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4.

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So vergingen ein paar Tage. Alle verstanden sich super miteinander. Oft gingen sie gemeinsam nach Hause, außer Ben, Tessa, Javier und Artjom mussten für die Abschlussveranstaltung proben. So war es auch heute. Wie immer verabschiedete sich Ben bei Elisabeth mit einem Kuss auf die Stirn. Dann strich er ihr sanft über die Wange. Fast hätte Elisabeth sich wieder in die Hand geschmiegt. Sie war mit ihren Gedanken irgendwie abwesend. Ben schaute sie verwundert an, sagte aber nichts zu ihr.

Elisabeth war mit ihren Gedanken schon zu Hause, sie musste unbedingt mit Tessa reden. Vielleicht konnte sie ihr bei ihrem Problem helfen. Denn ganzen Weg nach Hause grübelte sie darüber nach. Die anderen versuchten gar nicht erst mit ihr zu reden, sondern unterhielten sich still. Elisabeth wusste, dass sie unhöflich war, aber sie konnte es auch nicht ändern. Zu Hause verabschiedete sie sich von den anderen und ging in ihre Wohnung. Dort versuchte sie sich auf die Hausaufgaben zu konzentrieren, was ihr aber nicht so recht gelang. Endlich kam Tessa nach Hause.

Nachdem Tessa ihre Sachen in ihr Zimmer gebracht hatte, trafen sich beide in der Küche. Sie entschieden sich dafür, Makkaroni mit Tomatensauce zum Abendbrot zu essen. Sie bereiteten gemeinsam das Essen zu und Elisabeth genoss es einfach neben Tessa zu stehen und zusammen still zu sein. Diese Stille war nicht unangenehm, denn es war nicht so, dass sie sich nichts zu sagen hatten. Aber Elisabeth überlegte noch, was genau sie Tessa erzählen sollte und Tessa spürte, dass Elisabeth noch etwas Zeit brauchte. Also bereiteten sie schweigend das Essen zu. Während Elisabeth noch die letzten Handgriffe erledigte, deckte Tessa den Tisch. Sie setzten sich gemeinsam an den Tisch, Elisabeth füllte die Teller und Tessa goss den Wein in die Gläser. Dann begannen sie schweigend zu essen.

Nach einer Weile fasste Elisabeth sich ein Herz und fing an zu erzählen. Sie erzählte von ihrem Vater, der vor Jahren an Krebs gestorben war. Alle hatten immer gehofft, dass er es überleben würde, aber dem war nicht so. Er hatte seine kleine Tochter damals zum Ballettunterricht angemeldet, als er noch gesund war. Und er hatte darauf bestanden, dass sie weiter tanzte, als man die Krankheit bei ihm diagnostiziert hatte. Er liebte es, seiner Tochter beim Tanzen zuzusehen, er selbst konnte es ja nicht mehr, dabei war er auch einmal Tänzer gewesen und hatte an einigen Theatern getanzt. Elisabeth traten die Tränen in die Augen, als sie daran dachte, wie sie immer mit ihrem Vater zusammen getanzt hatte, als dies noch möglich war. Tessa sprach die ganze Zeit kein Wort, sondern hörte aufmerksam zu und streichelte ab und zu die Hand Elisabeths. Elisabeth musste damals ihrem Vater versprechen, dass sie weiter tanzen würde, auch wenn er nicht mehr da wäre und auch ihre Mutter musste es ihrem Vater versprechen. Ihre Mutter wollte nicht, dass Elisabeth eine Profikarriere als Tänzerin anstrebte, sie sollte einen „vernünftigen“ Beruf erlernen. Der Vater und Elisabeth wussten dies und aus diesem Grund schmiedeten sie zusammen einen Plan. Elisabeths Vater legte ein Konto für sie an, auf dem jeden Monat ein bestimmter Geldbetrag einging. Der Mutter erzählten sie, dass es für ihre Ausbildung wäre, was es ja auch war. Nur nicht so, wie es sich die Mutter gedacht hatte. Das Geld war für ihre Ausbildung als Tänzerin gedacht. Ihre Mutter wollte indes, Dass Elisabeth BWL an einer Universität studierte. Also hatte sich Elisabeth an der Musical Art Akademie beworben, ohne dass ihre Mutter davon wusste. Als sie zur Audition fuhr, hatte sie ihrer Mutter erzählt, dass es an der Uni einen Tag der offenen Tür geben solle und dass sie sich die Uni ansehen will und sich dabei auch nach einem Zimmer oder einer kleinen Wohnung umsehen wolle. Sie wollte alles so schnell wie möglich erledigen.

Somit dachte ihre Mutter, dass Elisabeth an der Uni studierte und dass sollte auch noch eine Weile so bleiben, weshalb Elisabeth Tessa jetzt mit einweihte, damit diese sich nicht irgendwann einmal aus versehen verplapperte. Wenn es nach Elisabeth ging, dann sollte dies ruhig bis zum Ende ihrer Ausbildung an der Akademie so weiter gehen. Jetzt hatte aber Elisabeth das Problem, dass zwar die Ausbildung an der Akademie und die Miete für ihr Zimmer mit dem Geld des Vaters bezahlt wäre, aber Elisabeth wollte gern auf eigenen Beinen stehen und ihr Geld selbst verdienen. Sie wollte das Konto ihres Vaters nicht zu sehr in Anspruch nehmen. Und sie wollte ihre Mutter nicht weiter um Geld bitten, sie wollte so wenig wie möglich Zeit mit ihrer Mutter verbringen. Auch wenn es nur ein Anruf am Telefon bedeutete. Elisabeth hatte schon am Schwarzen Brett in der Akademie geschaut, aber alle Jobangebote waren schnell vergeben oder sie hatten unmögliche Arbeitszeiten. Ganz zu schweigen von denen mit den unmoralischen Angeboten.

„Okay. Ich denke ich hätte da etwas für dich. Du musst dich aber überraschen lassen“, sagte Tessa geheimnisvoll. Elisabeth willigte ein und so spülten die Mädchen schnell ihr Geschirr ab und zogen sich für den Abend um. Elisabeth hatte sich für einen engen schwarzen Rock entschieden, der ihr bis zu den Knien ging. Darunter trug sie Leggings und ihre Beine steckten in hohen Stiefeln, die ihre Wade betonten. Zum Rock trug sie ein enges schwarzes Top, welches ihren Busen betonte und ihre Schultern frei lies. Darüber trug sie eine kurze dünne Jacke, die sie ausziehen konnte, falls es ihr zu warm wurde. Die Jacke war ebenfalls schwarz, nur ihre blonden Haare bildeten einen Kontrast zur Kleidung. Sie trug ihr Makeup dezent auf und schon war sie fertig für das große Abenteuer. Als Tessa sie erblickte, war sie echt beeindruckt, denn sie kannte Elisabeth bisher nur in Shirt und Jeans. Aber auch Tessa konnte sich sehen lassen. Sie hatte einen engen Jeansrock an, der an ihren Oberschenkeln endete. Dazu trug sie Stiefel mit hohen Absätzen, so dass Elisabeth sich fragte, wie man darauf laufen konnte. Dazu trug sie eine karierte Bluse, bei der die oberen Knöpfe so weit geöffnet waren, dass man den Ansatz des BHs erahnen konnte, wenn man genauer hinschaute. Tessas Makeup war nicht so dezent, sondern sie hatte sich Smoke-Eyes geschminkt und einen knallroten Lippenstift aufgelegt. „Na dann sind wir fertig und können los. Auf ins Unbekannte.“, zwinkerte sie Elisabeth zu.

Tessa führte Elisabeth in ein Viertel der Stadt, in dem es viele Bars gab. Einige hatten doch recht eindeutige Namen und Elisabeth wollte Tessa schon fragen, womit genau diese ihr Geld verdiene. Tessa sah die unausgesprochenen Frage im Gesicht Elisabeths und fing an zu lachen: „Keine Angst ich gehe nicht anschaffen. Ich liebe zwar Sex, aber ich bin dann doch etwas wählerisch und als Nutte kannst du nicht immer bestimmen mit wem du vögeln willst.“ Elisabeth wurde bei den Worten doch tatsächlich rot, obwohl sie durchaus nicht prüde war, aber sie war es nicht gewohnt die Dinge beim Namen zu nennen.

Dann trat Tessa unvermittelt in einen Club und sagte: „Voilà, da sind wir. Schau dich ruhig um und werde etwas mit der Umgebung warm, ich suche inzwischen mal den Chef.“ Und schon stand Elisabeth alleine da. Tessa hatte sie neben der Garderobe stehen lassen und ist hinter einer Tür verschwunden, auf der Privat stand. Na toll und was jetzt, dachte Elisabeth. Dann werde ich mal in den Club gehen. Sie zog ihre Jacke aus und wollte ihren Eintritt bezahlen. Der junge Mann aber an der Garderobe wollte ihr Geld nicht: „Schätzchen, wenn du mit Tessa da bist, dann musst du nicht bezahlen. Ich denke mal, du suchst einen Job. Na so was Schnuckeliges wie dich können wir hier immer gebrauchen. Nun geh schon rein und lass dich verzaubern.“ Dabei zwinkerte er Elisabeth zu. Diese wollte schon protestieren, kam aber nicht dazu, da der junge Mann sich schon den nächsten Besuchern zugewandt hatte.

Elisabeth trat durch den Vorhang in den Club und staunte nicht schlecht. Man sah direkt auf eine Bühne am anderen Ende des Raumes. Die Bühne war im Augenblick leer und die roten Samtvorhänge waren zugezogen. Elisabeth erkannte, dass hinter dem Vorhang emsiges Treiben herrschte. Die anderen Gäste im Club nahmen dies nicht wahr, aber Elisabeth war unter Tänzern aufgewachsen, dass sie dies nur mit einem Blick erfasste. Hinzu kamen zahlreiche eigene Auftritte.

Auf der rechten Seite befand sich ein riesiger Tresen, hinter dem sich ein Mann und eine Frau befanden. Sie waren damit beschäftigt, die zahlreichen Kunden zu bedienen, die sich an der Bar angestellt hatten, um Getränke zu bekommen. An der Wand hinter dem Tresen befand sich ein riesiges Regal, in dem sich alle Getränke und Zutaten befanden, die benötigt wurden um die Cocktails zuzubereiten. Die junge Frau war brünett und trug ein schwarzes T-Shirt und eine schwarze enge Hose. Ihre Haare hatte sie zu einem Pferdeschwanz gebunden. Der junge Mann hatte schwarze kurze Haare und ein schön geschnittenes Gesicht. Die Frauen an der Bar stellten sich alle bei ihm an, wobei die Männer sich alle bei der Frau anstellten. Elisabeth musste bei diesem Anblick schmunzeln, es war doch überall das gleiche.

Der Club war gut gefüllt und Elisabeth fiel auf, dass nur noch wenige Gäste den Raum betraten, was darauf schließen ließ, dass von den Türstehern niemand mehr hinein gelassen wurde. Die beiden Barkeeper hatten alle Hände voll zu tun, sie kamen kaum hinter den Bestellungen hinterher. Immer wieder stellten sich Kunden an den Tresen und orderten Getränke. Elisabeth fasste sich ein Herz und machte sich auf dem Weg zur Bar. Sie ergatterte einen Platz und wartete geduldig, bis einer der beiden Zeit für sie hatte. Sie musste nicht lange warten, bis der junge Mann sie entdeckte. Er fragte danach, was sie trinken wolle und sie bestellte sich erst einmal eine Cola. Sie wusste ja nicht, was Tessa mit ihr vorhatte und aus diesem Grund wollte sich doch nüchtern bleiben. Außerdem vertrug sie soundso nicht viel Alkohol. Der Barkeeper brachte ihr das gewünschte Getränk und sie beobachtete das Geschehen im Club. Plötzlich wurde es immer unruhiger hinter der Bühne und auch im Club war zu spüren, dass gleich etwas geschehen würde. Alle bemühten sich einen Platz zu ergattern, bei dem man zur Bühne schauen konnte. Da die Sitzplätze begrenzt waren, blieben viele an der Wand gegenüber der Bühne stehen und schauten gespannt zur Bühne.

Der Vorhang der Bühne öffnete sich und gab den Blick auf einen Barhocker in der Mitte der Bühne frei. Ansonsten konnte man auf der Bühne nichts erkennen. Plötzlich leuchtete ein Scheinwerfer auf und er zeigte auf die rechte Seite der Bühne. Die Melodie eines Tangos erklang und mit der Musik wurde eine Frau im Scheinwerferlicht sichtbar, die sich passend zum Tango bewegte. Die Frau hatte eine schwarze Korsage an, darunter trug sie einen String, ihre Beine steckten in schwarzen Strapsen, die mit der Korsage verbunden waren, und an den Füßen trug sie High Heels, was ihre Beine automatisch länger erschienen ließ. Ihre braunen Haare waren mit Gel zurückgekämmt und sie trug einen Zylinder. An ihren Händen trug die Tänzerin Handschuhe, die ihr bis zu den Oberarmen reichten und in der einen Hand hielt sie eine Zigarettenspitze. Obwohl sie eine Maske trug, erkannte Elisabeth ihre Mitbewohnerin Tessa als die Frau auf der Bühne. Sie war total fasziniert davon, wie Tessa sich bewegte. Tessa bewegte sich elegant, aber dennoch bestimmt zu den Klängen des Tangos. Sie sah das Publikum erhaben an, ohne dass es überheblich wirkte.

Tessa begann sich zu entkleiden. Zuerst legte sie den Zylinder ab, dann streifte sie zuerst den linken Handschuh ab, dann den rechten. Sie legte die Sachen neben dem Barhocker auf die Bühne, dann umtanzte sie den Barhocker sinnlich, bevor sie sich auf ihm niederließ. Hier zog sie dann auch noch die High Heels aus. Zuerst den rechten, dann den linken. Nachdem sie sich die Schuhe ausgezogen hatte bewegte sie sich auf dem Barhocker, sie spreizte die Beine, damit die Zuschauer direkt zwischen ihre Beine blicken konnten, hier sahen sie aber nur den String. Dann rollte Tessa erst den rechten Strumpf von ihrem Bein. Dann tat sie das gleiche mit dem linken Strumpf. Nachdem sie beide Strümpfe ausgezogen hatte, endete auch die Musik und sie saß zum Schluss nur in der Korsage, dem String und dem Strapsgürtel auf dem Barhocker. Mit den letzten Klängen des Tangos schloss sich auch der Vorhang der Bühne. Das Publikum war total fasziniert, während des Tanzes schauten alle gespannt und still zur Bühne. Nun brachen sie in lautem Beifall aus. Einige pfiffen sogar. Dennoch hatte man nicht das Gefühl, dass man sich in einem billigen Striplokal befand. Auch Elisabeth fühlte sich seltsam erregt. Sie stand nicht auf Frauen, aber dieser Tanz war so erotisch, dass sie nicht umhin konnte und fasziniert war. Plötzlich wurde sie an der Schulter berührt und sie zuckte zusammen.

Es war der Barkeeper: „Hey Süße, ich wollte dich nicht erschrecken, aber du sollst mal hinter die Bühne kommen. Der Chef möchte mit dir reden.“

Elisabeth ging durch eine Tür neben der Bar, die ihr der Barkeeper zeigte. Der Flur war nur schwach beleuchtet, aber Elisabeth konnte mehrere Türen erkennen. Zuerst kam sie am Lager vorbei, wo sich mehrere Regale mit Knabbereien, Flaschen und die Fässer für die Zapfanlage befanden. Von weiter hinten konnte sie Frauenstimmen hören und sie erkannte Tessas Stimme wieder. Automatisch ging sie darauf zu, weil sie die Stimme kannte und weil sie hoffte, dass Tessa ihr weiterhelfen konnte, denn sie wusste nicht so recht, was denn der Chef des Clubs von ihr wollte. Sie betrat die Garderobe der Tänzerinnen und sog sofort vertrauten Geruch ein. Mit diesem Geruch, nach Schweiß, Parfüm, Waschmittel und Mottenkugeln war sie aufgewachsen. Zumindest solange, wie ihr Vater noch aktiv getanzt hatte.

Als Tessa sie sah, fiel sie Elisabeth um den Hals: „Beth, schön das du hier bist. Hat dir meine Vorstellung gefallen? Du hast mich doch sicher gleich erkannt.“

„Ja das war sehr schön. Dass du so einen Job hast, hätte ich echt nicht gedacht. Hast du gedacht, dass ich das auch machen könne?“

„Nein, ich weiß, dass unser Chef wen für die Bar sucht. Du hast ja gesehen, was hier los ist und Luisa und Alex schaffen das vorne nicht allein. Erst vorgestern sagte der Chef wieder, dass wenn ich wen kenne, dann soll ich ihn mitbringen und ihm vorstellen. Also habe ich an dich gedacht. Du hast zwar keine Erfahrung in der Arbeit hinter dem Tresen, aber ich denke dass du es schnell lernst.“

Elisabeth lächelte Tessa dankbar an, auch wenn diese wieder ohne Punkt und Komma geredet hatte. „Nun mach aber schnell, der Chef wartet schon auf dich. Einfach an die nächste Tür klopfen. Und Beth, keine Angst, er sieht zwar nicht so aus, aber ist ein ganz Lieber.“

Elisabeth klopfte also an die nächste Tür und von drinnen hörte sie ein Brummen, dass wohl herein bedeuten sollte. Also fasste sie sich ein Herz, öffnete die Tür und trat in den Raum. Ihr gegenüber befand sich ein Schreibtisch, der fast die gesamte Breite des Raumes einnahm, an der Seite war nur ein schmaler Durchgang, so dass der Besitzer zu seinem Stuhl gelangen konnte. An der einen Wand des Büros befanden sich mehrere Monitore, welche einzelne Bereiche der Bar zeigten, wie die Garderobe, den Eingang und den Tresen. Elisabeth konnte unschwer erkennen, dass der Club immer noch gut gefüllt war, was ja auch nicht verwunderlich war, da das Programm des heutigen Abends ja erst begonnen hatte. Elisabeth musterte den Mann hinter dem Schreibtisch etwas genauer. Er war kräftig gebaut, man hätte sagen können, dass er etwas zu viele Pfunde auf den Rippen hatte. Aber durch seine Größe fiel dies nicht sonderlich stark auf. Seine Haare waren dunkel, man konnte sagen fast schwarz und er war etwas älter. Er trug eine schwarze Anzughose und dazu einen Strickpullover. Dieser Mann kam Elisabeth seltsam bekannt vor und als ihr dämmerte wer das war, konnte sie es nicht fassen. „Onkel Vladimir!“

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