Читать книгу In Bereitschaft - Peter Vinzens - Страница 3

Prolog:

Оглавление

Heinz Braun sitzt hinter seinem Schreibtisch, sieht zum Fenster hinaus und denkt nach. Heinz Braun ist Schriftsteller, da gehört Nachdenken zum Berufsbild. Besonders erfolgreich ist Heinz Braun nicht. Er nennt sich in seiner Rolle als Schriftsteller nicht Heinz Braun, sondern Perry Slot. Das hat seine ganz persönlichen Gründe.

Das Häuschen, in dem er sitzt, hat er von seiner Mutter geerbt, die es zwar viel lieber gesehen hätte, wenn er was „Anständiges“ - zum Beispiel Lehrer -, wie sie immer sagte, gelernt hätte, dafür war es jetzt aber zu spät.

Wenn er zum Fenster hinaussah dachte er gerne an Mark Twain, jenen überaus erfolgreichen Kollegen aus den Vereinigten Staaten, der einmal gesagt haben soll, dass er seiner Frau wiederholt erklären musste, dass er arbeite, wenn er aus dem Fenster sähe. Allein, Heinz Braun war unverheiratet, hatte auch keine Freundin und konnte somit die Mark Twainsche Weisheit nie publikumswirksam einsetzen. Aber letztendlich war auch das egal.

Er war auf der Suche nach einer spannenden Geschichte und hatte schon einen Protagonisten: General der SS, Hitler direkt unterstellt, der am Ende des Krieges, 1945, urplötzlich verschwand. Einige behaupteten er habe sich erschossen, andere, er habe sich vergiftet, auf irgendeine Weise umgebracht, wegen der großen Schuld, die er auf sich geladen hatte.

Heinz Braun überlegte nun, wie er diesen Verbrecher, er wollte ihn Dr. Herrmann Konrad, SS-General und Obergruppenführer, nennen, in seine Geschichte einführen sollte. War es geschickter mit der Vorgeschichte zu beginnen, wie Historiker das Problem anzugehen pflegten. Dann aber musste er die halbe Nazizeit aufrollen und dazu fehlte ihm die Fachkenntnis. Oder sollte er mit der Schilderung seines Umfeldes beginnen, wie amerikanische Filmautoren ihre Drehbücher schrieben.

Knapp hinter dem Fenster seiner Schreibstube, getrennt durch einen heruntergekommenen Vorgarten, verlief die kleine Straße an der er wohnte. Es war wirklich nur eine kleine Straße, mehr ein geteerter Weg, ohne Bürgersteig, der nach knapp hundert Metern sich in einer Wiese verspielte. Gegenüber, jenseits des Wegs, lag ein kleiner Park mit dicken alten Bäumen und einem Spielplatz. Morgens wuselten hier kleine Kinder herum, umgeben von jungen, gutaussehenden Müttern. Nach dem Mittagessen kamen größere Kinder und scheuchten die ganz kleinen durch robuste Rennspiele weg. Gegen Abend kamen Jugendliche beider Geschlechtssorten, husteten sich ihre ersten Zigaretten rein und wirkten sehr erwachsen. Später in der Nacht, Kinder und Jugendliche waren nach Hause befohlen worden, trafen sich verschiedene Erwachsene, Liebespaare und Menschen, die verheiratet waren, wenn auch nicht immer miteinander. So war über den langen Tag und über Teile der Nacht hinweg immer was los vor der Bude. Und weil der Rollladen am Fenster schon seit Jahren nicht mehr funktionierte, hatte er von seinem alten, bequemen Sessel aus einen guten Überblick über das Geschehen.

So aus dem Fenster blickend hat Heinz Braun plötzlich eine Idee. Was wäre, so malt er sich das Bild aus, wenn nicht er, sondern sein Alter Ego Perry Slot aus dem Fenster blickte und draußen …

In Bereitschaft

Подняться наверх