Читать книгу Als ich die Pflaumen des Riesen klaute - Ульф Старк - Страница 12

3.

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Die Familie Nygård hielt hinterm Haus eine Menge Hühner. Die Hühner waren illegal, weil man eigentlich in einer Wohngegend keine Hühner halten durfte, sagte Bernt. Aber das war der Familie Nygård egal. Die scherten sich um überhaupt keine Gesetze und machten nur, was ihnen selbst passte.

Bernt kaufte dort jeden Tag frische Eier. In seiner Familie gab es nämlich Omelett zum Frühstück. Das gab es sonst nirgends bei meinen Freunden. Da frühstückte man Grütze oder Kakao und Marmeladebrot. Wir wussten kaum, was das war, ein Omelett.

Als wir dort ankamen, wollte Bernt mir etwas zeigen. Wir gingen zum Hinterhof, wo die illegalen Hühner herumscharrten und gackerten.

Sie waren nicht eingezäunt. Darum irrten sie manchmal auf die Straße hinaus, genau wie die verwirrten alten Leute aus dem Altersheim, die den Weg zurück nicht mehr fanden.

Bernt lockte ein Huhn mit einer Handvoll Sonnenblumenkerne zu uns her. Dann packte er es rasch, drehte es auf den Rücken und legte es vorsichtig auf den Boden. »So, Hühnchen«, sagte er. »Jetzt darfst du schlafen.«

Vor dem Schnabel der Henne zog er einen Strich in den Kies. Als er das Huhn losließ, blieb es regungslos still liegen.

»Heiliger Bimbam«, sagte ich. »Hast du es umgebracht?«

»Nein«, sagte er. »Ich hab’s hypnotisiert.«

Dann stupste er das Huhn, und gleich fing es wieder an herumzurennen und zu gackern. Es war die pure Zauberei.

»Kann man so was auch mit Menschen machen?«

»Ja«, sagte er. »Aber nicht auf dieselbe Art. Meistens lässt man etwas vor ihren Augen hin und her pendeln. Dann schlafen sie ein und man kann ihnen sagen, was sie machen sollen. Und das machen sie dann.«


»Wie denn?«, fragte ich. Das hätte ich nämlich gern gekonnt.

»Das erzähl ich dir später«, sagte Bernt. »Jetzt holen wir erst mal die Eier.«

Bernts Mutter hatte Lindenblütentee mit Honig für uns gekocht, als wir mit den Eiern ankamen. Wir saßen in Bernts Zimmer und tranken den Tee. Er schmeckte ungewohnt, aber gut.

»Hypnose«, sagte ich. »Wie funktioniert das eigentlich?« Bernt erklärte, man müsse die Person, die hypnotisiert werden sollte, in einen hypnotischen Schlaf versetzen. Dann würde sie alles tun, was man wollte.

»Man sagt, die Person soll ruhig und langsam atmen, während man auf zwanzig zählt. Und dann wiederholt man: Du wirst müde, ganz, ganz müde«, erklärte Bernt.

Das sagte er sehr langsam.

Fast sofort spürte ich, dass ich müde wurde. In letzter Zeit hatte ich nicht besonders gut geschlafen, weil ich so viel an den Riesen Oskarsson gedacht hatte und daran, was er mit »bald blüht dir was« gemeint hatte. Und ich war mir so gut wie sicher, dass ich den Riesen abends vor unserem Haus gesehen hatte, während Mama Klavier spielte. Einmal hatte ich ihn hinter dem großen Stein entdeckt, wo sonst die alten Männer aus dem Altersheim saßen, wenn sie Bier trinken wollten.

Bei einer anderen Gelegenheit glaubte ich, hinter einer dicken Kiefer auf unserem Grundstück den Umriss seiner riesigen Gestalt erkannt zu haben.

»Ich wüsste zu gern, ob man Riesen auch hypnotisieren kann?«, sagte ich.

»Wer will das schon versuchen?«, sagte Bernt. »Überleg mal, was passiert, wenn es nicht klappt?«

»Dann kann man die Radieschen von unten angucken«, sagte ich mit düsterer Stimme.

»Genau«, sagte Bernt.

Ich erzählte Bernt, dass ich Oskarsson abends vor unserem Haus gesehen hätte. Wenigstens nahm ich an, dass er es war.

»Das können wir ganz einfach feststellen«, meinte Bernt. »Mein Papa hat ein Fernglas. Eines von Zeiss. Das sind die besten. Wenn wir uns das ausleihen, brauchen wir nicht so nah ranzugehen.«

Wir beschlossen, uns gegen halb sieben vor der Grabkapelle am Altersheim zu treffen. Mama begann meistens ungefähr um sieben Uhr zu spielen.

Dann übten wir, uns gegenseitig zu hypnotisieren.

Wir schwangen Bernts Schlüsselkette vor den Augen hin und her und befahlen einander, einen Kopfstand zu machen, auf einem Bein zu hüpfen, so viele Schimpfwörter wie möglich aufzuzählen und noch allen möglichen Quatsch, bis Mama auf der Trillerpfeife zum Abendessen pfiff.

»Mut«, sagte Bernt, bevor ich ging.

»Mut«, sagte ich.

Als ich die Pflaumen des Riesen klaute

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