Читать книгу Alfi, der Chaot - Inken Weiand - Страница 22
Sonntag, 15.3.
ОглавлениеHabe heute meinem Papa erklärt, meine unsichtbare Begabung liege auf einem anderen Sektor als dem Stühlestellen. Woraufhin er meinte, es finde sich sicherlich noch etwas, und das Lobpreisteam werbe im Moment heftig um Verstärkung, und sicher sei das etwas für mich, ich habe doch ein Interesse für Musik.
Ich machte ihn darauf aufmerksam, dass Interesse und Begabung nicht dasselbe seien und dass ich außerdem nicht singen könne.
Das war Pa egal. Noch vor dem Gottesdienst schleppte er mich zu Guido, unserem Lobpreisleiter. Nun muss man dazu sagen, dass Guido echt gut singen kann. Dementsprechend ist unser Lobpreis nicht schlecht. Mir war natürlich klar, zu welcher Katastrophe es kommen musste.
Guido war erst einmal begeistert, teilte mich direkt in die Männer-Hintergrundgruppe ein und erklärte, ich müsse nur mit den anderen, uahhh uahhh’ singen, und zwar leise und gefühlvoll.
Ich war total aufgeregt, denn ich hatte nicht kapiert, wann ich den Text von mir geben sollte. Ich sah die ganze Zeit über nach links und rechts, um zu sehen, was die anderen taten. Und dann, als Helga ihr Solo anstimmte – sie sang übrigens gut – da hatte ich das Gefühl, Christian mache den Mund auf, um, uahhh’ zu singen. Ich also los: ¸ Uahhh, uahhh.“ Laut und gefühlvoll.
Horst kniff mich in die Seite, Lisa sah mich finster und unchristlich an, und Guido machte energische Handbewegungen. Bis ich gemerkt hatte, dass Christian nur gegähnt hatte und ich an der falschen Stelle, uahhh’ gemacht hatte, vergingen peinliche Sekunden.
Guido meinte anschließend, ich sei sicher einer der Menschen, denen Gott Geduld zeigen wolle. Hey, Gott, tu etwas! Du willst doch wohl nicht im Ernst, dass ich jetzt jeden Sonntag den Lobpreis verderbe?