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Schock

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Die Wohnung war leer, vollkommen leer!

Als Jannik Wieland die Wohnungstür aufschloss, wunderte er sich, dass der Garderobenschrank in der Diele fehlte. Die leere weiße Wand tat seinen Augen weh. Doch richtig traf ihn der Schock im Wohnzimmer, weder Möbel im Raum noch Teppiche auf dem blanken Fußboden, an den Wänden keine Bilder und vor den Fenstern keine Gardinen. Selbst die Grünpflanzen, der Fernseher und die Stereoanlage fehlten! Gespannt öffnete Jannik die Tür zu seinem Arbeitszimmer. Hier fehlte kaum etwas, Schreibtisch und Couch waren vorhanden, im Bettkasten lag das Bettzeug, und die wertvolle Lithographie „Brautpaar mit Eiffelturm“ von Chagall, die seine Mutter ihnen zur Hochzeit geschenkt hatte, hing auch noch über dem Schreibtisch, nur der WLAN-Drucker fehlte. Auf der Couch lag seine gesamte Kleidung, die Anzüge, Hemden, Pullover und Wäsche, davor standen seine Schuhe. Das ließ auf weitere Überraschungen in den anderen Räumen schließen. Wie befürchtet, waren auch Schlaf- und Kinderzimmer sowie Sonjas Arbeitszimmer vollkommen leer. In der Küche fehlte nur die Spülmaschine, während die Kühl- Gefrierkombination ausgeschaltet und leer an ihrem Platz stand. In den Schränken gab es keine Lebensmittel, keine Kochgeräte, kein Geschirr, kein Besteck und nichts zum Saubermachen. Im Bad fehlten die Waschmaschine und sämtliche Waschmittel. Nur drei Handtücher lagen auf dem Rand der Dusche. Das durfte doch nicht wahr sein! Was war denn hier passiert?

Jannik war ein sportlich schlanker Mann von 42 Jahren, blond mit blauen Augen, der alle Frauenherzen gewinnen konnte, wenn er denn gewollt hätte. Doch in den letzten Jahren hatte er keinen Blick für Frauen gehabt und nur noch seine Arbeit gesehen. In seinem Zimmer ließ er sich auf die Couch fallen und versuchte, das Gesehene zu begreifen. Nach drei Wochen in Santiago de Chile hatte er sich wie immer auf den Abend mit der kleinen Melanie gefreut. Auf Sonja hatte er sich weniger gefreut, mit der hatte es nur noch Streit gegeben, weil er so viel unterwegs war. Wo war sie mit der Tochter und all den Sachen? Hatte sie jetzt seine Abwesenheit genutzt, um sich von ihm zu trennen? Dann hätte sie doch wenigstens eine Nachricht hinterlassen müssen! Nicht mal über das Festnetz telefonieren konnte er, denn die Telefonzentrale mit den sechs Mobilgeräten fehlte auch. Ihm fiel ein, dass er das alte Analogtelefon, das im Keller einstaubte, in die Anschlussbox stecken könnte und darüber mit der Welt verbunden wäre. Doch im Keller erwartete ihn die nächste Überraschung: Alle Maschinen und ein Großteil der guten Werkzeuge fehlten. Er nahm das Telefon und schaute auf dem Weg nach oben in den Briefkasten, da war der Brief eines Anwalts an ihn. Nachdem er das Telefon in die Box gestöpselt und probiert hatte, öffnete er den Brief. Der Anwalt Dr. Johannes Gollusch teilte ihm in dürren Worten mit, dass seine Frau Sonja sich wegen seiner ständigen Abwesenheit und häufiger Differenzen von ihm getrennt und mit der Tochter Melanie eine eigene Wohnung bezogen habe. Für ihren Unterhalt fordere sie monatlich 2.000,- € und für das das Kind 700,- €, zahlbar auf eine Sonderkonto des Anwalts.

Das war zu viel, er musste erst mal raus an die frische Luft. Ein starker Wind blies ihn heftig an, den er vorhin beim Aussteigen aus dem Taxi gar nicht bemerkt hatte, aber das war jetzt gerade das Richtige. Sein BMW stand nicht in der Garage, den hatte sie also auch mitgenommen. Um wenigstens etwas zu essen zu haben, ging er zum EDEKA-Markt am Fleetplatz und deckte sich auch mit etwas Geschirr ein. Eine Flasche Rotwein nahm er mit, aber den Cognac, den er schon in der Hand hatte, stellte er wieder zurück. In diesem Zustand wollte er nicht das Risiko eingehen, sich vor Kummer zu betrinken. Wieder zu Hause schmierte er sich ein paar Brote und setzte sich mit dem Rotwein an seinen Schreibtisch. Nachdem er gemütlich gegessen und getrunken hatte, fotografierte er zur Beweissicherung die leeren Räume. Ein Blick ins Onlinebanking zeigte ihm, dass auch das gemeinsame Girokonto leergeräumt war. Zum Glück war sein Gehalt noch nicht überwiesen. So konnte Sonja sich nur 2.223,- € bar auszahlen lassen. Das Wertpapierdepot hatte sie anscheinend vergessen, es war nicht angerührt.

Doch dann wurde Jannik müde, er hatte seit 29 Stunden kein Bett gesehen. Zwar konnte er in der Business Class ein wenig schlafen, aber das genügte natürlich nicht. Wie schon in den letzten Monaten machte er sich das Bett auf der Couch, und war mit dem Gedanken „Morgen ist ein neuer Tag, da kann die Welt schon wieder ganz anders aussehen“, bald eingeschlafen. Seine positive Sicht aller Dinge hatte ihm bisher immer das Leben erleichtert.

Jannik war so müde, dass er die ganze Nacht durchschlief. Eine Windbö, die ins offene Fenster stürmte und den Vorhang in ein Segel verwandelte, weckte ihn, er wusste zuerst gar nicht, wo er war. Nachdem er seine Brille gefunden hatte, schaute er auf die Uhr, sie zeigte Mittwoch 7:03, in Chile war es um diese Zeit 2 Uhr nachts. Wie konnte dieser Wind ihn mitten in der Nacht wecken! Er wollte weiterschlafen und drehte sich auf den Bauch, doch langsam kam ihm zum Bewusstsein, dass er in Hamburg war und um 10 Uhr in der Firma über seinen Einsatz in Chile berichten musste. Er quälte sich aus dem Bett und wurde erst unter der Dusche richtig wach.

Nach dem Frühstück zog er einen frischen Anzug an und rief Klaus Bollmann an, seinen Vorgesetzten und guten Freund. Als er ihm von seinem Fiasko berichtete, meinte der: „Ich dachte immer, du bist glücklich verheiratet“, und Jannik antwortete, bis gestern Abend habe er das auch geglaubt. „Fühlst du dich denn in der Lage, deinen Bericht zu geben? Wenn ja, lasse ich dich zur Besprechung abholen“, sagte Klaus, „und hier kriegst du erst mal einen Firmenwagen.“ Jannik bestätigte, dass er sich vollkommen wach fühle, dann nahm er sich noch mal den Laptop vor. Er wollte den Bericht über die drei Wochen in Chile verinnerlichen, den er schon im Flugzeug geschrieben hatte. Eine Reihe von Fotografien hatte er in einer PowerPoint-Präsentation zusammengefasst, daran wollte er seinen mündlichen Vortrag aufbauen. Er war froh, dass er zu der Besprechung nicht in Jackett und Binder kommen musste, wozu er in Chile aus Respekt vor dem Kunden drei Wochen lang verpflichtet war. Als der Fahrer um halb zehn klingelte, war er gut vorbereitet.

„Du musst dir unbedingt sofort einen Anwalt nehmen“, sagte der Freund. „Bevor wir gleich in medias res gehen, schau dir doch mal diese Adresse an. Das ist eine versierte Familienanwältin in einer Sozietät mit drei anderen Anwälten, über die ich schon viel Gutes gehört habe. Gleich nach der Besprechung solltest du dich mit ihr in Verbindung setzen. Übrigens, die Geschäftsführung muss von deiner Misere vorläufig nichts wissen.“ „Eigentlich wollte ich erst noch eine einvernehmliche Regelung versuchen“, warf Jannik ein. „Das hat jetzt keinen Zweck mehr. Deine Frau hat mit der Kanone Anwalt auf dich geschossen, da kannst du nur mit demselben Kaliber zurück schießen, sonst wirst du bis aufs Hemd ausgezogen. Und nun komm und schlag‘ dich wacker.“

Das renommierte Architekturbüro Archidesign Germany GmbH entwarf weltweit Großbauten wie Sportstätten, Shopping Malls und Tagungskomplexe bis zur Fertigungsreife. Janniks Aufgabe war es, vom ersten Spatenstich an den Baufortschritt zu beobachten und die Einhaltung der architektonischen Vorgaben zu überwachen. In Santiago hatte er gerade den Baubeginn eines riesigen Gebäudekomplexes beobachtet, der aus einem Sportstadion, einem Einkaufszentrum und einem komfortablen Tagungshotel bestand.

Wie Jannik beim Eintreten feststellte, hatte sich der Besprechungsraum seit seinem letzten Besuch kaum verändert. Lediglich das Bild eines weiteren fertiggestellten Projektes war an der Wand aufgehängt worden. Er verband seinen Laptop mit dem Beamer, dann nahmen auch schon die anderen Besprechungsteilnehmer Platz, zuletzt kam die Geschäftsführerin Frau Dr. Jansen. Sie war eine hochgewachsene Frau Mitte 50 mit kurzen grauen Haaren und recht strengem Gesicht, als einzige standesgemäß gekleidet in einen modischen Hosenanzug und durchaus noch attraktiv. Als Schmuck trug sie nur einen kunstvoll geschnittenen Anhänger an einer goldenen Kette.

Was Jannik zu berichten hatte, war nicht wenig. Er hatte sein hartes Verhandlungsgeschick bis zur Grenze ausreizen müssen, damit der Bauträger eine bindende schriftliche Zusage abgab, sich künftig an die Vorgaben der Archidesign zu halten. „Sie haben hervorragende Arbeit geleistet“, lobte ihn Frau Dr. Jansen. „Und dabei meine Ehe ruiniert“, dachte Jannik verbittert, musste aber ein freundliches Gesicht machen. Auch andere Mitarbeiter der Firma hatten noch Fragen, die Jannik zufriedenstellend beantwortete, dann war das Gespräch über den Bericht beendet. „Ich glaube, angesichts dieser Leistung sollten wir Herrn Wieland ein paar Tage Sonderurlaub geben, damit er sich hier wieder akklimatisieren kann“, schlug Klaus Bollmann vor und die Chefin fragte, ob eine Woche genüge. Dankend nahm Jannik den Vorschlag an, der ihm Zeit für seine privaten Angelegenheiten gab. „Für den Urlaub bin ich dir dankbar, da kann ich mich wenigstens ein bisschen um meine Probleme kümmern“, sagte Jannik nach der Sitzung zu seinem Freund. „Genau deshalb habe ich das ja angeregt, und du hast dir die Zeit wirklich verdient, aber jetzt solltest du gleich die Anwältin anrufen.“ Schweren Herzens wählte Jannik die Nummer, die Klaus ihm nannte.

„Sie sprechen mit Franziska Töpfer, was kann ich für Sie tun?“, hörte er eine frische Stimme aus dem Hörer. Die Anwältin war direkt am Apparat, er hatte mit einer Sekretärin gerechnet. Er riss sich zusammen, schilderte kurz sein Problem und las ihr den Brief von Dr. Gollusch vor. „Puh, das ist ja ein dicker Hammer“, antwortete die Frau, „aber es sieht meinem Kollegen Gollusch ähnlich. Da müssen wir gleich einen schweren Riegel davor schieben. Können Sie um 15 Uhr bei mir sein?“ „Aber gerne“ gab Jannik zurück, „ich muss hier vorher nur noch ein paar Dinge erledigen.“

Als erstes ging er zur Gehaltsabrechnung und bat, sein Gehalt und die Reisespesen nicht auf sein altes Konto zu überweisen, er werde demnächst ein neues nennen. Dann ließ er sich 2.000,- € als Barvorschuss geben. Bei seiner Bank zahlte er den Betrag, den er gestern per Scheckkarte bezahlt hatte, auf sein altes Konto ein und eröffnete ein neues. Leider sei der Onlinezugriff darauf erst morgen möglich, weil er das Passwort mit der Post bekomme, sagte der Bearbeiter. Ebenso eröffnete er ein neues Wertpapierdepot und ließ die Papiere darauf transferieren. Wieder in der Firma gab er der Gehaltsabrechnung das neue Konto an und informierte über das Internet die abbuchenden Institutionen über den Kontowechsel. Inzwischen war es Mittag geworden und er genoss in der Betriebskantine ein gutes Menü. Nachdem er noch ein bisschen mit Klaus geklönt hatte, war es Zeit, die Anwältin aufzusuchen.

Frau Dr. Töpfer beeindruckte ihn, sie sah hinreißend aus, war höchstens 35 Jahre alt mit langen kastanienfarbenen Haaren und dunkelrot lackierten Fingernägeln, sie trug ein elegantes, recht kurzes Kleid. Würde sie genügend Erfahrung haben für seinen Fall? Die Anwältin sagte zunächst, sie stelle neuen Klienten stets einige Fragen, um sie kennen zu lernen und richtig vertreten zu können. Wenn er dazu nicht bereit sei, würde sie gleich auf den Fall eingehen. Als Jannik nickte, begann sie: „Wo sind Sie aufgewachsen und was haben Sie gelernt oder studiert?“ „Ich bin im Juli 1970 in Wittenberg als Sohn einer Krankenschwester geboren worden und meine Mutter hat sich kurz nach meiner Geburt von meinem Vater getrennt, ich habe ihn nie kennen gelernt“, berichtete Jannik. „Sie lebte mit mir bei ihren Eltern, die sie bei meiner Erziehung unterstützten. 1990 machte ich das Abitur und nach dem Zivildienst begann ich in Hamburg ein Architekturstudium, das ich 1996 erfolgreich abschloss. Ich fand zunächst eine Stelle in einem Architekturbüro und wechselte 2002 zu Archidesign, weil ich dort mehr verdienen konnte.“

„Das genügt mir für Sie und jetzt möchte ich noch etwas über Ihre Frau wissen“, meinte die Anwältin. Jannik musste kurz nachdenken bevor er antwortete: „1996 lernte ich Sonja kennen, sie ist vier Jahre jünger als ich und hat nach dem Abitur ein Jahr in Neuseeland verbracht, danach studierte sie Webdesign. 2000 hatte sie ihre Ausbildung beendet, da nahmen wir eine größere Wohnung und heirateten. Nach zwei Jahren machte sie sich selbstständig und hatte bald einen brauchbaren Kundenstamm, bei dem sie recht gut verdiente. Ein Jahr später wurde unsere Tochter Melanie geboren.“

„Dr. Gollusch hat geschrieben, dass Ihre Frau sich wegen Ihrer ständigen Abwesenheit und häufiger Differenzen von Ihnen getrennt hat, was ist daran richtig?“, wollte die Anwältin wissen. „Nach ein paar Jahren war ich bei Archidesign für die Bauüberwachung bei Großprojekten im Ausland verantwortlich“, überlegte Jannik, „eine Tätigkeit, die mir viel Freude machte, doch ich musste oft und lange unterwegs sein. Allmählich klagte meine Frau, ich ließe sie so viel allein und es gab immer öfter Streit deswegen. Doch nie habe ich mit einer derartigen Entwicklung gerechnet.“ „Aus Ihren Worten vermute ich, dass Sie Ihre Frau ziemlich vernachlässigt haben, aber das will ich nicht bewerten“, antwortete Frau Dr. Töpfer. „Ich muss jetzt nur überlegen, was ich für Sie tun kann. Momentan ist Dr. Gollusch unser einziger Ansprechpartner. Ich werde einige Forderungen an ihn richten:

Zum ersten werde ich ihn auffordern, Ihnen den Wohnort Ihrer Tochter mitzuteilen, denn Sie beide sind gemeinsam erziehungsberechtigt und der Kontakt zu Ihrem Kind ist ein Grundrecht für Sie. Im Weigerungsfall werde ich mit einer Klage drohen.

Da Diebstahl in einer Ehe kein strafbares Delikt ist, darf Ihre Frau beliebig über alle gemeinsamen Güter verfügen, allerdings nicht in diesem Umfang. Deshalb werde ich Dr. Gollusch auffordern, seine Mandantin zu veranlassen, Ihnen einen Teil der Einrichtung zurückzugeben. Sonst würde ich auch hier eine Klage androhen.

Und als drittes werden wir die Geldforderungen Ihrer Frau vollständig ablehnen. Zunächst muss ein Einkommensvergleich zwischen Ihnen beiden stattfinden, um die Höhe des Unterhalts sowohl für Ihre Noch-Ehefrau als auch für die Tochter festzulegen. Daraus ergibt sich die Höhe Ihrer Zahlungen, von denen zunächst der Betrag abzuziehen ist, den Ihre Frau von ihrem Konto geholt hat. Und solange sie die gesamte Einrichtung bei sich hat, müssen Sie eh‘ nichts zahlen.

Sind Sie mit diesen Vorschlägen einverstanden? Dann schreibe ich das gleich an Dr. Gollusch.“ „Ich glaube, das ist das Beste, was wir im Moment tun können“, antwortete Jannik erleichtert. „Ich will Ihnen noch einen Rat geben“, fuhr Frau Dr. Töpfer fort: „Sobald Sie überzeugt sind, dass Ihre Ehe unrettbar gescheitert ist, sollten Sie die Scheidung einreichen. Von diesem Zeitpunkt an müssen Sie an Ihre Frau keinen Unterhalt mehr zahlen und Ihre Rente gehört Ihnen wieder alleine. Dafür müssen Sie natürlich erfahren, wie sie sich ihre Zukunft vorstellt.“ Jannik dankte der Anwältin, er wusste, dass er bei ihr in guten Händen war. Er überlegte, wie er den Aufenthalt von Sonja und Melanie heraus bekommen könnte, vermutlich war es irgendwo in Neuengamme. Doch dazu fühlte er sich heute nicht mehr in der Lage.

Weil Jannik keine Lust hatte, in die leere Wohnung zu gehen, fuhr er zum Johanniter-Krankenhaus in Geesthacht, wohin seine Mutter nach der Wende gewechselt war. Sie sah ihm an, dass er Probleme hatte, und sagte, in einer halben Stunde habe sie Feierabend, da könnten sie miteinander reden. Ihr Freund Hermann habe heute Abend ein Treffen mit ehemaligen Kollegen. Jannik staunte immer wieder über seine Mutter, die schon kurz vor der Pensionierung stand. Allgemein wurde sie zehn Jahre jünger geschätzt, ihre halblangen Haare waren noch so blond wie in jungen Jahren und ständig lag ein Lachen auf ihrem Gesicht. Wegen ihres ausgeglichenen Wesens war sie in der Klinik überall beliebt. Jannik war einfach stolz auf sie. Als er nach langer Zeit wieder ihre Wohnung betrat, fühlte er sich gleich zu Hause. Sechs Jahre hatte er die Räume mit der Mutter geteilt und sich in der gemütlichen Atmosphäre immer wohl gefühlt. Auf dem Fensterbrett und einer kleinen Bank standen Pflanzen und an den Wänden hingen neben Bildern aus Wittenberg ein paar Drucke von Chagall, den die Mutter sehr liebte.

Nach dem Abendbrot berichtete Jannik der Mutter über sein Missgeschick und das Treffen mit der Anwältin. „Ich habe ja leider nur noch wenig Kontakt mit euch gehabt und wenn ich dich mal anrufen wollte, warst du auf Reisen“, klagte sie, „ist denn was dran an Sonjas Vorwürfen?“ „Ja, sie hat schon in gewisser Hinsicht Recht“, meinte Jannik mit gequälter Miene. „Seit fünf Jahren muss ich ständig ins Ausland, um Probleme zu klären und bekomme das auch meist fertig, doch allmählich klagte Sonja, ich ließe sie immer öfter und länger allein. Wir sprachen häufig darüber, ohne eine Lösung zu finden, und leider arteten diese Gespräche immer mehr in Vorwürfe und Streit aus, bis ich schließlich zusah, dass ich schon nach zwei Tagen wieder fahren konnte, um Ruhe zu haben. Schließlich verdächtigte Sonja mich, sie wegen einer anderen Frau ständig alleine zu lassen, was überhaupt nicht stimmt, ich hatte ja gar keine Zeit dafür. Zuletzt haben wir kaum noch miteinander gesprochen.“

Maria setzte sich neben ihn und nahm ihn in den Arm. „Ich muss schon sagen, dass du deine Frau ziemlich vernachlässig hast und ich habe Verständnis für sie“, sagte sie leise. „Ich hatte schon länger das Gefühl, meinte aber, ich sollte mich nicht in euer Leben einmischen. Vielleicht hätte ich diese schlimme Entwicklung zumindest teilweise verhindern können, denn ich hatte immer ein sehr vertrauensvolles Verhältnis zu Sonja. Hast du denn wenigstens manchmal etwas mit ihr unternommen, zum Beispiel einen Theaterbesuch oder seid ihr zusammen ausgegangen, wenn du in Hamburg warst?“ „Nein, eigentlich nicht, du weißt ja, dass ich an kulturellen Dingen kein so großes Interesse habe.“ „Und auf die Idee, einfach aus Liebe zu ihr mitzugehen und vielleicht dabei etwas zu lernen, bist du nie gekommen?“ Jannik wäre am liebsten im Boden versunken, aus den Worten der Mutter wurde ihm mit einem Schlage klar, wie sehr er Sonja vernachlässigt und oft enttäuscht hatte.

„Ich muss dich noch etwas fragen“, unterbrach Maria seine Gedanken. „Wie steht es um die körperliche Beziehung zwischen euch?“ Jannik wand sich innerlich, aber er musste Farbe bekennen: „Anfangs war es schön zwischen uns und wenn ich von einer Reise zurück kam, sind wir richtiggehend übereinander hergefallen, aber im Laufe der Zeit wurde es immer weniger. Ich war nach dem langen Flug müde und dann stritten wir uns nur noch, wenn ich zu Hause war. Um Ruhe zu haben, schlief ich im letzten Jahr auf der Couch in meinem Zimmer.“ „Aha“, meinte Maria nachdenklich, „du hattest ja wohl keine andere Frau, aber was weißt du über Sonja? Wenn ihr ein Jahr nicht mehr zusammen wart, könnte sie woanders Trost gefunden haben. Keine Frau erträgt es auf die Dauer, jede Nacht alleine im Bett zu liegen und von der Liebe nur zu träumen.“

Jannik war erschüttert von diesem Verdacht, dann dachte er nach. „Sie ist mit einem alten Mitschüler aus Neuengamme befreundet und ich habe ihn auch kennen gelernt. Er hat dort einen gut gehenden Tischlereibetrieb und war von ihren Eltern als Ehemann für sie vorgesehen worden, bevor ich kam. Vor einiger Zeit hat sie mir erzählt, dass er Probleme in seiner Ehe hat, und ich habe mir überhaupt nichts dabei gedacht. Ich bin doch ein richtiges Rindvieh!“ „Dann könnte der wohl ihr Tröster sein, sie ist ja schließlich eine lebendige Frau in den besten Jahren, das kannst du ihr nicht vorwerfen“, fuhr die Mutter fort. „Wie tief dieser Trost geht, wissen wir nicht, vielleicht ist es eine echte Liebe und du hast sie verloren. Das musst du selber heraus bekommen, ich denke, dass ihre Eltern zunächst dein Ansprechpunkt sein sollten. Und bei diesem Tischler kannst du ja auch mal reinschauen.“ Es war spät geworden und Jannik dankte seiner Mutter für ihre ehrlichen Worte, bevor sie schlafen gingen.

Nach langer Zeit schlief er wieder in seinem alten Bett in dem kleinen Studentenzimmer. Hier hatte er nach dem Abitur anderthalb Jahre als Zivi gelebt und dann fünf Jahre für das Studium gebüffelt. Er dachte zurück an die letzten Jahre in Wittenberg unter dem DDR-Regime. Seine Mutter und die Großeltern hatten sich von der Partei fern halten können, aber er musste natürlich FDJ-Mitglied sein. Neben der Jugendweihe sorgte die Mutter dafür, dass er auch konfirmiert wurde, was ein normales Abitur unmöglich machte, doch zur Berufsausbildung mit Abitur wurde er als „Arbeiter- und Bauernkind“ wegen seiner guten Schulleistungen zugelassen, musste sich aber für eine dreijährige Dienstzeit bei der NVA verpflichten. Das störte ihn nicht, denn so lernte er neben der Schule in einem Baukombinat das Bauhandwerk von der Pike auf. Er hatte noch Glück, denn wegen der Wende war es der letzte Jahrgang, der diesen Ausbildungsweg genießen konnte, und seine NVA-Verpflichtung wurde gegenstandslos. Zur selben Zeit war Maria nach Geesthacht gewechselt und schlug ihm vor, als Zivi in ihrem Krankenhaus zu arbeiten, da könne er bei ihr wohnen. Das behielt er auch während des Studiums bei.

Das Gespräch mit der Mutter ging Jannik noch im Kopf herum, und je mehr er darüber nachdachte, desto klarer wurde ihm, dass sie Recht hatte. Wenn ihn auch Sonja in der letzten Zeit immer unfreundlicher behandelt hatte, war doch vor allem er an den Eheproblemen schuld. Wehmütig dachte er an die lange glückliche Zeit mit ihr zurück, in der sie alles füreinander waren. Das hatte ja schon ein paar Jahre vor der Hochzeit begonnen und nach Melanies Geburt war ihr Glück vollständig. Wäre er in den letzten fünf Jahren mehr auf ihre Wünsche eingegangen, anstatt sich in seiner Arbeit zu vergraben, wäre es wohl nicht so weit gekommen. Gab es noch eine Chance, sie zurück zu gewinnen oder war sie schon so weit von ihm entfernt und in einen anderen Mann verliebt, dass eine Trennung die einzige Möglichkeit war? Wollte er sie denn überhaupt zurück gewinnen, liebte er sie denn noch? Nun, zumindest darüber musste er sich klar werden, um heraus zu finden, ob er bei ihr noch eine Chance hätte.

Jannik freute sich, dass seine Mutter nach langem Alleinsein vor einem Jahr den pensionierten und verwitweten Ingenieur Hermann Kraft über das Internet kennen gelernt hatte. Der war lange als gut verdienender technischer Berater tätig gewesen hatte, und zwischen den beiden war eine tiefe Liebesbeziehung entstanden. Noch wohnten sie getrennt, aber nach Marias Pensionierung Ende August wollten sie eine lange Reise unternehmen, anschließend heiraten und in seinem Haus zusammenziehen. Jannik freute sich ehrlich, dass dieser liebevolle Freund die Mutter glücklich machte.

Am nächsten Morgen hatte Jannik keine Probleme mit dem Aufwachen, als ihm die Sonne ins Gesicht schien, der stürmische Wind hatte nachgelassen. Die Mutter machte zum Frühstück ein Käseomelett, das Jannik immer wieder gerne aß. Danach fuhr er nach Neuengamme zu Sonjas Elternhaus. Nur ihre Mutter war zu Hause und bot ihm eine Tasse Kaffee an, der Vater verkaufte Blumen auf dem Wochenmarkt. Auf Janniks Frage nach Sonjas und Melanies Aufenthalt antwortete sie verlegen, sie kenne ihn, aber Sonja habe ihr streng verboten, ihn zu verraten. Sie selbst halte es für falsch, dass Sonja das gesamte Inventar mitgenommen habe, aber ihr Mann und auch Eduard hätten einfach alles heraus tragen lassen. Als Jannik den Namen Eduard hörte, wusste er Bescheid, so hieß der bewusste Tischlermeister mit Vornamen. Dann war seine Vermutung also richtig. Er bat die Mutter, Sonja solle ihm eine Nachricht geben, dann verabschiedete er sich und fuhr zur Tischlerei Puttfarken. Der Meister war nicht da, eine Angestellte sagte, er sei auf der Baustelle am Altengammer Hauptdeich 132. Jannik fand das Haus mit vier neuen Wohnungen an einer Stelle, wo der alte Hausdeich ein kurzes Stück in den neuen, nach der Flutkatastrophe von 1962 gebauten Elbdeich integriert worden war. Der Wagen der Tischlerei Puttfarken stand vor der Tür. Zwei Wohnungen im Erdgeschoss waren schon fertig und eine davon bewohnt, in den beiden oberen Etagen wurde noch installiert. Jannik überlegte, ob er an der eingerichteten Wohnung klingeln sollte, vielleicht würde Sonja öffnen, doch dann fühlte er sich einer Begegnung mit ihr noch nicht gewachsen, möglicherweise war Eduard bei ihr.

Jannik stieg auf den Deich und blickte über die Elbe nach Niedersachsen. So breit, wie der Fluss hier vor ihm strömte, so weit entfernt kamen ihm jetzt Sonja und seine Tochter vor, und er hatte diese Gemeinschaft zerstört! Das ganze Leben seiner Familie hatte er damit verpfuscht, nur Sonja war anscheinend in ihrer neuen Liebe wieder glücklich geworden. Für ihn war da kein Platz mehr, da konnte er seinem Leben doch gleich ein Ende setzen und sich hier in die Elbe werfen. Doch dann stand die kleine Melanie vor seinen Augen, wie sie um ihn weinte. Das durfte er ihr nicht antun, zumindest für sie musste er weiter leben! Als ihm dann noch klar wurde, dass er ein guter Schwimmer war und es wohl kaum schaffen würde zu ertrinken, stieg er vom Deich herunter und ging in das Naturschutzgebiet, das gleich hinter dem Haus begann. Er ließ sich die Sonne ins Gesicht scheinen und hörte den Vögeln zu, die ihm allmählich in seiner aufgewühlten Stimmung Ruhe gaben. Schließlich fuhr er nach Bergedorf zurück, ruhig geworden, aber sehr traurig.

Zuerst ließ er sich bei seinem türkischen Frisör die Haare schneiden, wozu er in Chile nicht die Zeit gefunden hatte, dann aß er im La Puglia zu Mittag. Bei IKEA in Moorfleet kaufte er ein paar einfache Möbel und ließ sie zum Nachmittag in seine Wohnung liefern. Wieder zu Hause öffnete er mit dem per Post gekommenen Passwort den Onlinezugriff auf seine neuen Konten und freute sich, dass die Spesen schon überwiesen worden waren. Er hatte wieder 2.500,- € auf dem Konto, und in zwei Wochen würde sein Gehalt dazu kommen. Bei eBay bestellte er eine gebrauchte Telefonanlage mit drei Mobilapparaten und einen WLAN-Drucker, um informationstechnisch wieder einigermaßen ausgerüstet zu sein. Er überwies die Beträge gleich von seinem neuen Konto, die Sachen sollten zum Wochenende geliefert werden. Dann versuchte er, eine Strategie für die nächsten Tage zu entwickeln, doch immer wieder liefen seine Gedanken zu Sonja und er sah fast deutlich vor sich, wie sie sich mit dem Tischler im Bett wälzte. Mühsam verdrängte er dieses Bild und beschloss, morgen sehr früh zum Altengammer Hauptdeich zu fahren und zu schauen, ob Melanie aus diesem Haus zur Schule ging. Dann könnte er bei Sonja klingeln und mit ihr sprechen. Als die Möbel von IKEA geliefert wurden, baute er sie zusammen, aß in Ruhe Abendbrot, trank ein Glas Wein und ging früh schlafen.

Während Jannik morgens die Fenster am Altengammer Hausdeich von außen betrachtete, saß seine Frau Sonja innen vor ihrem Monitor und entwickelte eine aufwendige Internetdarstellung für die Stadt Lauenburg. Sie arbeitete schon eine Woche daran und musste sie bald abgeben. Wie ihr Mann hatte sie eine schlanke, sportliche Figur. Sie war ziemlich groß und trug ihre langen blonden Haare in einem Pferdeschwanz. Schon seit einer Weile trug sie keinen Schmuck mehr. In ihrem Gesicht hatte sich im Laufe der letzten Jahre ein verbitterter Zug eingenistet, der sie nur verließ, wenn sie sich sehr glücklich fühlte. Doch das geschah immer seltener. Nachdem sie eine Stunde gearbeitet hatte, kam Eduard Puttfarken in die Wohnung und unterbrach ihre Tätigkeit mit einem herzlichen Kuss, doch sie murrte: „Du hast mich schon fünf Tage vernachlässigt, ich komme mir vor wie bei meinem Mann.“ „Entschuldige, mein Täubchen, ich habe elend viel zu tun in der Firma und jetzt auch noch mit diesem Bau. Außerdem bin ich Innungsmeister und Bezirksabgeordneter und will bei der nächsten Wahl in die Bürgerschaft. Aber jetzt habe ich bis Mittag Zeit für Dich.“ „Und wann hast du mal eine ganze Nacht für mich? Ich möchte nach der Liebe deinen Atem hören, wenn du schläfst, das Frühstück mit dir genießen und dann noch einmal mit dir zusammen sein. Lange genug habe ich das entbehrt!“ „Auch das wird eines Tages möglich sein, doch dafür musst du mir noch etwas Zeit lassen, du weißt, ich bin verheiratet. Und jetzt lass uns nicht streiten, sondern die Zeit miteinander genießen.“

Er zog sie ins Schlafzimmer und legte sie sanft aufs Bett. In zärtlichem Spiel waren sie lange glücklich miteinander. Nachdem sie zur Ruhe gekommen waren, dachte Sonja nach. „Vorgestern muss mein Mann zurückgekommen sein, was meinst du, wie es jetzt weiter geht?“ „Nun, zunächst weiß er nicht, wo du bist und von mir wohl auch kaum etwas. Er wird seine Wunden lecken und hoffentlich bald wieder abreisen. Mach‘ dir nicht so viele Gedanken um ihn. Wir sind jetzt hier und haben Freude aneinander, nur das ist im Moment wichtig.“ Er küsste sie am ganzen Körper, was sie seufzend genoss, dann wiederholte sie diese Zärtlichkeit bei ihm, bis sie noch einmal zusammen fanden. „Jetzt kommt Melanie bald aus der Schule, da muss ich zumindest anständig angezogen sein“, meinte Sonja danach und stand auf. „Ja, auch ich muss leider gehen, denn ich habe ein Essen mit wichtigen Kunden. Mach‘s gut mein Herz und hab‘ vielen Dank für den schönen Vormittag.“ „Für mich war es doch ebenso schön“, flüsterte Sonja zwischen den leidenschaftlichen Küssen.

Sonja kochte Spaghetti mit Tomatensoße und war gerade damit fertig, als Melanie von der Schule kam. „Wollte Papa nicht in diesen Tagen von der Reise zurückkommen?“, fragte das Mädchen, nachdem sie auch das Eis aufgegessen hatte, das die Mutter zum Nachtisch servierte. „Ich weiß es nicht, wahrscheinlich ist er noch unterwegs“, log die Mutter. „Aber sonst war er nie so lange weg, und weiß er überhaupt, dass wir jetzt hier wohnen?“, insistierte das Mädchen. „Papa wird schon bald kommen, und dann sagen wir ihm, dass wir jetzt hier wohnen“, wand Sonja sich heraus, „und jetzt sei lieb und mach‘ deine Schulaufgaben, ich muss nämlich noch arbeiten. Wenn du fertig bist, kannst du spielen.“

Sonja setzte sich wieder an den Rechner und rief die Lauenburger Webseite auf, doch ihre Gedanken liefen zur Tochter. Sie war ihr ja das Liebste auf dieser Welt und es war Unrecht, sie zu belügen. Und im Innersten war ihr auch klar, dass sie die Tochter nicht dauerhaft vom Vater trennen durfte. Sie hatte sich von Eduard zu dieser abrupten Trennung von ihrem Mann überreden lassen, ohne über alle Konsequenzen nachzudenken und jetzt saß sie hier in der Walachei und musste ihre Tochter belügen. Und das Verhältnis zu Eduard entwickelte sich ganz anders, als sie es sich vorgestellt hatte. Wohl hatten sie schon seit acht Monaten ein wundervolles Liebesverhältnis und er hatte ihr auch heute Vormittag wieder das gegeben, wozu Jannik nie fähig gewesen war. Doch sie wünschte sich eine dauerhafte Beziehung mit ständiger Anwesenheit des Geliebten. Heute Vormittag hatte er ihr zum ersten Mal klar gesagt, dass es wohl noch lange Zeit bei den gelegentlichen Begegnungen bleiben würde. Hatte sie dafür ihre schöne Wohnung im Stadtgebiet mit der vollen Selbstständigkeit aufgegeben und sich von ihm abhängig gemacht?

Als plötzlich das Bild auf dem Monitor verschwand, wachte sie aus ihren Gedanken auf, sie hatte gerade einen schlimmen Fehler gemacht. Mit einiger Mühe konnte sie den alten Stand aus der Sicherung hervorholen und neu beginnen. Sie verscheuchte die dummen Gedanken und arbeitete bis zum Abend zügig weiter. Melanie kam erfüllt vom Spiel im Garten ins Haus und ging nach dem Abendbrot willig ins Bett. Als Sonja nach dem Gute-Nacht-Kuss noch vor der Tür stand, die stets einen Spalt offen blieb, hörte sie ihre Tochter beten: „Lieber Gott, lass Papa bald wieder zurück kommen, ich habe ihn doch so lieb.“ Beschämt wurde ihr klar, dass sie die Tochter irgendwie mit dem Vater zusammen bringen musste, aber sie wollte ihm möglichst nicht mehr begegnen. Bis ihr die Augen zufielen, arbeitete sie an ihrem Projekt, immer wieder gequält von Gedanken an Melanie. Als sie endlich fertig war, war sie so müde, dass sie sofort einschlief.

Liebe gibt es nicht zum Nulltarif

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