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FBI Special Agent Dreya Love wachte langsam auf. Mit noch geschlossenen Augen schätze sie ihre Situation ab. Sie war in einem Bett, aber die Laken rochen nach einem anderen Waschmittel, als sie es benutzte.

Nicht zuhause.

Eine mentale Überprüfung ihres Körpers enthüllte eher gut gebrauchte Teile da unten. Sie zerknirschte ihr Gesicht in der Bemühung sich zu erinnern wer … als ihr eine Vision in den Geist kam, eine von Körpern, die sich in den Kämpfen eines sehr athletischen sexuellen Akts verrenkten, die klar ihren Verdacht untermauerten.

Sie öffnete ein Auge. Da sie nichts Unheimliches sah, öffnete sie das andere Auge. Sie erkannte nichts in dem Raum wieder, da die Lichter aus waren als sie und … jemand taumelte hier herein. Ein Männerschuh und eine Unterhose auf dem Fußboden gaben ihr einen Hinweis.

Ein Lebenszeichen kam aus einem anderen Raum. Geräusche, Bewegung, laufendes Wasser. Der Geruch nach Kaffee und … Speck? »Kocht er?«, murmelte sie. »Guter Gott, lass mich hier verschwinden.« Sie rollte sich herum, um nach ihrer Kleidung und einer Uhr zu suchen. »Halb sechs. Wer zum Teufel frühstückt um halb sechs morgens?«

In der Ecke entdeckte sie einen Haufen Kleidung mit einem roten High Heel. »Ah.« Endlich etwas Vertrautes. Sie krabbelte aus dem Bett und schlich sich vornübergebeugt hinüber, um ihre Kleidung aufzuheben. Ihr Kleid zog sie über ihren Kopf. Mit einem High Heel in der Hand ging sie auf die Knie und suchte nach ihrem Schlüpfer. »Hab dich gefunden«, sagte sie, während sie ihn mit ihrer Hand umklammerte.

Während sie ihr Haar aus ihren Augen schob, setzte sie sich in die Hocke. Eine ziemlich eindrucksvolle männliche Gestalt füllte plötzlich ihr Blickfeld. »Oh. Du bist es. Hi.« Sie konnte sich nicht an seinen Namen erinnern. Obwohl er groß, dunkel und umwerfend war, vermutete sie, dass er Pläne für Sonntagmorgen hatte. Essen, mehr Sex, reden …

Entschuldige, dass ich dich enttäuschen muss.

Sie war nicht gut in Umarmungen nach dem Geschlechtsverkehr, noch zog sie Vergnügen aus den dümmlichen Höflichkeiten sich das Essen zu teilen und sich die tiefsten Geheimnisse zu enthüllen. Sie erschauerte bei dem Gedanken.

»Dreya, dein Handy vibriert seit fünf Uhr.« Er gab es ihr herüber. So als ob es auf seine Worte ansprach, summte es wie eine wütende Biene. Sie nahm das Handy, fragte sich, ob der Schöne bewusst ihren Namen nannte, weil er wusste, dass sie sich an seinen nicht erinnerte.

Ihr Handybildschirm zeigte ein Dutzend Anrufe vor der Dämmerung an einem Sonntagmorgen an; ihr Herz hämmerte vor Unruhe. »Das ist nicht gut.« Ihr Handy zuckte einmal mehr in ihren Händen und sie nahm den eingehenden Anruf ihres Chefs, dem stellvertretenden Direktor zuständig für das Büro in DC, an. »Hier ist Love.«

»Dreya, wo sind Sie?«

Sein Gebrauch ihres Vornamens war ein Alarm an für sich. Sie atmete scharf ein. »Nicht zuhause, Sir. Was gibt’s?« Sie schloss ihre Augen zum vertrauten Gebet.

Bitte, lass es nicht

»Ich brauche Sie an einem Tatort.« Sein Umgangston veränderte sich und seine nächsten Worte ließen sie zusammenzucken, da er sie so gut kannte. »Müssen Sie zuerst nach Hause gehen?«

Sie blickte auf den Schlüpfer und den Schuh in ihrer Hand. »Ja, Sir. Was ist passiert?«

Groß, dunkel und umwerfend lehnte an der Türzarge und blickte finster, kein Zweifel ahnte er, dass seine Pläne für den Sonntagmorgen schief gehen. Obwohl sie dankbar dafür war aus diesem einnehmenden Spiel befreit zu werden, hasste sie es, dass ihre Flucht auf Kosten von jemandes Leben geliefert wurde.

»Gehen Sie heim«, befahl Jarvis. »Ziehen Sie sich an. Dann rufen Sie mich an.«

»Sir«, stieß sie aus, aber er hatte aufgelegt.

»Schlechte Neuigkeiten?«, fragte der Schöne.

»Ja.« Sie wich seinem Blick aus; sie wollte nur gehen. »Ich ruf dich an«, sagte sie, während sie ihren anderen Schuh schnappte und hielt lange genug an, um in ihren Schlüpfer zu steigen. Sie schoss an ihm vorbei, nahm ihre Handtasche von der Küchentheke und steuerte auf die Tür zu.

»Ich habe dir meine Nummer nicht gegeben«, rief er aus.

»Ist in Ordnung«, sagte sie über ihre Schulter hinweg, als sie durch die Tür trat. »Ich bin das FBI.«


DC Metro Detective Rhys Morgan lehnte gegen den Kotflügel seines Autos und blickte auf den klebrigen Schlamm herunter, der sich auf seinen feinen Lederschuhen sammelte. Ein Brummen von Aktivität erfüllte das Ufergebiet, wobei einige Polizeiautos, ein Krankenwagen und der Wagen des Gerichtsmediziners alle ihre Lichter aufblitzen ließen. In dieser unchristlichen Stunde erhob sich Nebel vom Fluss und brachte eine Kühle in die Luft.

»Was für eine Bescherung«, meckerte er im Flüsterton. Sein Handy klingelte. »Morgan«, nahm er ab. Die Stimme seines Chefs zu hören vertiefte nur das unglückliche Stirnrunzeln, das sich tief in sein Gesicht grub. »Nein, Chief, die Bundesagenten sind noch nicht hier. Ja, ich halte den Tatort dicht. Natürlich lasse ich es Sie wissen, wenn sie eintreffen.« Er blickte auf und sah ein Paar serienmäßige Fahrzeuge der Bundesbehörde einbiegen. »Oh, prima, Chief«, berichtete er. »Die Kavallerie ist da.«

Ein schwarzer Mann stieg aus dem ersten Auto und wartete auf den Fahrer des zweiten Autos. Rhys lehnte sich herüber, um zu schauen, erwartete, dass ein stinknormaler, aalglatt gekleideter Prototyp eines Bundesagenten auftauchte. Was stattdessen kam, war—

Sein Mund klappte auf. Der Bundesagent war eine Frau und sie war keinesfalls stinknormal. Sie hatte langes honigblondes Haar, grüne Augen und einen stolzierenden Gang, der in High Heels gehörte. Er presste seine Lippen fest zusammen und schloss seine Augen, wollte ihr Bild aus seinem Geist schrubben. »Auf keinen verdammten Fall.«


Dreya bog in den Tatort mit seinem Gewirr aus mehrfach-behördlichen Uniformen, blinkenden Lichtern und meterlangem gelbem Tatortabsperrband ein. Ihre Beklemmung herunterschluckend, traf sie sich mit ihrem Chef, Herb Jarvis. »Director, warum die ganze Geheimhaltung? Profiliert?«

Sie nickte in Richtung des mit einer Abdeckplane bedeckten Bereichs, der die Leiche des Opfers abschirmte. Jarvis vorherige Verschleierung am Telefon über dieses Opfer machte sie nervös. Sie wollte die Abdeckplane zurückreißen und dem entgegenblicken, auf was ihr Chef versuchte sie vorzubereiten.

Sag’s mir einfach. Bring’s hinter dich.

Als er sprach, bereute sie den Gedanken.

»Dreya, es ist Libby.«

Sobald die Worte aus seinem Mund kamen, trat sie zurück. »Nein.« Sie schüttelte verleugnend den Kopf. »Nein, nicht Libby.« Sie drehte sich um und ging auf ihr Auto zu, drehte dem Tatort den Rücken zu. Tränen schossen in ihre Augen und sie blickte nach oben, um sie am Fallen zu hindern. Aber sie fielen, flossen ihr Gesicht herunter bis sie diese von ihrem Kinn wischte.

Reiß dich zusammen.

Sie wischte sich ihr Gesicht an ihrem Ärmel ab und straffte sich mental. Sie stand für einen Moment da, eine Hand auf ihrer Hüfte, sammelte ihre Gedanken, kontrollierte den Zorn, welchen sie jedes Mal verspürte, wenn sie an den Tatort eines Mordes eines Unschuldigen kam. Dass diese Unschuldige eine junge Frau war, die sie kannte, sollte ihre Leistung nicht beeinflussen. Sie atmete tief aus, schob ihre Schuld und Trauer in eine andere Dimension.

Es tut mir leid, dass ich dieses Mal nicht für dich da war, Libby.

Jarvis wartete auf sie. Sie kehrte an seine Seite zurück. »Was können Sie mir sagen?« Sie wappnete sich.

»Es gibt keine äußerliche Gewalteinwirkung. Zuerst werden wir Selbstmord ausschließen.«

Auf keinen Fall das, dachte sie. Libby war so voller Leben. Sie seufzte, zutiefst dankbar, dass sie es nicht mit Libbys verprügelter, niedergestochener oder ausgeweideter Leiche zu tun hatte. Ein schneller Blick auf das große Aufgebot an Uniformen veranlasste sie zu fragen: »Wer hat die Leitung hier?«

»Rhys Morgan, Metro PD. Das ist er, der da am Auto lehnt.«

Sie kniff die Augen zusammen und legte ihren Kopf schief, nahm Detective Morgan unter die Lupe. Ihr erster Gedanke war was für ein gutaussehender Mann—schwarzes Haar, wohlgeformtes Gesicht, groß und schlank. Aber der giftige Blick, den er ihr zuwarf, brachte sie dazu ihre Beurteilung abzuändern. »Er sieht nicht gerade glücklich aus uns zu sehen.«

»Sind sie das jemals?«, sagte Jarvis.

Sie gingen hinüber und Jarvis stellte sie einander vor. Als er ihren Namen sagte, wurde Morgans unglückliches Gesicht sogar noch düsterer. Ein Handschlag wurde nicht angeboten.

Dreya schnaubte.

Meinetwegen, Mann. Vielleicht ist er einfach kein Morgenmensch.

Sie starrte auf Libbys bedeckten Körper. Morgan nahm seinen Notizblock heraus, las. »Weiße Frau, Mitte Zwanzig, sie ist die Tochter von—«

Sein emotionsloser Tonfall ärgerte sie. Obwohl sie von ihm nicht erwartete, dass er ihre Trauer über dieses verlorene Leben empfand, war sein Verhalten trotzdem ärgerlich. Sie schnitt ihm das Wort ab. »Sie ist die Tochter von Senator Stanton. Ich kenne das Opfer, Detective Morgan.«

Sie ging davon, ließ ihn mit Jarvis zurück, während sie an die Abdeckplane heranging. Mord und Chaos waren alte Freunde von ihr und sie hatte mehr Leichname gesehen, als sie zählen wollte. Aber selten, Gott sei Dank, fand sie jemanden unter der Abdeckplane, den sie gern hatte.

Außer heute.

Sie zog Handschuhe an, setzte sich in die Hocke und zog die Plane zurück. Beim Anblick von Libbys Gesicht keuchte sie und schloss ihre Augen.

Sie hatte keinen leichten Tod.

Während Libbys Körper die Effekte einer längerfristigen Versenkung erspart geblieben sind, war ihr Gesicht in einer Unerbittlichkeit aus Schmerz und Schrecken erstarrt. »Liebe Libby, was hast du getan?« Sie zog die Bedeckung komplett zurück, um ihren Körper zu enthüllen, schaute nicht nur auf das, was da war, sondern schätzte ab, was fehlte. Nachdem sie langsam herumgegangen war, hielt sie an, legte einen Arm hoch, während ihr Finger auf ihr Kinn klopfte.

Es gab keine nach etwas schreienden Überraschungen auf Libbys Körper. Das Kleid, das Make-up, ihr einer Schuh. Sie machte eine geistige Notiz von dem fehlenden Schuh. Auf der anderen Seite der Leiche ging sie in die Hocke, um einen näheren Blick auf sie zu bekommen. Als sie etwas Glänzendes sah, griff sie zwischen Libbys Brüste, wo das Kleid tief fiel. »Was zum Teufel?« Was ihr ins Auge gestochen war, schien eine Feder zu sein, eine winzig kleine Feder. Sie beabsichtigte sie vom Körper zu heben, aber sie war fest.

»Was«, grummelte sie. Ein schneller Blick um sie herum zeigte ihr, dass es niemanden interessierte, was sie tat. Detective Mürrisches-Gesicht hatte ihr den Rücken zugewandt und sprach lebhaft mit einem aus dem Gerichtsmediziner-Team. Jarvis klebte an seinem Handy, starrte himmelwärts, einen Finger in sein freies Ohr gepresst.

Sie zog leicht an der Feder, sie war definitiv angeheftet. Ein schneller Zug und sie löste sich mit einem klitzekleinen ›plop‹. Sie grub eine Asservatentüte heraus, ließ die Feder hineinfallen und ließ den Beutel in ihre Tasche gleiten.

»Was ist hier sonst noch verkehrt?«, murmelte sie. Sie blickte prüfend auf die Haut von Libbys Arm und kniff die Augen zusammen, nicht sicher was sie sah. Die Haut war … verschattet.

Sie legte die Plane zurück, bedeckte Libbys verzerrtes Gesicht, den gekrümmten Körper, die leeren Augen. »Mach dir keine Sorgen, Süße«, sagte sie, während sie aufstand. »Jemand wird todsicher dafür bezahlen.«

Jarvis gab ihr ein Zeichen sich zu ihm zu gesellen. Als sie ankam, beendete er sein Telefongespräch, während er heftig mit dem Kopf nickte. »Ja, Sir, Senator Stanton. Ich verstehe. Ich sage es ihr.« Er tat das Handy in seine Tasche.

»Was?«

»Der Senator möchte Sie dabei haben.«

Sie zuckte mit den Schultern. »Ich habe das erwartet. Ich würde es nicht anders wollen.«

»Er möchte, dass Sie mit Morgan arbeiten. Er kennt den Detective von einem früheren Fall und er will, dass er ein Teil der Ermittlungen ist.« Jarvis zog sie zur Seite. »Der Senator bekommt, was er will. Er will Sie, weil er Sie kennt und er kennt Ihren … Grad an Integrität.« Er blickte sie eindringlich an. »Er weiß auch, dass Sie ohne Partner arbeiten.«

Sie seufzte, wusste, dass eine nicht gerade dezente Rüge kommen würde, und starrte über Jarvis’ Schulter auf Detective Morgan, der mit dem Gerichtsmediziner sprach. Jarvis’ Stimme dröhnte weiter.

»Jeder in der Dienststelle lobt Sie dafür, dass Sie Ihren Partner wegen Korruption angezeigt haben, aber Sie können nicht weiterhin alleine arbeiten.«

Sie antworte, roboterhaft. »Nicht meine Schuld, dass niemand mit mir arbeiten möchte.«

Er zog sie näher heran und zischte in ihr Ohr. »Sie haben eine Grenze überschritten, als sie diese Aufnahme an die Ehefrau Ihres Partners gegeben haben, und das wissen Sie verdammt genau.«

»Was ich verdammt genau weiß«, zischte sie zurück, »ist, dass seine Frau verstehen musste, mit was sie verheiratet war.« Sie zog sich zurück und taxierte ihn, streckte ihr Kinn herausfordernd vor. »Ich würde es wieder tun.«

Er ignorierte ihre Herausforderung. »Wegen Libbys Identität ist dieser Fall für die Bundesbehörde, also haben Sie die Leitung. Aber Sie müssen wissen, dass dies ihr letzter Fall ohne Partner ist—Sie müssen sich auf diese Eventualität vorbereiten.« Er ruckte mit seinem Kopf in Richtung Morgan. »Arbeiten Sie mit dem Detective, weil es Stanton verlangt. Und arbeiten Sie mit ihm, weil Sie Ihre soziale Kompetenz auffrischen müssen.«

Sie schnaubte vor Entrüstung auf, aber bewahrte Stillschweigen, ließ Jarvis weiterplappern. Hinter ihm unterhielten Detective Morgans Mätzchen den Gerichtsmediziner.

»Hören Sie mir zu?«

In den Moment zurückspringend, sah sie Jarvis’ Mund in einer flachen, grimmigen Linie, ein sicheres Zeichen, dass sie etwas verpasst hatte. »Ja, Sir. Natürlich. Sie haben gesagt?«

»Ich habe gesagt, dass dies ihr letzter Fall ist, in dem sie alleine arbeiten; ich kann Sie nicht länger abtrünnig werden lassen. Nach alldem machen Sie den nächsten Test und kommen weiter, oder ich stelle Sie mit einem Partner auf der Rückseite der Hölle ab. Verstanden?«

Sie blinzelte, wunderte sich, was Jarvis’ Vorstellung von der Rückseite der Hölle erfüllte. Sie wollte es nicht wissen. »Ja, Sir.«

»Halten Sie mich auf dem Laufenden und gehen Sie und arbeiten mit Ihrem neuen Partner.« Er stakste zu seinem Auto und fuhr davon.

»Puh«, atmete sie mit einem Pfeifen aus. Während sie Morgan und den Gerichtsmediziner beäugte, ging sie heran, ihre Lippen in Erwartung von Morgans Einstellung fest zusammengepresst. Was auch immer sein Problem war, er fand sich besser schnell damit ab.

Der Gerichtsmediziner sah sie und nickte Morgan zu, der sich umdrehte und sie beobachtete, wie sie auf sie zukam; das Lächeln und die Lebhaftigkeit wich mit jedem Schritt aus seinem Gesicht. Als sie ihn erreichte, waren seine Augen hart, seine Lippen eine starre Linie der Missbilligung und seine Hände in seine Taschen geschoben.

Sie ignorierte ihn. Sie zog ihren Notizblock heraus und sprach zu dem Gerichtsmediziner. »Todeszeitpunkt?«

»Der Todeszeitpunkt, die Länge der Versenkung und die Wassertemperatur berücksichtigend—«

»Ja, ja«, sagte sie, drehte ihren Finger im Kreis, um ihn zu beschleunigen.

»Ungefähr 1 Uhr nachts, vielleicht etwas früher. Mit der Vorstellung von Suizid—«

»Libby Stanton hat keinen Selbstmord begangen.« Der Gerichtsmediziner schoss ihr einen kurzen Blick zu. »Ich kenne sie«, protestierte sie. »Das ist kein Selbstmord.«

»Dann, ohne eindeutige tödliche Wunden, wird sich die Todesursache im toxikologischen Bericht finden. Ich werde mehr wissen, wenn ich sie geöffnet habe, aber ich wette die Antworten sind in der Toxikologie. Sie erzählt immer die Geschichte.«

Sie dachte an die winzige Feder, die sie von Libbys Brust gezupft hatte.

Das wird eine Wahnsinnsgeschichte.

Während dieser Unterhaltung behielt sie Morgan in ihrem peripheren Sichtfeld. Er trat zurück und lehnte gegen den Wagen, Knöchel überkreuzt, Hände noch immer in seine Taschen gestopft, Kinn oben … sah sie auf höchst herablassende Weise von oben herab an.

Er wird herumalbern und mir auf den Sack gehen.

Sie konzentrierte sich darauf professionell zu bleiben und richtete ihre nächste Frage an Morgan. »Gibt es irgendwelche Zeugen? Wissen wir wann und wo sie in das Wasser hineingekommen ist? Wurde eine Tasche gefunden? Handy?«

Er stellte seine Füße wieder nebeneinander und drückte sich vom Kotflügel ab, senkte sein Kinn, um ihr zu antworten. »Nein. Nein und nein. Nein. Nein.«

Sie schloss ihre Augen und zählte bis zehn.

In der folgenden Stille räusperte sich der Gerichtsmediziner. »Ähem. Äh, wenn Sie mich entschuldigen, ich werde dort drüben gebraucht.«

Als sie bei zehn ankam, öffnete sie ihre Augen und sah, wie der Gerichtsmediziner einen hastigen Rückzug anschlug, um die Verladung von Libbys Körper zu überwachen. Sie wandte sich an Detective Morgan. »Sie sind sich im Klaren, dass der Senator mir befohlen hat mit Ihnen in diesem Fall zusammenarbeiten? Sie sind sich auch im Klaren, dass ich die Leitung habe?« Sie machte eine Pause, zwang ihn sie anzuerkennen. Sie hob eine Augenbraue.

»Ja. Und ja.«

Im Laufe ihrer beiden Fragen verschwand die Hitze aus seinem Blick und seine gleichgültige Haltung verwandelte sich zu eisiger Abwehr. Großartig, dachte sie. Wie soll ich denn Libbys Mörder finden, wenn mir dieser Schwachkopf am Hals hängt?

»Stanton wartet in seinem Zuhause in Kalorama auf uns«, sagte sie. »Ich sehe Sie dort.« Sie drehte sich auf dem Absatz um und ging so ruhig sie konnte davon, um mit dem Gerichtsmediziner zu sprechen. Hinter ihr hörte sie Morgans Schritte im Kies am Straßenrand knirschen, dann das Anlaufen eines Autos, das mit quietschenden Reifen auf den Highway fuhr.

»Verdammt«, atmete sie aus. Ihre Hände zitterten und ihr Herz schlug gegen ihre Rippen. Als er ihre Fragen beantwortet hatte, war Jarvis’ Drohung von der Rückseite der Hölle das einzige, das sie davon abhielt Detective Morgan kurzerhand k.o. zu schlagen und sein abfälliges Verhalten geradewegs von der Karte zu fegen. Sie sog einen tiefen Atemzug ein und ging zum Krankenwagen. »Sagen Sie mir«, fragte sie den Gerichtsmediziner. »Haben Sie irgendetwas Merkwürdiges an dem Leichnam bemerkt, als Sie ihn zum ersten Mal gesehen haben?«

Er spitzte den Mund. »Sie haben eine Menge Leichen gesehen, richtig?«

Sie nickte, wartete darauf, dass er ihre Beobachtungen bestätigte.

»Ich dachte ihre Hautfarbe sah … nicht—«

»So aus, wie Sie erwartet haben?«, fügte sie hinzu.

»Jaah. Eigentlich wie nichts, dass ich zuvor schon einmal gesehen habe.«

»Wie das?«

»Ihre Haut hat eine eigenartige Verfärbung, über die ich nicht spekulieren kann. Ich werde mir das genau anschauen.«

Sie nickte. Libbys Haut sah verschattet aus, als ob sie mit Asche eingerieben worden war. Das Mädchen hatte immer eine so reine Haut gehabt, die Sonne vermieden. Was könnte ihren gesamten Körper wie einen Schatten anmalen? War diese Information mit der Feder verknüpft? »Danke.« Sie drehte sich, um zu gehen, als er sie aufhielt.

»Sie wissen es nicht, oder?«, fragte er.

»Über?«

»Rhys, Detective Morgan.«

Sie kümmerte sich nicht um Detective Morgans Probleme. Widerstrebend zuckte sie mit den Schultern. »Nein, klären Sie mich auf.«

»Sie tragen eine auffallende Ähnlichkeit zu seiner Frau.«

»Oh«, antwortete sie emotionslos. »Und? Ist sie auf tragische Weise gestorben?« Sie ließ ihren Finger nahe ihrem Kopf kreisen. »Gibt er sich deswegen nicht gut mit anderen?«

»Nein. Er hat sie erwischt, wie sie mit seinem Partner geschlafen hat.«

Sie schnaubte. »Wenn das nicht genau das ist, was ich brauche.«


Gideon Smith klopfte vorsichtig seine neueste chemische Kreation in kleine Plastiktüten. Er bemaß sie sorgfältig auf ein halbes Gramm. »Na also«, sagte er, während er den letzten verschloss. »Wir haben den neuesten Edelrausch, der der modernen Chemie bekannt ist, danke, Dr. Lazar.« Er ließ die Sammlung an Beuteln in eine weitere Plastiktüte fallen und verschloss sie.

Vom Bewerben im Dark Web hatte ein Kunde einen Auftrag platziert, nachdem er die chemische Formel seiner Droge bereitgestellt hatte. Eine Probe war zum Testen geliefert worden und eine gutgläubige Geldgabe wurde gemacht. Morgen würde er das Produkt verschicken und den vollständigen Kaufpreis als eine Einzahlung auf ein ausländisches Bankkonto erhalten. Es waren nur fünftausend Dollar, aber es war ein guter Anfang in seiner Luxusdrogenkarriere.

Er gluckste, wusste, dass der selbstgefällige Dr. Anthony Lazar ausrasten würde, wenn er wüsste, dass eine Probe seiner kostbaren Nobility-Droge dem Labor auf Draco Station entschlüpft war. Die Raumstation wurde streng geheim gehalten, so dass Milliardär Aaron Monk und seine genossenschaftlichen Komplizen damit weitermachen konnten in ihren obszönen Profiten zu stochern, während sie Vulkillium von der Oberfläche auf Draco Prime sammelten.

»Draco Prime. Was für ein Höllenloch.«

Die ›Draco Dämonen‹, von Lazar in seinen genetischen Experimenten geschaffen, um auf Draco Primes Oberfläche zu arbeiten, waren das Rückgrat von Pantheons hoch lukrativer Draco Station. Wandler zu erschaffen, um die Oberfläche zu bearbeiten, war legal; ihnen zu erlauben auf die Erde zurückzukehren war es nicht. So lange die brisante Operation und Draco Station streng geheim verblieben, würde die Wildwest-Produktion der Station für die Reichen und Reicheren, indem man die Armen und Ärmeren nutzte, ohne moralische Beaufsichtigung weitergehen.

»Es geht nur um Geld und Macht.«

Nicht in der Lage den Horror der letzten Nacht zu vergessen, als er Libby tot auf dem Fußboden gefunden hatte, hielt er inne und erschauerte, dankbar, dass sie zuerst die Kugel berührt hatte—andernfalls hätte es er sein können, der tot auf dem Boden lag. Dennoch, ihr Tod hatte ihm einen geschärften Sinn für Benimmregeln gebracht. Er konnte sich nicht noch mehr Morde leisten; er hatte Glück, dass er mit zwei davongekommen war.

Er verpackte die doppelt gesicherten Tüten in einem weiteren Beutel und wiederholte den Prozess, stellte sicher, dass es keine DNS oder Fingerabdrücke auf den Verpackungen gab. Der ging in einen schweren, schlichten, braunen Umschlag mit einem vorgedruckten Adressetikett. Sobald das Etikett gescannt wurde, würde er die Hälfte seines Geldes erhalten, die andere Hälfte wenn das Paket abgeholt und geöffnet wurde.

Pillepalle, dank Dr. Lazar.

Seine erste Modedroge war eine Kombination aus Cathinonen für die Euphorie mit einem Kniff am Ende, indem er die Nobility Basis benutzte, die Lazar geschaffen hatte. Er hatte immer gedacht, dass Lazar verrückt war mit menschlicher DNS herumzutüfteln, aber der alte Mann war ein Chemie-Genie.

»Von Draco Station in den Party-Kreislauf, macht euch bereit für einen überirdischen Rausch.«

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