Читать книгу Eine Vision für Heilungsräume - Cal Pierce - Страница 10
4 Stagnation
ОглавлениеNachdem wir schon etliche Jahre Mitglieder der Bethel-Gemeinde waren, verfiel ich langsam in eine Art geistlichen Stillstand. Mehrere Faktoren trugen dazu bei. Zum einen befand sich der Immobilienmarkt in Kalifornien in einer Krise, und da wir in Bürogebäude investiert hatten, verloren wir schnell unseren finanziellen Rückhalt. Das bereitete uns große Sorgen, und ich musste länger arbeiten, um die Verluste wieder wettzumachen. Die Unsicherheit unserer Zukunft laugte uns emotional aus.
Ein weiterer Faktor war unser Freundeskreis. Wir waren mit einer Gruppe von Leuten aus der Gemeinde befreundet, die Wohnmobile besaßen. Bisweilen nahmen sie uns mit, wenn sie „auf Tour“ gingen. Wir genossen diese Ausflüge sehr und fühlten uns in dieser Gruppe so wohl, dass wir jeden Freitagabend gemeinsam essen und danach ins Kino gingen. Wir freuten uns jedes Mal auf diese Zeiten, die uns sehr viel bedeuteten. Mir persönlich machten diese Wohnmobil-Touren so viel Spaß, dass ich bereits damals Pläne für unseren Ruhestand schmiedete. Ich dachte, wir könnten später einfach unser Geschäft verkaufen, uns ein schönes Wohnmobil anschaffen und es genießen, kreuz und quer durch Amerika zu reisen.
Diese Jahre waren ja nicht mehr allzu weit entfernt. Ich fühlte sie schon kommen und freute mich darauf. Ich war die geschäftlichen Probleme leid und, was das Schlimmste war, ich war auch die Gemeinde leid.
Das war allein schon deshalb schrecklich, weil ich seit 25 Jahren im Vorstand und ein Ältester der Gemeinde war. Heute kann ich sagen, dass ich wohl der gelangweilteste Vorstand war, den diese Gemeinde jemals gehabt hatte. Der Zustand meines geistlichen Lebens war so schlimm geworden, dass es mir egal war, ob wir in die Gemeinde gingen oder nicht. Sonntagmorgens war ich nur noch anwesend, weil es von mir erwartet wurde. Ansonsten wäre ich nicht einmal dann gekommen.
Sonntagabends fragte mich Michelle manchmal: „Glaubst du nicht, wir sollten zur Kirche gehen? Schließlich bist du ja im Vorstand.“ Ich fand aber immer eine gute Ausrede, nicht gehen zu müssen. Ich musste mich auf die Arbeit am Montag vorbereiten und brauchte meine Ruhe – oder was mir auch sonst gerade einfallen mochte. Ich war in eine äußerliche Form des Christseins zurückgefallen, die dessen Kraft leugnete, und ich war nicht im Geringsten daran interessiert, meinen geistlichen Zustand zu verändern – bis Davids Leidenschaft anfing, mein Herz zu verändern.
Die anderen Gemeindemitglieder konnten nicht wissen, wie schlimm es um meine Seele stand. Wie jeder gute Christ trug ich meine Bibel mit mir herum. Ich sagte stets das Richtige und trug auch die richtige Kleidung. In Wirklichkeit aber lebte ich in einer Art Wüste und wartete nur auf eine passende Gelegenheit, alles hinter mir zu lassen.
Bis zu diesem Zeitpunkt tat ich, was man meiner Meinung nach in der Gemeinde von mir erwartete; das war aber auch alles. Ich besuchte jeden Sonntagmorgen den Gottesdienst und war bei den gelegentlichen Vorstandstreffen dabei. Meiner Meinung nach war das schon mehr als genug.
So verlief unser Leben bereits seit viel zu vielen Jahren, und obwohl ich mich durch Davids Leidenschaft für Jesus in meiner Lebensweise überführt fühlte, wusste ich nicht genau, was ich tun sollte.