Читать книгу She - Vivienne, eine Frau auf Abwegen | Erotischer Roman - Evi Engler - Страница 3
ОглавлениеVivienne
Über die Anzahl der Jahre, die sie mit ihrem Mann verbracht hatte, dachte sie nicht nach. Die genaue Zahl verdrängte sie, wollte sie nicht wissen. In gewisser Weise verleugnete sie ihr Alter.
Sie war sich sehr wohl bewusst, dass die euphorische, lustvolle Zeit, die sie zu Beginn der Beziehung zu ihrem Mann durchlebt hatte, der Vergangenheit angehörte. Das Exzessive war unwiderruflich aus der Verbindung verschwunden.
Stattdessen traten die Verbundenheit mit ihrem Mann, das wortlose Verstehen, das blinde Vertrauen und das Wissen um die gegenseitigen Vorlieben und Eigenarten in den Vordergrund. Der gegenseitige Respekt wurde von ihr nicht nur als Ersatz für die jugendliche Spannung gesehen. Sie empfand vielmehr, dass dieses gereifte und erst im Laufe von zwei Jahrzehnten gewachsene Zusammengehörigkeitsgefühl das Eheleben zu etwas Einzigartigem erhob. Zu einer zuverlässigen und berechenbaren Gemeinschaft, die sie beide ausfüllte und zufrieden machte.
Sie fand, dass sie eine wundervolle Ehe führten.
Die bedingungslose Zuneigung, die ihren Mann und sie verband, das scheinbar grenzenlose Wissen um den anderen, machte ihre Ausflüge doppelt spannend.
Ein untrügliches Anzeichen, dass sich etwas anbahnte, war das steigende Interesse für wildfremde Menschen, was auch ihrem Mann nicht verborgen blieb. »Was glotzt du den Kerl da an? Kennst du den oder willst du ihn kennenlernen?« Mit diesen Bemerkungen machte ihr Mann sie oftmals erst darauf aufmerksam, dass ein Großereignis bevorstand, weil sie sich in seinen Augen anders benahm als sonst. … anders als gewöhnlich!, dachte sie abseits jeder Selbstkritik und musste kichern. Gewöhnlich war für sie ein Schimpfwort. Sie benahm sich manchmal gewöhnlich, wahrscheinlich, weil es von jeher ein Tabu für sie gewesen war, sich gewöhnlich zu benehmen. Sie schöpfte einen Großteil der lustvollen Abenteuer daraus, dass sie sich ganz bewusst gewöhnlich benahm.
»Soll ich dich bekannt machen oder kennst du ihn schon?«, bohrte ihr Mann ungehalten nach. Er wurde jedes Mal von Eifersucht gepackt, wenn sie sich für andere Männer interessierte.
Sie hätte ihn gern gefragt, ob er sich vorstellen könnte, mit dem Mann und ihr …?
Aber sie ließ es, denn sie hätte ihm nicht klarmachen können, dass niemand zwischen sie und ihn treten könnte. Egal, was passierte – sie gehörte zu ihm, denn sie war seine Frau. Seine Eifersucht war die reinste Energieverschwendung.
Die Sehnsucht nach dem Ungeplanten, Unorthodoxen und Ungehörigen beunruhigte sie bereits kurz nach der Pubertät. Es waren die gleichen Wünsche, Sehnsüchte und frivolen Gedanken wie jetzt.
In ihrem Mann hatte sie damals einen Partner gefunden, der mit ihr das lebte, was sie sich vorstellte. Der mit ihr gemeinsam die Experimente – die verrückten, die ordinären, die, die sie sich erträumt hatte – durchführte und unglaublichen Lustgewinn daraus zog. Diese Zeit war jedoch seit der Geburt der Kinder vorbei. Die Sehnsucht nach den wilden Zeiten war ihr geblieben, sie traute sich jedoch erst seit der Geburt ihrer Enkeltochter, sie erneut auszuleben.
Eines dieser Erlebnisse hatte sie mit ihm zusammengeführt. Seinen Namen kannte sie nicht, jedoch konnte sie seine Stimme und seinen Geruch jederzeit in der Erinnerung erneut aufleben lassen, als wäre er gegenwärtig. Die Gedanken an dieses besondere Ereignis erregten sie über die Maßen und machten sie automatisch heiß. Beinahe unbewusst rieb sie die Schenkel aneinander, sobald sein Bild vor ihrem inneren Auge auftauchte. Dieses Ereignis ruhte an dominanter Stelle in ihrer Erinnerung, tief eingegraben und unlöschbar. In dieses Abenteuer flüchtete sie sich, sobald sie Langeweile verspürte, wenn sie nicht schlafen konnte, wenn sie irgendwo warten musste oder ihr aus einem anderen Grund langweilig war.
In den Momenten genoss sie es, in diesem einzigartigen Abenteuer zu schwelgen und vor sich selbst damit zu protzen. Dass sie sich das getraut hatte! Eine Ungeheuerlichkeit, die sie leider mit niemandem teilen konnte.
Die erregende Stimmung, in die sie die Rückerinnerung versetzte, versuchte sie mit allen Mitteln zu verheimlichen. So erlebte sie die Hitze im Unterleib, die warmen Wangen heimlich und ausschließlich für sich allein.
Für diese Erinnerungen lohnte sich definitiv jede Gefahr!
Damals war sie seit Tagen von diesem wohlbekannten, gleichermaßen gefürchteten wie ersehnten Gefühl beeinflusst worden. Es ging von diesem dunklen Punkt in ihrem Charakter aus, den sie meistens leugnete, der jedoch mit der Zeit mehr und mehr Macht über sie gewann. Es war sinnlos, dagegen anzukämpfen. Die Hitze musste abgebaut werden und da gab es nur einen Weg.
Sie flüchtete sich in die Jugendkneipe, die sie immer dann aufsuchte, wenn sie wegen der bereits verronnenen Lebenszeit zu verzweifeln begann. Dort bekam sie das Gefühl vermittelt, jung zu sein. Sie beobachtete die jungen Leute, fühlte sich in sie hinein und empfand nach und nach mit ihnen. Sie wusste dann genau, wie sich die kichernden jungen Dinger fühlten, die ihre Wirkung auf Männer gerade erst entdeckten, aber kaum Vorteile daraus zogen. Sie reizten sie, mehr oder weniger unbewusst, wussten jedoch mit dem in Flammen stehenden Mann nichts oder nur wenig anzufangen. Vielleicht weil sie in der Sexualität unerfahren oder gehemmt waren, weil Konventionen oder Anstand sie hemmten oder sie sich einfach nicht trauten, das auszuleben, wonach es sie verlangte.
Sie saß gedankenverloren am Fenster, hielt die große Cappuccino-Tasse in beiden Händen, trank hin und wieder daraus und stierte blicklos zwischen den Schlucken über den Tassenrand hinaus durchs Fenster.
Plötzlich nahm sie ihn wahr, wie er draußen stand in dem eleganten Mantel, genau in ihrem Blickfeld, ohne zu wissen, wie lange sie ihn schon anstarrte. Er reagierte mit einem Lächeln, als sie den Blick fokussierte und ihn bewusst wahrnahm. Sie zuckte zusammen und zappelte erschreckt und verlegen herum. Er neigte lächelnd den Kopf, kehrte um, betrat die Kneipe und kam an ihren Tisch.
»Hallo!« Da stand er und schaute sie milde lächelnd an.
Sie fühlte sich hilflos, durchschaut und ausgeliefert. Dass er die Lösung der beklemmenden Anspannung bewirken könnte, glaubte sie nicht. Dazu waren ihre Verlegenheit und Unsicherheit zu groß. Sie fühlte sich außerstande, diese Begegnung in ihrem Sinne zum Erfolg zu bringen. Sie fand sich kleinlaut und schüchtern wie ein Mädchen, das man bei etwas Unrechtem ertappt hatte. Sie wartete auf seine Reaktion und hoffte, er würde gehen, um die peinliche Situation zu beenden. Er erwischte sie in einem Moment der Schwäche, daraus würde nichts Gutes entstehen.
Er sprach ruhig und gelassen. Sie nahm den Sinn der Worte nicht wahr, dazu war sie zu befangen. Die entspannten Schwingungen, die über die Stimme herüberkamen, machten sie jedoch etwas lockerer.
Die Bedienung trat an den Tisch. Der Mann bestellte etwas und nahm Platz, souverän und dominant. Als sich jedoch sein Mantel beim Setzen knautschte und ihm damit unbequem unter das Kinn stach, realisierte sie unvermittelt, dass er unsicherer war, als er es erscheinen lassen wollte. Ihr Gesicht entspannte sich etwas, ein leises Lächeln bewegte ihre Mundwinkel.
»Wir sind uns noch nie begegnet, das ist bedauerlich. Ich weiß, was Sie fühlen«, sprach er. Sein Lächeln war gewinnend, sein Selbstvertrauen deutlich spürbar. Nur sie wusste von seiner Unsicherheit, und dieses Wissen ließ sie sich als Frau fühlen, nicht mehr als unterlegenes, unsicheres Mädchen. Und damit kehrte ihre Stärke zurück.
Seine Aussage war totaler Quatsch. Es konnte niemand wissen, was sie fühlte, das wäre ja noch schöner. Ihr Lächeln vertiefte sich und damit verschwand die Schüchternheit. Es konnte beginnen. Wenn er stark genug war, dann könnte es etwas werden. Sie war bereit.
Feuchte Wärme durchströmte sie, ja, sie war wirklich bereit. Und sie fühlte sich reif, reif wie eine Frucht, die gepflückt werden wollte.
Sie ließ seine Einflussnahme zu, ließ zu, dass er sich überlegen fühlte, als könnte er sie erobern und sie nach seinem Gusto in Besitz nehmen. Sie gab ihm Macht über sich, damit sein Selbstvertrauen wuchs. Er würde das Selbstvertrauen benötigen, um ihre Wünsche und Bedürfnisse umsetzen zu können. Sie konnte sich die Macht über sich selbst jederzeit zurückholen. Sie brauchte nur »Nein!« zu sagen, dann wäre sie wieder frei.
»Sie passen in diesen jungen Rahmen«, bemerkte er und musterte sie freundlich. Er schien zu wissen, was er wollte. Offensichtlich verfolgte er ein Ziel.
Manchmal handelten Männer, ohne dass Vivienne den Grund dafür erkennen konnte. Oftmals zu ihrem Erstaunen stellten sich die Handlungen jedoch im Nachhinein meist als richtig und angemessen heraus.
Er sprach: »Gehen wir?«, wobei er nicht um ihr Einverständnis bat, sondern ihr schlicht Bescheid gab.
Die Kellnerin brachte den bestellten Kaffee, er verlangte die Rechnung, zahlte und wartete auf sie.
Sie lächelte. Sie hatte die Macht »Nein!« zu sagen. Diese Macht ließ sie unter seinem Einfluss frei sein. Sie lenkte, er folgte, obwohl er im Glauben war, das Steuer in der Hand zu haben.
Mit dem Taxi fuhren sie zum führenden Hotel am Platze und ließen sich den Zimmerschlüssel geben. Im Flur des Appartements im dritten Stock angekommen, half er ihr aus dem Mantel, hielt intensiven Augenkontakt und küsste sie leicht.
»Komm!« Er fragte nicht nach ihrem Namen und nannte ihr seinen nicht. Namen waren nicht wichtig. Er wusste, was zu tun war. Er schenkte Sekt ein aus der Minibar, sie stießen an und küssten sich, fester, heißer und versanken im Kuss. Sie erlebten beide die steigende Hitze und die aufkeimende Leidenschaft. Der erste Knopf, den er an ihrer Kleidung öffnete, ließ ihren Magen grummeln und die Knie weich werden.
Sie erwiderte seinen forschenden Blick mit einem koketten Augenaufschlag und unsicherem Lächeln. Bereitwillig und völlig passiv ließ sie sich bis auf die Schuhe entkleiden. Mit immer weiter steigender Erregung schaute sie zu, wie er ihren Körper ausführlich betrachtete. Er schien jede Einzelheit in sich aufzusaugen. Als sich ihre Blicke begegneten, erkannte sie bei ihm die gleiche Erregung, die sie in sich verspürte.
Es gab kein Zurück, weder für sie noch für ihn.
Er trat auf sie zu, nutzte für eine erneute Erkundung ihres Körpers Mund und Hände. Bei ihren Lippen begann er. Die Hitze ihrer Leidenschaft verschmolz die Münder zu einer schier untrennbaren Einheit. Die Zungen tanzten den erotischen Schlangentanz, arbeiteten intensiv an der anstehenden Vereinigung. Die Hitze in ihrem Mund besetzte den Hinterkopf, floss in breitem, mitreißenden Strom abwärts in den Unterleib und schmolz alle Hindernisse hinweg.
Sein Mund eilte dem Strom voraus, widmete seine Aufmerksamkeit Hals und Schultern. Er beschäftigte sich intensiv, saugend, schleckend, küssend, streichelnd mit ihren Brüsten, von dort schlich er hinab zum Bauch.
Vivienne atmete schwer und keuchend, sie zerschmolz vor Hitze, die einem unbändigen Verlangen nach dem forschenden Mund, den erobernden Händen und der prickelnden Vorfreude entsprang. Die flüssige Glut aus dem Hinterkopf erreichte den Unterleib, ließ dort alles schmelzen und verwandelte es in heiße Flüssigkeit.
Sein Mund eroberte ihre Scham, die erste Berührung dort ließ sie laut aufstöhnen. Sie reckte der schleckenden Zunge ihr Becken entgegen, öffnete sich den erobernden Händen und den saugenden Lippen – bereit zu allem, was der Mann ihr geben und allem, was er von ihr haben wollte.
Sie stand nackt in einem Hotelzimmer und ließ sich von einem Fremden abschlecken und heißmachen. Sie erlaubte ihm Zugang zu den intimsten Plätzen ihres Körpers, sie brannte vor Verlangen, sich ihm vollkommen hinzugeben. Die Ungeheuerlichkeit, einem Wildfremden ihre Gunst zu schenken, ließ sie womöglich noch heißer werden und steigerte das Verlangen weiter und weiter.
Sie gab sich seiner Leidenschaft mit aller Inbrunst, allen Fasern des Körpers, allem Temperament und jeder Emotion hin. Sie liebte mit jeder Zelle ihres Körpers, gab sich rückhaltlos und empfing seine Hitze, seine ungezügelte Leidenschaft, seine Kraft und seine tierischen Instinkte.
Als sein heißes Schwert in sie eindrang, dachte sie, den Tod durch Glückseligkeit zu erleiden. Übermächtig erschien ihr Empfinden, erschlagend die Emotion, die von ihm ausging, verbrennend der Reiz, den er ausübte. Sie begannen zu rasen, völlig unsteuerbar, bar jedes bewussten Denkens. Allein die Triebe regierten die beiden, die sich wie ausgehungert einander hingaben.
Nach dem Ende der Raserei lagen sie schwer atmend nebeneinander. Sie rangen beide vernehmlich nach Luft, voll des überströmenden Glücks und des überwältigenden Gefühls füreinander.
Er bestellte Champagner, sie tranken schweigend. Mit dem Ohr auf seiner Brust hörte sie das fremde Herz kraftvoll schlagen, roch seinen Duft, küsste ihn leicht auf die Lippen und den Hals.
Sein Geruch faszinierte sie, er machte ihr seine Manneskraft und ihre eigene Fleischlichkeit bewusst. Ja!, dachte sie, als sie seine Männlichkeit in den Mund nahm, Ja!
Er lachte verlegen, er war sich seiner Potenz nicht sicher. Doch das Lachen wich einem genussvollen Stöhnen, das in leidenschaftliche Rufe überging, als sie sich in den Sattel schwang, den wieder erwachten Riesen in sich aufnahm, ihn reizte, penetrierte, ihr Becken kreisen ließ mit der Absicht, ihm höchstes Glück zu schenken.
»Oh ja!«, stöhnte er mit geschlossenen Augen. »Oh ja!«, hauchte er und blickte ihr mit brennendem Blick tief in die Augen. Sie versanken in einem Kuss, während sie sich stetig gegenseitig weiter reizten.
Mit einem lauten und erschreckten Japsen reagierte sie, als er den Daumen zu Hilfe nahm, um ihr intimstes Lustzentrum zu reizen. Der Orgasmus raste mit ungebremster Kraft heran und ließ sie hilflos werden. Sie bewegte sich automatisch auf dem glühenden Lustschwert, das dominante Erleben des Höhepunktes riss ihr den Kopf in den Nacken und ließ sie aus voller Kehle die Decke anbrüllen, hemmungslos stöhnen und toben. In ihre Raserei hinein versprühte er den Samen in ihre tiefste Tiefe, in die glühende Hitze hinein.
Es dauerte lange, bis sie so weit wieder zu Kräften und zu Sinnen kam, um sich von ihm lösen und sich neben ihm niederlassen zu können. Ihr Krieger war erschöpft, er schien schläfrig zu werden. Sie tranken das letzte Glas Champagner, dann kleidete sie sich an und verabschiedete sich mit einem Kuss.
»Hey!«, beschwerte er sich, plötzlich munter, »gib mir deine Handynummer. Ich weiß noch nicht einmal deinen Namen …!«
Sie legte ihm lächelnd den Zeigefinger auf die Lippen, sandte einen kleinen Kuss hinterher und ging.
In der Eingangshalle kam der Portier auf sie zu und überreichte ihr eine einzelne Rose. »Sie wissen schon, von wem!«, gab er als Kommentar dazu und schob ihr einen Zettel mit Namen und Telefonnummer des Lovers zu. Sie akzeptierte die Rose, das Papier jedoch ließ sie liegen.
Draußen vor dem Hotel fühlte sie sich einfach wunderbar. Sie hatte tollen Sex, Abenteuer, Herzklopfen, grenzenlose Leidenschaft und Hingabe erlebt. Ohne Zugeständnisse, ohne Verpflichtung war sie nun wieder frei. Wunderbar – sie hüpfte, weil sie sich so unglaublich gut fühlte.
Die Erinnerung an seinen Duft und seine Leidenschaft begleiteten sie über Wochen und Monate und ließen sie sich jedes Mal wunderbar fühlen. Bis das Gefühl nach und nach verblasste.
Dann, nach einiger Zeit, war ein neues Abenteuer fällig.