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Bildung ist alles

Die Kaderschmiede der Muslimbruderschaft?

Das Thema der Ausbildung von Imamen im Kampf gegen Radikalisierung wird häufig diskutiert. Eine zentrale Rolle unter den europäischen Organisationen, die sich der Ausbildung von Imamen verschrieben haben, nimmt das Europäische Institut für Humanwissenschaften (IESH) ein. Langsam, aber stetig hat die Muslimbruderschaft mit IESH und seinen internationalen Ablegern ein eigenes Netzwerk von Bildungseinrichtungen in ganz Europa aufgebaut.

Bereits 1992 wurde in Frankreich das Institut Européen de Sciences Humaines (IESH) in der Nähe des französischen Château Chinon gegründet. Die Expansion erfolgte nach Großbritannien, Deutschland, Finnland und Irland. IESH war der erste Schritt der Muslimbruderschaft, eigene Bildungsstrukturen in Europa aufzubauen. Dienen alle Institute in diesem Netzwerk der Rekrutierung und Kaderausbildung für die Muslimbruderschaft? Ahmed Jaballah, Doktor der Islamologie und Dekan von IESH, ist ehemaliger Präsident der Union der Islamischen Organisationen Frankreichs (UOIF, die inzwischen in MF – Musulmans de France umbenannt worden ist). Französische Medien wie »Le Figaro« oder »Le Parisien« ordnen Jaballah und MF klar der Muslimbruderschaft zu.

Youssef al-Qaradawi und andere Theologen wurden beauftragt, das akademische Programm von IESH festzulegen. Al-Qaradawi ist der spirituelle Führer und Chefideologe der Muslimbruderschaft. Schon der Gründer der Muslimbruderschaft, Hassan Al-Banna, sah in der islamkonformen Ausbildung der jungen Generation eine der wichtigsten Aufgaben. Von seinen Leitsätzen hat sich bis heute keine Organisation der Muslimbruderschaft distanziert: »Gott ist unser Ziel. Der Prophet ist unser Führer. Der Koran ist unsere Verfassung. Der Jihad ist unser Weg. Der Tod für Gott ist unser nobelster Wunsch.«

Al-Qaradawis Ziel war immer, die islamischen Wurzeln der europäischen Muslime zu bewahren, um zu verhindern, dass sie sich in den säkularen und liberalen Gesellschaften Europas auflösen. Eine klare Kampfansage an Integration, an die Anerkennung europäischer, liberaler, demokratischer Werte.

Mit der Schaffung einer transnationalen Organisation, die sich auf islamisches Recht spezialisiert hat, dem Europäischen Rat für Fatwa und dem Forschungsrat (ECFR), wurde al-Qaradawis Ziel, das Scharia-Recht in muslimischen Gemeinschaften in Europa zu verankern, Wirklichkeit.

Ideologische und interpersonelle Verflechtungen zwischen ECFR und IESH werden spätestens durch die Besetzung der Führung des deutschen Ablegers von IESH, dem Europäischen Institut für Humanwissenschaften (EIHW), offensichtlich. Khaled Hanafy ist nicht nur Dekan des EIHW, sondern auch Vorsitzender des Rates der Imame und Gelehrten in Deutschland, aber auch stellvertretender Generalsekretär im Europäischen Rat für Fatwa und Forschung (ECFR).

Wesentlicher Bestandteil dieser drei Organisationen ist die Durchsetzung von Scharia als Rechts- und Gesellschaftsordnung sowie als wichtigste Grundlage des politischen Lebens.

In Europa sollte es keine Zweifel geben, dass zur Bekämpfung der islamistischen Radikalisierung dem heiklen Thema der Ausbildung von Imamen mehr Aufmerksamkeit, Kontrolle und Transparenz gebührt, egal ob es um Lehrinhalte, Finanzierung oder Ideologie der Lehrenden geht. Inshallah.

Aktuelle Herausforderungen für die Zukunft Europas

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