Читать книгу Traumtänzer - M. A. Audren - Страница 5
ОглавлениеEllie fühlte sich, als schlügen tausend Hämmer auf ihren Kopf ein. Unter lautem Stöhnen zwang sie sich, die Augen zu öffnen, zuckte allerdings sofort wieder zusammen, als das brennende Sonnenlicht ihr einen Stich versetzte. Erst nach einer gefühlten Ewigkeit schaffte sie es, sich aufzusetzen und um sich zu schauen. Ihre Haut glänzte von kaltem Schweiß und ihr rotes Haar klebte ihr unangenehm im Nacken. Verwirrt blinzelte sie in Richtung Fenster. Sonnenlicht flutete den Raum durch die halb offenen Jalousien. Der Anblick ließ sie nach Luft schnappen - und nach ihrem Handy greifen. Unter dem kleinen Beistelltisch fand sie es schließlich und erstarrte, als sie die Uhrzeit sah. 8:20. Sie musste eingeschlafen sein … ohne einen Wecker gestellt zu haben. Damit blieben ihr etwa eine halbe Stunde, um sich vorzeigbar zu machen und in die Arbeit zu laufen, so schnell sie ihre Beine trugen. Benommen versuchte sie, die Erinnerungen von sich zu stoßen, die in ihr hoch kamen - ein verschwommener Traum voller Monster und irgendeinem verrückten Tänzer, doch die Bilder hafteten an ihr wie Klebstoff. Sie hatte keine Zeit um über diesen Schwachsinn nachzudenken. Hastig sprang sie vom Sofa und atmete scharf ein, als ihr ein stechender Schmerz ins Knie fuhr. Dann fiel ihr die Uhrzeit wieder ein und sie taumelte so schnell es ging ins Bad, wo sie die Klamotten des Vortags abstreite und in eine Ecke warf. Ihr Knie war ziemlich blutig und eine verschmierte Schürfwunde zog sich bis in die Mitte ihres Schienbeins. Das heiße Wasser machte die Schmerzen auch nicht gerade wett und sie fluchte leise, als auch noch Seife in die Wunde kam. Es war nicht das erste Mal, dass sie sich irgendwo gestoßen hatte ohne es zu merken, aber normalerweise fiel es ihr zumindest auf, sobald es anfing zu brennen wie Hölle. Nicht, dass sie Zeit hatte, sich damit jetzt genauer auseinander zusetzen. Hastig sprang sie aus der Kabine, trocknete sich ab und zog im Vorbeigehen ein frisches Shirt aus dem Wäschekorb.Wenige Minuten später war sie sauber, hatte nur noch die akzeptable Anzahl an Knoten in den Haaren, und war die Treppe hinunter. Hastig griff sie ihre Schlüssel vom Küchentisch und öffnete die grüne Zimmertür neben der Spüle wo Charles nach wie vor friedlich schlummerte. Ellie ließ ihren Blick kurz durch den Raum gleiten und als alles in Ordnung schien warf sie dem Mann ein schwaches Lächeln zu.»Die Schwester ist in einer halben Stunde da, Dad.« Dann zog sie die Tür behutsam ins Schloss und trabte zur Haustür hinaus. Das penetrante Licht der Morgensonne beschwor kurz ein anderes Bild in ihren Gedanken. Purpurnes Licht, das sich voll Wonne über goldene Weizenfelder ergoss. Gut, dass sie zu gestresst war, um genauer darüber nachzudenken - schaffte sie es doch nur mit Müh und Not über die grüne Ampel an der Straßenecke.»Guten Morgen!« Als sie in die kleine Blumenhandlung stolperte, war es zwei vor neun. Wäre dieser halb schlafende Busfahrer nicht gewesen, der die halbe Kreuzung blockieren musste, hätte sie es bestimmt sogar noch früher geschafft. »Ah, Ellie, schönen guten Morgen.« Die Dame hinter der Theke schaute aus dem Ordner auf, in den sie ihre Nase vergraben hatte und schenkte ihr ein mildes Lächeln. »Ich hatte schon Angst, du hättest verschlafen.« Das war der Nachteil, wenn man sonst immer eine halbe Stunde zu früh dran war.»Haha, nein, keine Sorge, ich bin putzmunter und anwesend!« Ellie schlüpfte hinter der alten Dame vorbei um die Ecke, wo sie ihren Spind öffnete und sandte ein stummes Dankesgebet von sich. Marlyn Orson reichte ihr kaum bis zu den Schultern aber war trotz ihres hohen Alters alles andere als gebrechlich. Bis jetzt hatte Ellie es noch nie persönlich geschafft, ihren Zorn auf sich zu ziehen, aber nachdem sie oft genug gesehen hatte, wie ihre Chefin unpünktliche Lieferanten und vorlaute Kunden handhabte, würde sie es ganz bestimmt nicht darauf anlegen. Mit umgebundener Schürze und Handschuhen bewaffnet trabte sie wieder in den Vorraum, wo Marlyn gerade dabei war, ihre Dokumente wieder in einem Kasten zu verstauen, um den Platz um die Registrierkasse wieder frei zu machen.»Drehst du bitte das Schild um, Liebes?« Artig machtet Ellie die zwei Schritte zum Eingang und drehte das ‘Geöffnet’ Schildchen in der Auslage, nicht ohne dabei einen irritierten Blick zur Seite zu machen. Eine kleine Floristeria wie diese konnte sich nicht viel Personal leisten, aber trotzdem war es ungewöhnlich ruhig in dem kleinen Verkaufsraum.»Wo ist Edith?«»Sie arbeitet hinten das Lager durch, sie sagte, ihr sei nach etwas Ordnung.« Marlyn kam etwas näher und flüsterte mit einem Zwinkern: »Ich glaube sie brütet eine Grippe aus und will keinen anstecken.« Edith war nicht viel jünger als ihre Vorgesetzte dafür aber mindestens dreimal so eigensinnig. Diese schien noch etwas sagen zu wollen, doch als sie Ellies Gesicht musterte, zog sie die Brauen zusammen. »Auch wenn du ‘putzmunter’ bist, du siehst erschöpft aus. Du achtest doch darauf, genug Schlaf zu bekommen? Ich weiß noch, als ich in deinem Alter war,« Diesmal konnte die Rothaarige sich ein Kichern nicht verkneifen, » … nunja, darüber muss man ja nicht in der Öffentlichkeit reden.« Sie musste ein Gähnen hinter vorgehaltener Hand verbergen. »Jetzt holt mich die Vergangenheit ein. Ab 50 geht es abwärts, Elena.«»Dabei sind Sie frisch wie der junge Morgen.«»Und ebenso vergänglich.« Ihr weißer Lockenschopf wackelte ihm Takt zu ihrem rauen Gelächter. Kurz fiel Ellies Blick auf den Boden hinter der Frau. Etwas ließ sie stutzen, doch bevor sie sich genauer damit beschäftigen konnte, schwang die Eingangstür auf - es war jedoch kein Kunde, der in den Laden stolperte. »Dir müsste man eine Uhr auf die Stirn nageln um dich einmal pünktlich zu sehen, Junge.« Auf diesen Satz hin musste Ellie sich nicht einmal nach der Tür umdrehen, um zu wissen, wen der Wind herein getrieben hatte.»Sorry, Grandma, der Bus war zu spät. Die scheinen ein paar Ausfälle zu haben - « Der Neuankömmling mit den dunklen Haaren überragte die Frau um ein gutes Stück, dennoch duckte er sich, als sie ihn mit einem giftigen Blick bedachte.»Ich hab' auch gleich einen Ausfall, wenn du nicht sofort zu deiner Kasse gehst, Cain.«»Dir auch einen wunderschönen guten Morgen, Grandma.« Der Junge schien wenig beeindruckt und als er Ellie erblickte, wandelte sich der kurze Schreckmoment in seinem Gesicht zu einem breiten Lächeln. »Und einen - « Nein. Heute war sie absolut nicht in der Stimmung.»Cain, Kasse.«»Hat da jemand schlecht geschlafen?« Ellie rollte mit den Augen und machte einen großen Bogen um den Witzbold mit den schwarzen Locken. Wenn sie noch einmal das Wort ‘Schlaf’ hörte, würde sie wahnsinnig. »Wer wird das schöne Gesicht denn so verziehen, ich schlage vor … «»Dass du deine Arbeit machst und die arme Ellie in Ruhe lässt. Bei deinem Herumgehüpfe so früh am Morgen kommt einem ja der Kaffee hoch, du Gockel.« Schon war dem Mädchen ein Lachen entglitten, das ihr Kollege mit einer eingebildeten Kopfgeste abtat. »Vielleicht wärst du einmal pünktlich, wenn du zu Hause schlafen würdest, anstatt dich die ganze Nacht herumzutreiben.« Den Teil überging er partout.»Ich bin so hübsch und charmant geboren, dafür kann ich nichts, egal um welche Uhrzeit.« Marlyn zog ein paar Grimassen und Ellie versuchte, der Höflichkeit halber, ein lautes Prusten hinunterzuschlucken. Obwohl sein Ego den ein oder anderen Abstrich ohne Probleme wegstecken konnte.»So ich gehe nach hinten, irgendjemand muss die Lieferung übernehmen. Kümmere dich doch ein wenig um die Sträuße, Mädchen.« Ellie tat wie ihr geheißen und da schon die ersten Kunden in den Laden traten, nahm auch Cain hastig seine Arbeit auf. Mit einem Eimer in der Hand begann Ellie klarschiff zu machen und als sie damit anfing, die Tulpensträuße durchzusehen, hatte der morgendliche Kundenstrom schon wieder etwas nachgelassen. Sie warf einen Blick zu Cain, der sich eben mit einem lauten Gähnen hinter der Theke streckte.»Na, hat dich die neue Eroberung gar nicht aus dem Bett geworfen?«»Du weißt doch, mich kann man einfach nicht mehr gehen lassen.« Cain war ein guter Kerl, aber sein Hang zur Selbstverliebtheit und wilden Herumflirterei machte sie manchmal wahnsinnig. An guten Tagen hatte sein Ego die Ausmaße von Oslo. »Spaß beiseite, der Verkehr war heute Chaos: Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, die schlafwandeln alle. Die Bäckerei war auch gnadenlos unterbesetzt.« Er hatte sich wirklich noch in aller Ruhe Frühstück geholt. An die verpasste Mahlzeit erinnert, gab Ellies Magen prompt ein protestierendes Knurren von sich. Cains Lippen verzogen sich zu einem schiefen Grinsen und er zog eine Augenbraue hoch.»Ich hätte noch ein Brötchen übrig.«»Du nutzt meine Schwachstelle schamlos aus.«»El, El, El … Wenn du schon nicht meinem unglaublichem Aussehen erliegst, dann zumindest meinen Bestechungsversuchen.« Als er ein platt gedrücktes Croissant aus seiner Jackentasche zog, war Ellie drauf und dran, sich ihm an den Hals zu werfen.»Der Filmabend heute steht noch?«»Natürlich.« Nicht, dass sie andere Freunde hätte, die ihren Plänen in die Quere kommen könnten. Ihre beste Freundin zog seit dem Abschluss in der Welt herum und alle anderen Kontakte hatten sich im zeitraubenden Tross des Erwachsenseins so gut wie verloren. »Wenn du vor sieben kommst, kriegst du was von der Pasta ab.«»Nur eine schnelle Dusche zu Hause und ich mach mich auf den Weg.«Natürlich kam Cain nicht vor sieben. Um viertel vor Acht klingelte es und Ellie öffnete mit einem betont vorwurfsvollem Gesichtsausdruck. Auf der anderen Seite der Tür stand Cain, die Hände lässig in den Hosentaschen und ein reumütiges Lächeln auf den Lippen.»Glaubst du mir, wenn ich sage, sämtliche Busse sind ausgefallen?«»Leg’ dir ein Fahrrad zu.« Damit ließ sie ihn stehen und stapfte zurück in die Küche. Kaum eine Minute später trat auch Cain in den kleinen Raum, schon brav ohne Jacke und Schuhe, und nahm die beiden Popcornbeutel nickend entgegen. Als Ellie sich umdrehte, um einen Krug mit Limonade zu füllen, hörte sie anstatt dem Surren einer Mikrowelle jedoch das Geräusch einer öffnenden Tür.»Charles, wie geht’s?« Mit einem Seufzen stellte sie den Krug wieder beiseite und folgte Cain ins Nebenzimmer. Die Augen ihres Vaters waren nach wie vor geschlossen, das einzige, was sich änderte, war der Füllstand seines Tropfs, wann immer die Krankenschwester vorbei kam. »Gleich. Es wird nicht besser - aber zumindest ist er stabil.« Im Augenblick war das das einzige, woran Ellie sich klammern konnte. Mit einem Seufzen trat sie neben Cain und strich ein paar unsichtbare Krümel vom Bett.»Weißt du, du siehst ihm immer ähnlicher. Wenn wir noch ein paar Monate warten, ist der Schnurrbart ausgewachsen und du musst dir nur noch die Haare schneiden.« Ellie rollte mit den Augen und stieß den nun kichernden Jungen mit der Hüfte beiseite. »Wenn ihm jemand immer ähnlicher wird, dann du. Denselben Mangel an guten Tischmanieren und ihr glaubt beide, ihr wärt unglaublich witzig.« Mit einem Seitenblick gab sie ein kurzes Kichern von sich. »Wer weiß, vielleicht sind wir ja doch verwandt. Du hast ihn sogar schon Papa genannt.«»Das war einmal!« Seine Wangen nahmen einen ausgeprägte Rotton an, doch sein Grinsen wurde nicht schmäler. »Und ich war elf, ich weiß nicht, wie ernst man das nehmen kann.«»Ich glaube, ihm hat es gefallen.« Sie erinnerte sich gerne an Charles Lächeln in diesem Moment. Überrascht, doch keinesfalls negativ vielleicht sogar ein bisschen Stolz. Cain hatte immer viel Zeit mit ihnen verbracht.»Wer hätte mich nicht gerne als Sohn?«»Ich könnte dir eine Liste schreiben.« Cain boxte Ellie in die Schulter, doch sein süffisantes Grinsen schien ihm zu entgleiten, als er sie genauer musterte. »Er wird wieder, El.« Sie spürte, wie ihr Nacken sich versteifte und bemühte sich, ihre Atemzüge gleichmäßig zu halten. Etwas an seinem Ton veränderte die Stimmung im Raum und ein penetranter Kloß formte sich in ihrer Kehle. Unbeholfen trat Cain näher, streckte seine Hand nach vor, nur um sie gleich wieder zurückzuziehen. Ellie starrte nur wortlos und wurde sich der wachsenden Feuchtigkeit in ihren Augen unangenehm bewusst. In Cains Gesicht hingegen machte sich langsam Panik breit und in einer Abwehrgeste hielt er das Popcorn von zuvor in die Höhe.»Karamell oder Butter?« Ellie packte einen der beiden Beutel und stapfte damit zurück in die Küche. Als das Popcorn fertig und der ganze Raum in zuckrig-süßen Karamell Geruch gehüllt war, fühlte sie sich wieder um einiges ausgeglichener. Sie drückte Cain die Schüssel in die Hand und marschierte zurück durch den Flur in das kleine Wohnzimmer gegenüber. Es war ein vergleichsweise kleiner Raum, direkt gegenüber der Küche. Seit ihrem Umzug war es nur noch in Benutzung, wenn Besuch kam - was nur selten der Fall war. Die dunkle Schiebetür war alt und als Ellie sie zu zog verkündete sie lauthals, dass sie ein paar neue Kugellager brauchte.»Hast du zumindest an den Film gedacht?«»Ich bin unpünktlich, nicht dumm.« Damit zog Cain eine DVD aus seiner Hosentasche und schob sie in den verstaubten DVD-Player. Mit einem zufriedenen Nicken knipste er den Fernseher an und und ließ sich auf die schmale Couch fallen. Ellie gab einen abfälligen Laut von sich - sie war froh, wenn ihre Hosentaschen überhaupt groß genug waren, um ein paar Münzen und Schnüre hinein zu stopfen - und grub sich neben ihm in die weichen Kissen. Nach wenigen Minuten war jedoch schon klar, dass sie dem Film heute nichts würde abgewinnen können. Es mangelte nicht an Interesse - schließlich versuchten sie seit drei Wochen, die Reihe endlich fertig zu sehen - aber irgendwie schaffte sie es einfach nicht, ihre Augen beim Film zu behalten. Ganz im Gegensatz zu Cain, der sogar das Popcorn auf seinem Schoss nach wenigen Minuten vergessen hatte und mit halb offenem Mund auf den Bildschirm starrte. Ganz bestimmt kein Anblick für seine vielen Bewunderinnen. Die Hand schon halbherzig in Richtung Handykamera ausgestreckt, gab Ellie ein leises Glucksen von sich, doch nicht einmal das lenkte ihn ab. Die bunten Bilder des Blockbusters erleuchteten sein Gesicht im Halbdunkel mit allerlei bunten Farben und sie kam nicht umhin darüber nachzudenken, wie wundersam diese ganze Situation eigentlich war. Wäre es unter anderen Umständen so gekommen? Mal abgesehen von ihrem Arbeitsplatz und einer Vorliebe für lächerliche Horrorfilme hatten sie nicht viel gemeinsam und auch ihre Freundeskreise und Hobbies hatten sich nie überschnitten. Ellie behielt sich die philosophischen Fragen sonst für drei Uhr morgens unter der Dusche auf, aber zeitweise kam sie nicht darum herum, ihr Leben genauer zu betrachten. Standen sie und ihr bester Freund sich nur so nahe, weil das Schicksal sie zusammenzuketten schien? Cains Eltern waren in einem Unfall verstorben - in derselben Explosion, die auch Ellies Mutter das Leben gekostet hatte, als sie erst wenige Wochen alt war. Soweit sie wusste, hatten ihr Vater und Marlyn danach Kontakt gehalten und bald waren Cain und Ellie gemeinsam über den Spielplatz gelaufen und hatten sich gegenseitig Sand ins Gesicht gestopft. Sie waren in dieselbe Grundschule gekommen, dieselbe Oberstufe … und über mehrere Umwege war Ellie in der Gärtnerei seiner Großeltern gelandet. Sie selbst war einfach in Pflanzen vernarrt, während Cain eher zwangsbeglückt in das Familienunternehmen eingearbeitet wurde, das er eines Tages übernehmen würde. Vorausgesetzt Marlyn riss ihm nicht vorher den Kopf ab und vererbte den Laden stattdessen Ellie. Das war eine ihrer liebsten Drohungen, wenn Cain einmal wieder mit den Kunden flirtete, anstatt ihre Bonuskarte abzustempeln. Die Frage nach Kausalität oder Korrelation verlor sich in einer besonders lauten Explosion aus dem Fernseher.Als sie Cain raus geworfen hatte und die grüne Tür hinter sich schloss, schwirrte Ellie immer noch der Kopf. So viel zu einem entspannendem Abend. Vom Film war nicht viel hängen geblieben, genau genommen wusste sie nicht einmal mehr, wie alles geendet hatte, als sie die Jalousien in Charles Zimmer herunter kurbelte und die Vorhänge nach innen zog.»Was denkst du, Dad? Wenn die Sache mit Mom nicht gewesen wäre … wäre Cain dann heute überhaupt hier gewesen? Vielleicht hätte ich auch mehr Freunde, wenn du sowas wie einen Sozialzirkel hättest. Freunde im selben Alter und so. Wenn man erwachsen ist, sind die nämlich gar nicht so leicht zu finden.« Es schien taktlos, einen schlafenden Mann aufzuziehen, aber Ellie dachte gerne, dass er es an ihrer Stelle genauso machen würde. Sie zupfte die Decken ein wenig gerade und brachte ein mildes Lächeln zustande. Es war nicht so, dass Charles keine Bekannten hatte … er zog es nur vor, alleine mit seinem Teleskop irgendwo hin zu fahren und den Sternenhimmel anzustarren. Ein wehmütiges Ziehen meldete sich in Ellie Brust. »Vielleicht ist es auch egal. Vielleicht ist nur wichtig, dass wir jetzt sind wo wir sind. Und nicht ganz alleine. « Charles schien zuzustimmen, zumindest erhob er keinen Einspruch und für sie war das genug. »Gute Nacht, Dad.« Damit stapfte sie aus dem Raum und ins Dachgeschoss um doch noch zeitig ins Bett zu kommen.Es war ein ruhiger Arbeitstag gewesen, dennoch fühlte sie sich ungewöhnlich ausgelaugt, als sie ihre Jeans abstreifte. Ihr Blick fiel auf ihr Sofa - wo ihr Traumfänger ganz unscheinbar auf ein paar Kissen lag. Denselben Fehler würde sie nicht noch einmal machen. Diesmal zog sie sich zuerst fertig um und putzte sich die Zähne, bevor sie auch nur daran denken konnte, einzuschlafen. Mit ihrer Abend-Routine fertig und mit dem Tag soweit möglich im klaren, beseitigte sie das Chaos, das ihre Übernachtung auf einem harten Sofa hinterlassen hatte und schlurfte einen Raum weiter in ihr bequemes Bett. Aus irgendeinem Grund behielt sie den Traumfänger dabei in den Händen. Es war nur ein lebloses Stück Metall und Fäden, doch wenn sie ihn ansah wurde ihr merkwürdig warm ums Herz. Vermutlich weil Charles in ihr gegeben hatte.