Читать книгу Die Weltreligionen und wie sie sich gegenseitig sehen - Группа авторов - Страница 10
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Der katholische Blick auf andere Religionen
Nach einer langen Geschichte der Missionierung anderer Völker, die weithin – besonders im Gefolge des Kolonialismus – von einer Geringschätzung nichtchristlicher Religionen geprägt war, hat erst das Zweite Vatikanische Konzil eine große Wandlung in der Beurteilung und Sichtweise der anderen Weltreligionen gebracht, insbesondere des Judentums, des Hinduismus, des Buddhismus und des Islams sowie anderer Religionen im Generellen. Die vier genannten Religionen werden auch namentlich in der Konzilserklärung Nostra aetate (In unserer Zeit) angeführt. Im Folgenden sollen sie gemäß der historischen Reihenfolge, in denen das Christentum den genannten Religionen begegnet ist, dargestellt werden. Infolge des Konzils war der Weg zum interreligiösen Dialog offen, und es kam in den Jahrzehnten danach zu vielfältigen interreligiösen Begegnungen mit Repräsentanten der römisch-katholischen Kirche. Maßgeblich dafür war die Einrichtung des vatikanischen Sekretariates für die Nichtchristen, das später in Päpstlicher Rat für den Interreligiösen Dialog umbenannt wurde.
Eine wichtige Etappe war das erste Gebetstreffen in Assisi (27. Oktober 1986), wo sich auf Einladung von Papst Johannes Paul II. Vertreter der großen Weltreligionen sowie weiterer Religionen zu Gesprächen und Gebeten (aber jeweils an verschiedenen Orten) getroffen haben. Die Möglichkeiten und Grenzen solcher Begegnungen werden in der Schlussansprache des Papstes treffend angesprochen, in der das alle Menschen verbindende Anliegen des Friedens genannt wird:
Mit den Weltreligionen teilen wir eine gemeinsame Achtung des Gewissens und Gehorsam ihm gegenüber, das uns alle lehrt, die Wahrheit zu suchen, die Einzelnen und die Völker zu lieben und ihnen zu dienen und deshalb unter den einzelnen Menschen und unter den Nationen Frieden zu stiften.
Und es wird eine gemeinsame Dimension des Gebetes angesprochen: „Ja, es gibt die Dimension des Gebetes, die sogar in der tatsächlichen Verschiedenheit der Religionen eine Verbindung mit einer Macht über allen menschlichen Kräften auszudrücken versucht.“ Dies sollte jedoch nicht zu einer Vermengung oder Vermischung der Religionen führen – vielmehr bleibt es die Aufgabe, unter Beachtung der Unterschiede zwischen den Religionen die gemeinsame Basis des Dialogs stets neu zu suchen und zu wahren.