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Literaturhinweise
ОглавлениеLiteratur zur Geschichte des Friedens und des Pazifismus liegt größtenteils auf Englisch vor und stammt teilweise von Frauen und Männern, die sich zum Pazifismus bekennen: Wie jede Bewegungs-Geschichtsschreibung ist sie bisweilen apologetisch, bisweilen auch teleologisch, und lässt besonders viel Raum für das Schicksal von Einzelpersonen und Gruppen, die als Streiter*innen für die Sache des Friedens gegen die Kräfte des Konservatismus und Militarismus dargestellt werden.
Daneben hat sich auch die Geschichte der internationalen Beziehungen seit Langem mit der Frage des Friedens beschäftigt, ein wenig aus Verlegenheit, um einen Kontrapunkt zum Krieg und zu den zwischenstaatlichen Spannungen zu haben. Erst in den 1960er Jahren tauchte die Friedensgeschichte als eigenständiges Forschungsfeld auf. Peter Brock hat sich in einer zum Klassiker gewordenen Trilogie (Pacifism in the United States. From the Colonial Era to the First World War, Princeton 1968; Twentieth-Century Pacifism, New York 1970; Pacifism in Europa to 1914, Princeton 1972) mit dem absoluten Pazifismus und den Kriegsdienstverweigerern beschäftigt. Dabei versuchte er auch eine Typologie des pazifistischen Denkens, ein wiederkehrendes Thema in der Forschung, das sich auch bei Marcel Merle findet, einem der wenigen Franzosen, die genau zu dieser Form des Aktivismus in jener Epoche gearbeitet haben (Pacifisme et internationalisme, XVIIe – xxe siècle, Paris 1966). Der wichtigste Beitrag aus dieser Frühphase stammt von Johan Galtung, einem norwegischen Forscher und Aktivisten, der der Friedensforschung (Peace Research) in einem entschieden interdisziplinären Geiste den Weg bereitete. Seine Arbeiten über die Begriffe »positiver Frieden« und »strukturelle Gewalt« (»Violence, Peace, and Peace Research«, Journal of Peace Research 6, 3 / 1969) waren epochemachend und haben große Resonanz im Anschluss an den Widerstand gegen den Vietnamkrieg und den globalen Protest Ende der 1960er und während der 1970er Jahre erfahren.
Die Arbeiten der 1980er und 1990er Jahre haben der Geschichte des Pazifismus einen breiteren Fokus gegeben und sie in einen umfassenderen sozialen, politischen und ideologischen Kontext gestellt. Der britische Historiker Martin Ceadel begründete ein großes Forschungsprogramm zum britischen Pazifismus (Pacifism in Britain, 1914–1945. The Defining of Faith, Oxford 1980; The Origins of War Prevention. The British Peace Movement and International Relations, 1730–1854, Oxford 1996; Semi-Detached Idealists. The British Peace Movement and International Relations, 1854–1945, Oxford 1987) und legte eine umfassende und einflussreiche Typologie vor, die versucht, dem Verhältnis zur Gewalt und zum Krieg in den westlichen Gesellschaften Rechnung zu tragen (Thinking about Peace and War, Oxford 1987). Sandi Cooper hat sich ebenfalls für die Entwicklung des pazifistischen Denkens in Europa im 19. Jahrhundert interessiert (Patriotic Pacifism. Waging War on War in Europe, 1815–1914, Oxford 1991) und seine Beziehungen zu den Ideologien der Zeit, insbesondere zum Nationalismus, untersucht. Im selben Jahr erschien die erste tiefergehende Studie zum französischen Pazifismus in der Zwischenkriegszeit (Norman Ingram, The Politics of Dissent. Pacifism in France, 1919–1939, Oxford 1991), eine scharfsinnige Analyse des Übergangs vom legalistischen »Pazifismus alten Typs« zum umfassenden und bedingungslosen Pazifismus »neuen Typs« der 1930er Jahre. Ebenfalls ab den 1990er Jahren tauchten die Arbeiten zum Engagement der Frauen auf (Harriet Alonso, Peace as a Women’s Issue. A History of the US Movement for World Peace and Women’s Rights, 1993), die Teil einer erneuten thematischen Öffnung der Friedensforschung waren, zu der auch die Studien über die transnationalen Beziehungen der Friedensbewegung gehören. Deren Höhepunkt bildete die imposante Trilogie Lawrence Wittners über die weltweite Bewegung gegen atomare Aufrüstung (The Struggle against the Bomb, Stanford 1993–2003, zusammengefasst in Confronting the Bomb. A Short History of the World Nuclear Disarmament Movement, Stanford 2009). Die von Nigel Young herausgegebene Enzyklopädie Oxford International Enyclopaedia of Peace, die 2010 erschienen ist, versammelt die jüngsten Beiträge und liefert zweifellos die umfänglichste internationale Perspektive auf den Pazifismus im weitesten Sinne.