Читать книгу Titus Schulgeschichten II - Andreas Dietrich - Страница 6
Sie wollen mich sicher
ОглавлениеKim war Sportlerin durch und durch. Sie trainierte jeden Tag. Es konnte sonnig sein, es konnte regnen, Kim trainierte. Kim trainierte im Sommer wie im Winter.
Das war nicht einmal das Besondere. Kim trainierte nicht für Leichtathletik. Sie interessierte sich nicht so sehr für Handball oder Volleyball. Kim spielte Fußball.
Kim war damit etwas Besonderes an unserer Schule. Bei den Jungen war es klar. Die meisten von ihnen spielten gerne Fußball. Manche Schüler waren gut. Manche Schüler waren im Fußball nicht so gut. Kim war sehr gut.
Da es keine anderen Mädchen gab, die Fußball spielten, spielte Kim bei den Jungen mit. Anfangs wollten die Jungen sie nicht dabei haben. Das änderte sich im Laufe der Zeit. Die Jungen sahen, wie gut Kim war. Kim war für jedes Team eine Bereicherung.
Für Kim war es klar. Sie wollte Profifußballerin werden. Es gab schon große Vereine, die auf sie aufmerksam wurden. Sie wollten Kim so schnell wie möglich haben. Doch noch blieb Kim hier. Sie wollte erst ihr Abitur machen und bei ihrem Heimatverein noch bleiben.
Kim spielte in ihrem Heimatverein bei den Mädchen. Doch Kim beließ es nicht nur bei den Trainingseinheiten, wenn die Mädchen dran waren. Kim spielte auch bei den Jungen mit, wenn nichts Anderes für sie anstand.
In diesem Schuljahr musste Kim allerdings Abstand davon nehmen, Profifußballerin zu werden. Alles begann damit, dass Kim mit den Jungs in der Mittagspause Fußball spielte. Kim knickte um. Das schmerzte. Vorsorglich wurde ein Krankenwagen gerufen und Kim wurde im Krankenhaus untersucht.
Im Krankenhaus stellten die Ärzte zufällig fest, dass es eine Verletzung am Rückenmark gab. Kim konnte keinen Sport mehr treiben. Jede sportliche Betätigung könnte dazu führen, dass Kim im Rollstuhl landet.
Kim glaubte es nicht. Kim wollte nicht auf Sport verzichten. Kim wollte weiterhin Fußball spielen. Sie zum Umdenken zu bewegen war schwierig.
Stefan bekam es mit. Er sah, dass Kim weitermachen wollte. Der Rollstuhl war ihr egal. Stefan wollte Kim zeigen, dass es ihr nicht egal war. Stefan zeigte Kim, wie ein Leben mit Rollstuhl aussehen würde.
Kim sollte einen ganzen Tag im Rollstuhl verbringen. Dazu fuhr Stefan am nächsten Morgen zu Kim nach Hause. Den Weg von zu Hause bis zur Schule legte Kim normalerweise mit dem Rad zurück. Heute musste sie sich in einen Rollstuhl setzen und damit den Weg zur Schule meistern.
Schon die ersten Meter waren schwierig. In der Straße, in der Kim wohnte, gab es einen Bürgersteig. Der Bürgersteig war gepflastert. Das war noch kein großes Problem. Es fuhr sich zwar nicht so gut auf den Pflastersteinen und der Rollstuhl blieb an einigen Pflasterkanten hängen, doch Kim meisterte es mit ein bisschen Geduld.
An der nächsten Kreuzung gab es das größere Problem. Die Bordsteine waren nicht abgesenkt. Wie sollte Kim die Kreuzung überqueren? Kim musste nach rechts fahren. Nach ein paar Metern kam eine Einfahrt. Dort senkte sich der Bordstein. Kim konnte den Bürgersteig verlassen. Auf der anderen Seite gab es glücklicherweise auch eine Einfahrt. Dort konnte Kim wieder auf den Bürgersteig fahren.
Kim brauchte Kraft. Die Bordsteinabsenkung war nicht die Beste. Es gab noch eine Kante, die Kim überwinden musste. Mit der Hilfe von Stefan schaffte Kim es.
Der Schulweg für Kim war nicht gerade kurz. Nur mit den Rollstuhl den Weg zu fahren, sollte schwierig werden. Zum Glück gab es ja einen Bus. Die Haltestelle war sogar für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen ausgebaut. Kim sollte es leicht haben, in den Bus zu kommen.
Das galt aber nicht für den Schulbus. Der Schulbus war kein Niederflurbus. Der Schulbus besaß noch Treppen. Treppen konnte ein Rollstuhl nicht überwinden. Kim musste auf den richtigen Bus warten, der ein paar Minuten später ankam.
Als der Bus ankam, konnte der Schulweg weitergehen. Kim wurde von allen angeguckt. Scheinbar hatten die Leute noch nie eine Schülerin in einem Rollstuhl gesehen. Anders konnte sich Kim die Blicke nicht erklären.
Irgendwann war die Busfahrt überstanden. Kim konnte aussteigen. Nun gab es das zweite Problem. Unsere Schule war noch nicht rollstuhlgerecht. Wie sollte Kim zum Unterricht kommen?
Stefan befahl Kim aufzustehen. Sie sollte sich an der Treppe hinsetzen. Dann brachte Stefan den Rollstuhl ins Schulgebäude. Anschließend holte er Kim. Stefan fragte, ob sich Kim das Leben so vorstellen würde? Immer auf Probleme stoßen und immer wieder Hilfe von Anderen benötigen.
Kim konnte es sich nicht vorstellen. Sie verstand, was Stefan sagen wollte. Lieber ein eigenständiges Leben ohne Sport als ein Leben nur im Rollstuhl. Kim hörte mit dem Sport auf. Der Rollstuhl kam weg. Kim konnte sich für den Rest des Tages wieder ohne Rollstuhl bewegen.