Читать книгу Mach mich geil! Erotische Geschichten - Lucy Palmer - Страница 4
ОглавлениеFühre mich nicht in Versuchung! No. 4
In naher Zukunft ...
Riley schloss die Augen und unterdrückte ein Stöhnen, als sich Leah im Dienstwagen zu ihm herüberbeugte. Sie hielt sich ein Nachtsichtgerät vor die Augen, mit dem sie zu seiner Scheibe hinaussah.
Riley schwitzte. Warum musste ausgerechnet er ihr Einweisungsbeamter sein?
Er konnte ihre Körperwärme fühlen, roch ihr Shampoo und ihren ganz eigenen, weiblichen Duft.
Es machte ihn wild. Gierig. Geil.
Sein Herz klopfte schneller. Er spürte, wie sich seine Fänge verlängerten. Sein Gaumen juckte, Speichel sammelte sich in seiner Mundhöhle. Er konnte Leahs Blut durch ihre Adern pulsieren hören, es beinahe riechen und schmecken. Und er wusste, wie es schmeckte: süß und rein – nach Leah eben. Ihr Blut war die pure Versuchung. Schon drei Mal hatte er in den letzten sechs Wochen von ihr gekostet.
Drei Mal zu viel.
Riley krallte seine Finger in das Polster des Sitzes und versuchte angestrengt nach draußen zu sehen, obwohl er wusste, dass da niemand war. Wenn er sich stark konzentrierte, konnte er jeden Menschen, jedes Tier im Umkreis von einem Kilometer allein an seinem Herzschlag erkennen. Doch im Moment hörte er außer seinem eigenen nur Leahs Herz. Es ging ein wenig zu schnell. Sie war aufgeregt. Wegen des Jobs oder wegen ihm?
Riley fühlte des Öfteren ihre forschenden Blicke auf sich, wie sie ihn heimlich musterte, ihn wie zufällig berührte. Vielleicht waren es tatsächlich nur Zufälle und er bildete sich etwas ein, wo nichts war. Beinahe wünschte er, Leah würde ihn attraktiv finden, aber das würde alles nur schlimmer machen, denn dann wüsste Riley nicht mehr, ob er sich ganz zurückhalten könnte.
Die junge Frau neben ihm hatte keine Ahnung, was er war. Nachdem er von ihr getrunken hatte, hatte er jedes Mal mittels Gedankenkraft ihr Kurzzeitgedächtnis gelöscht. Ansonsten hätte Leah ihn entweder schon umgebracht oder er säße jetzt in irgendeinem gottverdammten Versuchslabor fest.
Immer noch war sie ihm viel zu nahe. Eine Hand hatte sie auf seinem Sitz abgestützt, ihre Finger berührten seine Jeans. Seine Haut hinter dem Stoff schien zu brennen.
Normalerweise konnte er ohne Probleme seine Triebe beherrschen, nur bei Leah wollte ihm das immer seltener gelingen und heute war es besonders schlimm.
»Meinst du, er ist weg?«, flüsterte sie.
»Glaub schon«, sagte er leise, damit sie nicht hörte, wie heiser seine Stimme klang. Er konnte sich kaum noch kontrollieren, das Hemd klebte auf seiner schweißnassen Brust.
Sie waren schon seit einer ganzen Stunde allein; nicht ein Tier wagte sich in seine Nähe. Sie witterten ihn, wussten, was er war.
Ihre Zielperson hatte sich überhaupt nicht blicken lassen.
Sie befanden sich ein paar Kilometer außerhalb der irischen Stadt Cork, wo es außer Feldern und kleinen Waldstücken nicht viel gab. Niemand würde Riley beobachten, niemand würde Leahs Schreie hören können, wenn er sie ...
Als Leah sich bückte, um das Nachtsichtgerät unter ihrem Sitz zu verstauen, fiel ihr Haar nach vorn und entblößte ihren Hals, der im dunklen Wagen wie eine helle Säule strahlte.
Riley schluckte, unfähig, den Blick abzuwenden. Er brauchte kein Nachtsichtgerät, kein Fernglas. Er brauchte nur Blut ...
Ihr Blut.
Riley sah ihre pochende Halsschlagader und hielt sich nur mit Mühe zurück, nicht seine Fänge in sie zu schlagen, um an ihr zu saugen. Es überfiel ihn das unbändige Verlangen, sie zu beißen und ihr liebliches Blut zu kosten. Sie schmeckte einfach himmlisch, und zu wissen, wie sie schmeckte, machte es noch schlimmer. Riley wollte sie jeden Tag mehr. Seine Fänge schmerzten. Hätte er seine Mundwinkel gehoben, würde Leah sofort erkennen, was er war, und Vampire standen auf der Abschussliste nach wie vor ganz oben.
Leah richtete sich wieder auf, schaute ihn mit weit offenen Augen an. Sie wirkten beinahe schwarz wie ihr Haar, aber beides würde im Tageslicht dunkelbraun aussehen. Wie Zartbitterschokolade.
»Ich glaube, der kommt nicht wieder, O´Sullivan.«
»Ja, fahren wir«, erwiderte Riley rau und blickte auf das verlassene Holzhaus zu seiner Linken, das sich auf einem Acker befand.
»Riley? Siehst du was?«, wisperte sie, wieder viel zu dicht an seinem Ohr. Es war beinahe, als würde Leah seine Nähe suchen.
Gar nicht gut.
Er schloss die Augen, den Kopf immer noch zur seitlichen Scheibe gewandt, damit sie ihn nicht ansehen konnte. Auf Knopfdruck öffnete er sein Fenster einen Spaltbreit und kühle Nachtluft wehte herein. Er nahm einen tiefen Zug, um Leahs Duft aus seinen Lungen und Sinnen zu verdrängen.
»Riley?«
»Hm? Nein, da ist nichts.« Hastig legte er seinen Daumen auf den Anlasser, und mit einem biometrischen Scan seines Fingers startete der Wagen.
Er liebte es, wenn sie ihn Riley nannte. Fuck, er liebte sie und würde doch nie mit ihr zusammen sein können. Leah jagte Wesen wie ihn. Er jagte Wesen wie ihn. »Ich mach nur ᾿nen kurzen Abstecher. Ich muss mal.«
Leah nickte. »Ich glaube, ich halte es auch nicht mehr bis nach Hause aus.« Immerhin war es nichts Ungewöhnliches, irgendwo am Straßenrand oder hinter einem Gebüsch sein Geschäft zu verrichten, wenn man auf Streife war. »Der Job macht mich ganz schön nervös. Ich weiß nicht, ob Polizistin wirklich das Richtige für mich ist.«
»Ging mir am Anfang auch so«, erwiderte er, um irgendwas zu sagen. Er konnte kaum sprechen mit seinen ausgefahrenen Raubtierzähnen.
Riley lenkte den Wagen in ein angrenzendes Waldstück, wo er den Motor abstellte. Das Licht ließ er jedoch an, damit Leah im Dunkeln etwas erkannte. Sie lief nach rechts und Riley sah, wie sie hinter einem Busch verschwand.
Er schlug die andere Richtung ein und lief los, so schnell er konnte, immer tiefer in den Wald. Er musste Abstand halten, sich beruhigen. Die Reaktionen seines Körpers unter Kontrolle bringen. Tief atmete er den Duft von feuchter Erde sowie Moos ein, während er seine Geschwindigkeit reduzierte und raschen Schrittes weiterging. Er glaubte fast, Leah bis hierher riechen zu können, über einen Kilometer von ihr entfernt. Kaum außer Atem blieb er stehen, um zu lauschen. Leah saß wieder im Auto. Er hatte die Tür gehört. Warum mussten seine verdammten Sinne viel schärfer sein als bei einem Menschen? Doch er war kein Mensch. Er brauchte Blut, um zu überleben. Zwar nicht viel, nur jede Woche ein bisschen, aber zu seinem Leidwesen musste es Menschenblut sein. Er hatte einmal in der Zoohandlung eine Ratte gekauft, in der Hoffnung, sie könnte ihn eine Zeitlang ernähren. Als er es endlich fertiggebracht hatte, in ihre pelzige Haut zu beißen, hatte er sich übergeben. Danach hatte er das verschreckte, aber unversehrte Tier wieder zurückgebracht und war bei den Blutkonserven geblieben. Wenn das Blut im Beutel noch warm war, konnte es durchaus schmackhaft sein, aber eine ältere Konserve brachte er nur hinunter, wenn er das Blut vorher aufwärmte. Doch auch dann schmeckte es fahl, wie billiger Wein. Als er jedoch Leahs Blut gekostet hatte, wäre er fast gestorben vor Genuss. Niemals zuvor hatte etwas so gut geschmeckt wie sie. Und er wusste nicht mehr, wie er ohne ihr Blut überleben sollte, ohne wahnsinnig zu werden.
Seufzend machte Riley sich auf den Rückweg, wobei er sich seine dunklen Haarsträhnen aus der Stirn strich. Er war kein richtiger Vampir, denn er alterte normal, vertrug Sonnenlicht – er musste seine empfindlichen Augen lediglich mit einer Sonnenbrille schützen – und konnte sogar gewöhnliche Nahrung zu sich nehmen. Bis auf seinen verdammten Blutdurst hätte er ein fast normales Leben führen können. Wenn ihm seine Eltern nicht schon vor langer Zeit erklärt hätten, wie er an Blutkonserven kommen konnte, wäre er verhungert. Denn er hatte sich stets geweigert, von einem anderen Menschen zu trinken als seiner Mutter. Doch aus dem Säuglingsalter war er ja wohl raus.
Nach dem Vorfall mit der Ratte – den er natürlich tunlichst verschwieg –, hatte sein Vater sofort erkannt, wie schlecht es ihm ging. Duncan O´Sullivan hatte nicht weiter nachgehakt, Riley jedoch geraten, ein Bordell aufzusuchen, um dort einer Hure ein wenig Blut abzuzapfen und gleichzeitig seine aufkeimenden Triebe zu befriedigen. Doch allein der Gedanke hatte ihn angeekelt. Riley hatte es kein einziges Mal ausprobiert.
Warum zur Hölle hatte er dann seine Kollegin gebissen?
Er konnte sich noch gut an den Tag vor zwei Monaten erinnern, als Leah Gallagher in sein Auto gestiegen war und er sie zum ersten Mal gerochen hatte. Sofort hatte sein Herz schneller geschlagen, er war auf der Stelle hart geworden und ihre Schönheit hatte ihn augenblicklich verzaubert.
Drei Tage später hatte er seine Fänge in das zarte Fleisch ihres Halses gebohrt.
Danach war er fix und fertig gewesen, hatte Gedanken an Selbstmord gehabt. Aber wenn er tot war, konnte er Leah nicht mehr beschützen. Sie würde bei einem anderen Beamten im Auto sitzen und keine Chance haben, wenn so ein Superkrieger, nach dem sie fahndeten, über sie herfiel ...
Manchmal wusste Riley nicht, wo er hingehörte. Vor zehn Jahren war es ihm am sinnvollsten erschienen, ein Garda, ein Polizist, zu werden. Bei der Garda Síochána, wurde ein Mann mit seinen Fähigkeiten gebraucht. Natürlich wusste niemand, außer seinen Eltern, wer oder was er war. Und es war nur zu gut, dass er sich niemandem anvertraut hatte, denn jetzt jagte er im Auftrag des Staates Irland solche Wesen wie ihn: Bestien. Menschen, die durch ein Mittel zu dem wurden, was er selbst war: eine höchst gefährliche Kampfmaschine.
Nein – Riley wusste nicht, in welche Welt er gehörte. Er fühlte sich einsam. Eine zurückverwandelte Vampirin zu finden, die so war wie er, war fast unmöglich. Die meisten hielten sich versteckt, und es gab nur sehr wenige von ihnen auf der ganzen Welt, denn nur ein geringer Prozentsatz der Vampire wollte seine Unsterblichkeit aufgeben. Und eine Vampirfrau war auch nicht das, was er suchte und wollte, obwohl er einige kannte, die unwahrscheinlich scharf auf ihn waren. Für die würde er wahrscheinlich nur als Wirt dienen. Zudem war eine Vampirin unsterblich, er aber nicht. Er wollte sich nicht in jemanden verlieben, der nicht alterte. Außerdem fühlte er sich mehr zu Menschen hingezogen. Zu Leah. Aber würde Leah so ein Monster wie ihn wollen? Ein Geschöpf, das zur Bestie werden konnte? Eine Bestie, die sie beruflich jagte?
Wahrscheinlich nicht.
Gut, er war anders, kein richtiger Vampir. Vor zweiunddreißig Jahren hatten sich seine Eltern, beides ehemalige Vampire, ein Heilmittel gespritzt. Das machte es möglich, sich nach monatelanger und sehr schmerzhafter Anwendung in einen Menschen zurückzuverwandeln. Besonders sein Vater Duncan hatte es immer gehasst, ein Vampir zu sein, der niemals das Sonnenlicht sehen, niemals mehr richtiges Essen schmecken konnte und ein Leben in ewiger Angst führte, aufgespürt und getötet zu werden. Duncan hatte Riana, Rileys Mutter, nur zum Vampir gemacht, weil sie unheilbar an einem Gehirntumor erkrankt war und sie ihn angefleht hatte, sie zu beißen. Duncan und Riana liebten sich. Sie waren so glücklich miteinander, auch jetzt noch so sehr, dass es Riley beinahe schmerzte, nicht selbst jemanden zu haben, dem er nahe sein konnte. Noch kein einziges Mal hatte er mit einer Frau geschlafen – einer Menschenfrau. Da hatte es nur einmal eine Zurückverwandelte – Julia – gegeben, mit der er eine kurze und intensive Beziehung geführt hatte, aber da war nur Sex im Spiel gewesen, keine Liebe. Julia war die einzige Zurückverwandelte neben seinen Eltern und ihrem Freund Nathan, die Riley je zu Gesicht bekommen hatte. Er wusste nicht mal, wo Julia jetzt steckte, und es war Riley auch egal.
Als sich seine Mutter – von dem Tumor geheilt, denn Vampire waren niemals krank – das Heilmittel spritzte, hatte sie nicht gewusst, dass sie bereits mit ihm schwanger war. Riana hatte nicht geglaubt, überhaupt schwanger werden zu können, bevor sie nicht wieder ein richtiger Mensch war. Es war also ein Unfall gewesen. Riley war ein »Unfall«. In Rianas Leib war er zu dem geworden, was er jetzt war: halb Mensch, halb Vampir. Für die einen der beste Garda von Cork, für die anderen eine Bestie.