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Spottgedicht.

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Inhaltsverzeichnis

So süss wie Mus ist dein Gesicht, o Schöne,

So glatt, als wär' ein Schnecklein drauf spaziert,

Wie Rüben zart; es gleichen deine Zähne

Den Pastinaken, und dein Auge stiert

So wie die Theriakpflanze grün; ich wähne,

Durch solchen Glanz wird selbst ein Papst verführt.

Wie Zwiebeln weiss und blond sind deine Haare!

Erbarm' dich schnell, sonst lieg' ich auf der Bahre!

6.

Sophie Hasenclever.

So rasch, so kühn, mit Lug und Trug im Bunde

Ist meine Freundin, dass sie Huld versprochen

Im Augenblick, da sie mein Herz durchstochen,

Und schon das Eisen steckte in der Wunde.

Ach, zu derselben Stunde

Durchwärmt mich Leben, da mich Tod durchschauert!

Die bange Seele trauert,

Denn wenn dies Schwanken dauert,

Besiegt der Tod das Leben. Mehr vernichtet

Das Böse, als das Gute heilt und schlichtet.

7.

Sophie Hasenclever.

Genöss' ich mindre Gnade,

Dann reichte wohl zum Leben meine Kraft,

Nun aber ist erschlafft

Durch Zähren, die in Doppelbächen fliessen,

Mein Herz und krank vom Tränenbade.

So muss das hohe Glück die Schwäche büssen!

Kein Weiser will geniessen,

Wozu die Kraft ihm fehlet,

Denn Wonne ohne Mass erdrückt hienieden.

Ein stilles Glück wird spriessen,

Vom Friedenshauch beseelet,

Dem Herzen, das in Demut sich beschieden.

Nicht bringt, was andern ziemt, auch mir den Frieden;

Giebst dem, der nur um kleinen Lohn gebeten,

Das Höchste du, so wird das Glück ihn töten.

8.

Sophie Hasenclever.

Wenn sich die Schmerzen, die mein Antlitz trüben,

Dir, teure Herrin, zeigen,

So scheinen sie zu steigen

In gleichem Mass, wie in dem deinen, lieben,

Das frei von Gram geblieben,

Die Reize sich erhöh'n; durch meine Leiden

Will Amor dich Geliebte noch verschönen;

Da Ruhm dir bringt solch Lieben,

So duld' ich denn mit Freuden.

Macht schon mein Gram dich schön, wie erst mein Sterben!

Und doch, wenn meine Tränen,

Die Glanz und Reiz erhöh'n in deinen Zügen,

Einst durch den Tod versiegen,

So bringt mein Tod statt Ehre dir Verderben.

Nun will ich nicht mehr sterben,

Nein, dulden will ich gern in deiner Nähe,

Denn süss ist Gram, der solche Schönheit nähret;

Wem sie zu schau'n bescheret,

Der trägt ja leicht zugleich ein grosses Wehe.

9.

Sophie Hasenclever.

Der goldne Kranz, sieh, wie er voll Entzücken

Das blonde Haar mit Blüten rings umfängt,

Es darf die Blume, die am tiefsten hängt,

Den ersten Kuss auf deine Stirne drücken.

Wie freudig das Gewand den langen Tag

Sich um die Schultern schliesst und wieder weitet

Am Hals, zu dem das Haar herniedergleitet,

Das dir die Wangen gern berühren mag.

Sieh aber hier, wie mit verschränkten Schnüren

Nachgiebig und doch eng das seidne Band

Beglückt ist, deinen Busen zu berühren.

Der Gürtel spricht: Lass mich die Lust geniessen,

Dass ewig meine Haft dich so umspannt —

Wie würden da erst Arme dich umschliessen!

10.

Hermann Grimm.

Weil man wie Seelenzwang,

Erscheint sie auch als Labe,

Die Gunst empfindet, sich gebunden glaubt,

So klagt mein Freiheitsdrang

Ob deiner werten Gabe

Mehr noch, als hätte mich ein Dieb beraubt.

Und kann zum Strahlenhaupt

Der Sonne ungeschwächt kein Auge dringen,

Das doch erstarken müsst' bei solchem Wagen,

So möchte kraftberaubt

Nicht mein Vermögen sein, dir Dank zu bringen.

Oft muss vorm Überfluss der Mangel zagen,

Und jener wieder über diesen klagen:

Denn Liebe will nur solche Freunde nennen,

(Wie selten ach)! die gleich an Glück und Können.

11.

Bettina Jacobson.

Michelangelo Gedichte und Briefe

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