Читать книгу Extra Krimi Paket Sommer 2021 - A. F. Morland, Pete Hackett - Страница 49

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Milo und ich waren pünktlich um 4.23 Uhr in der DeKalb Station, Brooklyn.

Die Uhren trugen wir rechts, so wie Mister McKee es gesagt hatte.

"Ich hoffe, die ganze Aktion bringt auch was", gähnte Milo. "Am Ende passt dem Kerl unsere Nase nicht und er geht einfach an uns vorbei."

"Abwarten, Milo."

Im Big Apple gibt es rund um die Uhr Leute, die mit der Subway fahren. Und im Gegensatz zu vielen Gerüchten, die man immer wieder hört, ist sie ein vergleichsweise sicheres Verkehrsmittel. Die Bahnhöfe werden per Video überwacht und es laufen regelmäßig Security Guards Streife.

Etwa ein Dutzend Personen standen mit uns auf dem Bahnsteig, als der Zug Richtung Manhattan einfuhr.

Wir stiegen ein, setzten uns und warteten ab. Der Zug fuhr los. Nur ein paar Minuten später hielt der Zug schon an der nächsten Station. Neue Fahrgäste stiegen ein.

Wir mussten bis hinauf zum Central Park fahren, ehe wir auf Gregory Raquino trafen. Ich erkannte ihn sofort von den Fotos her, die ich von ihm gesehen hatte. Er war ein Mann mit grauen Schläfen und einem dunklen Teint. Seine Gestalt war hager und schmal.

Er blickte sich mehrfach um, bevor er sich uns gegenübersetzte. Ein paar schwarze Jugendliche alberten im hinteren Teil des Waggons herum. Raquino wartete, bis sie an der nächsten Station ausgestiegen waren, bevor er uns ansprach.

"Hören Sie zu, ich bin nicht zum Spaß her gekommen..."

"Wir hätten ein paar Fragen an Sie, Mister Raquino", sagte ich.

"Bevor Sie Ihre Fragen stellen, möchte ich erstens Ihre Ausweise sehen..."

Wir hielten sie ihm hin. "Und zweitens?", hakte ich nach.

Raquino sah mir direkt in die Augen. Er zögerte einen Augenblick, bevor er schließlich weitersprach. "Ich bin in Gefahr."

"Wodurch?"

"Ich habe heute während des Tages so einiges aufgeschnappt, was mich nachdenklich gemacht hat. Ich.."

"Uns interessiert eigentlich mehr, woher Sie von dem Kokain-Deal am Pier 41 wussten", unterbrach ich ihn.

"Das ist genau der Punkt, um den es geht."

"Vielleicht erzählen Sie uns mal alles der Reihe nach", forderte Milo.

Raquino atmete tief durch. Er beugte sich leicht vor und sprach in gedämpftem Tonfall. "Vor ein paar Tagen kamen ein paar Männer in meinen Laden. Sie haben mich abgeführt und in eine Limousine gesteckt. Wir sind zu einem einsamen Highway-Parkplatz gefahren. Dort erwartete mich Juan-Angel Carillo. Er hat bei Rick Montalban eine Position eines langjährigen Beraters, wie Sie vielleicht wissen..."

"Wie ein Conciliere bei den italienischen Mafiosi", stellte Milo fest.

"Genau. Carillo hielt sich immer im Hintergrund. Nur ab und zu ist er aktiv geworden, um seinem Boss die eine oder andere Schwierigkeit aus dem Weg zu räumen."

"Was wollte Carillo von Ihnen?", hakte ich nach.

"Er hat mir gesagt, dass er schon seit langem wüsste, dass ich als Informant für den FBI tätig sei. Ich sollte meinen Freunden von der Federal Plaza über den bevorstehenden Deal berichten. Falls ich darüber zu irgendwem ein Wort verlieren würde, wüsste Rick Montalban innerhalb kürzester Zeit Bescheid. Für mich wäre das das Todesurteil, wie Sie sich denken können."

"Und weshalb reden Sie jetzt darüber?", fragte ich skeptisch. Ich hatte ja schon vermutet, dass die Informationen über den bevorstehenden Kokain-Deal absichtlich lanciert worden waren.

"Weil ich Ihren Schutz brauche!"

"Fahren Sie fort! Ich begreife noch nicht. Warum sollte Juan-Angel Carillo seinen Boss verraten?"

"Sie sind sogar verwandt!", berichtete Raquino. "Aber es wächst unter Montalbans Unterführern schon längere Zeit die Unzufriedenheit über Dirty Rick. Er hält die Zügel zu locker, kümmert sich nicht mehr richtig um alles. Es geht das Gerücht um, dass er sich nach und nach vollkommen aus den schmutzigen Sachen heraushalten will. Die Profite gehen in den Keller. Marktanteile gehen an die Konkurrenz verloren. Selbst aus unserer eigenen Latino-Ecke in East Harlem und der Bronx wird Montalbans Syndikat schon in die Enge getrieben. Puertoricaner und Exilkubaner haben seinen Leuten schon ganze Straßenzüge abgenommen."

"Und jetzt versucht also jemand eine Rebellion?"

"Ja. Aranjuez ist ein absolut loyaler Gefolgsmann von El Columbiano. Deswegen musste er aus dem Weg geräumt werden, was ihr G-men ja hervorragend erledigt habt. Ich nehme an, dass er in den bisherigen Verhören auch noch nicht sehr viel mehr als seine Personalien genannt hat."

"Leider wahr", nickte ich.

"Er würde eher sterben, als Montalban zu verraten."

Ich blieb skeptisch. "Wer steckt hinter der Rebellion? Dieser Carillo etwa?"

Raquino schüttelte den Kopf. "Nein, Carillo ist viel zu alt, um selbst die Führung übernehmen zu können. Außerdem würde er auch kaum von den anderen Unterführern akzeptiert. Dahinter steht jemand anderes."

"Wer?"

"José Montalban."

"Der Sohn?"

"Er ist jung genug und man traut ihm den nötigen Geschäftssinn zu. Auch wenn er nach außen hin so sauber tut, José hat mehr drauf, als sein Vater glaubt. Verstehen Sie mich nicht falsch. Die wollen Dirty Rick nicht umbringen, sondern nur ins Abseits stellen. Der geplatzte Kokain-Deal hat sehr dazu beigetragen. Nicht nur, weil mit Aranjuez ein Vertrauensmann von Rick Montalban aus dem Verkehr gezogen wurde, sondern auch weil sich jetzt die schon lange gärende Unzufriedenheit endlich Bahn brechen könnte."

"Der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt", murmelte ich.

Raquino drehte sich um. Er wirkte wie ein ängstliches Wiesel. Schließlich fuhr er fort: "Carillo wurde vor ein paar Stunden umgebracht. Wahrscheinlich wird man seine Leiche erst in ein paar Tagen finden.."

"Woher wissen Sie das alles?"

"Es wird überall auf der Straße herumerzählt. Sie haben Carillo in einem Hinterhof fertig gemacht und ausgequetscht wie eine Zitrone, bevor sie ihn umbrachten. Ich kenne ein paar Leute, die es gesehen haben, aber eher sterben würden, als darüber zu reden. Offenbar ist El Columbiano hinter das falsche Spiel seines Beraters gekommen und hat nach langer Zeit mal wieder Zähne gezeigt."

"Und jetzt sorgt er dafür, dass davon alle erfahren."

"Genau. Aber für mich bedeutet das höchste Gefahr. Ich nehme an, dass Dirty Ricks Killer aus Carillo noch herausquetschen konnten, wer für das Scheitern des Koks-Deals an Pier 41 verantwortlich ist. Verstehen Sie jetzt, warum ich mich an Sie wende?"

"So langsam", nickte ich.

"Hören Sie, ich möchte ins Zeugenschutzprogramm. Eine neue Identität und so weiter. Sie kennen das ja."

"Darüber kann man sicher reden..."

Ich blickte an Raquino vorbei. Ein breitschultriger Mann mit kurzgeschorenen blonden Haaren betrat den Wagen. Er trug einen leichten Regenmantel. Die rechte Hand war in der Seitentasche verborgen. Er sah sich um, schien jemanden zu suchen.

Raquino drehte sich um, folgte meinem Blick.

Der Blonde starrte ihn an.

Er riss eine Waffe mit Schalldämpfer hervor.

Milo riss Raquino den Kopf herunter. Sie duckten sich. Der Schuss ging ins Leere. Im selben Augenblick zog ich die SIG und feuerte zurück. Ich traf den Kerl am Oberkörper. Er taumelte zurück. Mein Schuss hatte seine seine Kleidung aufgerissen. Das graue Kevlar einer kugelsicheren Weste wurde darunter sichtbar.

Der Killer prallte gegen die Schiebetüren, die sich zwischen den einzelnen Subway-Waggons befanden. Die Türen teilten sich automatisch. Der Blonde hob seine Waffe erneut, ballerte wild in unsere Richtung. Mit der anderen Hand holte er eine zweite Waffe unter dem Mantel hervor. Auch sie besaß einen aufgeschraubten Schalldämpfer. Mit zur Maske verzerrtem Gesicht feuerte der Blonde in rascher Folge beide Waffen ab, zog die Stecher immer wieder durch. Ich warf mich zur Seite, suchte Deckung. Glücklicherweise waren zurzeit keine weiteren Fahrgäste im Waggon, die in Mitleidenschaft gezogen werden konnten.

Die Kugeln durchschlugen die Sitzbänke.

Milo drückte Raquino zu Boden.

Aber auch mein Kollege musste sich in Deckung halten. Einen Schuss gab er in Richtung unseres Gegners ab, der aber nicht traf.

Der Geschosshagel verebbte schließlich.

Der Killer floh in den Nachbarwaggon.

Ich rappelte mich auf. "Den Kerl kaufe ich mir!", knurrte ich. Im nächsten Moment konnte ich schon nicht mehr auf den Beinen halten. Ein Ruck ging durch den Waggon. Mit einem ohrenbetäubenden Quietschen der Bremsen kam der Zug zum Stehen. Der Killer hatte offenbar die Notbremse gezogen.

Ich taumelte nach vorn, landete schließlich auf einem der Sitze. Sofort stand ich wieder auf, die SIG in der Faust.

Ich hörte, wie im Nachbarwaggon die Tür geöffnet wurde.

Ein paar Schritte und ich hatte ebenfalls eine Außentür erreicht und öffnete sie. Ich sprang hinaus. Etwa zwei Meter weiter verliefen die Gleise der Gegenspur. Außer dem Licht, das aus den Waggons drang, erhellte eine schwache Notbeleuchtung den Subway-Tunnel.

Der Killer lief davon, direkt in den Tunnel hinein.

"Halt, stehen bleiben! FBI!", rief ich.

Meine Worte hallten in dem Gewölbe wieder.

Ich feuerte einen Warnschuss ab.

Der Killer drehte sich herum, feuerte gleichzeitig mit seinen zwei Pistolen. Vier- oder fünfmal machte es plop.

Ich presste mich gegen den Zug, duckte mich.

Im Gegensatz zu meinem Gegner trug ich keine kugelsichere Weste. Schließlich gehörte das Treffen mit einem Informanten nicht unbedingt zu den Situationen, in denen man so etwas anlegt.

Wie wild feuerte der Killer um sich.

Dann kamen keine Kugeln mehr aus seinen Waffen.

Er hatte die Magazine offenbar leergeschossen.

Ich setzte zu einem Spurt an. Der Killer schaffte es bis zu einer Nische im Mauerwerk. Dort befand sich ein Nottelefon. Vermutlich wollte er die Deckung nutzen, um seine Magazine auszuwechseln.

Bis auf dreißig Yards war ich an ihn herangekommen, da tauchte er aus der Nische hervor, feuerte.

Doch ich reagierte blitzschnell und kam ihm um den Bruchteil einer Sekunde zuvor.

Mein erster Schuss erwischte ihn an der Schulter. Ich feuerte immer wieder. Fünf, sechs Geschosse trafen ihn am Oberkörper. Sie konnten das Kevlar nicht durchdringen, die Aufprallwucht der Geschosse war dennoch immens und stellte jeden Faustschlag mühelos in den Schatten.

Er zuckte. Seine eigenen Schüsse gingen ins Leere. Er war nicht mehr in der Lage zu zielen.

Ächzend sank er zurück.

Der Blonde rutschte an der Betonwand hinab und rang nach Atem.

Mit ein paar schnellen Sätzen war ich bei ihm.

Er wollte seine Waffen erneut hochreißen und auf mich feuern, erstarrte dann aber mitten in der Bewegung, als er in die Mündung meiner SIG blickte.

"Sie sollten nicht denken, dass ich Ihren Kopf nicht auch treffen könnte, Mister!", zischte ich. Einen Augenblick lang zögerte er noch. Schließlich gewann die Vernunft die Oberhand. Er sah ein, dass er in seinem Zustand einfach nicht schnell genug gewesen wäre, um mich erledigen zu können. Jedenfalls nicht, bevor ich nicht meinerseits abgedrückt hatte.

Diesmal wäre es sein sicherer Tod gewesen.

Er ließ die Waffen sinken.

"Das Spiel ist aus", stellte ich fest.

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