Читать книгу Feine Damen. Kriminalroman - Elisa Scheer - Страница 7

5

Оглавление

Claudia hatte sich auf die Terrasse verzogen und zog dort nervös an einer ihrer seltenen Zigaretten, natürlich einer schicken weißen mit Goldrand um den Filter. Wieso war Olli bloß wieder aufgetaucht? Sogar als Leiche war er noch lästig – und was, bitte, sollte sie denn Michael erzählen? Diese beiden Kripo-Beamten hatten nicht so gewirkt, als glaubten sie ihr.

Aber Oliver hatte ihr doch angeboten, die Scheidung in Hamburg durchzuziehen? Daran konnte sie sich ganz genau erinnern. Ja, ganz sicher, Olli hatte sie deshalb doch extra damals angerufen… oder? Doch, sie wusste es noch.

„Was tust du denn hier draußen, Claudia?“

Sie schrak zusammen und drückte die Zigarette fahrig in dem kleinen Aschenbecher aus.

„Wolltest du das nicht lassen?“, fragte ihr Mann im Ton mühsamer Geduld.

„Ich rauche doch nur, wenn ich nervös bin“, verteidigte sie sich. „Warum bist du denn schon da – oh, schon halb eins?“

„Ja. Und ich habe Hunger. Warum bist du denn so nervös, dass du hier draußen stehen und den Kindern ein schlechtes Beispiel geben musst?“

„Die Polizei war vorhin da – nein, nicht wegen der Kinder. Es scheint, mein Ex ist wieder aufgetaucht.“

„Dieser Oliver von damals? Nun gut, aber was hat die Polizei damit zu tun?“

„Er ist tot. Ich glaube, sie haben gesagt, er ist ermordet worden.“

„Du glaubst??“

„Ich war doch so abgelenkt! Sie haben gemeint, ich sei immer noch mit ihm verheiratet, weil sie keine Scheidungspapiere gefunden haben! Ist das nicht eine schreckliche Situation?“

„Warum? Zeig ihnen halt deine Unterlagen, wenn dieser Oliver so unordentlich war.“

„Aber ich habe doch nichts! Oliver hat das alles in die Hand genommen, oben in Hamburg!“

Martens setzte sich schwer auf einen der zierlichen Terrassenstühle. „Du warst gar nicht dabei? Claudia!!“

„Ich wollte doch nicht vor Gericht erscheinen wie eine Verbrecherin! Und schließlich hatte Oliver doch mich verlassen, also war es allein seine Schuld! Dann sollte er auch die Folgen tragen. Und das hat er damals auch eingesehen und gesagt, er kümmert sich um alles.“

„Und das hat er auch getan?“

„Ja, bestimmt. Oliver war sehr zuverlässig. Ich verstehe auch nicht, warum er keine Unterlagen hat.“

„Claudia, das ist naiv! Erstens kann man doch nicht einfach so in Abwesenheit geschieden werden und zweitens hätte dieser Oliver dir ja wohl ein Exemplar der Papiere schicken können, oder?“

„Er wusste doch nicht, wohin! Ich glaube nicht, dass er meine Adresse kannte oder wusste, dass ich jetzt Martens heiße!“

Da konnte er ja nur noch den Kopf schütteln!

„Du hast keinen Kontakt gehalten, obwohl du noch nicht wusstest, ob die Scheidung schon durch war?“

„Natürlich war sie durch! Ich konnte mich auf Oliver immer verlassen!“

„So wie bei seinem Plan, dich nach Hamburg nachzuholen?“

„Das ist schäbig, Michael!“

„Nein, das ist vernünftig. Du hast dich sehr blauäugig verhalten. Sind wir überhaupt rechtmäßig verheiratet?“

Ihre Augen füllten sich mit Tränen. „Natürlich! Ich liebe doch nur dich!“

„Claudia, bitte! Das hat doch damit gar nichts zu tun. Warst du nun rechtmäßig geschieden – vor unserer Heirat? Und kannst du das belegen?“

Nun flossen die Tränen stärker.

„Ach, komm essen, wir klären das später. Aber wie eine erwachsene Frau hast du dich wirklich nicht verhalten, Claudia!“

Ihre Augen betupfend, folgte Claudia ihrem Mann ins Esszimmer, wo immerhin schon der Tisch gedeckt war und Leander am Tisch saß.

„Du bist schon da?“, fragte Michael misstrauisch.

„Mathe fällt aus, die Wintrich ist schon wieder krank. Aber um zwei muss ich wieder hin.“

„Aha. Sie scheint aber oft krank zu sein, ich glaube, da muss ich mich gleich mal beschweren…“

Er verließ das Esszimmer wieder und ging in sein Arbeitszimmer um zu telefonieren.

„Krank? Nein, Frau Wintrich ist nicht krank, sie ist im Haus und ihr Unterricht findet wie gewöhnlich statt“, klärte ihn die Sekretärin auf. „Frau Wintrich ist nie krank, sie ist nur ab und zu dienstlich abwesend, weil sie ja zur Schulleitung gehört.“

Michael bedankte sich und suchte die Liste heraus, die die Oberstufenbetreuerin ihm geschickt hatte. Mit einem Textmarker kennzeichnete er, wie oft Leander den Matheunterricht geschwänzt hatte. Wie konnte ein Sohn von ihm ein solcher Idiot sein? Pat war da viel eher sein Kind… Kam Leander etwa nur nach Claudia? Die Sache mit der angeblichen Scheidung war doch auch so ein Rohrkrepierer!

Mit der Liste in der Hand kehrte er an den Esstisch zurück und nahm seinen Sohn ins Gebet, während Frau Mohr eine Schüssel mit eher undefinierbarem Gemüse auf den Tisch stellte und ihm neugierige Blicke zuwarf.

„Du schwänzt ja schon wieder, mein Sohn. Und ich wüsste nicht, dass du dir so etwas leisten könntest! Ausgerechnet Mathematik… das ist doch ein Abiturfach?“

„Michael, doch nicht vor dem Personal“, mahnte Claudia, was ihr einen gereizten Blick eintrug.

„Ich mag Mathe nicht“, murrte Leander, „was soll ich dann dort?“

„Dann magst du auch kein Abitur? Leander, dann sag es und mach was anderes, aber du kannst doch nicht bis kurz vor dem Abitur dort herumhängen und dich in den Fächern, die dich nicht interessieren, totstellen. Das ist Zeitverschwendung, für die betroffenen Lehrer und vor allem für dich.“

„Die Lehrer werden doch dafür bezahlt“, wandte Claudia ein, eine Kelle mit diesem Gemüsebrei auffordernd erhoben. Leander hielt mechanisch seinen Teller hin und maulte dann: „Ih, was ist das denn?“

„Gemüse.“

„Das ist Pampe! Gibt´s sonst nichts?“

Frau Mohr kam mit einer Platte kleiner Putenschnitzelchen au naturel herein. „Wenigstens etwas!“, seufzte Leander.

„Also, was willst du tun?“, fragte Michael ungeduldig.

„Na, Abi haben“, antwortete Leander abgelenkt und angelte nach den beiden größten Schnitzeln.

„Wer soll es dir nachtragen?“

„Er braucht Nachhilfe“, beschloss Claudia.

„Nein“, antwortete Michael. „Ich zahle jedenfalls nicht dafür, solange der junge Tunichtgut nicht einmal in den Unterricht geht und seine Aufgaben macht. Erst selbst probieren, dann gezielt Hilfe suchen. Ich trage ihm nicht den Arsch hinterher.“

„Michael!!“

„Ja, ich weiß, du schätzt deutliche Worte nicht.“

Pat kam herein. „Frau Mohr hat gesagt, es gibt schon was zu essen?“ Sie warf einen Blick auf die Schüsseln. „Hm – zu essen? Ich weiß ja nicht… Was soll das denn sein?“

„Gemüse-Allerlei mit Putenschnitzel“, erläuterte Claudia gereizt.

„Schaut fies aus, der Brei. Ich hol mir lieber einen Apfel.“

Bevor Claudia erzieherisch tätig werden konnte, hatte Pat das Esszimmer schon wieder verlassen und beim Hinausgehen einen Apfel aus der Schale auf dem Sideboard genommen.

„Deine Tochter!“, sagte sie nur anklagend zu Michael.

Der grinste böse. „Besser Pat als Leander.“

„Was?“ Leander sah beleidigt auf, das zweite Schnitzel noch in der Hand.

„Pat kriegt ihre Sachen auf die Reihe – du nicht. Also kommt Pat eher nach mir“, erklärte Michael. „Und dieses Gemüsezeugs ist wirklich ungenießbar. Was hat Frau Mohr bloß damit angestellt?“

Claudia sah ihn nur waidwund an.

Feine Damen. Kriminalroman

Подняться наверх