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Kapitel 3

Oulala, Oulala

Um sechs Uhr abends sind keine Pfannkuchen mehr übrig. Wie jeden Mittwoch, dem Trainingstag, und jeden Samstag, dem Spieltag, hat Karima über hundert davon gemacht. Jetzt ist von ihnen keine Spur mehr zu sehen. Die kleinen Kicker, hungrig und gierig, müssen untröstlich ohne dampfenden Teller und Nutella-Schnurrbart auf die Plätze des Stade Léo-Lagrange zurücktrotten. Sie können höchstens noch etwas zu trinken oder ein paar Süßigkeiten kaufen. Aber das ist nicht das Gleiche. Neben der Snackbar steht Athmane Airouche und schlürft lächelnd einen Kaffee, den Karima zubereitet hat. Daran zumindest herrscht kein Mangel. Er begrüßt die Jungs, die Hallo sagen und ihm die Hand geben, bevor sie in die Umkleidekabine gehen. Dann zieht er los, um die Arbeit der U11-Trainer zu begutachten.

Airouche ist seit Juni 2017 Präsident der AS Bondy, für die er zuvor bereits als Spieler und auch als Trainer der U19 – ein „rebellisches Alter“ – tätig war. Vor einem grünen Graffiti mit dem Klubnamen und dem Wort „Football“ spult er einige Daten und Fakten herunter: „Wir haben 800 Mitglieder, von der U17 bis zu den Senioren. Darunter 140 Mädchen, fast doppelt so viele wie letzte Saison.“

Ob das der Kylian-Effekt ist?

„Ja, es scheint so zu sein, und leider mussten wir zahlreiche Jungs ablehnen. Wir haben nicht die Anlagen oder die Kapazitäten, so viele aufzunehmen. Wir haben zwei Fußballplätze – einer Natur-, einer Kunstrasen -, eine Futsal-Halle sowie das Stade Robert-Gazzi auf der anderen Seite von Bondy. Wir sind ein Ausbildungsverein, wir wissen, wie man mit Kindern und jungen Menschen umgeht und betrachten das als unsere Mission. Wir haben nie daran gedacht, uns anders aufzustellen, wobei ich anmerken möchte, dass wir mehr als 30 Jungen ausgebildet haben, die später Profi wurden. Allein letzte Saison wechselten fünf unserer Schüler zu PSG, Bordeaux und Monaco.“

Er ergänzt: „Wir sehen uns als Familienklub, der eine wichtige gesellschaftliche Rolle erfüllt. Wir suchen Kinder nicht nach ihren technischen Fähigkeiten aus, sondern weil wir möchten, dass sie Sport treiben, spielen und Spaß haben. Für uns macht es keinen Unterschied, ob sie aus Bondy Nord oder Bondy Süd kommen, aus einer Mittelschichts- oder Arbeiterfamilie. Von dem Moment an, da sie durch die Stadiontore kommen, sind sie, soweit es uns betrifft, angehende Fußballer. Wir haben außerdem ein Auge auf ihre schulische Ausbildung und treffen uns mit ihren Eltern und Lehrern. Wir versuchen, Werte zu vermitteln wie Bildung, Respekt vor Regeln und vor anderen sowie seriös und gut zu arbeiten. Und wir pochen darauf, wie wichtig es ist zu lernen, denn nicht jeder kann ein großer Fußballstar werden. Leider sind es manchmal die Eltern, die allzu großen Druck ausüben. Sie sind besessen von der Vorstellung, einen Fußballprofi zum Sohn zu haben. Gerade neulich erst hatte ich ein längeres Gespräch mit einem Vater. Schließlich fragte ich ihn: ,Aber wären Sie denn nicht froh, wenn aus Ihrem Sohn ein guter Anwalt würde?“

Wie steht es mit Kylian Mbappé?

„Wir reden oft über ihn, denn ein Spieler von seiner Begabung kommt in einem solchen Klub wie dem unseren vielleicht alle 30 oder 40 Jahre daher. Wegen seiner Einstellung, die er auf und neben dem Platz an den Tag legt, dient er uns als Beispiel für die Kinder. Hier im Verein sind alle stolz auf ihn, denn er ist hier groß geworden und neun Jahre geblieben.“

Karima unterbricht den Präsidenten, jemand sucht nach ihm. Er verschwindet für ein paar Minuten, dann kommt er zurück und plaudert weiter.

„Er wohnte dort drüben“, sagt Airouche mit einem Wink auf die weißen Häuser der Allée des Lilas jenseits der Stadionmauern. „Dies war sein Kindergarten“, fügt er hinzu. „Er war jeden Tag hier, immer mit seinem Vater, der damals technischer Leiter der Jahrgänge U11 bis U17 war. Kylian muss drei oder vier Jahre alt gewesen sein. Er war unser kleines Klubmaskottchen. Man sah in mit einem Ball in den Händen in die Kabine kommen, wo er sich ganz still in eine Ecke setzte, um zuzuhören, was der Trainer vor dem Spiel zu sagen hatte. Vermutlich gibt es kein zweites Kind auf der Welt, das so vielen Gesprächen gelauscht hat wie er. Gewiss gibt es keins, das so vielen technischen Erörterungen, Taktikbesprechungen, Predigten und Ansprachen zugehört hat. Und da Kylian schon immer wie ein Schwamm war, jemand, der sehr schnell lernt, hat er schon in jungen Jahren fußballerische Konzepte aufgesaugt, die andere erst Jahre später zu hören bekamen und verstanden.“

Als es drei, vier Jahre alt war, alberte das kleine Maskottchen mit seinem Vater herum, denn es wollte unbedingt bei der AS Bondy angemeldet werden. Kylian wollte mit den großen Jungs spielen. Aber Wilfrid hielt das noch für zu früh und sorgte sich, dass er ihm als Trainer zu nahe stand, um ihn richtig betreuen zu können. Einstweilen musste sich das zukünftige Wunderkind des französischen Fußballs damit begnügen, mit Gleichaltrigen auf dem Kleinfeld neben der École Maternelle Pasteur zu bolzen, wohin Fayza ihn jeden Morgen brachte. Manchmal erlaubte er sich, dort, wo sein Vater arbeitete, die Erwachsenen in Erstaunen zu versetzen.

„Ich trainierte die Torhüter, da ich selbst einer gewesen war, während Wilfrid sich um die Stürmer kümmerte. Wir fassten die U17, die U19 und die Senioren zu einer einzigen Gruppe zusammen“, erinnert sich Jean-François Suner, der soeben am Stadion eingetroffen ist, um das Training zu leiten.

„Wir beendeten die Einheit mit einer Übung vor dem Tor, und Kylian, der damals fünf war, wollte unbedingt mitmachen. Er rief: ,Ich will spielen! Ich will spielen!‘, und sein Vater sagte: ,Hör auf, Kylian. Du siehst doch, dass es nicht geht.‘ Nach einer Weile meinte ich zu seinem Vater: ,Komm, Wil, lass ihn spielen.‘ Also machte er mit. Er war fünf! Er fing an, den Ball zu dreschen, und wir lachten! Natürlich war er deutlich langsamer als die anderen, aber er hatte eine besondere Qualität, er konnte den Ball auf eine Weise schießen, die unglaublich war. Auch die Torhüter konnten es nicht fassen. Sie fragten: ,Wer ist der kleine Kerl?‘ Ich murmelte nur immer wieder vor mich hin: ,Oulala, Oulala‘.“

Ein Ausruf, der bald allenthalben zu hören war, als Kylian mit sechs schließlich bei der AS Bondy angemeldet wurde. Sein erster Trainer war sein Vater, ein Mann, den Airouche als „großzügig, fleißig und fair“ beschreibt. „So wie seine Frau, Fayza. Ich kann an die beiden nur als Paar denken, denn sie sind wie die beiden Hälften eines Ganzen. Alles Gute, was sie für ihre eigenen Kinder taten, taten sie auch für die Kinder hier im Klub. Sie machten da nie einen Unterschied. Fayza sagte z. B. oft zu mir: Wenn ich ein Haus kaufe, möchte ich einen großen Fußballplatz haben, damit alle Kleinen aus dem Verein kommen und bei uns spielen können.‘ Auch jetzt noch, da sie nach Paris gezogen sind, sind wir weiter in Kontakt. Wann immer ich mit ihnen spreche, sagen sie mir hundertmal: ,Athmane, du weißt, dass wir immer da sind, wenn du etwas brauchst für den Klub.‘ Sie sind außergewöhnlich großzügig. Und vergessen Sie nicht, dass dank Kylian alle Kinder in unserem Verein von Nike ausgestattet werden.“

Aber wie ging Wilfrid als Trainer mit seinem Sohn um?

„Er begünstigte ihn ganz und gar nicht. Er hatte keinerlei Hemmungen, Kylian die Leviten zu lesen, wenn es zu seinem Besten war und um zu zeigen, dass es keine Bevorzugung gab. Er war hart, aber er ging mit den anderen Kindern genauso um. Man spürte, dass er Trainer durch und durch war und es liebte, ein Teil des Vereins zu sein“, erzählt der Vater eines Jungen, der mit Kylian spielte. Und was war der zukünftige PSG-Star für ein Typ?

„Ein Kind wie jedes andere, das davon träumt, Fußballer zu werden, nur dass es Qualitäten hatte, die die anderen nicht hatten“, sagt Airouche.

„Er war besser als die anderen, schneller als die anderen, und er machte schwierigere Dinge als die anderen“, meint Antonio Riccardi. „Und er machte sie in jedem Spiel. Er war zehnmal, zwanzigmal, hundertmal besser als die anderen. Es war wirklich außergewöhnlich.“

Riccardi ist seit zwölf Jahren bei der AS Bondy, zunächst als Spieler und heute als Leiter der U15. Er hat soeben das Training beendet und erinnert sich, in einem kleinen Verschlag in der Kabine sitzend, in der seine Kids ein- und ausgehen, an die Zeit, als er anfing, Kylian zu trainieren. „Ich kenne ihn, seitdem er ein Baby war, denn Wilfrid ist für mich wie ein zweiter Vater: Er bildete mich zum Spieler und zum Trainer aus. Ich erinnere mich, wie Kylian mit vier Jahren, die Hand auf der Brust, die ,Marseillaise‘ sang und wie er einem, mit sechs oder sieben, erzählte, man solle sich keine Gedanken machen, eines Tages werde er bei der WM für die Nationalmannschaft spielen.“

„Stimmt, das sagte er ständig in dem Alter“, erinnert sich ein anderer früherer Mitspieler. „Er wollte den Ballon d’Or gewinnen, Profi werden und für Real spielen. Wir meinten, er solle die Klappe halten!“

„Man musste einfach schmunzeln, wenn er so ernsthaft seine Zukunft plante: erst Clairefontaine, dann Rennes, so wie sein Bruder Jirès Kembo, dann Frankreich und Madrid. Wir dachten, er sei bloß ein Träumer“, sagt Riccardi. Aber auf dem Platz zeigte der Junge aus der Allée des Lilas, dass er viel mehr war als das.

Suner sagt: „Ich betreute ihn ein Jahr lang, als er oberhalb seiner Altersklasse in der U10 spielte. Im Training sah man gleich, dass er eine gewisse technische Leichtigkeit mitbrachte. Wir wussten, dass er es weit bringen würde, sofern es körperlich keine Schwierigkeiten gäbe. In der U7 war er ganze vier Monate, danach spielte er stets über seiner Altersklasse, mit Kindern der Jahrgänge 1997 und sogar 1996. Weil sein Geburtstag auf das Jahresende fiel, spielte er praktisch gegen Jungs, die drei Jahre älter waren als er.“

„Und dennoch war er der beste Spieler auf dem Platz“, ergänzt Riccardi. „Er machte den Unterschied. Schnell, sehr schnell, wie ein Routinier auf hohem Niveau, begriff er, wie er sich seines Bewachers entledigte, wie er sich seinen Mitspielern anbot. Welches seine herausragende Qualität war? Sein Tempo mit dem Ball am Fuß. Er hatte eine natürliche Begabung.“

„Er ist ein geborener Dribbler. Er ist einer dieser Spieler, die einfach das gewisse Etwas haben, wie Messi, Neymar oder Dembélé. Er ist reif für sein Alter und hat sich nie selbst unter Druck gesetzt. Wenn ich ihn heute als Profi spielen sehe, denke ich, dass er noch der Gleiche ist wie damals bei uns“, bestätigt Suner.

Riccardi bekennt: „Als Trainer konnte man ihm lediglich Ratschläge dahingehend geben, bestimmte Entscheidungen auf dem Platz zu treffen, z. B. früher abzuschließen, lieber abzugeben oder einen Gegenspieler mehr auszuspielen. Ansonsten gab es nichts, was man ihm hätte beibringen können. Er war technisch außergewöhnlich stark, und man brauchte ihm nichts zweimal zu sagen. Er begriff sofort, was der Trainer von ihm wollte.“

Draußen vor der Umkleide ist es bitterkalt und stockdunkel. Auf der anderen Seite des Platzes sind die Tribüne und das Graffiti an der Begrenzungsmauer („schneller, höher, stärker“, ein Motto, das auch Kylians sein könnte) jetzt kaum noch auszumachen. Das Flutlicht beleuchtet nur die Jungen und Mädchen auf dem fleckigen Grün, die immer wieder Drills, Pässe und Torschüsse üben. In der Wärme der Umkleide kommen die Erinnerungen und Anekdoten rund um den früheren Spieler der AS Bondy wieder an den Ausgangspunkt zurück.

„Sein Idol war Cristiano Ronaldo. Er pflasterte die Wände seines Zimmers mit Postern des Portugiesen. Er mochte ihn, als er bei Manchester United war und in seinen ersten Jahren in Madrid, die schnelle Nummer 7, die den Flügel rauf und runter wetzte. Er mochte seine Dribblings und schaute ihm im Fernsehen zu, dann versuchte er, es auf dem Platz nachzumachen“, erinnert sich Riccardi. Aber der fünfmalige Weltfußballer war nicht der einzige Star, den Kylian bewunderte. Da waren noch Ronaldinho und Zidane. Seine Freunde aus Kindertagen ziehen ihn heute noch damit auf, eines Tages beim Friseur in vollem Ernst um den gleichen Haarschnitt wie Zizou gebeten zu haben. Sie sahen ihn an, als hätte er den Verstand verloren. Jahre später versuchte Kylian, sich zu rechtfertigen: „Wenn man einen Spieler mag, möchte man alles so machen wie er. Ich wusste damals nicht, dass es eine Glatze war!“

Mamadou Yate, technischer Leiter der Altersklassen U10 bis U17, trainiert bis spät in den Abend hinein, hat aber Zeit für einen kurzen Plausch mit den Besuchern. „Ich hörte von Kylian durch seinen Vater, der Trainer im Ort war. Er ging in die Schulen, um den Jungs Fußball nahezubringen, und er trainierte meine Freunde. Ich hörte, dass er sehr gut sei, dass der Junge Talent habe, aber als ich ihn zum ersten Mal spielen sah, haute es mich vom Hocker. Das war 2005, und ich trainierte eine Mannschaft der gleichen Altersklasse bei einem Klub hier in der Nähe, Stade de l’Est. Wir spielten ein richtiges Derby gegen Bondy. Ende der ersten Halbzeit stand es 0:0, und es lief gut für uns. Aber so ging es nicht weiter: Wir verloren, glaube ich, 1:5. Kylian muss drei Tore gemacht haben. Drei unglaubliche Tore. Er konnte Dinge anstellen, die sonst nur Erwachsene können. Er schaltete schneller als alle anderen, und wann immer er den Ball am Fuß hatte, wichen meine Jungs zurück. Sie hatten Angst, er würde an ihnen vorbeidribbeln und sie alt aussehen lassen.“

Ein Phänomen auf dem Platz, aber eher nicht in der Schule. Nach dem Kindergarten ging Kylian Mbappé auf die Grundschule Olympe de Gouges. In einem Interview mit der Sportzeitung L’Équipe erinnerte sich Yannick Saint-Aubert, der frühere Direktor der Schule, dass er sich gemeinsam mit Kylians Lehrer Mark jeden Abend mit Fayza zusammensetzte, die erfahren wollte, wie ihr Sohn sich den Tag über gemacht hatte. Wie er sich betragen hatte, ob er seine Aufgaben erledigt hatte und wie es um seine Noten bestellt war. „Kylian wusste, dass Fayza und Wilfrid es ihm nicht einfach durchgehen ließen, wenn er schlechte Noten nach Hause brachte. Und er war schlau genug zu wissen, wann er sich reinhängen musste.“

Mutter und Vater kümmerten sich sehr um die Erziehung und Ausbildung ihres Erstgeborenen. Sie meldeten ihn zu Tennis- und Schwimmkursen und zum Musiktheater an, wo er Flöte spielen lernte. Und um zu gewährleisten, dass er nicht an die falschen Leute geriet, schickten sie ihn schließlich auf eine katholische Privatschule in Bondy: die Groupe Scolaire Assomption. Auch dort wachten sie stets über ihn. Seine Französischlehrerin Nicole Lefèvre erinnert sich, dass er der einzige Schüler in der 8. Klasse war, der einen Laufzettel hatte. Nach jeder Stunde musste er sich diesen vom Lehrer unterschreiben lassen, der vermerkte, wie er sich betragen hatte: gut, sehr gut oder schlecht.

Intelligent, lebhaft, spitzbübisch, ein Träumer, nett, aber auch hyperaktiv, ungezogen und schwer zu handhaben – so wird er von einigen seiner Lehrer beschrieben. Das Problem war nicht Französisch, Geografie oder Mathe – seine Noten waren meist zufriedenstellend. Das Problem war sein Betragen, seine Art, Dinge anzugehen, und seine Streiche. Er war ein Junge, der nicht still an seinem Pult sitzen und den Ausführungen des Lehrers folgen konnte. Ihm wurde schnell langweilig. Die Langsamkeit, mit der in der Schule alles voranging, lag ihm nicht. Vielleicht war es aber auch nur so, dass „die Schule nicht seine Priorität war. Kylian hatte nur einen Gedanken im Kopf und der war, Fußballprofi zu werden“, sagt Suner.

„Er liebte Fußball, dachte an Fußball und redete über Fußball die ganze Zeit, auch wenn er nicht hier war. Er spielte daheim im Wohnzimmer oder saß vor der PlayStation und zockte eine Runde FIFA. Und wenn ein Spiel im Fernsehen lief, konnte man darauf wetten, dass er es nicht verpassen würde. Und noch dazu wuchs er in einer Familie auf, in der alle Fußball liebten, sein Vater und sein Onkel“, erzählt Riccardi.

Talent, Leidenschaft, Entschlossenheit und familiäre Wurzeln: ein Cocktail, der Kylian zu einem kleinen Genie machte, das bei Trainern und Mitspielern gleichermaßen beliebt war. „Alle waren sehr beeindruckt von ihm, sowohl die Spieler unserer Mannschaft als auch unsere Gegner“, erinnert sich Théo Suner, der bei der AS Bondy mit Kylian in fast jeder Altersklasse spielte und heute Torhüter der U19 in der D1 ist. „Wann immer er den Ball bekam, spielte er mehrere Spieler auf einmal aus. Ich erinnere mich an ein U11-Turnier in Tremblay, wo er unglaublich war. Wir kamen ziemlich weit, obwohl Klubs wie der FC Porto und Feyenoord Rotterdam dabei waren. Er trug die Mannschaft durch das ganze Turnier. Ich habe mit vielen Fußballern gespielt, die später Profis wurden, und ich habe so etwas noch nie gesehen, niemand erreichte auch nur annähernd sein Niveau. Er dribbelte entweder sämtliche Gegner aus, schoss Tore oder bereitete welche vor.“

„In der U13, in den unteren Ligen, brachte er es problemlos auf 50 Tore in einer Saison. Wir hörten irgendwann auf zu zählen. Er konnte drei Tore in einem Spiel machen und noch zwei weitere vorbereiten. Bei uns spielte er immer auf der linken Seite. Auf dem rechten Flügel war Jonathan Ikoné, der aktuell bei Montpellier als Leihgabe von PSG spielt. Sie verstanden sich gut, sowohl auf als auch neben dem Platz. Kylian war ein guter Freund, er war witzig und hatte immer ein Lächeln auf den Lippen. Er hatte nie irgendwelche Probleme mit Mitspielern oder mit mir. Nein, er war nicht der Leader der Mannschaft, wie es ein Kapitän ist, der seinen Kollegen auch mal die Hölle heißmacht, aber er wurde ein Leader auf dem Platz, er war der Leader einer tollen Mannschaft.“

Neben den beiden bereits Genannten zählten zum 1998/99er-Jahrgang der AS Bondy noch Joé Kobo (heute bei Caen) und Metehan Güçlü (heute bei PSG). Aber Kylian war der Star der Mannschaft. „Ich erinnere mich an ein Ligaspiel, es ging um den Klassenerhalt. Wir lagen 2:0 vorn, aber der Gegner verkürzte auf 1:2. Einer seiner Mitspieler meinte zu Kylian, sie würden jetzt bestimmt noch den Ausgleich kassieren. Er antwortete, er solle ruhig bleiben und abwarten, er werde gleich ein Tor machen. Dann schnappte er sich in unserer Hälfte den Ball, dribbelte an allen vorbei, tauchte allein vor dem Torwart auf, schickte ihn mit einer Körpertäuschung in die falsche Ecke und traf dann mit einem Heber à la Messi. Sein Vater saß neben mir auf der Bank und wollte ihn umbringen, weil er nicht mit dem letzten Ernst zur Sache ging. Wenn das passierte, sagte ich ohne nachzudenken zu ihm: ,Bringe ihn nicht um, gratuliere ihm!‘“

Die Erinnerungen reißen nicht ab. François Suner hat noch eine, vielleicht eine der schönsten an den lebhaften kleinen Kerl im grün-weißen Trikot mit der Nummer 10 auf dem Rücken. „Wir hatten ein wichtiges Match gegen Bobigny. Zur Halbzeit stand es 0:0, und wir waren völlig von der Rolle. Es stimmt, dass wir in unseren Teams gerne den Ball haben, das Spiel diktieren und den Ball zirkulieren lassen, aber an diesem Tag kamen wir nicht in Tritt. In der Pause ging ich in die Kabine und bat den Trainer, ein paar Worte sagen zu dürfen. Ich wandte mich an die Spieler und sagte: ,Hört zu, wir lassen uns heute nicht aus der Ruhe bringen. Es ist ganz einfach, in der zweiten Halbzeit werden wir den Ball einfach immer Kylian geben. Das ist alles.‘ Wir gewannen 4:0, und er war derjenige, der alle Tore schoss.“

Eine letzte Frage: Mochte Kylian Pfannkuchen mit Nutella? „Als er bei uns spielte, gab es die Snackbar leider noch nicht“, sagt Airouche. „Aber heute kann er ja einiges nachholen, wenn er zu Besuch ist.“

Mbappé

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