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Kapitel 1

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Späte Heimkehr


Arkon I lag unter ihm, ein so schöner Planet, dass es ihm wohl das Herz zerrissen hätte vor Wehmut und Glück, wenn es nicht schon vor langer Zeit zerrissen worden wäre, auf eben dieser Welt. Crest hatte gar nicht gemerkt, wie sehr er diesen Ort vermisst hatte. Arkon – und das Epetran-Archiv.

Als enger Berater von Imperator Orcast XXI. hatte Crest einst das Epetran-Archiv nutzen können, wenngleich nicht unbeschränkt. Was Epetran da geschaffen hatte vor so langer Zeit, war atemberaubend gewesen und war es noch.

Das Epetran-Archiv log nie. Es sammelte aktiv Informationen, auch weit nach dem Tod seines Schöpfers und Namensgebers. Das nicht zu tun, wäre eine unvergleichliche Torheit gewesen; es hätte bedeutet, sich eines Tages selbst überflüssig zu machen. Daher erhielt das Archiv auf unterschiedlichste Weise Informationen zugetragen und eingespeist.

Das Epetran-Archiv archivierte all das, aktualisierte und vervollständigte in Form einer unsichtbaren, nicht zu ortenden Datenwolke sämtliche Angaben, die sich beizeiten immer wieder sublimierten. Die Aufgabe seiner Nutzer war es, das Archiv richtig zu verwenden, Rückschlüsse, Querverbindungen, historische Linien zu ziehen, Widersprüche zu erkennen und Lücken … Es war das perfekte Instrument und weitaus mehr als die Essenz Arkons, als die Epetran es einst konzipiert hatte.

Wissen, das begriff Crest, war der wahre Schlüssel zu Macht. Aber direkt hinter der aufgeschlossenen Tür lauerten zuerst deren beiden Wächter: Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Während Crest das Archiv zum ersten Mal benutzt hatte, in den Tagen von Orcast XXI., war das Wissen wie ein tiefes, dunkles Meer voller Strudel gewesen, die ihn beinahe in den Tod gezogen hatten. Je mehr er erfuhr, desto aussichtsloser schien ihm zu werden, wohin das Imperium steuerte oder besser: driftete. Denn von einer politischen Steuerung in den zentralen Belangen war bereits damals nur noch wenig zu merken gewesen.

Auch deswegen hatte Crest Arkon schließlich den Rücken gekehrt, hatte sich aufgemacht auf seine besondere Suche. Jedes Verweilen hätte die Hoffnungslosigkeit nur verstärkt. Seine Jagd nach der Unsterblichkeit war daher zugleich eine Suche nach neuer Hoffnung für Arkon gewesen.

Nun kehrte er zurück, aber nicht im Triumph, sondern im Verborgenen.

Wie sehr hatte Crest sich gefreut auf die Heimkehr, und wie sehr hatte er sich gefürchtet.

Crest hatte gehofft, er würde unerkannt bleiben, zumindest weitgehend. So viele Wesen kamen ins Arkonsystem, dass er gewiss nicht auffallen würde.

Offenbar hatte er sich getäuscht.

Er betrachtete den Holoschirm, der gerade eingegangene Nachrichten anzeigte – eine von Aizela, eine von Yrandi.

Aizela, mit der er sich einst eine Zukunft hatte vorstellen können, hatte er längst vergessen geglaubt. Yrandi, die ihn wie eine Mutter aufgezogen hatte, war vor vielen Jahren durch seine Schuld gestorben. Woher kamen ihre Nachrichten zu ausgerechnet diesem Zeitpunkt? Sollte er sie überhaupt lesen?

Er atmete durch und recherchierte. Tatsächlich waren beide Nachrichten positronisch verplombt und gesichert: nur auf Arkon I abrufbar, individuell verschlüsselt, vertraulich und persönlich, erst nach dem Tod des Absenders zu öffnen. Das an sich war nicht ungewöhnlich, gerade in den elitären Kreisen des Adels, der sich am Spiel der Kelche beteiligte. Wahrheiten hinter Lügen, falsche Fährten, späte Reue, Manipulationen und vieles mehr … Nein, das war nicht ungewöhnlich.

Verwirrend wurde es allerdings dadurch, dass beide Nachrichten mehrfach per imperialer Verfügung zurückgehalten worden waren, erstmals durch Orcast XX. Die Verfügung war erst vor einer Weile aufgehoben worden, nachdem der herrschende Imperator bereits so lange verschwunden war, dass die meisten ihn für tot hielten. Da hatte Crest das Arkonsystem aber längst verlassen gehabt. Seitdem warteten die Nachrichten auf seine Rückkehr.

Was hatte sich der verstorbene Imperator davon versprochen, die Nachrichten zurückzuhalten? Weshalb hatte er sie lediglich blockiert und nicht stattdessen gelöscht?


Crest da Zoltral war es gewöhnt, recht zu haben. Als Derengar, als Wissenschaftler des Imperiums, als Vertrauter eines Imperators und Freund eines anderen über Jahrzehnte hinweg. Er war es gewöhnt, andere einzuschätzen. So, wie er Perry Rhodan eingeschätzt und für wert befunden hatte, Crests Weg zu begleiten, seine Suche nach dem ewigen Leben. So, wie er den Imperator gekannt hatte, seinen Vater Varga, seine Nennmutter Yrandi, seine Schwester Aénda, seinen Jugendfreund Onat … und Aizela.

Oder vielmehr so, wie er geglaubt hatte, sie alle zu kennen. Jahrelang war er davon ausgegangen, dass ihm alle Schuld zufiel für den Untergang des Hauses Zoltral …

Crest war es gewöhnt, die Freiheit der Entscheidung zu haben – mithin sowohl deren Früchte ernten zu dürfen als auch die negativen Folgen tragen zu müssen. Niemand konnte vorhersehen, wozu Entscheidungen führten. Stets gab es zu viele Wechselwirkungen auf zu vielen Ebenen, die man nicht alle im Blick haben konnte. Er hatte als junger Mann eine törichte Wahl getroffen, weil ihm das Abwägen ungleich leichter gefallen war, weil er die Schwierigkeiten nicht gesehen oder unterschätzt hatte. Aber schon damals hatte er sich stets im Recht gefühlt.

Mittlerweile hatte er seine Lektion gelernt.

Perry Rhodan Neo Story 15: Der Untergang des Hauses Zoltral

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