geht wohl niemand gerne hinaus.“ Flora konnte das gut verstehen.

„Kommt bitte in einer Stunde wieder. Denn da ist Fütterungszeit!“, rief Betula den Kindern nach.

Laurus, Flora und Hille hörten sie kaum, denn sie waren eingehüllt von Vogelgezwitscher und den piepsenden Geräuschen, die die Eichhörnchen von sich gaben. Die magischen Tiere folgten den drei Kindern in der Luft und hüpfend über das Kopfsteinpflaster. Vom Wasserviertel ging es zurück ins Türmchenviertel zu dem Haus mit dem höchsten Turm.

Kichernd schlichen sie die Treppen zum Turm der Bibliothek hoch. Laurus bedeutete den magischen Tieren, ganz leise zu sein. Als er die Tür zum Lesesaal öffnete, gab er den Tieren ein Kommando, und alle fingen zugleich an, Krach zu machen. Die magischen Vögel zwitscherten und schrien und pfiffen. Sie flatterten durch den ganzen Lesesaal, streiften mit ihren Flügeln haarscharf an den Lesern vorbei, hockten sich auf Bücherregale und flatterten gleich wieder los.

Die Eichhörnchen rannten wie verrückt herum, turnten an den lesenden Kindern hoch und kitzelten sie. Auch Skimmia blieb von ihnen nicht verschont. Alle kreischten durcheinander. Die meisten Kinder lachten und fanden das alles wahnsinnig witzig. Ein paar Kinder begannen, über die Tische zu laufen, immer den Eichhörnchen hinterher. Der ganze Lesesaal hatte sich innerhalb von Sekunden in ein Narrenhaus verwandelt und Flora lachte und lachte. Sie musste sich an einem Bücherregal festhalten, um nicht umzufallen vor lauter Lachen. Laurus lachte auch und er feuerte die Tiere immer weiter an, Unfug zu machen. Er rannte durch den Saal und schlug mit den Armen, als wären es große weite Schwingen, und davon wurden die Tiere noch aufgekratzter.

„Schluss mit diesem Tumult!“, rief Skimmia wütend. „Flora Flitzebesen, du und deine Freunde kommt soooofort zu mir!“


Erschrocken schlurften Flora, Hille und Laurus zu Skimmia und stellten sich vor ihr auf. Jetzt gab es wohl ein großes Donnerwetter. „Und du, Malte Wolke, kommst ebenfalls hierher. Ich weiß doch, dass du zu Flora Flitzebesen gehörst.“

„Ich hab mit diesem ganzen Unfug nichts zu tun“, ließ sich Malte vernehmen und blieb auf seinem Platz sitzen.

„Auf der Stelle kommst du her“, kommandierte die Bibliothekarin. „Ihr seid eine kleine freche Bande, das weiß ich doch! Sammelt die Tiere ein, aber schnell!“ Sie war ganz rot im Gesicht vor Ärger.

Malte setzte noch ein paar Mal an, Skimmia klarzumachen, dass er unschuldig sei. Sie hörte aber gar nicht hin. Laurus trieb unterdessen die magischen Tiere zusammen. Er kicherte immer noch.

„Ihr drei und die kleine Helfe, ihr verdient eine Strafe“, sagte Skimmia mit vor Wut bebender Stimme. „Ihr bekommt bis zum Sommer Bibliotheksverbot! Keiner von euch betritt mehr dieses Gebäude, habt ihr mich verstanden?“

„Ja“, sagte Laurus. „Kein Problem!“

„Doch, das ist ein Problem“, fiel ihm Malte ins Wort.

Aber Skimmia wollte nichts mehr hören. Sie scheuchte den gesamten Geheimbund und alle Tiere hinaus und ließ hinter ihnen die schwere Tür mit einem lauten Knall zufallen.

„Du Idiot!“, rief Malte und schüttelte Laurus an den Schultern. Laurus lachte immer noch und Flora und Hille ebenfalls.

„Ihr seid doch alle tatsächlich Holzköpfe, da hatte Majoranus schon recht!“, schimpfte Malte weiter. „Jetzt darf keiner mehr von uns in die Bibliothek, nicht mal ich, obwohl ich ganz unschuldig war.“

Laurus zuckte mit den Schultern. „Na und? War doch ohnehin furchtbar langweilig dort.“

„Und wie sollen wir nun an das spezielle Hexenwissen rankommen?“, fragte Malte. „Alles, was wir für den Zauberwettbewerb brauchen, finden wir nur in der Hexenbibliothek. Schon mal daran gedacht?“ Nein, das hatten Laurus und Flora vergessen.

„Na, dann wird unser Team gleich bei der ersten Runde rausfliegen“, presste Malte wütend hervor. „Gratuliere, das war wirklich eine Meisterleistung von euch.“

Flora und Laurus schwiegen betreten.

„Wenn ich nur irgendwie helfen könnte“, meldete sich Hille. Doch da konnte niemand helfen. Sie hatten es vermasselt.

Niedergeschlagen trottete der Geheimbund zum Magischen Tierheim, um die Tiere zurückzubringen. Niemand sprach ein Wort.

Am Abend lag Flora lange wach und dachte über den Streich nach. Es war zu komisch gewesen, aber nun machte sie sich nur noch Sorgen. Wenn sie gleich bei der ersten Runde rausfliegen würden, war der Traum vom Zauberhut aus. Aus und vorbei. Flora gab einen tiefen Seufzer von sich. Kringel tappte sofort über die Bettdecke zu ihr und rieb seinen weichen Kopf an Floras Wange. Ach, Kringel spürte immer, wenn sie Trost brauchte.

Dann schloss Flora die Augen. Morgen würde sie sich eine Lösung überlegen. So schnell würden sie nicht aufgeben. Irgendwie würde der Geheimbund an das notwendige Zauberwissen gelangen. Das wäre doch gelacht!


Flora Flitzebesen - Band 5

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