Читать книгу Der Mythos des Athamas in der griechischen und lateinischen Literatur - Manuel Caballero González - Страница 44
ОглавлениеGründe für die Nennung von Athamas und für seine SageSage
I. Ino-Phrixos-Helle-Version
Es gibt zehn Facetten1, welche die I-P-H-Version2 teils andeuten, teils ausführlich3 erzählen4; die Textstellen in mythographischen5, ethnographischen bzw. geographischen6 Werken bleiben ausgeschlossen. Hier werden nur die Autoren, und nicht die Werke, erwähnt, wobei ein Autor in zwei bzw. mehreren Abschnitten7 erscheinen kann.
1) Das Motiv der StiefmutterStiefmutter: Pherekydes und Herodoros.
2) Die Geschichte der ArgonautenArgonauten: Pindar, Apollonios von Rhodos, Dionysios Skytobrachion, Valerius Flaccus und Dracontius.
3) Das kultische Merkmal des MenschenopferMenschenopfers: Herodot, Aristophanes und Platon.
4) Die Entmythologisierung des Mythos von Athamas: Palaiphatos, Dionysios Skytobrachion, Heraklit, Lukianos, Apostolios und Isidor von Sevilla.
5) Als Ursprung der I-L-M-Version: Menakrates (Zenobios) und Philostephanos.
6) Der KatasterismosKatasterismos des Widders in den astrologischen Bearbeitungen des Mythos: Eratosthenes, Ovid und Badius.
Aber viele Autoren behandeln das Thema des Katasterismos nicht, sondern sie sprechen nur über den WidderWidder als die signifikante Figur des Textes8: Hesiod, Simonides, Hekataios, Akusilaos, Lukianos, Methodios, Martial und Lucanus.
7) Der Ursprung des Namens HellespontHellespont: Philostephanos, Dionysios Skytobrachion, Dionysios Periegetes, Eustathios* und Isidor von Sevilla.
8) Die Gründung einer Stadt (HalosHalos): Herodot9, Theon, Herodianos, Stephanos von Byzanz, Eustathios.In zwei Fällen spricht man über diesen Mythos, indem man von einer konkreten Stadt redet:a) KorinthKorinth: Lukianos.b) AthenAthen: Pausanias.
9) Nur ein literarisches Spiel: Lukianos.Dies lässt sich in zwei Abteilungen weiterführen:a) Die Erklärung eines Sprichwortes: Apostolios*.b) Ein Kunstwerk: Pausanias.
10) Eine Art von historischer Chronik: Eusebios, Hieronymus, Augustinus, Isidor von Sevilla, Petrus Comestor und Rodrigo de Rada.
Diese zehn Motive können folgendermaßen gruppiert werden: Das Thema der Stiefmutter, die MenschenopferMenschenopfer, die Geschichte der Argonauten, die Entmythologisierung des Mythos von Athamas und der Katasterismos des Widders. Es gibt auch Schlüsselwörter, die sich sofort auf diese Version beziehen, wie z.B. ‚WidderWidder‘ bzw. ‚Hellespont‘. Es gibt auch Orte, die mit dieser Tradition verbunden sind, wie z.B. OrchomenosOrchomenos bzw. AlosAlos.
De facto lässt sich alles auf drei Schwerpunkte beziehen:
PHRIXOSPhrixos: Mit ihm werden verbunden:Das Thema der Stiefmutter10:Negatives Bild von Ino.Die Enthüllung der IntrigeIntrige veranlasst die I-L-M-Version.Die MenschenopferMenschenopfer11:Sie verursachen NepheleNepheles’ Bestrafung:Athamas’ OpferOpfer: Örtlicher KultKult – Fluch des Klanes.Die AbenteuerAbenteuer in KolchisKolchis:Ehefrau und Kinder.Gewaltsamer bzw. friedlicher Tod.Entmythologisierung des Mythos12:Verliebtheit des Königs von Kolchis.
WIDDER13: Mit ihm werden verbunden:Das goldene VliesGoldenes Vlies.Die Reise von Phrixos und HelleHelle in der LuftLuft bzw. zur See:Nach den Chronisten verursacht dies den Mythos.Darstellungen in der bildenden Kunst.Das Opfer in Kolchis:Katasterismos.Motiv für die Reise der ArgonautenArgonauten.Entmythologisierung des Mythos14:Die Figur des Widders.Das Gold des Widders.Die Bewachung des Widders.
HELLEHelle (als Nebenfigur): Mit ihr werden verbunden:Ihr SturzSturz und der Name HellespontHellespont.DivinisierungDivnisierung: Nereide:Göttin im Hellespont: Erscheinung.Poseidon und Nachkommenschaft.Entmythologisierung des Mythos: Krankheit bzw. Ohnmacht15.
II. Ino-Learchos-Melikertes-Version
Zehn sind auch die Ursachen für die Erzählung, lato sensu, der I-L-M-Version1, ausgenommen die mythographischen Texte2, genau wie in der letzten Abteilung:
1) Die DivinisierungDivnisierung von InoIno und MelikertesMelikertes: Ovid, Laktanz, Servius und Augustinus.In drei Fällen konzentriert sich der Text entweder auf ein Merkmal oder auf eine Figur dieser Etappe:a) Die Gestalt von LeukotheaLeukothea: Homer – Porphyrios, Aristides und Eustathios*.b) Reinigung des bösen Rufes / Poseidon: Aristides.c) Die Gestalten von Leukothea und Melikertes: Badius.
2) Eine Sprichworterklärung: Menekrates-Zenobios.
3) Die Isthmischen SpieleIsthmische Spiele: Pindar, Menekrates (Zenobios), Kallimachos, Apollodor, Plutarch, Pausanias, Eusebios (Hieronymus), Eudokia, Hygin, Eustathios und die Mythographi Vaticani.
4) Inos SprungSprung: Kallimachos und Laevius.
5) Der WahnsinnWahnsinn: Nymphodoros und Cicero.a) Theatralische Darstellung: Lukian und Cicero.
6) Nur ein literarisches oder rhetorisches Spiel: Anthologia Palatina.a) Ein Kunstwerk: Kallistratos und Plinius.
7) Die Funktion von Athamas als ParadigmaParadigma:a) Blindheit3: Plutarch, Favorinus und Tertullian.b) WahnsinnWahnsinn: Clemens von Alexandreia und Cicero.c) Grausamkeit: Eustathios.d) Von den Eumeniden geschlagen: De Matiscone.
8) Der kultische Charakter:a) Von LeukotheaLeukothea – Mater Matuta: Plutarch, Pausanias, Anonymi in Aristotelis Artem Rhetoricam und Ovid.b) Von Melikertes – PalaimonPalaimon: Epiphanios.
9) Der Hinweis auf einen konkreten Ort (Die Athamantische Ebene – ThebenTheben): Pausanias, Historia Alexandri Magni, Eustathios und die Etymologica Gudianum, Magnum und Symeonis.
10) Die Erziehung von DionysosDionysos: Oppian, Euteknios, Nonnos und Ovid.
Diese zehn Gründe können folgendermaßen gebündelt werden: Die Erziehung von Dionysos, das ParadigmaParadigma des Wahnsinns, die DivinisierungDivnisierung von Ino und Melikertes, der KultKult zu Ehren von Leukothea oder Mater Matuta (und Palaimon) und die Isthmischen SpieleIsthmische Spiele. Es gibt auch Schlüsselwörter, die sich sofort auf diese Version beziehen, wie z.B., ‚furor‘ bzw. ‚Sprung‘. Es bestehen auch Orte, die mit dieser Tradition verbunden sind, wie z.B. Ἀθαμάντιον πεδίον bzw. ThebenTheben.
Auch dies kann man auf drei Schwerpunkte fokussieren:
DIONYSOSDionysos4: Mit ihm werden verbunden:Seine Erziehung in Athamas’ und Inos Haus.Heras ZornZorn, der die Bestrafung durch den WahnsinnWahnsinn veranlasst.Inos und Melikertes’ Rettung.In dieser Version, nach dem Sprung.Von dem von Athamas befohlenen OpferOpfer an Stelle Phrixos‘.Inos bacchischer Wahnsinn.
WAHNSINNWahnsinn: Mit ihm werden verbunden:Athamas als Prototyp des Wahnsinnigen, verbunden mit folgenden paradigmatischen Eigenschaften:Blindheit.Verlust des Sebstbewusstseins.Grausamkeit.Jemand, der von den Eumeniden geschlagen ist.Nennung des Athamas in der Dramen-Literatur.Tod des eigenen Kindes: Angriff auf seine eigene Familie.
LEUKOTHEALeukothea – PALAIMONPalaimon5: Mit ihnen werden verbunden:Inos und Melikertes’ DivinisierungDivnisierung.Ursprung: Athamas’ Wahnsinn.Tilgung des bösen Rufes von Ino.Inos Sprung mit Melikertes.Das positive Bild einer schwankenden Ino.Der KultKult von Leukothea, die mit Mater Matuta identifiziert ist mit den Facetten:Hilfe für Schiffbrüchige: Odysseus.Gelber Kuchen.Dies verknüpft ihn mit dem HassHass gegen die Sklavinnen: I-P-H.Für die Kinder der Geschwister beten.Dies verbindet ihn mit der Erziehung von Dionysos.Palaimons Kult: Im Zusammenhang mit Glaukos.Szenen der Meeresstille.Mystischer Kult für Eingeweihte.OpferOpfertod von kleinen Kindern in TenedosTenedos.Die Isthmischen SpieleIsthmische Spiele.
III. Ino-Themisto-Version und Zwischenstadium
Nur Hygin berichtet den Mythos der I-T-Version. Nonnos aus Panopolis spielt auf diese Version lediglich an und sowohl Athenaios wie die Anonymi ParadoxographiAnonymi ParadoxographiAnon.Par. 1–8 Westermann weisen aufgrund des ruinierten Hauses von Athamas auf sie hin.
Von ThemistoThemisto wird immer ein negatives Bild gezeichnet; sie wird als dumm bzw. töricht dargestellt, denn sie wird von InoIno (oder einer Dienerin) betrogen; sie tötet ihre eigenen Kinder; sie ruiniert Athamas’ Haus bzw. veranlasst den Wahnsinn des AiolidAioliden. Man findet viele Autoren, die Themisto bzw. ihre Kinder erwähnen, sie erzählen jedoch nicht den Kern dieser Version, sondern geben nur eine etymologische Deutung des geographischen Ortsnamens.
Schließlich findet sich eine Reihen von Texten – viele von ihnen beziehen sich auf AlosAlos bzw. auf die athamantische Ebene, wie z.B., Apollodor, Herodianos, Stephanos von Byzanz, die Etymologica Geniunum, Magnum und Symeoni und Eustathios –, die von Athamas’ Herumlaufen reden; dieses Motiv stellt möglicherweise ein Zwischenstadium der I-L-M und I-T Versionen dar.