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Kapitel 6

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-Niklas-

Zwei Jahre zuvor


»Schatz, du musst dir unbedingt ansehen, was ich gekauft habe!«, rief Kevin bereits durch den Flur, nachdem er die Wohnungstür aufgeschlossen hatte. Max war noch nicht zu Hause und ich gerade mit der Zubereitung des Abendessens beschäftigt. Eigentlich hatte Kevin schon viel eher zurück sein wollen, um mir zu helfen. Vermutlich hatte er sich wieder mal nach Feierabend mit seinen Kollegen verquatscht.

Ich trocknete mir die Hände am Handtuch ab und kam zu ihm in den Flur.

»Was ist es denn?«, fragte ich ihn neugierig, nachdem er mir einen kurzen Begrüßungskuss gegeben hatte. Wir wohnten nun schon seit gut einem Monat zusammen, weil in der WG noch ein Zimmer frei geworden war. Meinen Vorschlag, bei Max und mir einzuziehen, hatte Kevin sofort angenommen, nachdem wir einige Dates hatten. Normalerweise hätte ich die Sache nicht so überstürzt, doch mein Freund hatte öfter erwähnt, dass er seinem Bruder nicht länger zur Last fallen wollte, sodass sich diese Möglichkeit einfach anbot.

»Komm. Dafür musst du kurz mit rauskommen«, sagte er mit einem Funkeln in den Augen. Kevin konnte sich immer so sehr für Dinge begeistern wie ein kleines Kind. Das gefiel mir an ihm. Überhaupt hatte ich sehr schnell mein Herz an diesen Kerl verloren, was ich selbst ein wenig erschreckend fand. Meine vorherigen Beziehungen hatte ich langsamer angehen lassen, statt einfach kopfüber ins kalte Wasser zu springen. Ich zog mir Jacke und Schuhe über, dann folgte ich ihm die Treppe hinunter in den Hof. Bereits von Weitem konnte ich sehen, was seine Begeisterung hervorrief.

Es war ein schwarzes Motorrad. Ich verstand nicht viel von Autos und Motorrädern, doch Kevin war als Kfz-Mechaniker Feuer und Flamme. Für mich waren Fahrzeuge lediglich ein Mittel, um schnell von A nach B zu kommen.

»Sieht gut aus«, meinte ich, nachdem ich die Maschine umrundet hatte. Mein Freund runzelte die Stirn.

»Gut? Die Maschine ist der Hammer. Ein Glück, dass mein Chef sie von einem Kunden in Zahlung genommen hatte. Sie war nach einem Unfall ziemlich hinüber, doch ich habe sie repariert und zu einem echt fairen Preis abkaufen können. Wenn du willst, können wir jetzt gleich eine kleine Spritztour machen!«

»Ach, lass mal. Ich bin nicht so der Fan von schnellen Fahrzeugen.«

Ein enttäuschter Ausdruck zeigte sich auf Kevins Gesicht. »Ich würde auch extra langsam fahren, damit du keine Angst zu haben brauchst …«

»Schon gut. Du kannst ja vielleicht Max fragen, ob er eine Runde mit dir dreht. Er ist doch für jeden Spaß zu haben«, entgegnete ich mit einem entschuldigenden Lächeln und strich Kevin kurz über die stoppelige Wange. »Wir sollten besser wieder raufgehen. Ich habe die Lasagne noch im Ofen und will ungern, dass unser Abendessen ungenießbar wird.«

Schweigend folgte mir mein Freund zurück in die Wohnung. Es tat mir zwar leid, dass ich seine Begeisterung für dieses Motorrad nicht teilen konnte, aber das war wirklich nicht meine Welt. Kevin konnte am Wochenende stundenlang an irgendwelchen Autos herumbasteln, weil es ihm auf der Arbeit einfach nicht genug war. Er schraubte für sein Leben gern an allem herum, das einen Motor hatte. So hatte er auch meinen alten Golf wieder zum Laufen gebracht, obwohl ich ihn bereits abgeschrieben und nach einem neuen Auto gesucht hatte.

Ich hingegen nutzte meine Freizeit lieber mit einem guten Buch auf dem Sofa, denn ich liebte die Ruhe um mich herum, wenn ich in eine spannende Geschichte eintauchte. Nicht selten kam es jedoch vor, dass sich mein Freund zu mir ins Wohnzimmer gesellte und den Fernseher einschaltete, weil gerade ein Fußballspiel lief, das er ungern verpassen wollte. Ich konnte mit diesem Sport sehr wenig anfangen, obwohl ich gern ins Fitnessstudio ging. Doch für Fußball konnte ich mich nur schwer begeistern. Trotzdem war es irgendwie süß, wie mein Freund seinen Lieblingsverein anfeuerte. Als er einmal Karten für ein Heimspiel hatte, begleitete ihn Max.

»Schmeckt gut«, meinte Kevin kauend, nachdem wir uns am Küchentisch gegenübersaßen und die Lasagne aßen. »Sorry, dass ich dir nicht bei der Zubereitung geholfen habe. Ich habe einfach die Zeit vergessen.«

»Schon okay. Dann eben beim nächsten Mal.« Ich wusste zwar, dass er auch beim nächsten Mal eine Ausrede haben würde, aber das war nicht weiter schlimm. Ich kannte es bereits von Max, allein in der Küche zu stehen und für das Abendessen zu sorgen. Dafür erledigte Kevin immer die Einkäufe und den Abwasch.

»Sag mal, willst du später mit mir ausgehen? Vielleicht in einen Club und ein bisschen tanzen? Schließlich ist Freitag und wir sind schon ewig nicht mehr feiern gewesen«, schlug er vor, nachdem er seinen leeren Teller von sich geschoben hatte. Ich legte mein Besteck ebenfalls zur Seite.

»Muss das heute sein? Ich hatte dir doch bereits gesagt, dass ich morgen früh zu meinen Eltern fahre, um meinem Vater mit der Gartenarbeit zu helfen. Da wäre ich gerne ausgeschlafen für die lange Autofahrt.«

»Oh, war das schon morgen? Das hatte ich nicht mehr auf dem Schirm«, sagte er mit gesenktem Kopf. »Dann vielleicht morgen Abend?«

»Da gehe ich mit einer Kollegin ins Theater. Du weißt doch, sie hatte mir Karten angeboten und weil du keine Lust hast, mich zu begleiten, kommt sie nun selbst mit.«

Kevin grinste schief und kratze sich am Hinterkopf. »Na ja, du willst ja auch nicht, dass ich einfach mitten in der Vorstellung einschlafe und die Zuschauer mit meinem Schnarchen störe, oder? Hast du etwas dagegen, wenn ich Max frage, ob er mich in den Club begleiten würde?«

Ich schüttelte den Kopf. Es machte mir wenig aus, wenn mein Freund allein oder mit unserem Mitbewohner feiern ging. Ich vertraute beiden und wusste, dass Kevin mir treu war.

»Was ist mit mir?«, kam es von der Tür. Max stand im Türrahmen, die Arme vor der Brust verschränkt und grinste uns an. Dann fiel sein Blick auf die Lasagne in der Auflaufform auf dem Küchentisch. »Wow, du hast gekocht! Ich bin am Verhungern!« Mit diesen Worten schnappte er sich einen Teller aus dem Schrank und setzte sich zu uns.

Es war im Nachhinein betrachtet sowieso ein Wunder, dass Kevin und ich ein Paar wurden. Wir passten eigentlich nicht zusammen, meinte Max immer wieder. Womit er recht hatte, denn wir waren wirklich zu unterschiedlich, was unsere Interessen und Vorlieben betraf. Zogen sich Gegensätze nicht bekanntlich an? Auch wenn wir kaum gemeinsame Hobbys hatten, konnten wir nicht ohne einander sein. Spätestens, wenn er nach einer Party am frühen Morgen in mein Bett kroch, waren die Unterschiede unerheblich. Dann waren wir bloß zwei Männer, die in feuriger Leidenschaft vergingen. Nach einem leise geflüsterten ich liebe dich war die Welt für mich in Ordnung. Der Sex verband uns, auch wenn die Art, wie wir uns liebten, anders war, als ich es aus meinen früheren Beziehungen kannte. Kevin mochte es wild und stürmisch, ich hingegen konnte nach einem Blowjob lange mit meinem Partner kuscheln, bis ich in seinem Arm einschlief. Kevin hingegen wollte immer aufs Ganze gehen. Ich mochte es, mich von ihm nehmen zu lassen und es machte mir nur selten etwas aus, wenn er mich dominierte. Manchmal hätte ich schon gern die Rollen getauscht, denn auch ich war gern mal Top, aber sobald ich diesbezüglich eine Andeutung machte, ließ er sich nicht darauf ein, weshalb es bei der ursprünglichen Rollenverteilung blieb …

An diesem Abend ging ich schon früh ins Bett, nachdem Kevin und Max in den Club aufbrachen. Immerhin hatte ich meinen Wecker auf halb sieben in der Früh gestellt, um so zeitig wie möglich zu meinen Eltern aufzubrechen. Ich schlief schnell ein, erwachte jedoch wieder, als jemand die Bettdecke anhob und sich hinter mich schob. Müde lächelte ich. Kevin war bereits zurück.

»Habe dich vermisst«, nuschelte er leise und küsste dabei meinen Nacken. Diese zärtliche Geste ließ mich erschaudern. Obwohl ich kaum die Augen offenhalten konnte, reagierte mein Körper sofort auf Kevin. Die Party war ja wirklich schnell vorbei, womit ich nicht gerechnet hatte.

»Das nächste Mal komme ich mit, versprochen«, murmelte ich leise und wollte mich zu ihm umdrehen, doch er umklammerte meine Taille und presste sich an meinen Rücken, sodass ich an Ort und Stelle liegen blieb. Seine Erektion drückte fest gegen meinen Hintern. Ich ahnte, was er vorhatte, denn seine Hand hatte sich bereits vorne in meine Boxershorts geschoben, um meinen Schwanz zu massieren. Da ich jedoch noch immer im Halbschlaf war, wurde ich nicht so schnell geil. Sacht zog ich seine Hand weg.

»Wollen wir das auf morgen verschieben? Ich möchte wirklich schlafen.« Kevin brummte etwas Unverständliches, bestand jedoch nicht weiter auf Sex. Nach einem weiteren kurzen Kuss in meinen Nacken, drehte er sich auf den Rücken und blieb reglos liegen. Einige Herzschläge lang lauschte ich in die Stille meines Zimmers, bis ich sein Schnarchen vernahm. Schmunzelnd drehte ich mich zu ihm, bettete meinen Kopf auf seine Brust und schlief kurz darauf ebenfalls ein.

Call me Baby

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