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Fünftes Kapitel

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Das Gesetzbuch fiel aus der Hand des Richters

und seine Blätter verteilten sich zwischen den Menschen.

Jetzt beurteilen alle nach dem Gesetz, von dem sie nur ein Blatt gelesen haben.

Ich wusste nicht, wie Khozeyme unser Religionslehrer geworden war, weil er niemals Lehrer studiert hatte. Gerüchten zufolge war er vor der islamischen Revolution als Grabredner auf dem Friedhof tätig gewesen. Nach der Revolution, als die Mullahs an die Macht kamen, erhielt auch er wie viele andere treue Anhänger eine „anständige“ Position.

Wir waren in der vierten Klasse und hatten an diesem Tag Religionsunterricht bei Mullah Khozeyme.

Er las uns Verse aus dem Koran vor, die über Dämonen berichteten.

Er stand von seinem Stuhl auf und ging zur Tafel, nahm ein Stück Kreide und schrieb mit großer Schrift Dschinn.

Khozeyme: „Heute reden wir über die Dschinns. Wer weiß, was Dschinns sind?“ Ein paar Hände gingen nach oben. Khozeyme wies auf einen Schüler.

Khozeyme: „Ja, du. … Der da hinten. … Sag an.“

1. Schüler: „Herr Lehrer, Dschinn ist ein unsichtbares Wesen, das sich jederzeit, wenn es will, den Menschen zeigen kann. Herr Lehrer, das hat soooo große rote Augen.“

Er zeigte die Größe mit seiner vollen geöffneten Hand.

Khozeyme: „Jawohl, gut gelernt. … und jetzt du, ja du, daneben.“

2. Schüler: „Herr Lehrer, meine Oma hat immer ein paar Stecknadeln an ihrer Schürze. Sie sagt, dass es bei den Dschinns genau so ist wie bei den Menschen. Es gibt Muslime und Ungläubige und die ungläubigen Dschinns ärgern die Menschen. Das Ärgern kann man nur mit Stecknadeln bekämpfen, denn die Dschinns haben keine Finger wie wir. Meine Oma sagt, dass die Dschinns wie Maultiere und Esel sind. Die haben Hufe, deshalb können sie die Stecknadel, die man ihnen ansteckt, nicht herausziehen. So verschwinden sie und lassen uns in Ruhe.“

Khozeyme: „Ausgezeichnet, du hast eine kluge Oma. … Ältere Leute sind immer noch gläubiger. … und jetzt du, mein Junge.“

3. Schüler: „Herr Lehrer, jedes Mal, wenn meine Mutti Reis kocht und das heiße Wasser wegschütten will, sagt sie immer erst: „Im Namen Allahs“. Dann erst schüttet sie das heiße Wasser aus.

Sie sagt nämlich, dass viele Dschinns im Abfluss wohnen. Wenn wir das heiße Wasser wegschütten und ihnen nicht vorher im Namen Allah das sagen, verbrennen sie sich und nehmen Rache.

… Herr Lehrer! Unser kleiner Bruder hat nur wegen diesem heißen Reiswasser einen Wasserkopf. Damals, als meine Mutti schwanger war, hat sie einmal, bevor sie das heiße Wasser ausschüttete, vergessen: „Im Namen Allahs“ zu sagen. Sie hörte nach ein paar Sekunden ein komisches Geräusch … Ja, das war so und deshalb ist mein Bruder jetzt ein Depp.“

Khozeyme nickte sehr verständnisvoll.

Khozeyme: „Deine Mutter hatte recht, Inschallah, Gott segne deinen Bruder. Bravo Kinder. Eure Religionskenntnisse sind ausgezeichnet.

Gestern sprach ich mit dem Schuldirektor und sagte, jedes Mal, wenn ich euch religiöse Kinder sehe, setze ich meine ganze Hoffnung in die Zukunft unseres islamischen Landes.

Ihr seid alle gottesfürchtig und religiös aufgewachsen. Die islamische Wissenschaft habt ihr sehr gut gelernt. Dank der vielen Koranschulen, die heutzutage überall in jeder Gasse existieren, seid ihr auf so einem guten Stand. Gott segne euch.“

Ein Mitschüler hob seinen Zeigefinger hoch und rief:

„Herr Lehrer? … Warum müssen Dschinns überhaupt existieren.“

Khozeyme: „Hm, das ist eine gute Frage? Allah erlässt im Koran Kapitel 55 Vers 15:

‚Ich habe Dschinns aus dem rauchlosen Feuer erschaffen, dass sie mich anbeten. …‘

Es bedeutet, Dschinns sind genau wie die Menschen für das Anbeten und den Gehorsam geschaffen worden.

Die Dschinns leben zwischen uns Menschen, aber wir können sie nicht sehen.

Es gibt zwei Arten von Dschinns. Die muslimischen Dschinns, das sind die aufrichtigen und besseren.

Sie helfen uns überall, ohne dass wir es merken.

Es gibt aber auch die ungläubigen Dschinns. Sie nutzen jede Gelegenheit, die Menschen zu ärgern.

Sie sehen hässlich aus und haben einen behaarten Körper. Sie leben meistens in dunklen Kellern, Brunnen, in Abwasserleitungen und auf alten Bäumen.

Mit ihrer Stimme erschrecken sie die Menschen in der Nacht.

Ein anderer Schüler fragte: „Herr Lehrer! … Gibt es in unserer Schule auch Dschinns?

Khozeyme: „Sehr gut, noch eine gute Frage. Aus diesem Grund, dass eure Schule ein altes Gebäude ist und ich aus Erfahrung weiß, dass die Dschinns alte Gebäude lieben, bin ich sicher, dass in eurer Schule sogar eine Kolonie existiert. Besonders in der unteren Etage. … Ich warne euch! Geht nie, hört ihr, nie in den Keller!“

Alle Schüler bekamen richtige Angst, wir schauten uns gegenseitig an und mussten erst einmal schlucken. Khozeyme redete weiter.

Khozeyme: „Ja, ja Kinder, nehmt euch in Acht vor den Dschinns, sie wechseln manchmal sogar ihr Aussehen. Sie können sich in einen schwarzen Hund, eine schwarze Katze oder eine alte Frau verwandeln. Die einzige Waffe, mit der ihr euch vor diesen Dschinns schützen könnt, ist im Namen „Allah“. Vor dem Namen „Allah“ haben Dämonen und Dschinns große Angst und laufen weg.“

Plötzlich gab es einen lauten Knall und etwas flog an unser Fenster. Alle Kinder schrien vor Angst und versteckten sich unter ihren Bänken. Mullah Khozeyme selbst versteckte sich unter seinem Tisch. Nach einigen Schrecksekunden atmete er tief durch und sagte ein paar Mal: „Im Namen Allah, im Namen Allah, im Namen Allah.“

Dann schaute er vorsichtig unter seinem Tisch hervor.

Vom hinteren Teil unseres Schulhofes drang fröhliches Kindergeschrei zu uns herauf: „Tor, Tor!“

Die fünfte Klasse hatte Sportstunde. Ihr Ball war es, der unser Fenster getroffen hatte.

Khozeyme stand vorsichtig auf, atmete tief durch, ging zum Fenster, schaute kurz hinaus und sagte leise: „Ihr Bastarde!“

Als er sicher war, dass keine Dschinns in der Nähe waren, ging er zur Tür und rief unseren Hausmeister. Er bestellte für sich einen Tee mit viel Zucker und trank einen Schluck.

Dann packte er seine Lehrhefte in die Tasche und verließ den Raum.

Wir Kinder lachten und die restliche halbe Stunde unserer Unterrichtszeit verbrachten wir mit Späßen über die Dschinns.

In der nächsten Stunde hatten wir Geschichtsunterricht.

Das Thema war: „Der Untergang des Persischen Reiches“.

„Warum musste eine so große Zivilisation mit Autorität und Herrlichkeit durch die Hand einiger weniger nomadischer Araber vernichtet werden?“, fragte unser Lehrer, Herr Esfandiary.

„Wer trug die Schuld daran? … Womit hat das angefangen?“

Er lief durch die Bankreihen und schaute in unsere hilflosen Gesichter.

Wir schwiegen alle und warteten darauf, was kommt.

Er ging zur Tafel und zeigte uns auf der Landkarte die Gebiete des Persischen Reiches, die vom Feind eingenommen wurden.

Esfandiary: „Es gab drei wichtige Gründe, warum das Persische Reich unterging.

Erstens war es die allgemeine Unzufriedenheit der Menschen wegen der Ungerechtigkeit.

Zweitens schwächte der ständige Krieg mit dem römischen Reich das Land und machte aus Iran leichte Beute für die arabischen Eroberer.

Drittens gab es zu große Uneinigkeit in der zentralen Regierung zwischen Armee und Politikern am kaiserlichen Hof um die Macht.“

Diese Schwachpunkte lieferten die ideale Gelegenheit für die Räuber, die auf der arabischen Halbinsel lebten. Die neue Religion Islam gab ihnen eine Einigkeit und so entstand aus vielen kleinen Gruppen eine große Armee. Sie war besessen von der Gier nach Wohlstand, Frauen und anderer Kriegsbeute. Zum ersten Mal eroberten sie vor 1350 Jahren unser Land.

Ich mochte schon immer den Geschichtsunterricht, weil ich wissen wollte, warum wir Iraner Muslime geworden sind? Aus alten Büchern kannte ich Bilder, die persische Frauen ohne Kopftuch und Schleier zeigten. Sie spielten Musikinstrumente und tanzten zusammen mit den Männern.

Etwas, das ich bis dahin in meiner Umgebung nie gesehen hatte.

Ich dachte, wie schön wäre es, könnte ich mit Yalda in dieser fernen Zeit leben. Zu einer Zeit, als die Menschen vielleicht freier waren. Nicht wie heute, da Mädchen und Jungen nur wegen der Scharia überall getrennt sind und sogar unterschiedliche Schulen besuchen müssen.

Wir waren 42 Jungs in unserer Klasse. Jedes Mal beim Geschichtsunterricht dachte ich an Yalda, die in die Mädchenschule auf der anderen Seite der Straße gehen musste und so den schönen Geschichtsunterricht an unserer Schule verpasste.

Herr Esfandiary wollte noch etwas an die Tafel schreiben, aber es gab keine Kreide mehr.

Er forderte mich freundlich auf, Kreide aus dem Lehrerzimmer zu holen.

Ich stand auf und verließ das Klassenzimmer.

Der Schulkorridor war leer. Ein Lichtstrahl fiel durch das Fenster auf den glänzenden Mosaikboden.

Das brachte mich in die Versuchung, auf dem glatten Boden zu rutschen. Das alte Mosaik war durch die Zeit vom Laufen so glatt, als wäre es gerade mit Wachs poliert worden. Wer weiß, wie viele Menschen in der Geschichte über diesen Fußboden gelaufen waren. Ich nahm Anlauf, rannte bis zur Mitte des Korridors und den Rest rutschte ich fast bis an das Lehrerzimmer. Das war ein Spaß!

Auf einmal stand ich vor unserem Schuldirektor, der gerade aus dem Lehrerzimmer kam.

Ich machte ein paar Verrenkungen um abzubremsen und nicht mit ihm zusammenzustoßen.

Er schaute mich ziemlich streng an.

Direktor: „He, was soll das? Was machst du hier?“

Mariwan: „Unser Lehrer schickt mich, Kreide zu holen, Herr Direktor.“

Direktor: „Hat euer Lehrer auch gesagt, dass du so rutschen sollst?“

Mariwan: „Nein, Herr Direktor.“

Direktor: „Wie oft habe ich auf dem Schulhof gesagt, dass ihr nicht über den Fußboden rutschen sollt? Ha? Wenn du dabei einen kleineren Schüler aus der ersten Klasse umstößt, weißt du, was da passieren kann?! Nein, du weißt das nicht. Solange nichts passiert, begreift ihr das auch nicht. Es muss immer erst einen Verletzten geben bis ihr das kapiert. … sag mal, wie heißt du?“

Mariwan: „Herr Direktor, es war aber niemand im Korridor.“

Direktor: „Ich habe dich nach deinem Namen gefragt! Und ob hier jemand war oder nicht, das macht keinen Unterschied. Rutschen ist verboten. Weißt du, was verboten bedeutet?! … Wie heißt du?

Mariwan:Mariwan

Der Direktor nahm aus der Innenseite seiner Jacke ein kleines Notizbuch und schrieb etwas auf.

Direktor: „Welcher Mariwan?“

Mariwan:Mariwan Farwardin

Direktor: „Gut, du bekommst eine schlechte Note für deine Disziplin.“

Er klappte sein Notizbuch zu, steckte es wieder ein und ohne weiter darüber nachzudenken, dass ich Kreide mitbringen sollte, ging er einfach weiter.

Mariwan: „Herr Direktor, die Kreide! … Ich soll doch Kreide holen.“

Der Direktor, der sich jetzt wieder daran erinnerte, was ich eigentlich im Lehrerzimmer wollte, schaute mich einen Moment an und zeigte mir durch eine abfällige Handbewegung, dass ich ihn schon wieder störte.

Er ging vor mir in das Lehrerzimmer, öffnete einen Metallschrank und begann zu suchen.

Dann, ohne etwas gefunden zu haben, schloss er den Schrank wieder. Er nahm einen kleinen Schlüssel von einem Nagelbrett an der Wand und gab ihn mir.

Direktor: „Kreide ist alle. … Geh du nach unten, in den Keller. Wenn du die Tür aufmachst, stehen auf der rechten Seite im Regal drei weiße Schachteln mit Kreide. Bring eine mit nach oben, stell sie hier auf den Tisch und nimm ein paar Stück heraus. Hast du das verstanden?“

Mariwan: „Ja, Herr Direktor!“

Direktor: „Und nicht vergessen, die Kellertür zuzumachen. … Dann hängst du den Schlüssel wieder an das Brett.“

Der Direktor schaute kurz auf seine Uhr und schüttelte seinen Kopf, murmelte etwas vor sich hin und ging auf den Schulhof.

Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich in diesen Keller ging. Er war ziemlich dunkel. Ich ging vorsichtig die Treppe hinunter und suchte den Lichtschalter. Ich drückte darauf, aber es passierte nichts. Wahrscheinlich war die Lampe kaputt.

Es roch nach feuchten Wänden und nassem Holz. Aus der Dunkelheit hörte ich ein raschelndes Geräusch. Mich überkam ein bisschen Angst. Khozeymes Warnung kam mir wieder in den Sinn, die Erzählungen von den Dschinns.

Ich sprach mir selbst Mut zu, dass das bestimmt nur eine Maus ist, die im Keller nach Futter sucht.

Ich ging einen Schritt weiter zur Tür und versuchte, in der Dunkelheit das Schlüsselloch zu ertasten. Als ich mit dem Schlüssel gegen die Tür drückte öffnete sie sich durch das leichte Anstoßen von allein. Sie war gar nicht abgeschlossen.

Die Tür drehte sich langsam nach innen. Jetzt wurde das Geräusch deutlicher. Es klang aber nicht wie eine Maus. Es war regelmäßig und heftig, fast wie das Atmen eines Menschen. Zögernd ging ich einen Schritt hinein. Ich schaute auf das Regal. Der Kreidekarton stand dort, wie es der Direktor gesagt hatte.

Das Geräusch ängstigte mich, aber weckte gleichzeitig meine Neugier, so dass ich nicht einfach weggehen konnte. Ich wollte seine Quelle finden.

Ich nahm einen Kreidekarton, ging ein paar Schritte weiter und tastete mich in den dunklen Raum hinein. Das Geräusch wurde immer deutlicher und meine Augen gewöhnten sich an die Dunkelheit. Zwischen einem Haufen alter Tische und Bänke schien ein schwacher Sonnenstrahl durch das schmutzige hintere Kellerfenster.

Jetzt hörte ich es besser. Die Stimme kam hinter dem Haufen der Tische heraus:

„Ha … ha … Mehr … Ja weiter … Drück mal … ja so … Mach weiter … Ja mach weiter!“

Es war eine weibliche hohe Stimme, die ich schon irgendwo gehört hatte.

Langsam ging ich noch einen Schritt nach vorn. Jetzt hörte ich die Stimme ganz deutlich. Meine Hände waren eiskalt und ich erstarrte vor dem, was ich sah.

Ein nackter, vollbehaarter Körper beugte sich über einen Tisch und schaukelte in gleichmäßigen Bewegungen nach vorn und hinten. Mein Atem blieb fast stehen.

Vor Schreck wollte ich „im Namen Allahs“ sagen, aber meine Zunge konnte sich nicht mehr bewegen. Mein Herz klopfte so schnell, dass ich dachte, es springt jeden Moment aus meiner Brust. Ich versuchte, meine Augen zu schließen. Aber die waren genau so schwer wie meine Zunge.

Es funktionierte nicht. Ich stand da wie eine Statue. Ein Stummer.

Manchmal ist es schwieriger, ein Wort zu sagen, als ein Eisentor zu bewegen.

Ich atmete die feuchte, schimmlige Luft des Kellers ein.

Ich zwickte mein Gesicht so fest zusammen, bis meine Augen endlich geschlossen waren. Als ich das geschafft hatte, nahm ich all meine Kraft zusammen, ein einziges Mal „Im Namen Allahs“ herauszubringen.

Plötzlich hörte ich meine eigene Stimme, ich schrie „Im Namen Allahs“. Der Klang füllte den Keller und kam als Echo zu mir zurück: „Allahs, Allahs, Allahs …“

Ich öffnete meine Augen, dieses haarige Wesen war immer noch dort. Es war gar nicht verschwunden, aber es bewegte sich auch nicht mehr. In diesem grusligen Schweigen hörte ich nur meinen Atem, der vor Angst zitterte.

Auf einmal kamen unter dem haarigen Körper zwei Köpfe heraus, die mir in die Augen schauten.

Da öffneten sich meine gelähmten Hände und ließen den Kreidekarton auf den Boden fallen.

Das verursachte so viel Krach, dass sich sogar das haarige Wesen wieder bewegte.

Es waren zwei Menschen. Ich konnte jetzt ihre Hände besser sehen. Nein. Sie hatten keine Hufe.

Als ich sie ansah, schaute ich in die erschrockenen Augen von Khozeyme, der auf dem Rücken unserer Kunstlehrerin hockte.

Er hatte keinen Turban auf dem Kopf und keine Kleidung an. Jetzt konnte ich sein wirkliches Gesicht besser sehen, vielleicht hatte ich ihn deshalb mit einem Dschinn verwechselt.

Er sah genauso aus, wie er für uns einen Dschinn beschrieben hatte.

Mit diesem langen Bart, dem dicken, behaarten Körper, dem halb geöffneten Mund und diesen roten Augen, die vor Angst herausspringen wollten.

Unsere Kunstlehrerin stieß einen kurzen Schrei aus und nahm Khozeymes Talar vom Tisch, um ihren nackten Körper damit zu bedecken. Ich konnte nicht glauben, was ich sah.

Aber es war mir klar, dass ich keine Sekunde länger dort warten durfte. Ich musste schnell weg.

Khozeyme rutschte von dem Tisch, bedeckte sich vorne mit seiner Hand und lief eilig in meine Richtung.

Ohne dass ich meinen Blick von Khozeyme abwand, hob ich die Kreideschachtel vom Boden auf und tastete mich langsam rückwärts aus dem Keller heraus.

Als ich den ersten Lichtstrahl sah, drehte ich mich um und rannte so schnell ich konnte die Treppe hoch. Hinter mir hörte ich das fordernde Rufen.

Khozeyme: „Stopp, komm zurück!“

Ich wusste nicht, wie ich über den Korridor in unser Klassenzimmer gekommen war.

Auf einmal stand ich mitten in der Klasse.

Mit zitternder Hand stellte ich die Schachtel an die Tafel.

Einige meiner Mitschüler schauten mich komisch an.

Verängstigt senkte ich meinen Kopf und ging an meinen Platz zu Soheil und Adel.

Ich saß auf meiner Bank. Soheil stupste mich mit seinem Ellenbogen an.

Soheil: „Hey, wo warst du so lange?“

Mein Mund war zu trocken, ich konnte vor Aufregung nichts sagen.

Adel stellte überrascht fest: „Oh, du siehst blass aus!“

Ich vergrub mein Gesicht in den Händen.

Adel: „Was ist mit dir los?“

Mariwan: „Nichts! … Nichts!“

Ich schaute durch meine Finger und sah Herrn Esfandiary, wie er die Schachtel öffnete und ein bisschen darin herumkramte. Dann schaute er zu mir.

Esfandiary: „Mariwan, warum hast du die ganze Schachtel mitgebracht?!

Ein paar Stückchen hätten doch gereicht. … Komisch, die sind auch alle kaputt!“

Ich hörte einen langen Pfeifton in meinen Ohren, von dem ich nicht wusste, wo er herkam.

Ich neigte meinen Kopf nach unten, um ihm nicht antworten zu müssen.

Herr Esfandiary fragte nicht weiter nach. Er nahm ein Stück von der farbigen Kreide und schrieb die Städte an die Tafel, die im Persischen Reich existierten.

Esfandiary: „Bauern und Industrie, Kunst und verschiedene Naturwissenschaften erlebten damals ihre Blütezeit.

Die islamischen Eroberer begingen jedes Verbrechen, um ihre Habgier zu befriedigen und konnten so unsere Städte nacheinander besiegen. In ihrer Brutalität vergossen sie das Blut eines Jeden, der seine Stadt verteidigte. Sie verbrannten alle Bücher und Kunstwerke, die sie fanden, weil sie daran glaubten, alles, was der Mensch wissen muss, stehe im Koran und alle schönen Sachen hat Gott geschaffen. Deshalb braucht es keine von Menschenhand geschaffene Kunst.

Die besiegten Menschen mussten unter dem Schrecken des Schwertes zum Islam übertreten, weil das die einzige Möglichkeit war, ihr Leben zu retten. Die Eroberer erließen in der Scharia ein Gesetz, das jeder Muslim, der vom Islam austritt oder zu einem anderen Glauben konvertiert, zu den Ungläubigen zählt und hingerichtet werden muss. Nur so konnten sie mit Schrecken und Angst ihre Anhänger weiter bei diesem Glauben halten.

Da klopfte es an die Tür. Herr Esfandiary hielt in seinem Vortrag inne und schaute zur Tür.

Noch bevor er „Herein!“ sagen konnte, öffnete sich die Tür und Mullah Khozeyme betrat den Klassenraum.

Die obersten Knöpfe seines Talars waren noch offen. Auf seiner Stirn sah man die Schweißperlen glänzen. Sein Turban saß schräg auf seinem Kopf und mit einem aufgeregten Blick suchte er etwas zwischen den Schülern. Als er mich sah, strahlten seine Augen und er ging auf Herrn Esfandiary zu.

Mit einem Schmeicheln und seinem nach der Seite gebogenen Kopf fragte er ihn.

Khozeyme: „Entschuldigen Sie bitte, mein Herr, wenn es geht, würde ich gern einen kurzen Moment mit diesem Schüler sprechen.“

Er zeigte auf mich und ich senkte meinen Blick nach unten.

Herr Esfandiary ging einen Schritt auf Mullah Khozeyme zu und stellte sich ihm gegenüber.

Esfandiary: „Ist etwas passiert? Sie atmen so schnell.“

Khozeyme hüstelte verlegen und sagte mit kriecherischer Stimme.

Khozeyme: „Nein, es ist nichts passiert, Bruder. Es ist nur eine Kleinigkeit, die ich dem Schüler sagen muss.“

Esfandiary: „Das geht aber jetzt nicht. Wir haben Unterricht.“

Khozeyme: „Es dauert nicht länger als eine Minute, aber es ist wichtig, erlauben Sie bitte. …

Gott vergelt es Ihnen.“

Esfandiary: „Ich sagte gerade, nach dem Unterricht, Herr Khozeyme!“

Khozeyme lächelte gezwungen und sagte leise.

Khozeyme: „Sein Vater wartet vor der Tür. Es ist etwas Wichtiges. Gestatten Sie bitte, Bruder.

Es dauert nicht lange.“

Herr Esfandiary schüttelte gereizt seinen Kopf und gab mir mit seiner Hand ein Zeichen, dass ich nach vorne kommen sollte.

Ich klebte noch an meinem Platz, was sollte ich sagen? Ich hob langsam den Kopf.

Khozeyme sah mir mit großer Freude zu und wartend rieb er sich die Hände und lächelte mich an.

Khozeyme: „Schnell, mein Sohn, lass deinen Vater nicht so lange warten.“

Zögernd stand ich auf.

Herr Esfandiary zeigte Mullah Khozeyme den erhobenen Zeigefinger.

Esfandiary: „Aber nur eine Minute.“

Khozeyme: „Selbstverständlich, Bruder. … Gott begnadet, mein Herr.“

Khozeyme legte freundschaftlich seine Hand auf meine Schulter und öffnete die Tür.

Khozeyme: „Komm mit, mein Sohn.“

Ich schaute Herrn Esfandiary bittend an, aber er merkte es nicht.

Als Khozeyme die Tür hinter uns geschlossen hatte, rutschte seine Hand höher und packte mich am Hals. Er schob mich nach vorne und knurrte mich an.

Khozeyme: „Du Hundesohn! Hast du mich beobachtet, ha?!“

Ich wünschte mir so sehr, dass jetzt jemand den Korridor entlang kam. Aber es kam niemand.

Er schleppte mich zum Lehrerzimmer, drückte mich gegen die Wand und schloss hinter uns die Tür ab. Dann ging er zum Fenster und verdunkelte die Jalousien.

Khozeyme: „Warum spionierst du mir hinterher?“

Ich zitterte vor Angst am ganzen Körper. Mehr als vor jedem Prügeln fürchtete ich mich vor diesen Augen, die mich voller Hass anblickten. Er hob seine Hand und gab mir eine schallende Ohrfeige.

Ich hörte einen langen Pfeifton.

Khozeyme: „Wer sagte, dass du mich beobachten sollst? Sag, du Bastard!“

Er fasste mit seiner Faust unter mein Kinn und hob so meinen Kopf hoch. Sein Gesicht kam nah an meines. In seinen Mundwinkeln sammelte sich sein Speichel. Seine Zähne waren gelb und sein Mund gab einen verwesten Geruch frei.

Er schlug mich wieder ins Gesicht und riss dabei meine Lippe auf. Ein salziger Geschmack verbreitete sich in meinem Mund. Es tropfte Blut auf das alte Mosaik.

Khozeyme atmete sehr schnell.

Khozeyme: „Ich schwöre es, wenn du mir nicht sagst, wer dich beauftragt hat, mich zu verfolgen, sorge ich dafür, dass du heute noch von der Schule fliegst.“

In mir stieg ein gewaltiger Zorn auf, ich streckte meinen kleinen Körper nach hinten und sagte stotternd:

Mariwan: „Ich … ich wollte … nu … nur … Krei… Kreide holen.“

Khozeyme: „Kreide?!“

Mariwan: „Ja, Herr, wir hatten nichts mehr zum Schreiben … Ich wollte nur Kreide.“

Khozeyme: „Denkst du, ich bin dumm, du kleiner Lügner?“

Khozeyme holte wieder aus. Ich nahm meine Hände vor das Gesicht. Mein Mund war immer noch salzig.

Mariwan: „Bitte Herr, … ich sage die Wahrheit. … Fragen sie selber.

Der Herr Direktor sagte mir, ich soll Kreide aus dem Keller holen.“

Khozeyme schaute hoch und strich sich ein paar Mal mit der Hand über seinen Bart, ging einen Schritt zurück, ohne dass er seinen Blick von mir abwandte. Er füllte ein Glas Wasser und trank es in einem Zug aus. Tief durchatmend fragte er mich zweifelnd.

Khozeyme: „Was hast du dort gesehen?“

Mariwan: „Im Keller, Herr?!“

Khozeyme: „Ja, im Keller!“

Mariwan: „Es war dort überall dunkel.“

Khozeyme: „Was hast du in der Dunkelheit gesehen?“

Ich spürte eine wachsende Unruhe in mir. Was sollte ich nur tun. Ich war verwirrt.

Ich wusste nicht mehr, was richtig und was falsch war.

Stotternd antwortete ich: „Ich … ich … habe … Sie gesehen.“

Khozeyme: „Nur mich?“

Mariwan: „Auch die Kunstlehrerin.“

Khozeyme: „Gut, was hast du noch gesehen?“

Mariwan: „Sie waren irgendwie anders, Herr. Sie atmeten sehr schnell … und Sie hatten auch nichts an.“

Der Blick von Khozeyme änderte sich langsam.

Er nahm ein langes Metalllineal vom Tisch, trat einen Schritt auf mich zu und bedeutete mir, dass ich meine Hände nach vorne hochheben soll.

Khozeyme: „Erzähl weiter!“

Mariwan: „Herr, ich schwöre es, ich habe nichts getan.“

Khozeyme: „Heb hoch, du Bastard!“

Ich versteckte meine Hände auf dem Rücken. Khozeyme kam zu mir und zog meine Hände mit Gewalt nach vorne. Ich spürte Tränen in meinen Augen.

Meine Finger hatte ich fest zu einer Faust geschlossen. Er zog sie nach oben und schlug mir mit seinem Handrücken ins Gesicht, drückte mein Handgelenk und öffnete so wutentbrannt meine Faust.

Ich konnte meine Finger nicht mehr zusammenhalten. Er hob das Lineal hoch und schlug mit voller Wucht auf meine geöffnete Hand.

Das Lineal war kalt, aber es brannte auf den Fingern. Als es auf meine Hand aufschlug, federte es nach und die Schmerzen zogen sich bis in meine Schulter. Khozeyme: „Sag mir, was du gesehen hast … Ich will endlich die Wahrheit hören. Ist das klar, du Hurensohn!“

Ich hatte jetzt begriffen, welch großen Fehler ich gemacht hatte.

Mariwan: „Nichts, Herr, nichts.“

Er zog das Lineal hoch und schlug wieder auf meine Finger.

Die Schmerzen schossen bis in meinen Rücken.

Khozeyme: „Heul doch, du Gottloser! … Ich will wissen, was du gesehen hast?!“

Mariwan: „Ich wollte überhaupt nichts sehen … ich habe nichts gesehen.“

Khozeyme: „Ja, nichts ist gut! Du hast nichts gesehen!“

Er schlug von unten mit dem Lineal so gegen meine Hände, dass ich sie höher nehmen musste.

Die Tränen liefen mir über die Wangen, auf die Lippen und brannten in meiner Wunde.

Er schlug noch einmal zu.

Khozeyme: „Ich will es noch mal hören, wiederhole, was du gesehen hast!“

Mariwan: „Hab ich nichts, nichts, nichts gesehen.“

Khozeyme: „Ja, du hast nichts gesehen. Du warst nie in dem Keller. Haben wir uns verstanden?“

Mariwan: „Ja, Herr, ich schwöre es.“

Khozeyme: „Ab jetzt bist du stumm. Ist das klar!?“

Mariwan: „Ja, Herr, ich schwöre es.“

Khozeyme: „Ja, schwören ist gut … Aber vergiss nie … solltest du irgendwann jemandem davon erzählen, mache ich etwas mit dir, dass selbst die Vögel über dich weinen.

Hast du das verstanden?!“

Ich nickte heftig.

Khozeyme: „Sagst du auch nur einen Mucks, schreibe ich persönlich deinen Entlassungsbrief, und zwar so, dass dich keine andere Schule je wieder aufnimmt.“

Khozeyme ließ meine Hände los und legte das Metalllineal wieder auf den Schreibtisch des Direktors.

Er schaute in mein verweintes Gesicht.

Khozeyme: „Hör auf zu flennen.“

Ich versuchte, meinen Atem anzuhalten.

Khozeyme: „Geh zum Waschbecken und mach dich sauber. Ich verbiete dir zu weinen!“

Er rückte seinen Turban zurecht, wischte sich mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn und schloss die Tür auf.

Khozeyme: „Wenn dich jemand fragt, sagst du, dein Vater war da und wollte mit mir darüber sprechen, wie er dich religiöser erziehen kann. … Jetzt hau ab! Verschwinde!“

Ich verließ das Lehrerzimmer. Der Korridor war immer noch menschenleer, doch der glänzende Boden konnte mich nicht mehr beeindrucken. Ich ging zum Waschraum, stellte mich an das Waschbecken, ließ meine Hände voll Wasser laufen und goss das Wasser über mein Gesicht.

Es war kalt, aber brannte auf meinen Lippen.

Ich schaute in den Spiegel. Ein Kind schaute mir mit roten Augen und zitternden Wangen entgegen. Ich wandte meinen Blick ab.

Als ich zu unserem Klassenzimmer zurückkehrte, klingelte es zum Ende der Stunde.

Aus der Klasse rannten fröhliche Kinder.

Der Unterricht war vorbei und Herr Esfandiary sortierte gerade seine Geschichtsbücher in die Tasche. Ich ging zu meiner Bank. Soheil und Adel hatten auf mich gewartet.

Mein Geschichtsbuch lag noch offen auf dem Tisch. Ich schaute zur Tafel auf das Persische Reich.

Von allen Seiten eroberten die Feinde in Form von roten Pfeilen den Iran und das, was übrig blieb, war ein besetztes Land in der Hand Fremder.

Herr Esfandiary kam zu mir und stellte sich neben meine Bank. Ohne dass ich ihn beachtete, klappte ich das Buch zu und steckte es in meinen Rucksack.

Er hockte sich neben meine Bank, um mit mir in gleicher Augenhöhe zu sein.

Ich sah seinen besorgten Blick.

Esfandiary: „Wer hat dich geschlagen?“

Ich presste meine Lippen aufeinander: „Niemand.“

Esfandiary: „Keine Angst mein Junge, sag es mir. … Es war Khozeyme stimmt’s?“

Ich senkte meinen Blick.

Er schüttelte seinen Kopf.

Esfandiary: „War dein Vater überhaupt da?“

Was sollte ich sagen. Ich schwieg weiter. Er legte seine Hand auf meine Schulter.

Esfandiary: „Hab keine Angst, Mariwan, du kannst es mir erzählen.“

Esfandiary war fast so alt wie Morshed. Er war ziemlich groß, kräftig und hatte breite Schultern.

Seine vollen Haare waren grau meliert, er kämmte sie immer nach hinten und sein Gesicht war immer glatt rasiert. Schon seit vier Jahren war er unser Klassenlehrer, von Anfang an, ab der 1. Klasse. Ich hatte es noch nie erlebt, dass er seinen Schülern gegenüber laut oder ausfällig wurde.

Mit einer unglaublichen Liebe und Begeisterung unterrichtete er uns. Wenn jemand etwas fragte, hörte er immer gut zu. Selbst, wenn er manche Sachverhalte mehrmals erklären musste, hörte man ihn nie darüber klagen.

Manchmal las er uns mit seiner tiefen warmen Stimme ein Gedicht vor. Er schüttelte auch immer eine fröhliche Fabel „aus seinem Ärmel“, mit der er ein Lächeln in unsere Gesichter zauberte.

Ich hob meinen Kopf. Seine Augen schauten besorgt. Ich wollte etwas sagen, ich wollte ihm meine ganze traurige Geschichte erzählen, … aber ich hatte Angst.

Ich hatte Angst, dass alles noch schlimmer würde. Ich ängstigte mich überhaupt immer.

Diese Angst festigte sich nach und nach und wurde letztendlich ein Teil von mir.

Er atmete tief und säuberte mit einem Taschentuch meine Lippe, die immer noch blutete.

Esfandiary: „Dieses herrenlose Land … Wenn aus jedem Idioten ein Lehrer gemacht wird, dann ist das das Ergebnis.“

Die Sonne ging schon unter, als wir die Schule verließen. Der Himmel war wolkig und grau.

Die Krähen kreisten in großen Scharen über uns.

Es sah für mich so aus, als wären sie auch auf dem Weg von der Schule nach Hause.

Sie flogen über die blätterlosen Birken, nassen Dächer und verschwanden schließlich in unbekannte Richtung am Horizont.

Adel brach das Schweigen.

Adel: „Was ist mit dir? Sag doch mal was? … Sind wir noch Freunde oder nicht?“

Ich stieß mit dem Fuß gegen einen Stein, der vor mir lag. Er rollte den Fußweg entlang und fiel in den Wasserkanal.

Ich schaute zu Adel und Soheil, die neben mir liefen und immer noch geduldig darauf warteten, dass ich etwas sagte.

Mariwan: „Ich will kein Kind mehr sein.“

Adel war froh.

Adel: „Na endlich! … Du brauchst kein Kind zu sein. Niemand kann dich daran hindern, nicht mehr klein zu sein.“

Mariwan:„Solange man ein Kind ist, können sie dich unterdrücken. … Jeder kann dir auf den Kopf hauen.“

Adel: „Ach, die Erwachsenen haben tausend Probleme mehr als wir. Mein Vater meint, je Erwachsener man wird, desto mehr merkt man, wie schön die Kindheit war. … Übrigens, auf den Kopf der Erwachsenen hauen die noch mehr drauf. Das hast du selber gesehen, wie sie den jungen Mann auspeitschten?“

Mariwan: „Ach lass mal, Adel! Es macht keinen Unterschied, solange du den anderen erlaubst, dass sie dir auf den Kopf hauen dürfen, bist du immer noch ein Kind.“

Soheil: „Khozeyme hat dich geschlagen, stimmt’s?“

Ich antwortete nicht.

Soheil: „Hey Mariwan, wir wollten immer zusammenhalten, oder? Wenn du es uns nicht sagen willst, wem sonst.“

Adel: „Willst du ihn bei deinem Vater anzeigen?!“

Ich zeigte ihm einen Vogel: „Ja, bestimmt beim Vater. Du hast wohl eine Meise?

Den einen Henker zeige ich beim anderen Henker an.“

Ich sah Wut in Soheils Augen.

Soheil: „Das Arschloch hat dich geschlagen.“

Mariwan: „Es gibt hier immer einen Schläger.“

Adel: „Das lassen wir uns aber nicht gefallen, oder Soheil?“

Er zwinkerte Soheil zu. Soheil kratzte sich hinter dem Ohr: „Der kriegt schon, was er verdient.“

Adel lief vor uns und drehte sich plötzlich zu uns um.

Adel: „Willst du morgen bei seinem Auto die Reifen zerstechen?“

Mariwan: „Wie denn?“

Soheil lächelte mir zu.

Soheil: „Das ist eine gute Idee. … Ich bringe von unserem Schuster ein paar Vorstecher mit.

Dann können wir nach der Schule, wenn alle weg sind, zu seinem Auto gehen.“

Mich überkam eine große Freude: „Nehmen wir uns alle vier Reifen vor?“

Soheil: „Ja, Mariwan. Wir zerstechen alle.“

Adel: „So, dass keine Werkstatt sie reparieren kann.“

Vor Freude bekam ich keine Luft. Wir schauten einander an und mussten plötzlich lachen.

Dann fassten wir uns an unseren Händen.

Meine Geparden sind auf dem Weg

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