Читать книгу Julius Caesar - Уильям Шекспир, William Szekspir, the Simon Studio - Страница 4

Erster Aufzug
Dritte Szene

Оглавление

Eine Straße. Ungewitter Casca, mit gezognem Schwert, und Cicero kommen von verschiednen Seiten

Cicero

Guten Abend, Casca! Kommt Ihr her von Cäsar?

Warum so atemlos und so verstört?


Casca

Bewegt's Euch nicht, wenn dieses Erdballs Feste

Wankt wie ein schwaches Rohr? O Cicero!

Ich sah wohl Stürme, wo der Winde Schelten

Den knotgen Stamm gespaltet, und ich sah

Das stolze Meer anschwellen, wüten, schäumen,

Als wollt es an die drohnden Wolken reichen;

Doch nie bis heute nacht, noch nie bis jetzt

Ging ich durch einen Feuerregen hin.

Entweder ist im Himmel innrer Krieg,

Wo nicht, so reizt die Welt durch Übermut

Die Götter, uns Zerstörung herzusenden.


Cicero

Ja, saht Ihr jemals wundervollre Dinge?


Casca

Ein Sklave, den Ihr wohl von Ansehn kennt,

Hob seine linke Hand empor; sie flammte

Wie zwanzig Fackeln auf einmal, und doch,

Die Glut nicht fühlend, blieb sie unversengt.

Auch kam (seitdem steckt ich mein Schwert nicht ein)

Beim Kapitol ein Löwe mir entgegen;

Er gaffte stark mich an, ging mürrisch weiter

Und tat mir nichts. Auf einen Haufen hatten

Wohl hundert bleiche Weiber sich gedrängt,

Entstellt von Furcht; die schwuren, daß sie Männer

Mit feurgen Leibern wandern auf und ab

Die Straßen sahn. Und gestern saß der Vogel

Der Nacht sogar am Mittag auf dem Markte

Und kreischt' und schrie. Wenn dieser Wunderzeichen

So viel zusammentreffen, sage niemand:

"Dies ist der Grund davon, sie sind natürlich";

Denn Dinge schlimmer Deutung, glaub ich, sind's

Dem Himmelstrich, auf welchen sie sich richten.


Cicero

Gewiß, die Zeit ist wunderbar gelaunt;

Doch Menschen deuten oft nach ihrer Weise

Die Dinge, weit entfernt vom wahren Sinn.

Kommt Cäsar morgen auf das Kapitol?


Casca

Ja, denn er trug es dem Antonius auf,

Euch kund zu tun, er werde morgen kommen.


Cicero

Schlaft wohl denn, Casca! Dieser Aufruhr läßt

Nicht draußen weilen.


Casca

Cicero, lebt wohl! (Cicero ab.)

Cassius tritt auf.


Cassius

Wer da?


Casca

Ein Römer.


Cassius

Casca, nach der Stimme.


Casca

Eur Ohr ist gut. Cassius, welch eine Nacht?


Cassius

Die angenehmste Nacht für wackre Männer.


Casca

Wer sah den Himmel je so zornig drohn?


Cassius

Die, welche so voll Schuld die Erde sahn.

Ich, für mein Teil, bin durch die Stadt gewandert,

Mich unterwerfend dieser grausen Nacht,

Und so entgürtet, Casca, wie Ihr seht,

Hab ich die Brust dem Donnerkeil entblößt.

Und wenn des Blitzes schlängelnd Blau zu öffnen

Des Himmels Busen schien, bot ich mich selbst

Dem Strahl des Wetters recht zum Ziele dar.


Casca

Warum versucht Ihr den Himmel so?

Es steht dem Menschen Furcht und Zittern an,

Wenn die gewaltgen Götter solche Boten

Furchtbarer Warnung, uns zu schrecken, senden.


Cassius

O Casca! Ihr seid stumpf; der Lebensfunke,

Der glühen sollt in Römern, fehlt Euch, oder

Ihr braucht ihn nicht. Ihr sehet bleich und starrt,

Von Furcht ergriffen und versenkt in Staunen,

Des Himmels ungewohnten Grimm zu schauen.

Doch wolltet Ihr den wahren Grund erwägen,

Warum die Feur, die irren Geister alle,

Was Tier' und Vögel macht vom Stamm entarten

Und Greise faseln, Kinder prophezein;

Warum all diese Dinge ihr Gesetz,

Natur und angeschaffne Gaben wandeln

In Mißbeschaffenheit: nun so erkennt Ihr,

Der Himmel hauchte diesen Geist in sie,

Daß sie der Furcht und Warnung Werkzeug würden

Für irgendeinen mißbeschaffnen Zustand.

Nun könnt ich, Casca, einen Mann dir nennen,

Ganz ähnlich dieser schreckenvollen Nacht,

Der donnert, blitzt, die Gräber öffnet, brüllt,

So wie der Löwe dort im Kapitol;

Ein Mann, nicht mächtiger als ich und du

An Leibeskraft, doch drohend angewachsen,

Und furchtbar, wie der Ausbruch dieser Gärung.

Casca. 's ist Cäsar, den Ihr meint. Nicht, Cassius?


Cassius

Es sei auch, wer es sei: die Römer haben

Jetzt Mark und Bein, wie ihre Ahnen hatten.

Doch weh uns! unsrer Väter Geist ist tot,

Und das Gemüt der Mütter lenket uns,

Denn unser Joch und Dulden zeigt uns weibisch.


Casca

Ja freilich heißt's, gewillt sei der Senat,

Zum König morgen Cäsarn einzusetzen;

Er soll zur See, zu Land die Krone tragen

An jedem Ort, nur in Italien nicht.


Cassius

Ich weiß, wohin ich diesen Dolch dann kehre;

Den Cassius soll von Knechtschaft Cassius lösen.

Darin, ihr Götter, macht ihr Schwache stark,

Darin, ihr Götter, bändigt ihr Tyrannen;

Noch felsenfeste Burg, noch ehrne Mauern,

Noch dumpfe Keller, noch der Ketten Last

Sind Hindernisse für des Geistes Stärke.

Das Leben, dieser Erdenschranken satt,

Hat stets die Macht, sich selber zu entlassen.

Und weiß ich dies, so wiß auch alle Welt:

Den Teil der Tyrannei, der auf mit liegt,

Werf ich nach Willkür ab.


Casca

Das kann auch ich.

So trägt ein jeder Sklav in eigner Hand

Gewalt, zu brechen die Gefangenschaft.


Cassius

Warum denn wäre Cäsar ein Tyrann?

Der arme Mann! Ich weiß, er wär kein Wolf,

Wenn er nicht säh, die Römer sind nur Schafe;

Er wär kein Leu, wenn sie nicht Rehe wären.

Wer eilig will ein mächtig Feuer machen,

Nimmt schwaches Stroh zuerst; was für Gestrüpp

Ist Rom, und was für Plunder, wenn es dient

Zum schlechten Stoff, der einem schnöden Dinge

Wie Cäsar Licht verleiht? Doch, o mein Gram!

Wo führtest du mich hin? Ich spreche dies

Vielleicht vor einem willgen Knecht; dann weiß ich,

Daß ich muß Rede stehn; doch führ ich Waffen,

Und mich bekümmern die Gefahren nicht.


Casca

Ihr sprecht mit Casca, einem Mann, der nie

Ein Ohrenbläser war. Hier, meine Hand!

Werbt nur Partei zur Abstellung der Übel,

Und dieser Fuß soll Schritt mit jedem halten,

Der noch soweit geht.


Cassius

Ein geschloßner Handel!

Nun, Casca, wißt: ich habe manche schon

Der Edelmütigsten von Rom beredet,

Mit mir ein Unternehmen zu bestehn

Von ehrenvoll-gefährlichem Erfolg.

Ich weiß, sie warten in Pompejus' Halle

Jetzt eben mein; denn in der furchtbarn Nacht

Kann niemand unter freiem Himmel dauern.

Des Elementes Antlitz und Gestalt

Ist wie das Werk beschaffen, das wir treiben:

Höchst blutig, feurig und höchst fürchterlich.

Cinna tritt auf.


Casca

Seid still ein Weilchen, jemand kommt in Eil.


Cassius

Ich hör am Gange, daß es Cinna ist;

Er ist ein Freund. – Cinna, wohin so eilig?


Cinna

Euch sucht ich. Wer ist das? Metellus Cimber?


Cassius

Nein, es ist Casca, ein Verbündeter

Zu unsrer Tat. Werd ich erwartet, Cinna?


Cinna

Das ist mir lieb. Welch eine grause Nacht!

Ein paar von uns sahn seltsame Gesichte.


Cassius

Werd ich erwartet, sagt mir?


Cinna

Ja,

Ihr werdet es. O Cassius! könntet Ihr

In unsern Bund den edlen Brutus ziehn —


Cassius

Seid ruhig! Guter Cinna, diesen Zettel,

Seht, wie Ihr in des Prätors Stuhl ihn legt,

Daß Brutus nur ihn finde; diesen werft

Ihm in das Fenster; diesen klebt mit Wachs

Ans Bild des alten Brutus. Dies getan,

Kommt zu Pompejus' Hall und trefft uns dort.

Ist Decius Brutus und Trebonius da?


Cinna

Ja, alle, bis auf Cimber, und der sucht

In Eurem Haus Euch auf. Gut, ich will eilen

Die Zettel anzubringen, wie Ihr wünscht.


Cassius

Dann stellt Euch ein bei des Pompejus' Bühne.

    (Cinna ab.)

Kommt, Casca, laßt uns beide noch vor Tag

In seinem Hause Brutus sehn. Drei Viertel

Von ihm sind unser schon; der ganze Mann

Ergibt sich bei dem nächsten Angriff uns.


Casca

O, er sitzt hoch in alles Volkes Herzen,

Und was in uns als Frevel nur erschiene,

Sein Ansehn wird es, wie der Stein der Weisen,

In Tugend wandeln und in Würdigkeit.


Cassius

Ihn, seinen Wert, wie sehr wir ihn bedürfen,

Gabt Ihr recht wohl getroffen. Laßt uns gehn,

Es ist nach Mitternacht; wir wollen ihn

Vor Tage wecken und uns sein versichern. (Ab.)


Julius Caesar

Подняться наверх