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Unheilig (B)

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Sam/Eva, Sami, Simone

Wir waren geboren um zu lebenMit den Wundern jeder Zeit,Sich niemals zu vergessenBis in alle Ewigkeit.Wir waren geboren um zu lebenFür den einen Augenblick,Bei dem jeder von uns spürteWie wertvoll Leben ist.

Unheilig - Geboren um zu leben

Sami Hietalas Leben änderte sich an dem Tag, als die Softwareentwicklungsfirma, bei der er angestellt war, beschloss, das sogenannte brachliegende Kreativpotential der Firma besser ausnutzen zu wollen. Er hatte schon über einen längeren Zeitraum seine persönliche Aversion gegen dieses 'Managersprech' entwickelt. Spätestens nachdem die Begrifflichkeit 'milking the cow' gefallen war und somit er und seine Kollegen damit inoffiziell als Milchkühe gehalten wurden, war sein weiteres positives Engagement in der ehemals kleinen, aber feinen Softwareschmiede so gut wie Geschichte. Sami war nicht dumm. Er ahnte in welche Richtung der allerneueste Vorschlag 'Project Brainstorm' nun auch noch führen sollte. Fortan sollte es also so sein, dass die Milchkühe auch noch tolle Gedanken entwickeln sollten, nachdem man sich jahrelang die beste Mühe gegeben hatte, jegliche Kreativität in Automationsprozesse zu kanalisieren. „Okay, dann mache ich mir mal so meine Gedanken über dies und das“, war sein zweiter oder dritter 'erster' Gedanke.

Jedoch entwickelte er damit seine Kreativität wohl anders als vom Management geplant. Eine der Milchkühe wollte nicht nur den Stall, sondern direkt den ganzen Hof eigentlich ziemlich bald verlassen. Aber zumindest konnte er ja noch ein wenig 'Zombiekuh' spielen. Der Verdienst, oder besser das 'Schmerzensgeld' war durchaus in Ordnung. Zudem lag die Firma für ihn, örtlich gut erreichbar, etwas außerhalb und nicht direkt in der sowieso schon hoffnungslos überfüllten City einer zu schnell gewachsenen deutschen Großstadt. Also tat Sami so, als wäre er wirklich 'infected' von der fabelhaften neuen Idee. Und so machte er die eine oder andere Brainstorming-Session mit. Zugegeben, Sami spielte dabei nicht ganz fair. Statt „open minded“, also offen für alles, zu sein, war Sami eigentlich eher das ziemliche Gegenteil. Er beschloss während des neuen Brainstormings, dass von nun an alle zwei Monate stattfinden sollte, den Gedankensturm ein wenig im Zaum zu halten und ihn - von sich aus gesehen - lieber nicht öffentlich raus zu lassen.

Anders als viele Mitarbeiter, die die Idee des 'Brainstorming' 'catchy' fanden, wusste er sehr wohl, dass dies wohl eher ein letzter verzweifelter Versuch des neuen Mutterkonzerns war, die kürzlich zugekaufte kleine Softwareschmiede noch mehr zu vergolden und dann schließlich einigermaßen gewinnbringend abzustoßen. 'Eine Kuh melken' sagt ja auch schon alles aus. Dabei hatten sie doch mit dem Zukauf der Lizenzen für einige Softwarepatente schon wirklich ein gutes Geschäft gemacht. Die zweijährige Beschäftigungsgarantie für die knapp sechzig Mitarbeiter war letztendlich wohl doch eher ein bedauerlicher Kostenfaktor, den es halt zu tragen galt. Wenn dies stimmte, dann war es den Bauern auch sicher recht, wenn die Kühe gehen wollten. Er brauchte also noch nicht einmal ein schlechtes Gewissen zu entwickeln.

Natürlich sagte man dies alles den selbst ernannten Softwaregenies nicht. Man bezeichnete sie lieber als die besten Kühe im Stall und versuchte so diesen dummen Spruch, den einer der hohen Tiere unbedarft auf einem Konzernmeeting fallen gelassen hatte, von einem 'Downer' in einen 'Speeder' zu verwandeln. Es gab auch echte 'Cracks' unter ihnen. Aber deren ausgefeiltes Know-How beschränkte sich eher darauf, Datenbanken zu optimieren, verrückte User Interfaces zu bauen, oder ganz allgemein Schnittstellen anzupassen und zu optimieren.

Nun, das war nichts was die Kollegen in Singapur nicht auch in ein paar Monaten lernen konnten. Diese Mitarbeiter hatten aber den entscheidenden Vorteil, für einen Bruchteil des Lohnes der deutschen Arbeiter programmieren zu können. Dort war also das Gras für die Kühe billiger und die Kühe waren irgendwie genügsamer bei annähernd gleicher Milchquote. Globalisierung ist eine gute Sache, wenn du auf der richtigen Seite des Globus lebst und vielleicht nicht unbedingt eine Milchkuh bist. Für die andere Seite der Welt ist es eher der Anfang vom baldigen Ende. Diese Weitsicht hat der normale Softwarespezialist normalerweise nicht. Oder wie es Samis Freundin ausdrückte: „Ihr seid Genies, aber für das normale Leben nicht zu gebrauchen.“

Samis Freundin war, im Gegensatz zu ihm, typisch deutsch: Ziemlich gründlich, ordentlich und eher humorlos. Sami war typisch finnisch: Er war gemütlich, liebte die Ruhe und wunderte sich dann und wann über seine überwiegend hektischen deutschen Kollegen, die ständig irgendwas optimierten und scheinbar die ganze Verantwortung der Welt auf ihren Schultern trugen.

Irgendwann würde er dieser Hektik seine kalte Schulter zeigen und in das noch kältere, aber irgendwie, zumindest menschlich gesehen, auch wärmere Finnland zurückkehren. Entweder kam Simone dann mit, oder sie ließ es bleiben. Jedoch hoffte er sehr, dass sie sich für ihn entschied.

Samis Kopf war auf seine eigene Weise ziemlich analytisch. Und er arbeitete augenscheinlich anders als der seiner Mitarbeiter.

Darum funktionierte er an jenem Tag des dritten Brainstorming-Events auch abermals ein wenig eigenartiger als der seiner deutschen Mit-Brainstormer. Er hatte während dieses 'Events' in der Tat eine gute Idee und sogar nicht bloß eine. Zu seinem Erstaunen wurde tatsächlich ein anderer Einfall des parallelen Brainstorms der Gruppe 'Sentinels' tatsächlich – zunächst - weiter verfolgt und ausgebaut. Der eigentliche „Erfinder“ Stephan wurde aber recht schnell ausgebootet. Es wäre ja auch noch schöner gewesen, wenn am Ende vielleicht wirklich etwas aus dieser Idee geworden wäre und eine Kuh es zu etwas gebracht hätte. Zudem war die ganze Sache tatsächlich nicht ganz einfach. Stephans Idee kratzte das eine oder andere Patent eines anderen sogenannten Patenttrolls an.

Dann wurde es schwierig. In der Entwicklungswelt lernte man recht schnell, dass es zwar gut ist, einen tollen Einfall zu haben. Aber noch besser ist es, eine einigermaßen krude Idee nur halbwegs gut auszuformulieren, als die richtig gute Idee noch besser umzusetzen. Oder, wie es die Fachleute bezeichneten, zu implementieren. Klare Vorstellungen wie man eine gute Idee wirklich umsetzen, ausführen und durchführen wollte, waren zwar toll, aber es ging, zumindest wenn man im 'Michkuhdenken' sehr bewandert ist, bedeutend besser. Es ist viel toller den Konkurrenten mit Patentklagen bis zum Bankrott zu klagen … oder zumindest so weit zu bringen, dass Millionen oder gar Milliarden an Ausgleichszahlungen geleistet werden müssen, wenn das neue Produkt im Idealfall schon jahrelang auf dem Markt platziert war und man selbst beweisen konnte, dass man die Idee nun einmal zuerst hatte und einem durch das Konkurrenzprodukt Millionen oder gar Milliarden an Einnahmen entgangen sind. Heutzutage hatten die Bauern gute Anwälte …

Einen echten Erfinder treibt so etwas in den Wahnsinn. Das wusste die globale Firma, welche die kleine Programmierkolchose geschluckt hatte, natürlich auch. Deswegen war es besser, Stephan mit einer hübschen, bunten Urkunde und einer unvorstellbar hohen Sondergratifikation in Höhe von einem halben Monatsgehalt ab zu speisen, beziehungsweise zu 'enlighten'.

„Na super“, dachte Sami damals. „Nicht mal für ein volles Monatsgehalt hatten sie 'Arsch genug' in der Hose. Jetzt kannst du dir 'nen neuen Rechner kaufen und hast dafür die Idee Deines Lebens verkauft! Du armes für den Moment glückliches Schwein, oder besser … Rindvieh“.

Da wartete Sami lieber auf das unvermeidliche Ende und die Auflösung der, global gesehen, inzwischen viel zu teuren Aushilfsprogrammierklitsche. Und wenn die nicht innerhalb von einem Jahr absehbar gewesen wäre, dann hätte er halt sehen müssen, ob er woanders finanzkräftige Hilfe für seine Idee bekam, vielleicht sogar in Finnland? Er wusste aber auch, dass Investoren dazu neigten, unverhältnismäßig viel Kontrolle für unverhältnismäßig wenig finanzielle Unterstützung zu fordern. So lief halt das Geschäft: 'Haste nix, dann biste nix.'

Aber auch hier hatte Herr Hietala Glück. Vierzehn Monate nach dem ersten Gruppen-Brainstorming wurde die Softwarefirma „Softytec4Ever“ ihrem Namen nicht mehr so ganz gerecht. Denn sie wurde für immer geschlossen. Womit der selbsternannte 'Global Player' jedoch nicht gerechnet hatte, war das deutsche Rechtssystem. Die Zauberworte hießen „Betriebsrat“ und „Aufhebungsvertrag“. Und obwohl es Softytec4Ever nun eindeutig nicht ewig geben würde, gab es im Unternehmen durchaus Mitarbeiter, die ganz entgegen dem kurzlebigen Beschäftigungstrend in der globalen wie lokalen Softwarebranche, sozusagen ewig in der Firma beschäftigt waren, nämlich deutlich mehr als 10 oder gar 20 Jahre. Zum Glück für Stephan zahlte sich wenigstens dies für ihn aus. Bei einer Abfindungszahlung in Höhe von Beschäftigungsjahren multipliziert mit dem Monatsgehalt ging er, mit einer soeben sechsstelligen Zahlung, grinsend an seinem letzten Arbeitstag, ohne sich noch einmal umzudrehen, das letzte Mal aus dem Firmengebäude.

Nahezu bescheiden war da der untere fünfstellige Betrag für Sami, der nicht ganz so lange in der Firma war.

Noch schlimmer als dabei zuzusehen, wie jemand deine Idee so richtig schön in den Sand setzt, ist es, wenn jemand anderes genau deine Idee kurz nach dir hat und dann auch noch damit so richtig durchstartet. Wenn du einfach nicht genug Kapital hattest, um die Idee als Patent registrieren zu lassen, dann könntest du dir dabei tatsächlich die Haare ausreißen oder sonst wohin beißen. Vielleicht hatten deswegen Computermenschen eher weniger Haare. Man muss laufend Ideen haben und diese dann für etwas einsetzen was dann nachher doch nicht mehr gebraucht wird. Entweder weil es jemand anderes besser macht, es tatsächlich nicht mehr gebraucht wird, oder aus sonst irgendeinem haarsträubenden oder -raubenden Grund doch nicht verwendet wird. All dies traf auf Samis Idee nicht zu, die Glückssträhne hielt an. Niemand hatte seine Idee bisher in die Tat umgesetzt und so erblickte das Unternehmen „After Life“ knapp ein Jahr nach dem Tod seiner ehemaligen endlosen Softwarefirma das Leben.

Selbst Simone, die inzwischen seine Frau war, hatte nicht so recht an seine Idee geglaubt.

„Das macht niemals irgendjemand“ war noch eine der harmloseren Kommentare zu dem 'Produkt' der Firma und dem was letztendlich dann verkauft wurde.

Die meisten hielten Sami schlichtweg für total durchgeknallt, andere nur für morbide. Es war auch nicht leicht zu erklären, was Sami verkaufte. Niemand glaubte so recht an einen Erfolg. Aber sie sollten sich alle täuschen!

Der Anfang war schwer und die ersten Kunden nicht so einfach zu gewinnen. Es war dem gebürtigen Finnen von Anfang an klar, dass er Geduld und Gelassenheit brauchte. Eine Eigenschaft, die den Bewohnern der Nordländer von Kindheit anerzogen ist und die ihm in den ersten Jahren zusätzlich zu der Abfindung half, nicht den Mut zu verlieren.

Erst als seine ursprünglichen und eigentlichen Auftraggeber gestorben waren, kam seine Zeit. Mitunter erst Jahre nach ihrem Tod führte er den ursprünglichen Auftrag aus, denn sie hatten ihn mit etwas beauftragt, was ihnen unheimlich wichtig war: Liebe!

Lange hatte Sami an dem Konzept gefeilt und es benötigte viel Überzeugungsarbeit, um den einen oder anderen Verwandten zu überreden, das 'Produkt' zu testen. Aber erst der lose hergestellte Kontakt eines Ex-Mitarbeiters von SoftyTec4Ever zu einem bekannten Popstar brachte sein Geschäft so richtig ins Rollen.

Leider war dieser Popstar erkrankt: Krebs im Endstadium. Es war abzusehen, dass er nur noch wenige Monate zu leben hatte. Zu gern hätte er seiner Tochter Alicia noch zum achtzehnten Geburtstag gratuliert und vielleicht auch die Hochzeit von ihr erlebt. Zu dumm, dass seine Tochter gerade einmal 15 Jahre alt war und sie, bezüglich dem männlichen Geschlecht, eher ein Spätzünder war. So viel Geduld und Zeit hatte der Popstar nicht, um seiner Tochter zu all dem zu gratulieren.

Aber, darauf war 'After Life' spezialisiert. Samis Firma sorgte dafür, dass die Hinterbliebenen ihre persönliche Gratulation bekamen! Garantiert unerwartet und garantiert ausgefallen, egal wann, egal wo, egal wie!

Mit dem Medienbericht, der auf seine Aktion folgte, bekam Sami die 'Publicity' die 'After Life' zum Durchbruch verhelfen sollte. Sicher, es war nicht der erste erfolgreich durchgeführte Auftrag, aber der bis dahin mit Abstand größte, aufwendigste und, um es mit den Worten seiner Gattin zu sagen: „Der Bescheuertste!“

Das persönliche Konzert für die eigene Tochter und alle ihre Freunde und deren Freunde im angemieteten Fußballstadion inklusive Gastauftritten von mindestens zwei zusätzlichen Popstars, die ihr wohl gefallen würden, war schon ein Brett von einem Auftrag. Es wurde zwar mehr eine 'Heavy Metal Party' aber das tat dem Erfolg keinen Abbruch. Der Stimmmodulator funktionierte und die Digitalisierung des Kopfes inklusive Alterung des ursprünglichen Popstars war wirklich gelungen. So gelungen, dass Sami sich fortan um Werbung und Aufträge deutlich weniger Gedanken machen musste.

Im Paket enthalten war übrigens nicht nur dieses einmalige Event. Von diesem Tag an passierte an jedem Geburtstag in Alicias Leben irgendetwas Anderes. Einmal war es die Kreuzfahrt mit personalisiertem Theaterstück speziell auf Alicia zugeschnitten, inklusive anschließender Lesung der „wirklich letzten Worte an meine Tochter“. Ein anderes Mal war es nur ein Buch mit einer eigens geschriebenen Geschichte und ein wenig „Kleingeld“. Dies alles wurde in der 'Vergangenheit' mit dem damals noch lebendem echten Menschen aufgezeichnet, oder zumindest geplant, damit es in der 'Zukunft' zünden konnte.

Lediglich die Hochzeit war, so wie ursprünglich gedacht, leider nicht durchführbar. So weit war die Robotik noch nicht, als das die Tochter vom eigenen Vater zum Altar geführt werden konnte. Dafür wurde neben diversen anderen verrückten Ideen das eigens aufgenommene Trauungslied mit der Stimme und dem Stück des nun schon jahrelang Verstorbenen gespielt, was auch ein großer Erfolg war.

Die Medien waren damit nicht hundert Prozent zufrieden, denn man hatte schon etwas 'Unglaubliches' von After Life erwartet. Dafür wurde das medial gehypte Hochzeitslied ein Nummer Eins Hit und refinanzierte - wie vertraglich vorher festgelegt - zusätzlich den ursprünglichen Auftrag.

Verschwiegenheit war oberstes Gebot seiner Firma. Niemand außerhalb der Firmenmauern hatte auch nur den Hauch einer Ahnung, was verschenkt, gewidmet oder sonst wie mit irgendwem gemacht wurde. Natürlich waren auch die Auftraggeber niemandem bekannt. Die Firma After Life trat nur sehr bescheiden auf. Sami Hietala hatte schon zu seinen SoftyTec4Ever - Zeiten bewiesen, dass er warten konnte und sich nicht zu sehr in den Vordergrund spielen musste.

Am hinteren Ende seines überaus bewegten Berufslebens, dass sich langsam dem Ende zuneigte, hatte Sami Hietala aus dem Nichts ein überaus erfolgreiches und kreatives Unternehmen mit mehreren hundert Mitarbeitern erschaffen. Seine beiden Söhne waren ebenfalls glücklich im Unternehmen untergebracht, wobei der jüngere, Malte, soeben ein Studium eingeschoben hatte. Er konnte sich jetzt eigentlich in den wohlverdienten Ruhestand zurückziehen und irgendwann, hoffentlich nicht allzu früh, sterben. Schade, dass er die verblüfften Gesichter seiner Kinder später nicht mehr erleben konnte. Natürlich hatte er die eine oder andere Episode in Ihrem Leben mit der einen oder anderen Überraschung geplant.

Aber dafür hatte er genug andere vor Glück weinende Menschen gesehen, denen er mit seinen Ideen und der Hilfe der nun verstorbenen Verwandten, unvergessliche Momente geschenkt hatte.

Jedoch ... jede Glückssträhne hat einmal ein Ende. Ein einziger Anruf und die darauffolgende Begegnung veränderten die Spielregeln für ihn und 'After Life' grundlegend. Der Anrufer hieß nur schlicht 'Samantha'. Sie lud ihn persönlich ein, eine andere noch sehr viel größere Firma kennen zu lernen. Komisch war, dass er von der Firma noch nie gehört hatte. Keine Suchmaschine spuckte sehr viel Informationen über sie aus und über Samantha erst recht nicht. Eigentlich wollte er am nächsten Tag schon dankend die Kontaktanfrage ablehnen. Jedoch … wer lehnt schon einen Privatflug erster Klasse, verbunden mit einer Übernachtung im New Yorker Hilton in der Präsidentensuite und 5-Gänge-Abenddinner, ab?

Nicht, dass er sich dies nicht auch hätte erlauben können ... Er rief am nächsten Morgen bei der Fluglinie an, danach im Hotel. Alles war im Voraus bezahlt und schon auf seinen Namen gebucht - übrigens war die schon vor sechs Monaten geschehen. Das war der erste Tag wo eine Buchung der Präsidentensuite zu diesem nächstmöglichen Termin überhaupt wieder möglich war. Seine eigenen Termine am nächsten Tag mit seinen Geschäftspartnern waren ebenfalls verschoben worden. Selbst für seine Verhältnisse war dieses Geschäftsgebaren ein wenig, nunja, 'Spooky.' Vielleicht wollte man ihn entführen? Schließlich war er schon recht wohlhabend. Aber, dies hätte man auch einfacher haben können; zudem auch, indem man weniger Spuren hinterlassen hätte. Nein, niemand macht so einen Riesenaufriss, nur um jemand zu entführen. Da steckte sicher mehr dahinter. Allerdings hatte ihm Samantha klar gemacht, dass es, wenn er einmal zugesagt hätte, 'kein Zurück' geben würde. Er war nicht der erste, dem ein solches Angebot gemacht werden würde, hatte sie ihm erzählt. Zudem möge er es ihr bitte verzeihen, dass sie nicht viel mehr Details nennen dürfe. Es war unbedingt wichtig, dass er freiwillig zusagen würde und dass davon nichts an die Öffentlichkeit gelangen dürfe.

Tja, die Tatsache, dass er kaum etwas über die Firma in Erfahrung brachte, schien die Aussage zu untermauern, dass sich diejenigen, denen das Angebot zuvor unterbreitet wurde, an diese Abmachung hielten.

So saß er ein paar Tage später im Flieger nach New York und traf am gleichen Abend Samantha. Ein atemberaubend schön aussehendes noch recht junges Topmodel. Zumindest sah sie so aus, vielleicht war sie auch älter. Niemand in diesem Alter spricht so akzentuiert und drückt sich so genau aus. Aber, sie konnte biologisch eigentlich nicht älter sein. Und dann diese Kleidung. Er hatte in seinem Leben noch nie jemand gesehen, der so perfekt gekleidet war. Und dieser Schmuck! Da war dieser schöne Diamant am Ende der Kette. Wie sagt man so schön: „Ein Diamant ist unvergänglich“. Das war in der Tat in diesem Vergleich sehr zutreffend.

An diesem Abend erfuhr er mehr über viele weitere Dinge, mehr unvorstellbare Dinge als er sich in seinen Träumen vorzustellen gewagt hatte. Die Frau sah einfach atemberaubend aus.

Aber in Wahrheit steckte hinter dieser hübschen Fassade ein messerscharfer Verstand, geschult und trainiert darin, einen Menschen in wenigen Minuten komplett zu analysieren, einzuschätzen und um den Finger zu wickeln. Er ahnte dies sehr wohl, wusste aber zu diesem Zeitpunkt nicht, wie er sich dagegen wehren konnte. Wie war es ihr möglich in einer derartigen Geschwindigkeit seine Antworten zu analysieren, auszuwerten und danach genau die unangenehmen Fragen zu stellen, die ihn bloßstellen konnten, aber es dann - vielleicht aus Höflichkeit und Respekt - doch nicht taten. Sie schien seine Antworten schon zu wissen, bevor er sie kannte. Wenn schon die Einladung 'spooky' war, was war dann dieser Abend? Dieser Teufel war tatsächlich vollkommen. Konnte ein Mensch überhaupt so perfekt aussehen und sich dabei so verhalten?

Nachdem er schließlich ein 'non-disclosure agreement' unterschrieben hatte, mit dessen Bruch er alle Rechte an seiner Firma direkt verlieren würde und die ihn persönlich in den mehrfachen Ruin treiben würde, besuchte er schon am nächsten Tag die am strengsten abgeschottete Firma die er jemals gesehen hatte. Am Ende des Tages aß er schließlich noch einmal mit Samantha und dann wusste er, dass seine eigene so kreative und erfolgreiche Firma schon bald Geschichte sein würde.


F: „Werden die Bewohner der zweiten Welt nicht belogen?“

A: „Hmm? Wieso?“

F: „Ich habe ein wenig recherchiert. Es geht mir noch einmal um die Träume - diese werden doch künstlich erzeugt?!

A: „Nun, unsere Träume setzen sich aus Beobachtungen von Millionen Menschen aus der ersten und zweiten Welt zusammen. Es ist die Erfahrung dieser Beobachtungen, die auf die Bewohner der zweiten Welt angewandt wird.“

F: „Aber, damit wird doch die eigene Kreativität im Traum unterdrückt? Das ist doch nicht das Wesen von Träumen. Wo bleibt denn die Fantasie?“

A: „Du glaubst nicht, wie ähnlich die Träume der Menschen tatsächlich sind. Es sind Muster zu erkennen. Wenn wir den Bewohnern der zweiten Welt ein ähnliches Leben wie den Bewohnern der ersten Welt geben möchten, dann gehören Träume dazu - zumindest in dem Maße, wie wir das Wesen der Träume kennen. Nichts anderes wurde auch bezüglich des Gedächtnisses getan - und … es funktioniert. Wusstest du das der Geist des normalen biologischen Menschen täglich laufend Träume generiert und deren Ausgang für sich 'schön träumt'? Ein biologischer Mensch macht im Grunde nichts anderes, so lange er wach ist. Es ist eine Unterfunktion seines Gehirns und tatsächlich nur sehr schwer zu erfassen. Zudem benötigt ein Mensch Träume, um nicht verrückt zu werden.“

F: „Du sagst, dass sich die Träume von Bewohnern der ersten Welt gleichen? Meinst du nicht, dass das „System“ dir hier etwas vorgaukelt? Ist es überhaupt vergleichbar, wie jemand träumt?“

A: „Jedes Individuum ist - wie der Name schon sagt - individuell oder einzigartig. Daher hat für jede Persönlichkeit ein Traum eine andere Bedeutung.“

F: „Aber, es gibt dafür dann Duplikate in der Traumsteuerung des Systems - kein Traum dort ist … individuell?“

A: „Ja, das stimmt … Aber die spätere Wahrnehmung durch die jeweilige Person ist anders. Es ist möglich, dass zwei Personen vom gleichen Thema träumen, bzw. geträumt haben, aber ihn vollkommen unterschiedlich interpretieren.“

F: „Kann man in der zweiten Welt auch VON jemandem träumen?“

A: „Du meinst jemanden, den man gerade getroffen hat. So … als würde man schon mit der jeweiligen Person gedanklich Sex haben?“

F: „So direkt meinte ich das zwar nicht, aber … Okay, kann man?“

A: „Gefühle sind ein schwieriges Thema in der zweiten Welt, genau wie Triebe - ich denke, diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Die zweite Welt ist direkter. Wenn ich mich für jemand interessiere, dann spreche ich ihn an - ich benötige hierfür eigentlich keinen Traum. Beantwortet das die Frage?“

F: „Nein, nicht vollständig, aber … dann lass uns von Trieben sprechen. Triebe machen einen wesentlichen Teil eines Menschen aus. Soweit ich das gelernt habe, kennt der Mensch fünf Triebe:

Sicherheits-, Aggressions-, Bindungstrieb, sowie die zwei wohl bekannteren: Nahrungs- und Sexualtrieb.“

A: „Oh, du hast dich vorbereitet. Meine Quellen besagen, dass Triebe sehr wahrscheinlich, oder nein … ziemlich sicher von der Evolution 'entwickelt' wurden, unter anderem um das Fortbestehen einer Gattung zu sichern. So besteht der Nahrungstrieb, damit der Mensch - oder auch das Tier - nicht verhungert. Die Lust auf Sex besteht, damit der Mensch sich fortpflanzt und somit nicht ausstirbt. Bei Tieren ist es genauso.

Belassen wir es erst einmal beim Essen und beim Sex.

Ich nannte eben den Begriff der Evolution. Nun ist es aber so, dass es neben der Evolution auch die Mutation oder auch die Permutation gibt, eine Anpassung an die 'Umwelt '.

In der zweiten Welt ist es nicht mehr notwendig, Nahrungsmittel aufzunehmen, jedoch … du benötigst Energie, um zum Beispiel die Systeme, die nun Dein Leben beinhalten, am Leben zu halten. Auch wenn du nicht direkt darauf einwirkst, wie du selbst lebst, so ist es doch unheimlich wichtig, dass weiterhin genug Energie vorrätig ist, damit du nicht sterben musst. Also wenn man so möchte, ist die tägliche Erforschung von neuen Methoden oder auch das Arbeiten mit Hilfe von Bots der Ersatztrieb für das Essen geworden. Die Freude, der Geschmack ist vielleicht das Erfolgserlebnis, wenn etwas funktioniert hat und das intelligente Leben als solches wieder einen Schritt 'vorwärts' gekommen ist. Was ich hier erkläre mag man auch mit dem Sicherheitstrieb erklären können, der ja maßgeblich dafür verantwortlich ist, dass der Mensch sich dank seiner Erfindungen weiterentwickelt.

Nehmen wir nun den Sex: Der Lust-Trieb dient vor allem dazu, dass eine Gattung nicht ausstirbt. Jedem Lebewesen wurde dieser Trieb genetisch in die Wiege gelegt. Allerdings … in der zweiten Welt gibt es derzeit keine Möglichkeit, ihn logisch aufrecht zu halten. Der Sex zum Spaß - anscheinend überwiegend nur eine Eigenschaft von Primaten - ist mit dem Eintritt in die zweite Welt eigentlich nicht mehr notwendig. Es ist aber dennoch möglich, miteinander zu schlafen. Letztendlich jedoch, wenn du so möchtest, sind wir damit rein logisch alle zum Eunuchen geworden.“

F: „Dann ist die Liebe tot?“

A: „Wie kommst du denn darauf? Kann es sein, dass du Sex und Liebe verwechselst?“

F: „Für mich gehört Sex und Liebe zusammen …“

A: „Nun, wie so vieles ist das reine Definitionssache. Während du zum Beispiel deine Frau liebst und wohl mit ihr Sex hast, lieben andere Männer ihren männlichen Partner und andere Frauen ihren weiblichen Partner. Wieder andere Menschen haben in ihrer Liebe überhaupt keinen Sex, weil sie einfach den Partner als solches verstehen und er sie, oder sie ihn. Eine weitere Gruppe wechselt den Partner, wie manch einer die Hosen.

Du wirst merken - im Alter spielt Sex zudem eine immer geringere Rolle. Das heißt aber nicht, dass du damit deinen Partner weniger liebst?“

F: „Hmmm … vielleicht, …“

A: „Oder anders, wie viele Definitionen von Liebe kennst du?“

F: „Nun, für den Partner da sein, auch, oder gerade dann, wenn es ihm schlecht geht. Zusammen lachen, aber auch zusammen weinen können. Den Partner immer bei sich haben zu wollen. Fast alles gemeinsam zu unternehmen, dies auch zu wollen und trotzdem dem Partner genügend Freiraum für sich selbst zu geben. Dies gilt meinetwegen auch für mehrere Partner, ach ja und Eifersucht gehört auch dazu ...“

A: „Bevor du jetzt fortfährst, denke einmal noch einen Schritt weiter und frage Dich, ob nur eine oder alle dieser Definitionen den Begriff Liebe allumfassend beschreiben.“

F: ….

A: „Natürlich geht das nicht, Gefühle kann man versuchen in Worte zu fassen und damit einen Platzhalter dafür zu erfinden. Aber, es ist niemals auch nur annähernd das Gleiche. Zudem kann man Gefühle nicht greifen, da sie sich ständig ändern.

Das „Gefühl“ wird übrigens auch in einem weiteren Trieb beschrieben, dem Bindungstrieb. Stell dir vor, du hast Freunde auf der ganzen Welt. Dank der weltweiten Vernetzung ist dies möglich. Du kann sogar Freunde unter den Bewohnern der zweiten Welt haben.“

F: „Was ist mit Kindern ...? In der zweiten Welt ...“

A: „Du meinst damit, dass Sie nicht die körperliche Phase der Pubertät durchleben können?

Die Tatsache, dass sie sozusagen das Stadium Mann oder Frau niemals erreichen? Wie sie sich fühlen? Ob sie daran verzweifeln, dass sie eines der wichtigsten Dinge oder sogar ganz viele Dinge in Ihrem vorherigen Leben niemals erreicht haben?“

F: „Nun ... ja?!“

A: „So weit ich das beurteilen kann, spielt es keine wirklich große Rolle. Zunächst einmal kann ich nur meine Sicht der Dinge beschreiben: Ich habe mein Leben gelebt und bin dann in die zweite Welt gekommen. Ich war einst ein Mensch, ich habe Kinder, die Kinder haben Kinder, deren Kinder ebenso und so weiter und so fort. In menschlichen Maßstäben bin ich sehr, sehr alt.

Ich habe mich während dieser langen, sehr langen Zeit mit vielen - ich denke, ihr nennt sie etwas respektlos 'Virtuellen' - unterhalten. Ich habe viele Freunde. Da Sex und Geschlecht nur noch eine untergeordnete Rolle spielen, weiß und wusste ich von einigen Gesprächspartnern nicht einmal wann sie eigentlich gestorben sind, ob sie als Kind und alter Mensch von der ersten Welt gegangen sind oder ob sie männlich oder weiblich oder noch gar nichts von all dem waren.

Sie sind in diese zweite Welt gekommen und haben ihr neues Leben akzeptiert, aufgebaut und weiterentwickelt. Es scheint in der Natur des Menschen oder des menschlichen Geistes zu liegen, sich zu entwickeln. Irgendwo tief in unserem Evolutionsbausteinen ist dies anscheinend verankert und ebenso scheint es so zu sein, dass nichts diesen, nennen wir es einmal Ur-Trieb, zerstören kann, während andere originäre Triebe für manchen ihre Bedeutung verloren haben. Selbst in unserer, nun für viele nicht mehr, menschlichen Form wollen wir noch weiter lernen, weiter neugierig bleiben.

Auch Kinder, seien es nun Mädchen oder Jungen, besitzen diese Eigenschaft schon von Geburt an, oder noch früher. Der Sexualtrieb scheint nur 'gemacht', damit die Menschheit als Gesamtheit nicht aussterben kann. Für den Menschen als Individuum ist er aber - bis auf den Spaß - letztendlich ohne Bedeutung.“

F: „Verstehe, aber - sind die Kinder in der zweiten Welt nicht einsam? Es gibt viel mehr 'Erwachsene' gegenüber den 'Kindern'.“

A: „Ich persönlich finde, dass die Unterteilung in Kinder einerseits und Erwachsene andererseits zu einfach gedacht ist.

Als Mensch brauchst du Regeln, du darfst und kannst als Kind nicht alles. Als Kleinkind bist du zum Beispiel vollkommen hilflos. Als älteres Kind kannst du schon allein essen. Als Kindergartenkind knüpfst du erste Freundschaften. Als Schulkind lernst du eine eigene Selbständigkeit kennen, die du, bis du dich Teenie nennen kannst, immer mehr perfektionierst. Ehe du schließlich Erwachsener bist. Und dann … hörst du auf zu lernen?“

F: „Nein, wohl kaum …“

A: „Eben! Das Leben an sich ist ein ständiger Lernprozess. Du hörst damit niemals auf. Es mag Pausen geben oder Zeiten, in denen du nicht so viel lernst oder lernen möchtest. Aber irgendwann setzt der Lernprozess dann umso stärker wieder ein.“

F: „Viele Wissenschaftler sagen, dass der Mensch die Kapazitäten des Gehirns nicht vollständig ausnutzt - wie ist das in der zweiten Welt?“

A: „Im Gegensatz zu einem Menschen könnten wir eine genaue Analyse unserer eingesetzten Ressourcen durchführen. Wir könnten noch mehr Ressourcen für uns persönlich einsetzen und sozusagen mit unbegrenzter Geschwindigkeit lernen. Zudem 'vergessen' wir anders als ein Mensch. Dies macht uns geistig eventuell zu Übermenschen. Aber … wir haben nicht unendlich Platz und Raum. Es wurde bei der Entwicklung der zweiten Welt sehr viel Sorgfalt darauf verwendet, uns nicht zu mächtig werden zu lassen. Dazu kommt, dass wir in der zweiten Welt nur wirklich und real existieren können, wenn wir mit der ersten Welt reden können. Wir benötigen unbedingt die Interaktion untereinander.“

F: „Ein Trieb fehlt noch, du hast nur vier bisher beschrieben ...?“

A: „Gut aufgepasst: Der Aggressionstrieb ... Dabei ist das Wort Aggression eigentlich zu negativ behaftet und daher nicht ganz so passend.

Dieser Trieb beschreibt den Konkurrenzkampf. Damit ist das miteinander messen, der Wettkampf und damit auch die Gruppendynamik gemeint. Die Gruppe der Virtuellen Menschen ist eine ziemlich, ziemlich große Gruppe. Entsprechend schwer ist es, sich in der Gruppe durch zu setzen.“

F: „Was passiert mit jenen, die sich nicht durchsetzen?“

A: „So verrückt das klingt: Sie leben! Die Menschen in der zweiten Welt sind befreit von der Hektik unbedingt etwas Erschaffen zu müssen. Der biologische Mensch unterliegt gewissen Zwängen, er altert. Ab einem gewissen Alter zwingt ihn dann seine biologische Komponente, einen Partner zu suchen. Beim weiblichen Part ist der Zeitraum Kinder zu bekommen auf ein paar Jahre begrenzt. Der Mann kann zwar ab einem gewissen Alter dafür sorgen, dass Kinder entstehen und verliert bis zu seinem Tod die Fähigkeit nicht, Kinder zu zeugen. Aber dafür wird er ab einem gewissen Alter nicht mehr die passende Partnerin finden. Sie wird ihn nicht mehr akzeptieren. Auch wenn der Mensch heute länger lebt und sich damit diese Zeiten gegenüber noch früheren Epochen enorm vergrößert haben, die biologische Grenze ist heute immer noch existent. Du kannst somit eine der primären Triebfedern der Evolution nicht außer Kraft setzen.“

F: „Die Evolutionstheorie ist also auch auf die zweite Welt anwendbar?“

A: „Unbedingt, auch wenn man sie etwas abändern muss. Eine frühere Definition der Evolutionstheorie besagt:

Unter der Evolutionstheorie versteht man die wissenschaftliche und in sich stimmige Beschreibung der Entstehung und Veränderung der biologischen Einheiten, speziell der Arten, als Ergebnis der organismischen Evolution, das heißt eines Entwicklungsprozesses im Laufe der Erdgeschichte, der stattgefunden hat und andauert. Evolutionstheorien sind naturgemäß jeweils ein Produkt der Zeit ihrer Entstehung und spiegeln die jeweiligen Erkenntnisse, die Faktenlage und die wissenschaftlichen Herangehensweisen der Zeit wider.“

F: „Puh, das hört sich aber wissenschaftlich an“

A: „Ach Quatsch! Es ist nur der Versuch etwas Einfaches und Logisches in Worte zu fassen. Die Evolution wurde nicht erfunden. Sie wurde entdeckt. Wenn sie nicht entdeckt worden wäre, hätte es sie trotzdem gegeben. Sicher, zuerst wurde versucht, sie zu leugnen, denn wie bei vielen wichtigen und bahnbrechenden Entdeckungen war sie jemand anderem im Weg. Die Kirche, der Glauben hatte den Menschen gepachtet. Nachdem es nicht mehr möglich war sie zu leugnen, wurde ihre Bedeutung heruntergespielt. Als auch dies nicht mehr funktionierte, wollte man sie kontrollieren.

All dies hat nicht funktioniert. Es hat Jahre gedauert, aber schließlich hat man die Evolution anerkannt. Man kann heute mit Sicherheit behaupten, dass die Anerkennung der Evolution in der langen Geschichte der Wissenschaft die Menschheit grundlegend verändert hat.“

F: „In der Definition höre ich aber auch den Begriff 'biologisch' heraus?"

A: Ja, es ist eine alte kurze Definition. Die ursprüngliche Beschreibung des Entdeckers 'Charles Darwin' umfasst ein ganzes Buch. Aber das war vor sehr, sehr langer Zeit. Zur Zeit Darwins gab es keine Computer, keine Elektrizität, keine Maschinen. Die Evolution blieb trotzdem nicht stehen. Ich denke, das gilt auch für die Menschen in der zweiten Welt, obwohl sie eindeutig nicht biologisch sind. Selbst wenn man dies möchte, der Fortschritt lässt sich nicht aufhalten. Der Stärkere wird sich auf lange Sicht gesehen, durchsetzen. Wie immer man ihn auch definieren mag.


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