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Coco staunte gebührend, als Pat sie anrief und erzählte, dass Claudias Exliebhaber ermordet worden sei.

„Und woher weißt du das? Die Polizei hat dich doch garantiert aus dem Zimmer geworfen!“

„Ohr an Tür, was glaubst du denn! Alles, was mir hilft, Mama mundtot zu machen, wenn sie wieder die geborene Lady gibt, muss ich haben. Reiner Selbsterhaltungstrieb.“

Coco lachte. „Kann ich verstehen. Warum ziehst du nicht aus? Papa würde es doch finanzieren, da bin ich sicher. Und ich könnte dir auch ein bisschen was dazugeben, schließlich verdiene ich deutlich mehr, als es einer Dame zukommt. Frag Papa doch mal!“

„Mach ich vielleicht wirklich. Andererseits ist Claudia ja schon so was wie ein Hobby. Ich kenne echt niemanden, der so leicht auf die Palme zu bringen ist. Da waren unsere Lehrerinnen deutlich härter im Nehmen.“

Coco fand, das sei kein Wunder: „Eure Lehrerinnen sind besser trainiert und haben wohl auch eine weniger abstruse Weltsicht. Aber mir ist nicht ganz klar, wie du Claudia mit diesem Exliebhaber ärgern willst. Hast du gedacht, sie war noch Jungfrau, als sie Papa geheiratet hast? Mit fünfundzwanzig? Ich bitte dich!“

„Nein, das doch nicht! Aber sie hat furchtbar herumgezickt, als die Bu-Polizisten sie in die Mangel genommen haben, sie muss praktisch etwas zu verbergen haben!“

„Was sollte das denn sein? Claudia ist sowas von ehrbar, das ist doch schon langweilig. Diese ehrpusselige Person…“

Pat gackerte. „Ehrpusselig? Das ist aber ein schönes Wort! Voll das vorige Jahrhundert, was?“

„Solange ist das vorige Jahrhundert auch noch gar nicht vorbei“, schulmeisterte Coco.

„Mal was anderes, kannst du dich noch an das letzte Eisessen erinnern?“

„Pat, ich gehe zwar stramm auf die Vierzig zu, aber ich bin noch nicht senil. Klar kann ich mich erinnern, warum?“

„Da haben doch Hel und Jack beide so verkniffen gewirkt, weißt du noch?“

„Als dieser Schnuckelputz vorbei gekommen ist? Stimmt. Hast du das Sahneschnittchen identifiziert?“

„Identifiziert nicht direkt, aber ich hab ihn gesehen. Mit Hel!“

„Aha… ich dachte, der liebe Ralf ist ihr ein und alles?“

„Sie hat zumindest so getan, nicht? Aber warum hat wohl Jack genauso komisch auf den Knaben reagiert? Ob die echt beide was mit dem haben?“

„Kühne Theorie. Pat, hier kommt gleich ein Kunde, leider kann ich nicht länger spekulieren.“

Sie überlegte kurz, nachdem sie aufgelegt hatte, was das alles wohl zu bedeuten hatte, aber dann kam tatsächlich ein Ehepaar, das sich ernsthaft für dieses fürchterliche Penthouse in der Stuttgarter Straße interessierte. Neubau, gute Substanz, entsetzlicher Schnitt…

Sie studierten gemeinsam den Grundriss, der den beiden seltsamerweise zu gefallen schien, dann fuhren sie nach Zolling und Coco führte die beiden ganz besonders fürsorglich durch das Penthouse – sieben Zimmer, Luxusküche, drei Bäder, Privatsauna. Ihm gefielen die Böden und die Smart-Home-Elemente, ihr die Küche (Klischee?) und der Ausblick, was Coco dazu brachte, ihre Gesichtszüge eisern in ein zustimmendes Lächeln zu zwingen: Ausblick auf drei andere Hochhäuser und in der Ferne die MiniCity? Na gut, und ganz hinten das Leiß-Hochufer, natürlich ohne den Blick auf das ganz tief unten dahinplätschernde Wasser. Also lobte sie die Weite, den Himmel und das futuristische Ambiente, was mit eifrigem Nicken belohnt wurde.

„Und was soll die Wohnung kosten?“, fragte der Mann dann, während seine Frau immer noch von der Aufsicht ganz fasziniert schien.

„Eins komma zwei Millionen plus Courtage. Da das Gebäude noch ein Neubau ist, gibt es die üblichen fünf Jahre Gewährleistung; eine Instandhaltungsrücklage existiert natürlich noch nicht, sie wird aus dem Hausgeld angespart.“

Die Frau drehte sich um und erkundigte sich nach den übrigen Bewohnern. Coco gab brav Auskunft über ein Hotel in den ersten drei Etagen – mit eigenem Eingang und eigenem Lift, Wohnungen in verschiedenen Größen in den Etagen vier bis sechs – und eben das Penthouse in Etage sieben. „Sieben soll ja auch eine Glückszahl sein…“

Beide lächelten sie an, dann nickten sie sich zu. „Organisieren Sie einen Notartermin?“

„Aber gerne. In der nächsten Woche? Möchten Sie auch Finanzierungsangebote oder regeln Sie diese Dinge selbst?“

„Das machen wir selbst, vielen Dank. Nächsten Montag wäre schön.“

Coco versprach dies nur zu bereitwillig, denn ihre Provision betrug fast ein Drittel der Courtage, also ein Prozent des Kaufpreises. Zwölftausend Euro, die nahm man doch gerne mit? Wahrscheinlich war das mal wieder undamenhaft…

Himmel, warum drängte sich diese Zicke Claudia dauernd in ihre Gedanken?

Sie verabschiedete die Kunden, schloss die Wohnung wieder ab (sie hätte sie nicht haben wollen, viel zu groß und zu affig) und fuhr ins Büro zurück, wo sie ihrem Chef Bericht erstattete und sich auf die Schulter klopfen ließ, bevor sie sich wieder dem Papierkram auf ihrem Schreibtisch widmete.

Feine Damen. Kriminalroman

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