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Das kommt vom Alkohol!
ОглавлениеDas Christentum hat den Wein gewürdigt, bei der heiligen Handlung des Abendmahls eine zentrale Rolle zu spielen. Die Rücksichtnahme auf Alkoholiker machte den Ersatz durch Traubensaft notwendig. Manch geistlicher Würdenträger hat allerdings seine ganz eigene Art, mit dem Wein und verwandten Getränken umzugehen. Schon Kinder und Jugendliche wissen manchmal nur zu gut von dem heimlichen Laster des Pfarrers – natürlich, weil die Eltern sich darüber amüsieren. Es lässt sich offenbar auf die Dauer nicht verbergen. Der folgende Witz hätte auch bei den Wundergeschichten einen Platz finden können; aber hier geht es nicht um das Wunder, sondern um den Pfarrer:
Ein Pfarrer will den Kindern im Konfirmandenunterricht erklären, was ein Wunder ist. Er fragt: „Was würdet ihr sagen, wenn mitten in der Nacht die Sonne scheinen würde?“ Ein Schüler meldet sich und sagt: „Dass das nicht die Sonne ist, sondern der Mond.“ – „Nein, stellt euch vor, jemand erzählt euch allen Ernstes, dass mitten in der Nacht plötzlich die Sonne scheint!“ Antwort: „Dass er lügt.“ Der Pfarrer versucht es noch einmal: „Und wenn ich es selbst bin, der euch das erzählt?“ Antwort von Fritz, dem Sohn des Dorfkneipenwirtes: „Dass Sie schon wieder zu tief ins Glas geschaut haben, Herr Pfarrer!“
Wie hoch die Rate des Alkoholismus unter Pfarrern ist, wissen vielleicht die Psychotherapeuten und die Sanatorien, früher nannte man sie „Trinkerheilanstalten“. Auf der anderen Seite gibt es viele Geistliche, die den Alkoholismus tapfer bekämpfen, weil sie die verheerenden Folgen kennen.
Der einzige Friseur des Ortes ist dafür bekannt, dass er ein allzu guter Freund der geistigen Getränke ist. Trotzdem lässt sich der Pfarrer des Ortes bei ihm rasieren. Vielleicht, so denkt der Pfarrer, kann er im Gespräch auf den Friseur einwirken, dass dieser seinen Drang zum Alkohol etwas mäßigt. Da plötzlich schneidet der Meister des Rasiermessers den Kunden in die Haut, so dass dieser etwas blutet. Der Pfarrer sieht seine Stunde gekommen und setzt zu seiner Strafrede an: „Sehen Sie jetzt, was der Alkohol anrichtet? Nur der Alkohol ist schuld daran!“ – „Gewiss“, versetzt der Friseur, „da haben Sie Recht, Herr Pfarrer. Davon wird die Haut so mürbe.“
Manchmal geht eben der Schuss nach hinten los. Das musste auch der Pfarrer erfahren, der einen Bauarbeiter vom Alkohol befreien wollte. Dass es ein katholischer Pfarrer war, spielt, wie wir sehen werden, dabei eine gewisse Rolle.
Der Pfarrer sieht einen Bauarbeiter, wie er auf einem Bauplatz am helllichten Vormittag eine Flasche Bier an den Mund setzt. Er weiß schon länger, dass der Bursche milde ausgedrückt alkoholgefährdet ist, und immer wieder versucht er, ihn davon abzubringen. Auch diesmal sieht der Pfarrer seine Chance gekommen. Er geht an den Bauzaun und ruft dem Bauarbeiter zu: „Na, Hans, schon wieder Durst?“ Der Angeredete kommt zum Bauzaun und sagt: „Nee, nee, Herr Pfarrer, so weit lass ich es erst gar nicht kommen. Herr Pfarrer, aber sagen Sie mal, warum fragen Sie mich immer solche Sachen? Immer nur Alkohol, immer wenn Sie mich sehen, reden Sie über den Alkohol. Warum?“ Der Pfarrer: „Weil du Probleme mit dem Alkohol hast.“ – „Was, ich? Probleme mit dem Alkohol? Niemals! Nur ohne.“ Der Pfarrer jauchzt innerlich; endlich kommt es zum entscheidenden Gespräch mit dem gefährdeten Bruder. „Ja, Hans, da kannst du mal sehen. Ohne den Alkohol bekommst du Probleme. Weil du zu viel trinkst. Der Alkohol ist dein größter Feind.“ Hans nimmt noch einen tiefen Schluck aus seiner Flasche und sagt: „Ja, Herr Pfarrer, das kann schon sein. Aber steht nicht in der Bibel, man soll seine Feinde lieben?“ – Jetzt schluckt der Pfarrer, aber er fängt sich. „Ja, richtig“, entgegnet er, „das steht da: Liebt eure Feinde! (Matthäus 5,44). Es steht aber nicht da, dass ihr sie verschlucken sollt!“ Nun schluckt wieder Hans, diesmal aber trocken. „Ich habe da noch eine Frage, Herr Pfarrer. Woher kommt eigentlich Arthritis?“ Da sieht der Pfarrer endgültig seine Stunde gekommen, und er triumphiert: „Das will ich dir sagen, Hans. Arthritis kommt vom Rauchen und vom Saufen; jawohl, vor allem vom Alkohol.“ Wieder etwas ruhiger geworden, setzt er hinzu: „Warum fragst du?“ Hans grinst: „Weil ich soeben in der Zeitung gelesen habe, dass der Papst Arthritis hat.“