Читать книгу Internationale Beziehungen - Anja Jetschke - Страница 21
Flottenrüstungswettlauf in Asien und Europa
ОглавлениеDer Ende des 19. Jahrhunderts begonnene Flottenrüstungswettlauf setzte sich auch nach dem Ende des Ersten WeltkriegErster Weltkriegs fort, trotz der „allgemeinen Abrüstung“, die laut Völkerbund vorgesehen war. Die Ursachen für diesen RüstungswettlaufRüstungswettlauf lagen in den Interaktionen zwischen den globalen Aufsteigernationen Japan, USA und Deutschland auf der einen Seite und Großbritannien auf der anderen Seite. Zwar war Deutschland durch die Versailler Verträge erheblich außenpolitisch eingeschränkt, seine hegemonialen Ambitionen waren aber damit nicht gebrochen.
Der Flottenrüstungswettlauf setzte sich zunächst über Entwicklungen in Asien fort. Das hatte damit dazu tun, dass die Beziehungen der wichtigsten Staaten in dieser Region (Großbritannien, die USA, Japan, Frankreich) durch den Ersten WeltkriegErster Weltkrieg kaum berührt worden waren. Der einzige Effekt des Ersten WeltkriegErster Weltkriegs in dieser Region war, dass laut Versailler VertragVersailler Verträge die deutschen Kolonien Japan übertragen wurden. Somit setzte sich gerade dort der Flottenrüstungswettlauf aus der Vorkriegszeit fort, auch wenn es zum Teil wichtige Vereinbarungen gab, diesen zu beschränken. Über die gemeinsame Präsenz von Großbritannien und Frankreich in Asien bestanden InterdependenzInterdependenzen zwischen den Vereinbarungen zur Flottenstärke in Asien und in Europa. Da die Abrüstungsvereinbarungen in Asien eine Aufrüstung in Europa ermöglichten, scheiterten schließlich die internationalen Abrüstungsverhandlungen.
Zwischen 1914 und 1922 bauten Großbritannien, die USA und Japan massiv ihre Schlachtschiffflotte aus. Frankreich und Italien folgten diesem Trend mit etwas Abstand. Großbritanniens Flotte hatte beispielsweise eine Tonnage von über zwei Millionen. Im Krieg verlor es ein Fünftel (450.000). Zwischen 1914 und 1920 baute es Schlachtschiffe mit einer Gesamttonnage von über einer Million. Die USA besaßen 1914 eine Tonnage von 878.000 und vergrößerten ihre Flotte danach in gleicher Höhe.
Zur Eindämmung des Deutschen Reiches hatte der Versailler VertragVersailler Verträge die deutsche Flotte auf eine Größe von 108.000 Tonnen begrenzt, was etwa ein Zehntel der Tonnage war, über die das Deutsche Reich 1914 verfügte. Im Einklang mit der Charta des Völkerbunds fanden in dessen Rahmen wichtige Abrüstungsverhandlungen in den Kategorien der großen und leichten Schlachtschiffe statt. Die Washingtoner Konferenz von 1921/22 beispielsweise verabschiedete bedeutende Regelungen, wie einen Nichtangriffspakt zwischen den USA, Großbritannien, Japan und Frankreich, der eine Multilateralisierung des existierenden Bündnisses zwischen Großbritannien und Japan darstellte. Auch kam es zu einer Einigung auf Obergrenzen und Paritäten beim Schlachtschiffbau, die die Sorge der USA vor einem japanischen Expansionismus dämpftenAbrüstung bei großen Schlachtschiffen. Und die offizielle Anerkennung des Prinzips der „Offenen Tür“ sicherte China sowohl territoriale Integrität und Souveränität als auch die Verfolgung seiner Wirtschaftsinteressen. Aber die Abrüstungsverhandlungen hatten mehrere Schwächen, die letztlich zur weiteren Aufrüstung führten.
Erstens berücksichtigten die Verhandlungen in erster Linie das Kräfteverhältnis in Ostasien und nicht in Europa. Das lag daran, dass die USA als führende Kraft hinter Abrüstungsgesprächen ein stärkeres Interesse daran hatten, die Flottenrüstung dort zu begrenzen: Als pazifische Macht waren sie in Ostasien eher betroffen als in Europa. Die beiden Hauptziele ihrer Anstrengungen waren Großbritannien und Japan, also ihre beiden Hauptkontrahenten in Ostasien. Die Regelung dort hatte aber notwendigerweise Konsequenzen für die Flottenrüstung in Europa, da Frankreich und Großbritannien sowohl europäische als auch asiatische Mächte waren.
Dieser Umstand wirkte sich insofern negativ auf Europa aus, da die Abrüstungskonferenzen im Endergebnis die Flottenrüstung nicht effektiv beschränkten, sondern sie nur verlagerten, nämlich von der Kategorie der Schlachtschiffe über 10.000 Tonnen hin zur Kategorie der leichten Schlachtschiffe unter 10.000 TonnenAufrüstung bei leichten Schlachtschiffen. Und genau in dieser Gewichtsklasse der Schlachtschiffe ging der Flottenrüstungswettlauf unvermindert weiter. Aber auch die Aufrüstung in der Kategorie der schweren Schlachtschiffe war nicht gestoppt. Treibende Kräfte waren:
Großbritannien, das Abrüstungskonferenzen forcierte, um seinen eigenen Weltmachtstatus abzusichern und andere Staaten daran zu hindern, Parität zu erlangen.
Japan, das in seiner Flottenrüstung einerseits ein Symbol für seinen regionalen Status sah und andererseits für seine pazifische Expansion eine größere Flotte benötigte.
Die Sowjetunion, die eine Kontrolle des Arktischen, Baltischen und des Schwarzen Meers sowie des Pazifiks anstrebte und eine Hochseeflotte als Projektionsmittel betrachtete, um die kommunistische Revolution in die Welt zu tragen. Stalin knüpfte die RüstungskontrolleRüstungskontrolle an die Erwartung technologischer Hilfe durch Großbritannien.
Italien, das sich als aufstrebender Staat an der Flottenstärke Frankreichs maß und mit ihm im Wettbewerb um die Vorherrschaft des Mittelmeerraumes stand.
Frankreich, das einerseits ebenfalls aus Prestigegründen eine Hochseeflotte anstrebte und andererseits die Aufrüstung als Rückversicherung gegen die Wiederaufrüstung des Deutschen Reichs betrachtete. Sie sollte sicherstellen, dass im Kriegsfall mit dem Deutschen Reich notfalls tausende afrikanischer Truppen über das Meer nach Europa hätten verschifft werden können.
Das Deutsche Reich, das durch die Abrüstungsbestimmungen des Versailler VertragVersailler Vertrags gebunden war und dessen Aufrüstung überwacht wurde. Es fühlte sich durch die Sowjetunion bedroht und klagte die Gleichberechtigung mit den anderen Staaten ein.
1936 scheiterte die Abrüstungskonferenz des Völkerbunds.